Der Tyrann

Shakespeares Machtkunde für das 21. Jahrhundert

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Was uns Shakespeare über Trump, Putin und Co. verrät

Wie kann es sein, dass eine große Nation in die Hände eines Tyrannen fällt? Warum akzeptieren die Menschen die Lügen eines Mannes, der ihrem Land so offensichtlich schadet? Und gibt es eine Chance, den Tyrannen zu stoppen, ehe es zu spät ist? In seinen Dramen - von "Richard III." bis "Julius Cäsar" - hat sich William Shakespeare immer wieder mit diesen Fragen beschäftigt und vom Aufstieg der Tyrannen, von ihrer Herrschaft und ihrem Niedergang erzählt. Stephen Greenblatt, einer der renommiertesten Shakespeare-Experten unserer Zeit, zeigt uns, wie präzise und anschaulich der Dichter aus Stratford das Wesen der Tyrannei eingefangen hat – und wie erschreckend aktuell uns dies heute erscheint.

»Shakespeares Worte reichen weit über ihre Entstehungszeit hinaus. Sie sprechen uns direkt an. In bedrohlichen, verwirrenden Zeiten können wir uns auch heute noch an Shakespeare wenden und fundamentale menschliche Wahrheiten bei ihm finden. Wie diese: Glaubt nicht, so etwas kann nicht passieren. Schweigt nicht. Nutzt eure Wählerstimme.«

Stephen Greenblatt

Aus dem Englischen von Martin Richter
Originaltitel: Tyrant
Originalverlag: W. W. Norton
Hardcover mit Schutzumschlag, 224 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-8275-0118-9
Erschienen am  17. September 2018
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Der Tyrann - von Shakespeare und Machtmenschen

Von: Eva Krafczyk

11.11.2018

“Er ist ein pathologischer Narzisst und in höchstem Maße arrogant. Er verfügt über eine groteske Anspruchshaltung und hat nie einen Zweifel daran, dass er tun knn, was er will. Er brüllt gern Befehle und sieht, wie seine Untergebenen sie hastig ausführen. Er erwartet unbedingte Loyalität, ist aber unfähig zur Dankbarkeit” Wer nach diesen Zeilen ein weiteres Enthüllungsbuch aus dem Weißen Haus oder ein Psychogramm der Trump-Administration erwartet, täuscht sich. In seinem Buch “Der Tyrann” schildert der Literaturwissenschaftler und Pulitzer-Preisträger den Charakter des Shakespeare-Schurken Richard III. Darin setzt er sich mit “Shakespeares Machtkunde für das 21 Jahrhundert” auseinander. Der Keim seines Buches, so schreibt Greenblatt, sei seine “wachsende Sorge über den Ausgang einer bevorstehenden Wahl” gewesen. Und nachdem die Wahl seine schlimmsten Befürchungen bestätigt habe, grübelte er weiter über “Shakespeares unheimliche Relevanz für die politische Welkt, in der wir uns nun befinden”, heißt es ohne namentliche Erwähnung Trumps. Wie aktuell Shakespeares Dramen mit ihren Schilderungen von Machtgier und Intrige, politischer Verantwortung und Manipulation des Volkes sind, zeigt Greenblatt besonders an Aufstieg und voll von Richard III und Macbeth, aber auch die Frage des Tyrannenmords in Julius Caesar und die Vereinsamung an der Macht am Beispiel von König Lear werden erörtert. Auch das Umfeld, in dem Shakespeares Dramen entstanden, kommt zur Sprache: Kritik an der Königin hätte schließlich als Verrat gegolten. Jedliche Kritik an Tyrannei in einer Zeit, in der staatiche Zensoren auch in Theatersälen nach Anzeichen für aufrührerisches Gedankengut hielten, hatte sich also tunlichst auf eine Herrschaft in der Vergangenheit und so fiktiv wie möglich zu beziehen, Mit zahlreichen Zitaten aus den geschilderten Werken beschreibt Greenblatt Populismus und Größenwahn, Paranoia der Mächtigen und die Haltung derjenigen, die den Aufstieg des Tyrannen überhaupt erst ermöglichen. Welche Möglichkeiten gibt es noch, die Entwicklung zu stoppen oder zumindest zu mildern? Wer durchschaut die Tyrannei, wie regt und organisiert sich Widerstand? Fragen wie diese sind zeitlos und nicht auf die Bühnenbretter des elisabethanischen Zeitalters beschränkt. Angesichts aktueller Ereignisse hält der Literaturwissenschafler eine geradezu tröstliche Anaklyse bereit: Shakespeare habe nicht geglaubt, dass sich Tyrannen sehr lange halten könnten: “Egal wie schlau sie ihren Aufstieg planten, einmal an der Macht waren sie erstaunlich inkompetenz.” Die Existenz von Langzeitpräsidenten, die sich ihre Herrchaft in einigen Ländern gerne auf Lebenszeit sichern wollen, widerspricht dieser Sichtweise zwar. Doch selbst brutale Herrscher schafften es zumindest bei Shakespeare nicht, die gesamte Opposition zu vernichten – Isloilation und Arroganz beschleunigten den Sturz nur noch mehr. Trump oder Putin sind nicht Richard III. oder König Lear, doch eine spannende Analyse ist “Der Tyrann” dennoch – nicht nur für Politik- und Literaturwissenschaftler.

