Leserstimme zu
Future

Dmitry Glukhovsky: Futu.re

Von: denkdiers
25.03.2019

Europa im 26. Jahrhundert. Jan Nachtigall ist einer der Unsterblichen. Einer Garde, die ein Leben für ein anderes nimmt. Wer immer ein Kind unter die 120 Milliarden anderen Europäer bringt, wird mit einem Akzelator gespritzt, sodass die über das Wasser empfangene Resistenz gegen das Altern aufgehoben wird. Während sich die Menschenmassen in einem ewigen Leben in kilometerhohen Türmen aus Kohlenstoffkomposit den Genüssen des Lebens hingeben, erlebt Jan eine turbulente Reise und beginnt, seine Arbeit langsam mit anderen Augen zu sehen. Seine Vergangenheit im Internat, in welches alle illegal geborenen Kinder verwiesen werden, wird eindrucksvoll aufgearbeitet, genau so wie alle offenen Fragen, die sich während des Lesens ergeben, von Glukhovsky beantwortet werden. Der 925 Seiten starke Roman beginnt etwas schwerfällig, wirkt an manchen Stellen der ersten Hälfte sehr in die Länge gezogen. Doch umso weiter sich der Leser in der Geschichte fortbewegt, die Welt der Zukunft kennen und hassen lernt, umso wichtiger wird dieser schleppende Anfang - wie ein unendliches Leben, in denen kein Druck mehr herrscht, seine Ziele in der Lebenszeit zu erreichen. Der Erfinder des Metro-Universums hat mit „Futu.re“ einen großartigen Zukunftsroman vorgelegt, der typisch düster für den russischen Autor ist, gleichzeitig aber auch sehr emotional. Schon das sich ab Seite 700 anbahnende Ende ist das Lesen des Romanes bereits wert - die Vision in dieser äußerst packenden Geschichte aber definitiv auch.