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Der Tyrann Shakespeares Machtkunde für das 21. Jahrhundert

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eBook (epub) ISBN: 978-3-641-22862-0

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Erschienen:  17.09.2018
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Was uns Shakespeare über Trump, Putin und Co. verrät

Wie kann es sein, dass eine große Nation in die Hände eines Tyrannen fällt? Warum akzeptieren die Menschen die Lügen eines Mannes, der ihrem Land so offensichtlich schadet? Und gibt es eine Chance, den Tyrannen zu stoppen, ehe es zu spät ist? In seinen Dramen - von "Richard III." bis "Julius Cäsar" - hat sich William Shakespeare immer wieder mit diesen Fragen beschäftigt und vom Aufstieg der Tyrannen, von ihrer Herrschaft und ihrem Niedergang erzählt. Stephen Greenblatt, einer der renommiertesten Shakespeare-Experten unserer Zeit, zeigt uns, wie präzise und anschaulich der Dichter aus Stratford das Wesen der Tyrannei eingefangen hat – und wie erschreckend aktuell uns dies heute erscheint.

Drei Fragen an Stephen Greenblatt Zum Special

»Shakespeares Worte reichen weit über ihre Entstehungszeit hinaus. Sie sprechen uns direkt an. In bedrohlichen, verwirrenden Zeiten können wir uns auch heute noch an Shakespeare wenden und fundamentale menschliche Wahrheiten bei ihm finden. Wie diese: Glaubt nicht, so etwas kann nicht passieren. Schweigt nicht. Nutzt eure Wählerstimme.«

Stephen Greenblatt

Stephen Greenblatt (Autor)

Stephen Greenblatt ist Professor für Englische und Amerikanische Literatur und Sprache an der Harvard Universität. Er ist einer der angesehensten Forscher zu Shakespeares Werk sowie zur Kultur und Literatur in der Renaissance. Greenblatt ist Herausgeber der Norton Anthology of English Literature sowie Autor mehrerer Bücher, darunter die hochgelobte Shakespeare-Biographie Will in der Welt (2004). Für seine Arbeit wurde er mit zahlreichen Preisen geehrt, u.a. mit dem National Book Award und dem Pulitzerpreis für sein Werk Die Wende (2012). Bei Siedler erschien zuletzt Die Geschichte von Adam und Eva. Der mächtigste Mythos der Menschheit (2018).

»Shakespeares Worte reichen weit über ihre Entstehungszeit hinaus. Sie sprechen uns direkt an. In bedrohlichen, verwirrenden Zeiten können wir uns auch heute noch an Shakespeare wenden und fundamentale menschliche Wahrheiten bei ihm finden. Wie diese: Glaubt nicht, so etwas kann nicht passieren. Schweigt nicht. Nutzt eure Wählerstimme.«

Stephen Greenblatt

»(...) was hier mit Bravour gelingt, ist, über den Umweg Shakespeare einen Abstand zu gewinnen zum heißlaufenden Gegenwartsdiskurs, zum Delirium der Affekte.«

Leipziger Volkszeitung (26.09.2018)

25.10.2018 | 20:00 Uhr | Heidelberg

Vortrag und Gespräch auf Englisch

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Deutsch-Amerikanisches Institut
Sofienstraße 12
69115 Heidelberg

Tel. 06221/607311

27.10.2018 | 19:00 Uhr | Berlin

Vortrag und Gespräch auf Englisch
Thema: Shakespeare und die Fremden

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Mehr Infos

Pierre Boulez-Saal
Französische Straße 33
10117 Berlin

Aus dem Englischen von Martin Richter
Originaltitel: Tyrant
Originalverlag: W. W. Norton

eBook (epub)

ISBN: 978-3-641-22862-0

€ 16,99 [D] | CHF 21,00* (* empfohlener Verkaufspreis)

Verlag: Siedler

NEU
Erschienen:  17.09.2018

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Folgende Rezensionen beziehen sich auf eine andere Ausgabe (Gebundenes Buch)

Shakespeare, Populisten und Tyrannen

Von: Thursdaynext Datum: 13.10.2018

https://feinerbuchstoff.wordpress.com/

Eine Warnung: Wenn man Der Tyrann zu lesen beginnt, kann man das Buch nicht mehr weglegen. Ich musste eine Nachtschicht einlegen.

Stephen Greenblatt, Pulitzerpreisträger und Shakespeare Spezialist aus Harvard, nimmt sich Shakespeare her, um die Mechanismen des Populismus und die Vorgehensweise der Tyrannen und Diktatoren zu untersuchen und sie mit jenen, die heute praktiziert werden, zu vergleichen. Und er wird fündig! Reichlich Material hat der wortgewaltige Autor in seinen Stücken zu bieten. Folgerichtig untertitelt Greenblatt sein Werk: Shakespeares Machtkunde für das 21. Jahrhundert.

