Leserstimme zu
Leere Herzen

Juli Zeh "Leere Herzen"

Von: Was Silke liest
11.03.2019

Nachdem dem hervorragenden Roman „Unterleuten“ konnte es eigentlich nur schlechter werden. Doch welch Überraschung: „Leere Herzen“ spielt mindestens in der gleichen Liga! Ich habe das Buch an einem Abend verschlungen. Braunschweig 2025: Britta Söldner und ihr Geschäftspartner Babak Hamwi betreiben eine gutlaufende Praxis für Suizidgefährdete, genannt „Die Brücke“. Doch keiner weiß, dass nicht die Heilung der Patienten das Ziel ist, sondern Britta und Babak ein sehr lukratives Geschäft mit dem Tod betreiben. Als plötzlich ein lästiges Konkurrenzunternehmen auftaucht, ist nicht nur die angebliche Heilpraxis sondern auch das Leben der beiden Inhaber in Gefahr … „Leere Herzen“ ist eine gesellschaftskritische Mischung aus dystopischem Polit- und Psychothriller. Juli Zeh beschreibt eine düstere Zukunftsvision, bei der die Menschen nicht mehr zur Wahl gehen und die Partei „Besorgte-Bürger-Bewegung“ – unter anderem mit ihrer Innenministerin „Wagenknecht“ - das Land regiert. Die nicht allzu ferne Zukunft wird zwar etwas überspitzt, aber doch glaubwürdig dargestellt. Die Autorin will ihre Leser wachrütteln. Sie zeigt, wie unser Leben aussehen könnte, wenn niemand mehr Verantwortung in der Gesellschaft übernimmt und sich Politik und Wahlen verweigert. Sie hält ihren Lesern den Spiegel vor, denn schon zu Beginn heißt es: „Da. So seid ihr.“ Mit ihrem raffinierten und flüssigen Schreibstil hat mich Juli Zeh sofort eingefangen. Sie versteht es Spannung aufzubauen und diese von Kapitel zu Kapitel zu steigern. So fiebert man Seite um Seite der Enthüllung der Geheimnisse um die „Brücke“ entgegen. Mit „Leere Herzen“ ist es der Autorin wieder gelungenen einen spannenden, provokanten, und sogar schockierenden Roman abzuliefern, der zum Nachdenken anregt. Ich kann dessen Lektüre nur ausdrücklich empfehlen!!!