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(Hrsg.), (Hrsg.)

Dada-Almanach Vom Aberwitz ästhetischer Contradiction
Textbilder, Lautgedichte, Manifeste

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Gebundenes Buch, Pappband ISBN: 978-3-7175-4091-5

Erschienen: 11.01.2016
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Zürich 1916: Im von Exilanten gegründeten «Cabaret Voltaire» spielt sich Unerhörtes ab. Erwachsene Frauen und Männer stülpen sich skurrile Papprollen über den Kopf, geben Urlaute von sich, hampeln wie Maschinen herum und proklamieren im Brustton der Überzeugung Nonsens. DADA ist geboren!

Diese repräsentative, typographisch originell gestaltete Auswahl feiert die Geburtsstunde des Dadaismus und lässt die bekannten Haupt- und Oberdadaisten zu Wort kommen, wartet aber auch mit so manchem Ingenium an der Peripherie auf. Ob es sich um berühmte Lautgedichte handelt, um Textbilder oder Manifeste – der DADA-Almanach ist eine würdige Reminiszenz zum 100. Jahrestag und eine Fundgrube für alle, die die genial-radikale Revolte gegen den herrschenden Ungeist bis heute fasziniert. Mit exklusiven DADA-Biographien sämtlicher Protagonisten!

Rezension in der-zauberberg.eu

"Gegen alle Regeln der Kunst" - mdr.de

Rezension, Fotos und ein DADA-Gedicht auf frischgelesen.de

"Die Höhepunkte des DADA-Jahrs" - art-magazin.de

Interview mit dem Herausgeber H. M. Compagnon Zum Special

"Ein akustischer Streifzug durch die Welt des Dadaismus" - radiobremen.de

«Die Verlage bringen pünktlich zum Jubiläum einen ganze Reigen heraus. Besonders gelungen ist der ‹Dada-Almanach›.»

Die Welt, Beilage "Literarische Welt" (30.01.2016)

«Die Verlage bringen pünktlich zum Jubiläum einen ganze Reigen heraus. Besonders gelungen ist der ‹Dada-Almanach›.»

Die Welt, Beilage "Literarische Welt" (30.01.2016)

«typographisch besonders hübsch: der ‹Dada-Almanach›, erschienen bei Manesse»

DIE ZEIT, Sven Behrisch (05.02.2016)

«Typografisch originell gestaltete Auswahl von Dada-Werken – eine Fundgrube für alle, die bis heute von der dadaistischen Revolte fasziniert»

art Magazin, Februar 2016

«typographisch wunderbar gestaltet»

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (07.02.2016)

«repräsentative Auswahl feiert die Geburtsstunde, lässt die bekannten Haupt- und Oberdadaisten zu Wort kommen, wartet aber auch mit so manchem Ingenium an der Peripherie auf.»

architekturbuch.de (04.02.2016)

mehr anzeigen

Gebundenes Buch, Pappband, 176 Seiten, 22,0 x 22,0 cm

ISBN: 978-3-7175-4091-5

€ 39,95 [D] | € 41,10 [A] | CHF 48,50* (* empfohlener Verkaufspreis)

Verlag: Manesse

Erschienen: 11.01.2016

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Dada Almanach: Vom Aberwitz ästhetischer Contradiction (Manesse Verlag)

Von: Kapri-ziös Datum: 14.08.2016

www.kapri-zioes.de

Mein erstes Mal Dada habe ich im Alter von 17 Jahren erlebt und wie so oft im Leben bleibt das erste Mal von irgendwas einem besonders im Gehirn kleben. Lustigerweise war dieses Erlebnis in einem eher staubig-langweiligen Umfeld, denn es war zu meiner Abiturzeit – 11. Klasse. Es war der Deutschunterricht, die Stunde hatte eigentlich nicht wirklich begonnen, die Lehrerin hatte den Unterricht nicht wie sonst mit austauschbaren Phrasen der Begrüßung eröffnet. Sie stand einfach auf und schrie ganz laut „JOLIFANTO bambla ô falli bambla“. Damals vermutete ich, dass der Wahnsinn statt nur in meiner Familie und bei mir nun auch endlich in der Schule angekommen war.