Seit Beginn seiner Karriere anfangs der 1550er Jahre interessierte sich Shakespeare dafür, wie es geschehen kann, dass ein Land in die Fänge eines Tyrannen fällt. Zu dieser Zeit musste man sich sehr vorsichtig und behutsam mit dieser Thematik befassen, sonst konnte es geschehen, dass einem plötzlich der Kopf oder andere geschätzte Körperteile abhanden kamen. Freie Meinungsäußerung war kein Bürgerrecht, Theater wurden bei unliebsamen Stücken geschlossen oder abgerissen.

Shakespeares „Trick“ dem zu entgehen bestand darin, dass er die Handlung seiner Stücke in frühere Zeiten und andere Länder verlegte. Der Erfolg gab ihm recht. Ihm war es wichtig Unterhaltung für die Massen zu machen, dabei waren ihm Amüsement und Inhalt gleich wichtig. Wer wollte und dazu in der Lage war konnte im Theater auch immer wieder politisch relevantes finden. Diese Relevanz hat sich bis ins 21. Jahrhundert gehalten. Die Art und Weise wie Narzissten und Egomanen sich den Weg zur Macht bahnen ohne sich um Werte, Mitmenschen und Gemeinwohl zu scheren ist noch immer dieselbe. Putin, Trump, Erdogan, Kim Dingens und wie sie alle heißen interessiert doch nicht das Volk, außer um es für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Macht ist ihr Ziel, sei es um den Reichtum in ihrem Sinne zu verteilen, sei es zum puren Selbstzweck.

Brilliant und scharfsichtig beginnt Greenblatt anhand des englischen Rosenkrieges, Inhalt eines seiner frühen Stücke, aufzuzeigen wie alles beginnt. Spannend und faszinierend liest sich das, aber auch zunehmend beängstigend:

„Dieser Hass ist ein wichtiger Teil dessen was zu sozialen Zusammenbruch und schließlich zur Tyrannei führt. Er macht die Stimme des Gegners, ja den bloßen Gedanken an ihn fast unerträglich.“ So analysiert er in Heinrich dem VI. den jungen König der zu schwach ist diesen „Bruderkrieg“ zu unterbinden.

Und auch in Deutschland und den USA ist dieser Hass auf den politischen Gegner wieder aufgekommen, wird forciert und genutzt von Machtmenschen, die nur ihr eigenes Interesse im Blick haben. Alles schon mal dagewesen. Wir wissen es, unsere Politiker wissen es doch entweder sind sie, wie Heinrich zu schwach oder sie glauben diese rasende Wut in ihrem eigenen Interesse kanalisieren und beherrschen zu können, oder sie sind absolute Egomanen denen jedes Mittel recht ist.

King Lear, Julius Caesar, Macbeth, sie alle sind in verschiedenen Varianten auch heutzutage vertreten. So grandios und informativ Stephen Greenblatt hier seinen Shakespeare auf diese Thematik hin durchleuchtet, so niederschmetternd und furchteinflößend sind die Schlüsse die er zieht. Soziale Ungleichheit ist gewollt, ermöglicht die Kontrolle der Massen, bis sie so brutal wird, dass diese sich erheben. Daher sind all diese Tyrannen, Despoten und Egomanen in ihrem tiefsten Innern unglücklich, paranoid und vertrauen niemandem. Weder ihren Verbündeten und Mitläufern bis hin zu ihren Familienangehörigen.

Was Greenblatt in seinem Buch darlegt ist eine exakte Analyse dieser Menschen und ihrer geistigen Verfassung und dies alles anhand der Stücke eines vor Hunderten Jahren verstorbenen großartigen Beobachters der menschlichen Natur und Seele. Trotz des unerfreulichen Themas ein großes, spannendes Lesevergnügen das ich gerne weiterempfehle. Unter anderem macht es auch Lust sich wieder an Shakespeares Klassikern zu erfreuen. Sie sich zu erlesen. Und am Ende resümiert Greenblatt: „…Shakespeare war überzeugt, die Tyrannen und ihre Günstlinge würden am Ende scheitern, an ihrer eigenen Bösartigkeit und an einem Geist der Menschlichkeit, der sich zwar unterdrücken, aber nie ganz ausrotten lasse. Die größte Chance lag für ihn im politischen Handeln gewöhnlicher Bürger.“

Eine Interpretation die sich wie ein Thriller quer durch die (englische) Geschichte liest.

