Proschat Madani über ihr Buch »Suche Heimat, biete Verwirrung«

Proschat Madani über ihr Buch »Suche Heimat, biete Verwirrung«

»Über das Fremdsein und Anpassen«

Worüber schreiben Sie in Ihrem Buch?
Proschat Madani: Über das Fremdsein und Anpassen. Angefangen bei mir als Ausländerin bis hin zu – jedem. Denn wenn man das Wort Fremdsein durch Anderssein ersetzt, stellt man fest, dass sich dieses Thema ständig durch unser Leben zieht, in vielen Variationen, und letztendlich uns alle betrifft. Nicht nur Inländer und Ausländer sind sich fremd, Eltern und ihre Kinder sind es oft, Männer und Frauen, Alte und Junge, ... Aber die Hauptfrage, um die mein Buch kreist, ist: Wie sehr habe ich mich mir selbst entfremdet, um den Erwartungen anderer zu entsprechen? So betrachtet ist auch „Heimat“ mehr als nur der Ort, in dem man geboren und aufgewachsen ist, als die gemeinsame Kultur und die Zugehörigkeit zu einer Gruppe von Menschen: Für mich ist sie vielmehr ein Zustand, in dem ich mich verbunden fühle, mit mir und den anderen.

Was hat Sie dazu bewogen, ein Buch über Ihre Suche nach einer „Heimat“ und Ihre eigenen Erfahrungen zu schreiben?
Proschat Madani: Die Erfahrung, dass es anderen ähnlich geht wie mir. Wie viele Menschen unterdrücken sich selbst und versuchen, einem Bild zu entsprechen, das vermeintlich besser ist als sie selbst oder einfach nur „passender“? Die einen mehr, die anderen weniger, am Ende aber fast alle. Und so kommunizieren wir von Bild zu Bild, selten wirklich von Mensch zu Mensch. Dabei habe ich die interessantesten und berührendsten Begegnungen mit Menschen gehabt, wenn die Fassade gefallen ist, sowohl meine, als auch die meines Gegenübers. Dieses Buch ist eine Einladung, mir zu begegnen. Vielleicht stellt dann der eine oder andere fest, dass wir uns ähnlicher sind, als man auf den ersten Blick ahnen würde.

Welches Kapitel ist Ihr Lieblingskapitel und wieso?
Proschat Madani: Schwer zu sagen. Jedes Kapitel hat je nach der Geschichte, die ich darin erzähle, seinen eigenen Ton, manches ist lustiger, anderes wiederum emotionaler, einiges auch traurig und manches auch sachlich. Eine Mischung aus vielem, so wie ich eben auch. Aber wenn ich mich entscheiden müsste, dann wahrscheinlich die selbstironischen, humorvollen Passagen.

War es für Sie schwer, sich zu öffnen – einerseits während des Schreibprozesses die Vergangenheit noch einmal für sich Revue passieren zu lassen, andererseits sich so persönlich gegenüber der Öffentlichkeit, den Lesern und Fans, zu offenbaren?
Proschat Madani: In die Vergangenheit einzutauchen, war sehr emotional und – kathartisch. Was die persönliche Offenbarung anbelangt – die habe ich während des Schreibens schlichtweg verdrängt. Sonst hätte ich mich automatisch zensuriert und das wollte ich nicht. Jetzt da das Buch raus ist, frage ich mich schon manchmal „Habe ich da nicht zu viel von mir preisgegeben?“. Aber letztendlich schreibe ich doch nur über Erlebnisse, Gedanken und Gefühle, die zutiefst menschlich sind. Wir reden im Alltag nur selten darüber, weil wir befürchten, dadurch schwach zu wirken. Ich denke, das Gegenteil ist der Fall. Je mehr wir zu dem stehen, wie wir tatsächlich sind, mit all unseren Farben, dazu gehören eben auch unsere Ängste und Verletzlichkeiten, desto mehr beweisen wir unsere Stärke.

Wen möchten Sie ansprechen? Gibt es eine Botschaft, die jeder Leser Ihres Buches mitnehmen sollte?
Proschat Madani: Botschaft klingt immer so belehrend ... ich würde lieber sagen, ich teile in diesem Buch meine Erfahrungen mit dem Leser. Ich selbst ziehe aus ihnen folgende Erkenntnis: In erster Linie gilt es, Frieden mit mir selbst zu schließen, dann schließe ich ihn auch viel leichter mit den anderen. Das geschieht nicht von heute auf morgen, es ist ein Weg. Auf dem befinde ich mich – und er fühlt sich gut an. Vielleicht für den einen oder anderen unter meinen Lesern auch.

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