Ich hatte mich ein wenig getäuscht, denn meine Lehrerin gab uns lediglich eine Kostprobe des Lautgedichts „Karawane“ von Hugo Ball. Es war also der Wahnsinn einer längst vergangenen Zeit. Als ich den „Dada Almanach“ las, habe ich natürlich auch dieses Gedicht wieder für mich entdeckt und mich an den Deutschunterricht erinnert, der vielleicht nicht immer ätzendlangweilig war. Auf Youtube habe ich übrigens eine Rezitation der „Karawane“ gefunden:

DADA bedeutet nichts.

Nach der Live-Performance meiner Deutschlehrerin war ich neugierig auf Dada, ich versuchte es zu fassen, dada zu begreifen und ging dabei sogar soweit, dass ich nach der Schule ein wenig im Internet recherchierte. Das Ergebnis fiel für mich damals eher unbefriedigend aus, ich hatte es immer noch nicht verstanden – also geriet diese Episode meines Lebens in Vergessenheit. Jetzt, fast 10 Jahre später habe ich den „Dada Almanach“ gelesen und dieses Dada ist mir begreiflicher.

In einer Erklärung von Richard Huelsenbeck steht: „Wir fanden Dada, wir sind Dada, und wir haben Dada. Dada wurde in einem Lexikon gefunden, es bedeutet nichts. Dies ist das bedeutende Nichts, an dem nichts etwas bedeutet. Wir wollen die Welt mit Nichts ändern, wir wollen die Dichtung und die Malerei mit nichts ändern und wir wollen den Krieg mit Nichts zu Ende bringen.“ (Dada Almanach, Seite 127) Plastischer wird Dada nicht als in dieser Erklärung. Dada ist Kunst und Literatur, steht für die Freiheit der Kunst und bringt das zum Ausdruck mit viel Tamtam und Blödsinn. So gesehen war der Dadaismus ein Aufbegehren gegen das Kunst-Establishment, eine Erneuerung der Kunst und vielleicht auch ein aufregendes Experiment. Ein Wunder, dass ich mich mit 17 daran nicht festgebissen habe.

Gegründet wurde der Dadaismus 1916 in Zürich von den Künstlern Hugo Ball, Emmy Hennings, Tristan Tzara, Hans Arp, Marcel Janco und Richard Huelsenbeck. Treffpunkt der Szene war das Cabaret Voltaire. Der Hintergrund ist ziemlich interessant, warum gerade die Schweiz so beliebt war bei den jungen Künstlern: Die Schweiz nahm nicht am Ersten Weltkrieg teil. In allen anderen Ländern wurden die jungen Männer für den Kriegsdienst eingezogen. Der einzige Ausweg für Kriegsgegner war also, in die Schweiz überzusiedeln.

Der „Dada Almanach“

Den „Dada Almanach“ gab es schon einmal, er wurde von Richard Huelsenbeck in Berlin veröffentlicht. Andreas Puff-Trojan und H.M, Compagnon, die Autoren des neuen „Dada Almanach“ aus dem Manesse Verlag, benannten ihr Buch genauso als Hommage an den ursprünglichen Almanach. Das Ziel der beiden Autoren war es, einen Querschnitt aus allen Bereichen des Dadas zu geben. Dada war eine internationale Kunstrichtung, deshalb achtete die Autoren auch sehr darauf, dass nicht nur die berühmten Künstler des Dada abgedruckt wurden, sondern auch die unbekannteren. Dieses Ziel spürte ich beim Lesen jedes Kapitels; der „Dada Almanach“ liefert sehr viel Abwechslung und dazu ist das Buch noch wunderschön. Die Texte wurden mit allen Mitteln der Typographie abgedruckt. Jeder Text bekommt genügend Raum und kann so für sich wirken.

