Briefe an Obama

Das Porträt einer Nation

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Zeitgeschichte in Briefen

Was tut ein US-Präsident, wenn er wissen will, wie es um sein Land steht? Er liest. Während seiner Amtszeit gingen täglich Zehntausende Briefe im Oval Office ein. Jeden Abend las Barack Obama zehn ausgewählte Schreiben, einige beantwortete er persönlich. Zu Wort kommen Obama-Anhänger ebenso wie politische Gegner, vom Schulkind bis zum Kriegsveteranen. Was sie bewegt: die Folgen der Finanzkrise, die geplante Gesundheitsreform, soziale Gerechtigkeit, Bildungschancen und Start-up-Ideen, das Schicksal der Soldaten im Auslandseinsatz oder schlicht Schulaufgaben. »Briefe an Obama« spiegelt die Lage der Nation in einer Zeit großen Wandels.

»Ein verrückter, pathetischer Briefroman der Hoffnung.«

DER SPIEGEL (23. März 2019)

DEUTSCHE ERSTAUSGABE
Aus dem Amerikanischen von Nathalie Lemmens, Thorsten Schmidt
Originaltitel: TO OBAMA: The Story of a Presidency Through the Eyes of Ordinary Citizens
Originalverlag: Random House US
Hardcover mit Schutzumschlag, 544 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-442-31516-1
Erschienen am  25. März 2019
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Spannendes Stück Zeitgeschichte in ungewöhnlicher Form

