Leserstimme zu
Halbfettzeit

Halbfettzeit (Tetje Mierenforf)

Von: Poldi
06.03.2019

Tetje Mierendorf ist bekannt geworden als lustiger Dicker, eine Rolle, die ihn erfolgreich hat werden lassen. Doch dass hinter der fröhlichen Fassade ein so gar nicht fröhlicher Mann steckt, schreibt Mierendorf in seinem ersten Buch „Halbfettzeit“. Er schildert, wie es zu seinem starken Übergewicht gekommen ist, welche Sorgen und Nöte ihn geplagt haben, welche schier unglaublichen Wege er eingeschlagen hat, um seinen Zuckerpegel konstant hochzuhalten. Aber eben auch, wie er sich davon befreit hat und sein Körpergewicht halbiert hat. Der Schreibstil ist locker und unterhaltsam, immer wieder streut er auch etwas von dem Humor ein, die ihn schließlich auch so sympathisch macht. Und dennoch geht er mit sich selbst sehr hart ins Gericht, analysiert seine tiefsten Ängste, sein eigenes Versagen, seine Lethargie. Das ist sehr persönlich geraten, man hat wirklich das Gefühl, an den Kern seines selbst zu gelangen. Respekt davor, den Lesern einen so umfassenden Einblick in diesen nicht gerade angenehmen Teil seiner Seele zu lassen. Ich habe ihm wirklich abgekauft, was er da schreibt. Daneben gibt er noch viele Informationen dazu, wie er es geschafft hat, so viel abzunehmen. Schreibt von Sport, von Zucker, von Medikamenten. Er ist seinen eigenen Weg gegangen, von dem man sich sicherlich eine „dicke“ Scheibe abschneiden kann. Allerdings schießt sein sicherlich motivierend gemeintes direkten Ansprechen des Lesers manchmal etwas über das Ziel heraus. Schließlich ist jeder Mensch anders, hat mit anderen inneren Dämonen zu kämpfen und muss auch seinen eigenen Weg finden, um sein Gewicht zu reduzieren und dann dauerhaft zu halten (wenn überhaupt notwendig...). Das Ganze wäre dann auch vielleicht noch authentischer, hätte er auch Phasen geschildert, in denen das Abnehmen, die Selbstkontrolle nicht so gut geklappt hätte. Fast mantraartig wird wiederholt, wie schwer der Weg ist, wirklich plastisch wird dieser Teil des Abnahmeprozesses aber nicht – vielleicht um die Motivation nicht wieder sinken zu lassen, aber das gehört nun mal leider oft auch dazu. Dennoch ist Mierendorf ein sehr überzeugendes Buch geraten, das nicht nur einem selbst die Augen öffnen kann, weil man sich den einen oder anderen Dingen wiedererkennt. Sondern auch, weil der Autor so schonungslos mit sich umgeht, den Leser so nahe an sich heranlässt. Es ist genau diese Kombination, die mir so gut gefallen hat und die verstehen lassen, wie Mierendorf zu dem Menschen geworden ist, der er jetzt ist.