Für meine persönliche Erleuchtung über Dada war es auch sehr gut, dass Puff-Trojan und Compagnon sich die Mühe gemacht haben und am Ende des Buchs eine Art Lexikon zusammengestellt haben mit Kurzbiographien zu den Künstlern und zu den Orten der Kunstbewegung. Das war für das Verständnis sehr hilfreich! Bei manchen Kunstwerken des Dada erwünschte ich mir jedoch innerhalb des Buchs ein wenig Hilfe zur Deutung und Interpretation. Da hielten sich die Autoren weitgehend raus, sie kuratierten Dada lediglich.

Nicht immer dichteten die Dadaisten bewusst unverständlich, im „Dada Almanach“ befindet sich auch ein „normales“ Gedicht von Hugo Ball (Totentanz 1916 auf Seite 49):
So sterben wir, so sterben wir,
Wir sterben alle Tage,
Weil es so gemütlich sich sterben lässt.
Morgens noch in Schlaf und Traum
Mittags schon dahin.
Abends schon zu unterst im Grabe drin.

Hugo Ball bezog sich bei seinem deutlichsten Gedicht eindeutig auf den Ersten Weltkrieg und das sehr kritisch. Die Dadaisten waren Kriegsgegner und das merkt man nicht nur bei Hugo Balls Werk, sondern immer wieder an unterschiedlichsten Stellen im „Dada Almanach“. Es ist interessant diesen Atlas des Verrückten auch in dieser Hinsicht zu lesen.

Fazit

Der „Dada Almanach“ von Andreas Puff-Trojan und H.M, Compagnon ist ein hochinteressanter und sehr ästhetischer Überblick über die Werke des Dadaismus. Mit Sicherheit wird dieses Buch bei mir jetzt nicht im Schrank verstauben.

Dadada!

Von: the lost art of keeping secrets Datum: 28.05.2016

www.thelostartofkeepingsecrets.wordpress.com


Wir haben beschlossen, unsere mannigfaltigen Aktivitäten unter dem Namen Dada zusammenzufassen. Wir fanden Dada, wir sind Dada, und wir haben Dada. Dada wurde in einem Lexikon gefunden, es bedeutet nichts. Dies ist das bedeutende Nichts, an dem nichts etwas bedeutet. Wir wollen die Welt mit Nichts ändern, wir wollen die Dichtung und die Malerei mit Nichts ändern und wir wollen den Krieg mit Nichts zu Ende bringen. Wir stehen hier ohne Absicht, wir haben nicht mal die Absicht, Sie zu unterhalten oder zu amüsieren.“

(Richard Huelsenbeck, vorgetragen im ,Cabaret Voltaire‘ im Frühjahr 1916)

Der Dadaismus hat dieses Jahr seinen hundertsten Geburtstag gefeiert. Eine Bewegung, die sich den Unsinn, das Spiel mit Buchstabenmassen und Wortbausteinen und die Faszination für die Verweigerung von Sinn auf die Fahnen geschrieben hat. Und deren poetisches und ästhetisches Anliegen sich in der typographischen Gestaltung von Gedichten und Lautbildern manifestierte. Im Manesse Verlag ist dieses Jahr der Dada-Almanach erschienen, der Lautgedichte, Manifeste und Textbilder dieser aberwitzigen Bewegung in einem gelungenen und wunderbar gestalteten Sammelband zusammenführt.

IMG_20160528_110754Doch was ist Dada eigentlich? Mein erstes Dada-Gedicht begegnete mir irgendwann in der Grundschule. Die Karawane/Zug der Elefanten von Hugo Ball. „jolifanto bambla o falli bambla“ – diesen Unsinn fabrizieren erwachsene Menschen? Ich war ziemlich beeindruckt und wollte auch Künstler_in werden.