Von: Lesendes Federvieh

04.06.2019

Während der Amtszeit von Barack Obama gingen täglich Zehntausende Briefe in der Korrespondenzabteilung, wo ein eigens darauf spezialisiertes Team die Briefe thematisch sortierte, Antwortschreiben aufsetzte und besonders berührende Briefe auswählte, die für die 10LADs infrage kommen. Dabei handelt es sich um die Mappe der zehn für den Präsidenten ausgewählten repräsentativen Schreiben, denn Barack Obama bestand darauf täglich zehn Briefe zu lesen, um zu wissen, was die Menschen in dem Land berührt, für das er verantwortlich ist. Zu Wort kommen Obama-Anhänger wie auch politische Gegner, Menschen, die in dem ersten farbigen Präsidenten ein großes Vorbild sehen, Kriegsveteranen, aber auch Schulkinder, die ihm ihre Hausaufgaben zur Korrektur schicken. Themen wie soziale Gerechtigkeit und Folgen der Finanzkrisen finden sich unter den Briefen genauso wie neue Start-Up-Ideen und tragische Geschichten über die Folgen des Terrorismus. Michelle Obamas Biografie "Becoming" hat mich in ihrer Aufrichtigkeit, Menschlichkeit und ihrem fortwährenden Glauben das Richtige zu tun, derart beeindruckt, dass ich mich zunehmend mehr für die Familie Obama interessiere, die auch über ihre Amtszeit hinaus eine große Anzahl an Menschen über die Landesgrenzen hinaus inspirieren. "Briefe an Obama" behandelt nun den Aspekt, der mich schon in Michelles Biografie sehr neugierig gemacht hat: Die Briefe, die Barack Obama während seiner Amtszeit jeden Abend gelesen hat, um den Stimmen des Volkes Beachtung zu schenken. Dieses Buch enthält eine nach Jahren und Zeiträumen gestaffelte Briefauswahl, die auf eindrückliche Art und Weise die Lage einer Nation im Wandel widerspiegelt, denn die Briefe sind vielfältig wie die Bevölkerung Amerikas. Es finden sich wortgewaltige, berührende, wütende, Poesie versprühende, witzige, intelligente, ängstliche, mutige, dankbare und erschütternde Briefe, die in ihrer inhaltlichen wie sprachlichen Diversität eins gemeinsam haben: Hinter jedem Brief steht ein Mensch, der von etwas schreibt, das ihn bewegt, das ihm wichtig ist und das er für wichtig erachtet es seinen Präsidenten wissen zu lassen. Indem Barack Obama sich täglich Zeit für zehn ausgewählte Briefe nimmt, verschafft er den Stimmen seiner Bevölkerung Gehör und mehr als einmal gaben diese einen emotionalen Anstoß für politische Entscheidungen, was eindrücklich zeigt, dass auch ein einzelner Mensch inmitten von Millionen etwas bewirken kann wenn er seine Stimme erhebt und für seine Werte, Hoffnungen und Träume einsteht. "Die Stimmen der Briefschreiber bildeten einen nie verstummenden Hintergrundchor, wie Popsongs, die man einfach nicht aus dem Kopf bekam. Melodien, die eine Kultur definierten." (S. 317) Zwischendurch sind die Briefauswahlen gespickt mit interessanten Hintergründen, wie etwa zur Entstehung des Briefsystems, den Mitarbeitern in der Korrespondenzabteilung und der geheimen Superkraft, die das "Team Kleine Leute" innehatte oder gar persönlichen Gesprächen mit Briefschreibern, sodass man eine kleine willkommene Verschnaufpause von den teils sehr intensiven Geschichten bekommt und zugleich einen Einblick in den Obama-Mythos bekommt. In der eigens für die Briefe eingerichteten Korrespondenzabteilung waren 50 fest angestellte, 36 Praktikanten und 300 in wechselnden Schichten arbeitende Freiwillige dafür zuständig die Flut von täglich etwa 10.000 eintreffenden Briefen zu bewältigen, sodass jeder Praktikant mindestens 300 Schreiben am Tag lesen und diese thematisch codieren musste, um die Antworten entsprechend anzupassen. Die Mitarbeiter verstehen sich dabei selbst als Anwälte der Briefschreiber, deren Aufgabe es ist, dafür zu sorgen, dass die Worte ihrer Mandanten, ihre Ängste und Beweggründe wahrgenommen werden und Beachtung finden, auch wenn sie es nicht in die Auswahl der 10LADs für den Präsidenten schafften. "Dieser Stapel, jener Stapel, noch ein Stapel da hinten, ziehen Sie sich etwas aus der Mitte raus, wenn Sie wollen. Der Ton war salopp und dringlich, ganz Amerika redete durcheinander. Ungefiltert. Die Handschrift, die Tinte, die Wahl des Briefkopfs - jeder Brief war ein realer Gegenstand von einem realen Menschen, und jetzt, wo man ihn in den Händen hielt, war man dafür verantwortlich." (S. 92) Illegale Einwanderer, die sich jahrelang mit wechselnden Wohnorten und Jobs durchgeschlagen haben, fürchten die Abschiebung, trauernde Familienmitglieder drängen auf besserer Unterstützung beispielsweise im Gesundheitssystem, in der militärischen Suizidprävention oder in der Handhabung mit Waffenverkauf, um anderen Familien das gleiche Leid zu ersparen und zahlreiche Mitglieder der LGBTQ-Community danken Obama für seinen selbstlosen Einsatz zur gleichgeschlechtlichen Ehe. Doch auch Kritiker kommen zu Wort, bemängeln Obamas Durchsetzungskraft, seine Positionierung zur Waffengewalt, echauffieren sich in Hasstiraden über ungerechte Bonizahlungen an Höchstverdiener oder seine offene Einstellung Minderheiten gegenüber. Manchmal hätte ich mir jedoch gewünscht, dass man thematisch mehr auf den Inhalt der einzelnen Briefe eingeht, was durch die Gespräche mit den Briefschreibern nur ansatzweise anklang. Obwohl der Patriotismus in diesem Ausmaße uns in Deutschland fremd vorkommen mag, beginnt man mit jedem Brief mehr das starke Nationalitätsgefühl der Amerikaner und ihren Glauben an ihren Präsidenten zu verstehen, die im Wahlkampf für einen vollkommen fremden Menschen Klinkenputzen gehen, weil sie an diese Person und deren Vision glauben, was ich absurd wie beeindruckend zugleich finde. Barack Obama ist eine großartige Persönlichkeit und kämpfte mit unerschüttlichem Einsatz dafür Amerika in vielerlei Hinsicht offener zu gestalten, die Meinungen anderer zu respektieren und für ein breiteres Verständnis füreinander zu sorgen. Umso schmerzhafter war es die letzten Kapitel des Buches zu lesen, die sich unaufhaltsam dem Wahlsieg Donald Trumps nähern und aufzeigen, welchen Verlust Amerika mit dieser Wahlentscheidung tatsächlich erleidet. Auch heute erreichen den ehemaligen Präsidenten noch 5.000 Briefe wöchentlich, denn genau seine natürliche Liebenswürdigkeit und Nahbarkeit, machen ihn zu der Vertrauensperson, an die sich die Menschen Amerikas immer noch in ihren dunkelsten Stunden mit ihren Sorgen und Hilferufen wenden, weil sie wissen, dass sie von ihm gehört werden und ihre Meinungen wichtig sind. "Briefe an Obama" ist ein eindringliches, bewegendes und aufrüttelndes Portrait einer Nation in der Zeit großen Wandels, das die lauten und leisen Stimmen der Bevölkerung ungefiltert widergibt und so einen Einblick in die tatsächlichen Errungenschaften der Präsidentschaft Barack Obamas gibt. Es ist ein gelungener Versuch Obama und seine täglichen zehn Briefe zu entmystifizieren, wobei man einen tiefen Einblick in die Maschinerie der Korrespondenzabteilung, den Menschen dahinter und ein wichtiges Stück Zeitgeschichte bekommt.

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Klare Leseempfehlung

Von: Katja E.

