Leserstimme zu
Fest der Finsternis

Mörderische Zeitreise ins Jahr 1805

Von: Patno
19.10.2018

"Im September 1805 werden in den finsteren Gassen die Leichen blutjunger Mädchen gefunden." Schon der erste Satz vom Klappentext des am 13.02.2017 beim Heyne Verlag erschienenen Romans macht mich neugierig. Ein historischer Thriller, ein Fest der Finsternis, inszeniert von einem Leipziger Autor, umhüllt von einem tollen Cover. Die Pest wütet und beklagt unzählige Opfer. Auch der nach Brest strafversetzte Pariser Inspektor Louis Marais verliert Frau und Sohn an den schwarzen Tod. Er droht zu zerbrechen, als ihn plötzlich Polizeiminister Joseph Fouché nach Paris zurückbeordert. Marais soll die unheimliche Mordserie aufklären, die gerade die Stadt in Angst und Schrecken versetzt. Die jungen getöteten Frauen haben alle kurz vor ihrem Tod ein Kind zur Welt gebracht. Als der Polizeipräfekt Jean-Marie Beaume ermordet aufgefunden wird, wendet sich Marais an den berüchtigten Libertin Marquis de Sad und bittet ihn um Unterstützung. Das ungewöhnliche Ermittler-Duo begibt sich auf Spurensuche in die Finsternis. Wird es ihnen gelingen in den Abgründen des Bösen den Mörder zu finden? Mit Marquis de Sade und Louis Marais hat Buchautor Ulf Torreck eine ungewöhnliche Paarung geschaffen, die ich als Leser mit Begeisterung begleitet habe. Die beiden können unterschiedlicher kaum sein und doch fand ich es interessant, wie sie sich bei der Jagd nach dem Mörder ergänzt haben. Obwohl Torreck die Atmosphäre der damaligen Zeit in seinem Roman wunderbar widerspiegelt, wirken die Dialoge von Marais und de Sade beinahe cool und modern und peppen damit die Story auf. Mir hat die Sprache des Buchautors sehr gut gefallen. Manchmal schreibt er brutal direkt, gelegentlich vulgär, dann wieder eine Spur sarkastisch, je nachdem, wie es die Charaktere fordern. Torreck lässt seiner Fantasie freien Lauf, entwirft ein mitreißendes Szenario, in welches er real existierende Personen integriert. Das Setting ist perfekt. Ich fühlte mich in das Paris zu Beginn des 19 Jahrhunderts versetzt und habe mich von der mystisch düsteren Stimmung anstecken lassen. Die Spannung baut sich langsam auf. Zwischendurch wird es thrillermäßig gruselig. Die Frage nach Mörder und Motiv bleibt lange in der Finsternis, denn Ulf Torreck legt falsche Fährten. Manchmal schien mir die Lösung des Falles so nah und dann kam es doch anders. Die Handlung ist komplex. Man sollte konzentriert lesen, um sie in ihrer Gänze zu erfassen. Obwohl die 670 Seiten prinzipiell gut zu bewältigen sind, hätte ich mit die Geschichte insgesamt etwas komprimierter gewünscht. Die Ausführlichkeit der Beschreibungen drosselt gelegentlich das Tempo und es entstanden ein paar kleine Längen. In der Handlung finden sich oft Bezüge zum Buchtitel wieder. Klasse gemacht! Ich spürte beim Lesen das Herzblut des Autors, das sich in der Liebe zum Detail widerspiegelt und auf eine akribische Recherchearbeit schließen lässt. „Fest der Finsternis“ ist ein unterhaltsamer Thriller - eine beeindruckende Zeitreise mit eigenwilligen Darstellern vor der Kulisse Paris. Lesenswert!