Interview mit Ursula Kollritsch und Stephanie Jana zu ihrem Roman »Coco, Sophie und die Sache mit Paris?«

Ihr Roman »Coco, Sophie und die Sache mit Paris« erscheint am 21. April 2020 im Goldmann Verlag. Coco und Sophie sind Freundinnen und sie begeben sich zusammen auf eine Reise. Sie haben sich auch zusammen auf eine Reise begeben. Sie haben gemeinsam einen Roman geschrieben. Wie kam es dazu?

Ursula Kollritsch
© Thomas Dashuber
Wir gehörten zu den Menschen, die immer schon ein Buch schreiben wollten. Als wir uns vor über zehn Jahren kennengelernt haben, sozusagen als Sandkastenliebe mit unseren Kindern, waren wir beide gerade dabei, uns selbstständig zu machen als Redakteurinnen und Lektorinnen. Irgendwann war dann der Traum vom Bücherschreiben so groß, dass wir mit einem Experiment starteten: Wir schlüpften in die Rollen von zwei Freundinnen – Bine und Bella, denen übrigens auch der jetzige Roman gewidmet ist –, die sich fast 20 Jahre aus den Augen verloren hatten und plötzlich wieder per E-Mail Kontakt zueinander aufnahmen. Für dieses Projekt gaben wir uns und den Figuren ein Jahr Zeit. Das Ergebnis war der 2015 veröffentlichte Roman „Das Jahr des Rehs“. Das hat uns so verbunden und großen Spaß gemacht, dass wir danach weiterschreiben wollten: Neue Figuren erfinden, andere Welten erschaffen, mehr Geschichten erzählen, die berühren. Jetzt sind wir sehr aufgeregt und glücklich, dass wir mit Coco und Sophie zwei wunderbare neue Freundinnen erfunden haben, die endlich im April in die Welt hinaus dürfen.

Was ist der größte Vorteil, wenn man als Autorinnenduo schreibt?

Ach, da gibt es einiges. Wo sollen wir anfangen? Erstens müssen wir uns nie überlegen, für wen wir genau schreiben, oder wer unsere erste Leserin ist. Das steht bei uns einfach fest. Dann ist es ein Riesengeschenk, dass wir das, was wir so lieben, nämlich das Schreiben, ganz nah mit einer Freundin teilen können. Praktischerweise sind auch unsere Hochs und Tiefs im Schreibprozess meistens zeitversetzt, sodass wir uns gegenseitig pushen und vorantreiben können. Jede Freude rund ums Bücher veröffentlichen, vom Vertrag unterzeichnen, Besuch beim Verlag bis hin zur Manuskriptabgabe ist bei uns keine geteilte, sondern immer eine doppelte Freude. Wer erlebt das schon, dass es immer einen Menschen gibt, der sich genauso über Erfolge freut? Und das so gut wie 1 zu 1! Und wahrscheinlich das Beste ist: das gemeinsame Schreiben, Kreieren, Verwerfen, Redigieren. Bei uns ist das manchmal die reinste Lachkur. Beim Schreiben dieses Romans haben wir so viel und herzlich gelacht oder waren auch mal bei romantischen Stellen zu Tränen gerührt, dass wir natürlich hoffen, dass sich das über die Worte auf unsere Leser überträgt, und sie genauso viel Spaß auf der Reise mit Coco und Sophie haben werden. Und mitfühlen.
Wer sich jetzt noch wundert, dass wir zusammen Romane schreiben, dem antworten wir: Frauen machen so vieles zusammen, viele gehen sogar zusammen auf’s Klo, da können wir doch erst recht gute Bücher im Duo schreiben.

Wie kann man sich das Schreiben zu zweit praktisch vorstellen?