Stephen Greenblatt erkundet mit Shakespeare die Tyrannei und entwirft eine „Machtkunde für das 21. Jahrhundert“

Von: Karl Adam Datum: 10.10.2018

https://imgegenlicht.wordpress.com/

Stephen Greenblatt erkundet mit Shakespeare die Tyrannei und entwirft eine „Machtkunde für das 21. Jahrhundert“

„Wie kann es sein, (…) dass jemand sich von einem Führer angezogen fühlt, der zum Regieren offensichtlich ungeeignet ist, der keine Selbstbeherrschung kennt, durch Hinterhältigkeit und Niedertracht brilliert oder sich nicht um die Wahrheit schert? Unter welchen Umständen wirken Zeichen von Verlogenheit, Rohheit oder Grausamkeit nicht abstoßend, sondern attraktiv, ja, erregen sogar glühende Bewunderung?“ Diese Fragen stellen sich nicht nur viele Zeitgenossen beim Anblick des amtierenden US-Präsidenten, diese Fragen stellte auch schon Shakespeare (1564-1616). Und niemand wäre eher berufen, eine „Machtkunde für das 21. Jahrhundert“ aus seinen Schriften zu destillieren, als der amerikanische Literaturwissenschaftler Stephen Greenblatt, der vor einigen Jahren mit „Will in der Welt“ (2005) die eine viel gelobte Biografie des enigmatischen Dramatikers vorgelegt hat.

Shakespeare war fasziniert vom Wesen der Tyrannei. Das Wechselspiel zwischen der Verführung der Massen durch Demagogen, dem nachhaltigen Schaden, den diese anrichten sowie der anschließenden, für ihn notwendig sich ereignenden moralischen Gesundung, wenn der Tyrann erst einmal beseitigt ist, machte für ihn das Wesen der Politik an sich aus. So lautet dann auch der Untertitel der Originalausgabe: „Shakespeare on politics“. Dabei ging es ihm nicht um Tyrannenmord. Vielmehr zog er Zuversicht aus der „Unvorhersehbarkeit“, aus der Erkenntnis also, dass kein Tyrann die Masse dauerhaft kontrollieren könne. „Am Rande stehend“, so resümiert Greenblatt, „hegt man den Traum, wenn man nur nahe genug an diese oder jene Schlüsselfigur herankäme, dann wüsste man, was wirklich vor sich geht und was zu tun wäre, um sich selbst oder das Land zu retten. Doch dieser Traum ist eine Illusion.“

Fast während der gesamten Lebenszeit Shakespeares saß Elisabeth I. auf dem Thron. Sie hielt er, nach allem, was wir wissen können, nicht für eine Tyrannin. Gleichwohl hegte er eine starke Aversion gegen die „Parolen der Obrigkeit“, gegen „reaktionäre Gemeinplätze“, gegen eben das, was Thomas Morus hundert Jahre zuvor in seiner „Utopia“ die „Verschwörung der Reichen“ genannt hatte. Deshalb ließ Shakespeare seine Titelfigur im „König Lear“ ausrufen: „Beschlag mit Gold die Sünde – Das starke Recht des Schwerts prallt harmlos ab / Umpanzer sie mit Lumpen – ein Strohhalm bohrt sie durch.“ Im elisabethanischen England herrschte freilich keine Meinungsfreiheit. Direkte Kritik an den Herrschenden konnte bestenfalls mit Zuchthaus, schlimmstenfalls mit grausamsten Hinrichtungsmethoden geahndet werden. So befleißigte sich Shakespeare einer „verborgenen Perspektive“, die Greenblatt minutiös und überzeugend dechiffriert.

Anhand von Schurken wie Richard III., Macbeth, Julius Cäsar, König Lear, Leontes oder Coriolan exemplifizierte er Machttechniken, psychologische Mechanismen und gesellschaftliche Dynamiken, die auch in Shakespeares Gegenwart resonierten. Und der heutige Leser sieht und merkt sogleich: Das tun sie auch heute noch ganz außerordentlich. Dazu Greenblatt: „Shakespeare ist nicht deshalb ein großer Dichter, weil er relevant ist; er ist relevant, weil er ein großer Dichter ist. Er ging den Dingen auf den Grund.“ Es ist nachgerade gespenstisch, wie in den Rosenkriegs-Dramen der „Klassenkrieg“ in den Dienst des „Parteienkriegs“ genommen wird, „Chaos“ erzeugt wird zur Vorbereitung der „Machtergreifung des Tyrannen“; wie der Populismus als „Betrug“ am Volk gedeutet wird, da der „Tyrann“ eigentlich nur Interesse am eigenen Wohlergehen hat; wie gezielte Angriffe auf Justiz und Bildung gefahren werden, die vorgeblich (und leider oft auch tatsächlich) primär die Interessen „der Reichen“ vertreten; wie dann auch noch Kontakt mit der traditionell feindlichen Macht – nicht Russland, hier war es noch Frankreich – aufgenommen wird, um den Machtwechsel extern unterstützen zu lassen.

Greenblatt ist hier kurz nach seinem grandiosen Adam-und-Eva-Buch erneut ein brillantes, beziehungsreiches und intellektuell reizvolles Werk gelungen, das den Leser gleichsam entmutigt zurücklassen kann: Lernt die Menschheit denn trotz allem Wissenszuwachs nicht hinzu? Die Hoffnung, schreibt er, Shakespeare paraphrasierend, liegt, damals wie heute, „im politischen Handeln gewöhnlicher Bürger“, denn: „Was ist die Stadt sonst als das Volk?“

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