24.04.2019

Die Autorin Jeanne Marie Laskas hat mich mit ihrem Buch komplett überrascht, begeistert und verzaubert. Sie zeichnet damit das „Portrait einer Nation“ und nimmt den Leser mit in die Amtszeit von Barack Obama. Während seiner Amtszeit ließ sich Barack Obama jeden Abend 10 Briefe von Bürgern vorlegen, las diese und beantwortet viele davon. Die Autorin stellt nicht nur einen (Bruch)Teil der Briefe vor …. mehrere 10.000 gingen täglich ein. Sie bildet auch einen Teil der Antworten ab und beleuchtet die Hintergründe. Wir lernen die Korrespondenzabteilung des Weißen Hauses kennen, schauen den Mitarbeitern über die Schulter und sind bei den Auswahlverfahren dabei. Wir erfahren, warum gerade der Brief ausgewählt wird und einige der Briefeschreiber sucht die Autorin auch direkt auf. Um die Gründe zu erfahren, warum sie den Brief geschrieben haben und um zu erfahren, was danach passiert ist. Die Briefe betreffen die unterschiedlichsten Themen: die Waffenpolitik, Obama-Care, der Umgang der Navy und der Marines mit Gleichgeschlechtlichen Beziehungen und – leider auch wie Veteranen fallengelassen werden, wenn sie die Navy verlassen. Und so ein Brief, geschrieben von der Tochter eines Veteranen, hat mich am meisten bewegt. Die Tochter schildert darin ein Weihnachtsfest, an dem ihr Vater total durchdreht und um sich schießt. Sie beschreibt, wie sie versucht ihre Mutter und ihren Bruder zu schützen. Beim Lesen wurden mir in mir die unterschiedlichsten Gefühle geweckt. So ging es auch den Mitarbeitern im sogenannten Lektüreraum, die den Brief auswählten, mit einem roten Punkt versahen und ihn an mehrere Stellen weiterleiteten. Zum einen zu Obama an sich und zum anderen an die Abteilung, die die „Roten Punkte Briefe“ weiterbearbeitet. Denn Briefe mit dem roten Punkt sind Hilfeschreie, die innerhalb von 24 Stunden bearbeitet werden müssen. Und dieser Brief ging seinen Weg. Nur leider kam die Hilfe zu spät. Ich schreibe diese Rezension, diesen Teil, nach ca. 70 % des Buches. Einfach, weil meine Gedanken aufgeschrieben werden müssen und ich die Emotionen irgendwie rauslassen muss. Zwei Zitate aus den ersten 350 Seiten, die mich bewegt haben, möchte ich hier noch anbringen. Beide stammen aus Briefen, die hier abgedruckt sind: » … Ich bin unglaublich enttäuscht von Ihnen. Aber ich war auch noch nie so stolz auf einen Präsidenten wie auf Sie. …« [Seite 308] »… Ich bin mit absolut keiner Ihrer Entscheidungen einverstanden, ich bin gegen so ziemlich alles, wofür Sie stehen, aber mir gefällt, dass Sie ein guter Vater sind. « [Seite 313] Für mich ist dieses Buch ein Zeitdokument. Ein Beweis dafür, dass manchmal Briefe Großes bewirken können und das der Glaube an einen Menschen manchmal Berge versetzen können. Ich habe gelacht und gestaunt, hab mich gewundert und gefreut, war abgestoßen und fassungslos. Und ja, ich habe auch manches Mal heftig schlucken und die Tränen zurückhalten müssen. Ja, man kann der Autorin mit Sicherheit „vorwerfen“ dass sie ein großer Fan von Obama sein mag. Gerade was die letzten Briefe angeht – die, welche nach der Wahl von (T)rump [Zitat S. 441: rump heißt Hinterteil, Arsch] eintreffen. Hier ist den Grundtenor größtenteils entsetzt, traurig und wütend. Ich glaube, es gab nur einen einzigen, allerdings auch sehr harten Brief eines Befürworters von Trump. Hier hätte man eine andere Auswahl treffen können. Vielleicht auch müssen. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, ich habe das Buch mit seinen knapp 550 Seiten verschlungen, sehr gerne gelesen und spreche jetzt dafür eine klare Leseempfehlung aus. Durch dieses Buch habe ich viel gelernt, viel erfahren und gerade eben ein weiteres Buch zum Thema Obama auf meine Wunschliste gesetzt. Denn ich gebe zu: der Mann, die Frau an seiner Seite, seine Amtszeit und seine Arbeit – all das fasziniert mich ungemein. Wertung: 5 von 5 Sternen und eine klare Leseempfehlung.

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Vita

Jeanne Marie Laskas ist Journalistin und Autorin mehrerer Sachbücher. Sie schreibt regelmäßig für The New York Times Magazine und GQ und veröffentlicht Beiträge u.a. in The New Yorker, The Atlantic und Esquire. Laskas ist Professorin für Englisch und Gründungsvorstand des Center of Creativity an der Universität von Pittsburgh. Sie lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern auf einer Farm in Pennsylvania.

Jeannemarielaskas.com

Zur AUTORENSEITE

Nathalie Lemmens

Nathalie Lemmens, geboren 1976, stammt aus dem deutschsprachigen Teil Belgiens. Sie studierte Literaturübersetzen in Düsseldorf und übersetzt seitdem aus dem Französischen, Englischen und Niederländischen, u.a. Jean-Christophe Rufin, Adam Zamoyski und Gustaaf Peek.

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Pressestimmen

»Ein faszinierender Querschnitt durch die tägliche Präsidenten-Post.«

Münchner Merkur (04. April 2019)

»Ein ungewöhnliches und spannendes Stück Zeitgeschichte.«

HÖRZU (24. Mai 2019)