Das ist gar nicht kompliziert. »Coco und Sophie und die Sache mit Paris« ist zum Beispiel abwechselnd aus der Perspektive unserer beiden Protagonistinnen erzählt bei fortlaufender Handlung. Jede von uns hat eine Hauptfigur und die dazu passenden Nebenfiguren kreiert. Dann haben wir uns abgesprochen, wie alles passt, die Rahmenhandlung entwickelt und los ging‘s. Jede hat immer ein Kapitel geschrieben und das davor überarbeitet, das klappte perfekt im Wechsel. Obwohl wir den Plot ungefähr im Kopf haben, schreiben wir tatsächlich vieles improvisiert und sind dann selbst überrascht, was alles passiert, oder wer den Figuren begegnet. Die neuen Szenen dann von der Freundin zu lesen, ist jedes Mal total spannend. Und durch das Schreiben zu zweit können wir immer die doppelte Kreativität und Inspiration nutzen.

Sind Sie sich immer einig gewesen, wie die gemeinsame Reise endet?

Ja, das stand schnell fest. Es war klar, – vielleicht dürfen wir hier kurz spoilern – dass es ein großes Finale geben wird und wie die Liebesgeschichten jeweils ausgehen. Bei Coco und Sophie ist das wirklich ein rasanter Showdown, der in Paris endet. Und für all jene, die wie wir immer traurig sind, wenn schöne Geschichten zu Ende sind und die sich fragen, wie es danach wohl mit den liebgewonnenen Figuren weitergeht, für die haben wir noch einen lustigen Epilog verfasst. So wie es ihn manchmal in Filmen gibt. Voilà!

Paris ist das Ziel und die absolute Lieblingsstadt von Coco und Sophie. Was ist Ihr Reisetipp für den Sommer?

Es heißt ja »Paris is always a good idea«. Dem schließen wir uns an. Wir waren selbst auch schon bei 40 Grad Hitze dort und an stürmischen Regentagen – wunderbar ist es immer. Nirgendwo ist es romantischer im Straßencafé zu sitzen, kann man schöner über die Dächer schauen bis zum Horizont oder auf das Wunderwerk Eiffelturm, unter Alleen an der Seine spazieren. Eine von uns hat es sogar bis zum Heiratsantrag mit Wein und Kniefall am Grab von Jim Morrison und anschließender Hochzeitsreise in die Stadt der Liebe gebracht. Und natürlich ist auch das Elsass eine Reise wert. Das ist eine landschaftlich zauberhafte, unterschätzte Region, gar nicht weit von Deutschland entfernt. Mit herrlichen Weinen, leckerem Essen und gemütlichem, französischem Flair.
Auch wenn Sonnenau, das Dorf, in dem Coco und Sophie stranden, ein fiktiver Ort ist, gibt es dort viele, die unserem Dorf gleichen. Einfach hinfahren, anhalten und genießen. Und vielleicht begegnet Ihr dort auch einem Koch namens Paul oder speist in einem Restaurant mit bunten Stühlen und bordeauxfarbenen Markisen, das dem »Petit Paris« gleicht. Wer weiß …?

Und welche drei Lieder dürfen auf keiner Playlist für eine Reise nach Paris fehlen?

Klar, da ist erstmal »Taxi nach Paris«. Unser Mottosong, Titelsong, der uns tatsächlich auf die Idee zu diesem Roman gebracht hat, ein unvergessener, cooler Mitsing-Ohrwurm der Achtziger von Felix de Luxe. Dann natürlich die wunderbare Edith Piaf, die nichts bereut, »Je ne regrette rien«. Das würden Coco und Sophie nach ihrer turbulenten Reise auch unterschreiben. Und natürlich das Paris-Sehnsuchtslied schlechthin: Yves Montands »Sous le ciel de Paris«. Wer die Melodie im Kopf hat, ist richtig angekommen in der Sehnsuchtsstadt No. 1.

Merci und à bientot! Bis ganz bald!
Ihre Stephanie Jana & Ursula Kollritsch


Interview © Goldmann Verlag

Coco, Sophie und die Sache mit Paris

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