Leserstimme zu
Die Frauen von Salaga

Die Frauen von Salaga

Von: Jennifer
10.04.2019

*VORSICHT SPOILER* Der Roman “Die Frauen von Salaga” handelt von zwei jungen Mädchen, der Sklavin Aminah und der Königstochter Wurche, deren Leben sich kreuzen und die sich beide nach Freiheit sehnen. Ich war zu Beginn des Romans wirklich skeptisch, gerade weil ich bei den ganzen mir fremden Begriffen und Namen nicht wirklich durchgeblickt habe, und es schwer war, die Leute auseinander zu halten. Aber sehr schnell konnte ich das Buch gar nicht mehr aus den Händen legen, so sehr haben mich die Geschichten der beiden Mädchen gefesselt. Aminah zeigt unglaubliche Stärke, als sie und ihre Geschwister gefangen genommen werden, und sie versucht diese und sich selbst zu beschützen. Sie entwickelt sich leider kaum weiter, ist jedoch schon zu Beginn der Geschichte unglaublich erwachsen, und so stört ihre fehlende Entwicklung nicht. Immerhin schafft sie es mit der Zeit, ihre Angst vor Männern zu überwinden und sich sogar in einen zu verlieben. Wurche ist der vielleicht beeindruckendste Charakter, über den ich seit langem gelesen habe. Sie ist eine unglaublich kluge und fortschrittliche Frau, die sich ein Mitspracherecht in den Geschäften ihres Vaters wird, anstatt dessen aber in einer erzwungenen Ehe leben muss. Sie steht in einem ständigen Kampf mit sich selbst, in dem sie zwischen Ihrer Familie und einer möglichen Freiheit wählen muss. Im Laufe der Geschichte entscheidet sie sich für die Freiheit, um dann doch zu Ihrer Familie zurück zu kehren. Beeindruckt hat mich Attahs Roman vor allem wegen seiner Tiefsinnigkeit. Attah geht intensiv auf die Schrecklichkeit der Sklaverei ein, zeigt sowohl schlechte als auch gute Sklavenhalter und lässt Aminah einen weg von Depressionen bis hin zur Freiheit gehen. Gleichzeitig beweist sie dem Leser, dass auch mächtige Frauen Pflichten unterliegen und teilweise kaum freier sind, als ihre Sklaven. Des Weiteren bringt sie den Konflikt zwischen Afrikanern und Europäern, sowie den zwischen Europäern untereinander, ein und macht einem bewusst, wie extrem das Leben der afrikanischen Einwohner sich durch das Auftauchen der Europäischen Einwanderer veränderte. Ich hätte mir eine stärkere Auseinandersetzung mit diesem Thema gewünscht, gerade weil Wurche schließlich eine Affäre mit einem Deutschen beginnt. Doch Attah hat sich so intensiv mit dem Thema Freiheit beschäftigt, dass wenig Platz für die Auseinandersetzung mit der Kolonialisierung blieb. Attah macht einem bewusst, wie wichtig die Freiheit für die seelische Gesundheit des Menschen ist, und hat mich auf jeden Fall nachdenklich gemacht. Ich war erstaunt, wie schnell und abrupt die Geschichte endete, und hätte mich gefreut mehr über den Rest der Geschichte beider Mädchen zu erfahren, jedoch ist es Attah wunderbar gelungen, den Leser nachdenklich und mit dem Wunsch, in andere Ihrer Geschichten einzutauchen. Ich kann diesen Roman jedem, der neue Hoffnung sucht, und sich näher mit den Themen Sklaverei, Freiheit und Feminismus beschäftigen möchte, wärmstens empfehlen. Es ist eine unglaublich tiefgreifende Geschichte, voller Liebe und Hass, Hoffnung und Angst. Das Lesen lohnt sich!