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Shakespeare, Populisten und Tyrannen

Von: Thursdaynext

13.10.2018

Eine Warnung: Wenn man Der Tyrann zu lesen beginnt, kann man das Buch nicht mehr weglegen. Ich musste eine Nachtschicht einlegen. Stephen Greenblatt, Pulitzerpreisträger und Shakespeare Spezialist aus Harvard, nimmt sich Shakespeare her, um die Mechanismen des Populismus und die Vorgehensweise der Tyrannen und Diktatoren zu untersuchen und sie mit jenen, die heute praktiziert werden, zu vergleichen. Und er wird fündig! Reichlich Material hat der wortgewaltige Autor in seinen Stücken zu bieten. Folgerichtig untertitelt Greenblatt sein Werk: Shakespeares Machtkunde für das 21. Jahrhundert. Seit Beginn seiner Karriere anfangs der 1550er Jahre interessierte sich Shakespeare dafür, wie es geschehen kann, dass ein Land in die Fänge eines Tyrannen fällt. Zu dieser Zeit musste man sich sehr vorsichtig und behutsam mit dieser Thematik befassen, sonst konnte es geschehen, dass einem plötzlich der Kopf oder andere geschätzte Körperteile abhanden kamen. Freie Meinungsäußerung war kein Bürgerrecht, Theater wurden bei unliebsamen Stücken geschlossen oder abgerissen. Shakespeares „Trick“ dem zu entgehen bestand darin, dass er die Handlung seiner Stücke in frühere Zeiten und andere Länder verlegte. Der Erfolg gab ihm recht. Ihm war es wichtig Unterhaltung für die Massen zu machen, dabei waren ihm Amüsement und Inhalt gleich wichtig. Wer wollte und dazu in der Lage war konnte im Theater auch immer wieder politisch relevantes finden. Diese Relevanz hat sich bis ins 21. Jahrhundert gehalten. Die Art und Weise wie Narzissten und Egomanen sich den Weg zur Macht bahnen ohne sich um Werte, Mitmenschen und Gemeinwohl zu scheren ist noch immer dieselbe. Putin, Trump, Erdogan, Kim Dingens und wie sie alle heißen interessiert doch nicht das Volk, außer um es für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Macht ist ihr Ziel, sei es um den Reichtum in ihrem Sinne zu verteilen, sei es zum puren Selbstzweck. Brilliant und scharfsichtig beginnt Greenblatt anhand des englischen Rosenkrieges, Inhalt eines seiner frühen Stücke, aufzuzeigen wie alles beginnt. Spannend und faszinierend liest sich das, aber auch zunehmend beängstigend: „Dieser Hass ist ein wichtiger Teil dessen was zu sozialen Zusammenbruch und schließlich zur Tyrannei führt. Er macht die Stimme des Gegners, ja den bloßen Gedanken an ihn fast unerträglich.“ So analysiert er in Heinrich dem VI. den jungen König der zu schwach ist diesen „Bruderkrieg“ zu unterbinden. Und auch in Deutschland und den USA ist dieser Hass auf den politischen Gegner wieder aufgekommen, wird forciert und genutzt von Machtmenschen, die nur ihr eigenes Interesse im Blick haben. Alles schon mal dagewesen. Wir wissen es, unsere Politiker wissen es doch entweder sind sie, wie Heinrich zu schwach oder sie glauben diese