SPECIAL zu Stefanie Gercke

Träumen von Afrika

Afrika inspiriert sie – zu Romanen, die so schön sind wie das Land selbst: Stefanie Gerckes Über den Fluss nach Afrika überwältigt mit großen Emotionen und atemberaubenden Landschaftsbildern.

Südafrika in den 1980er-Jahren. Ein kleines Mädchen erlebt das Schrecklichste, was einem Kind widerfahren kann: Sie muss zusehen, wie ihre Mutter von Schergen des Apartheidregimes zu Tode gefoltert wird. Seitdem leidet Benita Forrester unter Teilamnesie – bis sie 18 Jahre später ein Päckchen erhält, in dem sich die Figur eines Flusspferds befindet. Der Talisman setzt bei Benita blitzlichtartig Erinnerungen frei: Er kann nur von ihrer Mutter stammen. Sie fliegt nach Südafrika, um endlich die Mörder ihrer Mutter zu finden. Auf ihrer Suche offenbart sich Benita eine Wahrheit, die sie nie geahnt hätte …

Mit sehr viel Gefühl und sehr viel Liebe zum Detail erzählt Stefanie Gercke in ihrem Roman Über den Fluss nach Afrika von Liebe, Hass, Sehnsucht und Verzweiflung. Die Autorin schafft das, wovon viele Schriftsteller träumen: Sie malt Bilder in die Köpfe ihrer Leser, wenn sie die weiten, ruhigen Landschaften Afrikas beschreibt. Nahezu jedes Wort drückt ihre Liebe zu diesem Kontinent aus. Kein Wunder: Afrika ist ihre Heimat, Afrika gehören ihr Herz und ihre Sehnsucht.

Das Pendeln zwischen Afrika und Europa beherrscht Stefanie Gerckes Leben: 1941 wird sie auf einer Insel vor Guinea-Bissau/Westafrika als erste Weiße geboren. Ihre Jugend verbringt sie in Hamburg und Lübeck. Mit 20 Jahren zieht es sie zurück auf den Schwarzen Kontinent: nach Südafrika, wo sie sich mit ihrem Mann eine Existenz aufbaut. Ende der 1970er-Jahre dann die Umsiedelung nach Deutschland aus politischen Gründen. Erst in den 1990er-Jahren, unter der Regierung Nelson Mandelas, kann sie zurückkehren.

Heute lebt sie mit ihrer Familie bei Hamburg – reist aber regelmäßig in die südafrikanische Provinz Natal, wo auch alle ihre sechs Afrika-Romane spielen. Dort, in Umhlanga Rocks in der Nähe der Millionenstadt Durban, findet sie inzwischen die Ruhe und die Inspiration zum Schreiben. Das war nicht immer so, wie sie in einem Interview sagt: „Als wir für lange, dunkle Jahre nicht nach Südafrika zurückkehren durften und kein Tag verging, an dem ich mich nicht danach sehnte, versetzte ich mich, um seelisch überleben zu können, schreibend dorthin. Stundenlang war ich jeden Tag dort, fühlte die Wärme, sah die Farben, spürte den Atem Afrikas. Aus dieser Sehnsucht, die nie aufhören wird, obwohl wir heute jedes Jahr mindestens zwei Monate in Südafrika verbringen, entstehen meine Bücher.“