Leserstimme zu
Triumph und Fall

Mitschwimmen auf der Welle

Von: Valerie Süßmuth
19.05.2019

Vorneweg- dies war mein erster Archer, ich hatte die bekannte Clifton Saga vorher also nicht gelesen und der Autor war gänzlich neu für mich, sodass ich keine Vergleichsmöglichkeiten mit früheren Werken hatte. Die Story des Romans ist schnell erzählt und der Klappentext leistet da schon gute Dienste: Armer Junge aus entsprechender Wohngegend hat große Pläne und will sich hocharbeiten- sozusagen vom Tellerwäscher zum Millionär, eine klassische Geschichte also. Gewürzt sein sollte das ganze dann noch mit Liebe und Drama- soweit so gut. Ich erwartete also (auch aufgrund des Hypes um den Autor) einen netten Schmöker mit historischem Hintergrund. An sich eine angenehme Kombination, die man so ja auch schon kennt. Und eben das ist es auch- man kennt es bereits. Zu keinem Zeitpunkt konnte mich der Roman in irgendeiner Weise überraschen. Der Sprach- und Erzählstil bleibt absolut einfach, ohne Raffinesse oder gar Bilder im Kopf, die Sätze sind kurz und schmucklos. Nun gut, das kann man soweit ja alles tolerieren- ein Schmöker für den Liegestuhl muss keinen literarischen Anspruch haben. Aber das Buch hatte aus meiner Sicht einige eklatante Schwächen- zum Einen bleiben die Charaktere totenblass und archetypisch. Zu keiner Zeit fiebert man mit, das Schicksal der Figuren interessiert einen kaum. Doch zum Glück geht es den Figuren selbst ebenso- verlieren sie beispielsweise ein Kind, ist das Ganze nach zwei Seiten wieder vergessen und wird nie wieder erwähnt. Null Tiefe, null Emotion. Das Ganze las sich wie eine wissenschaftliche Abhandlung, und wenn Emotionen, dann waren sie nicht glaubhaft und kamen aus heiterem Himmel, ohne dass der Leser sich darauf einen Reim hätte machen können (so die typische unsterbliche Liebe auf den ersten Blick). Es gab noch diverse Beispiele dafür, da müsste ich aber zu sehr auf den Inhalt eingehen. Zudem baut sich einfach überhaupt keine Spannung auf, weil den Figuren alles in den Schoß fällt- ein armer Schlucker will einen ganzen Häuserblock kaufen- kein Thema, es finden sich immer nette Menschen die ein gutes Wort einlegen oder Geld beschaffen können. Niemals hört er, dass er mal etwas vernünftig sein sollte, im Gegenteil- für ihn wächst das Geld auf Bäumen. Alles also leider sehr unglaubwürdig. Schicksalsschläge nehmen die Figuren einfach so hin- spätestens im nächsten Kapitel spielen sie keine Rolle mehr. Wie ich nach dem Lesen erfuhr, hat die Handlung auch sehr viele Parallelen zur Clifton Saga, selbst 'überraschende Wendungen' sind dieselben. Ich muss also leider sagen, mein Geschmack war es gar nicht, dieses Buch. Für mich hatte es den Charme eines Groschenromans- oder eines zweimal aufgewärmten Mikrowellengerichts. Diesmal also leider keine Empfehlung.