rasende Wut in ihrem eigenen Interesse kanalisieren und beherrschen zu können, oder sie sind absolute Egomanen denen jedes Mittel recht ist. King Lear, Julius Caesar, Macbeth, sie alle sind in verschiedenen Varianten auch heutzutage vertreten. So grandios und informativ Stephen Greenblatt hier seinen Shakespeare auf diese Thematik hin durchleuchtet, so niederschmetternd und furchteinflößend sind die Schlüsse die er zieht. Soziale Ungleichheit ist gewollt, ermöglicht die Kontrolle der Massen, bis sie so brutal wird, dass diese sich erheben. Daher sind all diese Tyrannen, Despoten und Egomanen in ihrem tiefsten Innern unglücklich, paranoid und vertrauen niemandem. Weder ihren Verbündeten und Mitläufern bis hin zu ihren Familienangehörigen. Was Greenblatt in seinem Buch darlegt ist eine exakte Analyse dieser Menschen und ihrer geistigen Verfassung und dies alles anhand der Stücke eines vor Hunderten Jahren verstorbenen großartigen Beobachters der menschlichen Natur und Seele. Trotz des unerfreulichen Themas ein großes, spannendes Lesevergnügen das ich gerne weiterempfehle. Unter anderem macht es auch Lust sich wieder an Shakespeares Klassikern zu erfreuen. Sie sich zu erlesen. Und am Ende resümiert Greenblatt: „…Shakespeare war überzeugt, die Tyrannen und ihre Günstlinge würden am Ende scheitern, an ihrer eigenen Bösartigkeit und an einem Geist der Menschlichkeit, der sich zwar unterdrücken, aber nie ganz ausrotten lasse. Die größte Chance lag für ihn im politischen Handeln gewöhnlicher Bürger.“ Eine Interpretation die sich wie ein Thriller quer durch die (englische) Geschichte liest.

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Vita

Stephen Greenblatt ist Professor für Englische und Amerikanische Literatur und Sprache an der Harvard Universität. Er ist einer der angesehensten Forscher zu Shakespeares Werk sowie zur Kultur und Literatur in der Renaissance. Greenblatt ist Herausgeber der Norton Anthology of English Literature sowie Autor mehrerer Bücher, darunter die hochgelobte Shakespeare-Biographie Will in der Welt (2004). Für seine Arbeit wurde er mit zahlreichen Preisen geehrt, u.a. mit dem National Book Award und dem Pulitzerpreis für sein Werk Die Wende (2012). Bei Siedler erschien zuletzt Die Geschichte von Adam und Eva. Der mächtigste Mythos der Menschheit (2018).

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Zitate

»(...) was hier mit Bravour gelingt, ist, über den Umweg Shakespeare einen Abstand zu gewinnen zum heißlaufenden Gegenwartsdiskurs, zum Delirium der Affekte.«

Leipziger Volkszeitung (26. September 2018)

»Eine elektrisierende Lektüre für Politik-, Geschichts- und Literaturinteressierte gleichermaßen.«

»„Der Tyrann“ bietet eine fesselnde Anatomie des Machtmissbrauchs.«

»(...) genau wie in Shakespeares Dramen liegt auch die Stärke dieses Buchs in seiner Offenheit.«

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