Dadaist_in zu werden, ist relativ einfach. Tristan Tzara, ein Mitgründer der Bewegung, empfiehlt, ein paar Wörter aus einer Zeitung auszuschneiden, alles wild durcheinanderzuschütteln und neu zusammenzusetzen. Zack, entsteht ein Dada-Gedicht und im besten Fall ist man „ein unendlich origineller Schriftsteller mit einer charmanten, wenn auch von den Leuten unverstandenen Sensibilität.“ (S. 9)

Aber Dada ist noch mehr. Die Bewegung des Nicht-Sinn-machen-wollens betreibt überzeugend inkonsequent (immerhin handelt es sich hier um Dada) ein ästhetisch Spiel gegen die herrschende Norm. Dada hat keine moralische Haltung, Dada ist politisch, aber nur im subversiven Sinne. Denn „Kein System haben wollen ist ein neues.“ (Dr. Serner). Richard Huelsenbeck sagt, Dada könne man nicht erklären, nur erleben. Dada war auch ein Wasser zur Stärkung der Haarpracht, denn der Zürcher Toilettenartikelhersteller Bergmann & Co hatte sich zufällig schon den Produktnamen reservieren lassen. Hugo Ball schreibt dazu: „Dada ist die Weltseele, Dada ist der Clou, Dada ist die beste Lilienmilchseife der Welt.“

Und im Dada-Almanach sind die unterschiedlichsten Spiel- und Schreibarten der Dadaisten versammelt. Es gibt Lautgedichte, Textbilder, Liebesoden, Krippenspiele, Prosa, aber auch Totentänze und Lamentos, die daran erinnern, dass der Ursprung des Dada eben nicht im Nichts liegt, sondern in der persönlichen Konfrontation mit der Sinnlosigkeit einer Welt im Kriegszustand. Weil alle Wörter sinnlos werden, arbeiten sich die Dadaist_innen an den Wörtern ab und stellen dadurch auch herrschende Normen und Welterklärungsmodelle in Frage. Denn es gibt sie, die große Literatur. Es gibt Goethe und Schiller und trotzdem erschießen sich die Menschen im Krieg. Warum ist die Welt so wie sie ist?


„Jede Sache hat ihr Wort, da ist das Wort selber zur Sache geworden. Warum kann der Baum nicht Pluplusch heissen, und Pluplubasch, wenn es geregnet hat? Und warum muss es überhaupt etwas heißen? Müssen wir denn überall unseren Mund dran hängen? Das Wort, das Wort, das Weh gerade an diesem Ort, das Wort, meine Herren, ist eine öffentliche Angelegenheit ersten Ranges.“

(Hugo Ball, Eröffnungs-Manifest. 1. Dada-Abend in Zürich, 14. Juli 1916)

Was passiert mit einem Wort, wenn es aus seinem Sinnzusammenhang befreit wird? Einige Dadaist_innen wurden später Surrealist_innen und versuchten sich an der „ecriture automatique“, da gab es Dada schon nicht mehr. Auch diese Entwicklung wird im Dada-Almanach anhand der Biographien der „Dada-Leader“ dargestellt. Und da gibt es einige: Propagandada, Dadasophen und den Oberdada. Und alle trafen sich im März 1916 im „Cabaret Voltaire“ um Lautgedichte und Antikriegslieder vorzusingen.

Der Dada-Almanach bieten einen gelungenen Ausschnitt dieser kurzen Zeit. Ich habe das Buch unglaublich gerne gelesen und kann nur noch einmal auf die hochwertige und ästhetisch ansprechende Gestaltung des Bandes verweisen. Und das aller Schönste: man braucht kein Manifest oder keine Theorie. Man lässt sich einfach in die Wortkunstwerke der Dadaist_innen fallen und genießt diese wunderbare Lektüre.

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