Leserstimme zu
Die andere Frau

Eher ein Familiendrama als ein Psychothriller

Von: Madita13
10.08.2019

Der Psychologe Joe O´Loughlin ist als erster im Krankenhaus, nachdem er den Anruf erhalten hat, dass dieser nach einem Überfall im Koma liegt. Doch die Frau, die dort sitzt und seine Hand hält, ist nicht seine Mutter. Olivia behauptet, dennoch Williams Ehefrau zu sein und weigert sich, von seiner Seite zu weichen. Joe weiß nicht, was er davon halten soll. Wer ist sie? Die Geliebte seines Vaters? Wirklich eine weitere Ehefrau? Eine Betrügerin? Die Polizei will ihn von dem Fall ausschließen, doch das lässt er nicht auf sich sitzen und beginnt, eigene Ermittlungen anzustellen, doch die Wahrheit scheint sich immer wieder zu verbiegen, bis er nicht mehr weiß, was wirklich geschehen ist, und was nicht. Zusätzlich dazu gibt es immer mehr Anzeichen, dass seine jüngste Tochter Emma mit dem Tod ihrer Mutter nicht umgehen kann - Joes Familie scheint immer instabiler zu werden und er hat alle Hände voll zu tun, um sie zusammenzuhalten und gleichzeitig denjenigen zu finden, der seinen Vater umbringen wollte... „Manche Männer sind Kämpfer, Joseph, und manche sind Denker, und manchmal begegnen wir unserem Schicksal auf dem Weg, den wir genommen haben, um ihm zu entgehen." S. 334 Ich habe bereits mehrere Bücher von Michael Robotham und seinem Psychologen Joe O´Loughlin gelesen, die mir alle sehr gut gefallen haben. Diese Bücher habe ich jedoch nicht in der richtigen Reihenfolge gelesen, dennoch kommt man gut mit, auch wenn man immer wieder etwas erfährt, das einem neu ist. In diesem Fall wusste ich z.B. das von Joes Ehefrau noch nicht, aber trotzdem hatte ich keine Probleme damit, der Handlung zu folgen. Es ist also überhaupt kein Problem, einfach mit irgendeinem Buch in die Reihe einzusteigen! „Ich habe Jahre gebraucht, um zu begreifen, dass Schicksal das ist, was trotz unserer Pläne geschieht." S. 334 Der Schreibstil des Autors ist wie gewohnt flüssig und leicht zu lesen. Er schafft es immer wieder, seine Leser von Anfang an zu fesseln und die Spannung gekonnt bis zum Schluss zu steigern. Dieses Buch ist sehr viel persönlicher als die Vorgänger, es geht vor allem um Joes Familie, seine Vergangenheit und die seines Vaters. Also sehr viel Charakterbildung. Dadurch wirkt es etwas weniger wie ein Psychothriller, weil es eben nicht um einen Serienkiller und dessen Psyche geht. Dennoch kann das Buch einen fesseln, und aus dem Familiendrama wird gegen Ende doch noch so etwas wie ein Thriller - allerdings ein ziemlich unblutiger, bodenständiger und recht gewaltfreier. Allerdings immer wieder mit einigen politischen Seitenhieben ;) „Väter und Mütter enttäuschen uns irgendwann immer. Am Anfang idealisieren wir unsere Eltern, lieben sie bedingungslos und halten sie für unfehlbar, bis wir sie eines Tages bei einer Lüge, einem Betrug oder einem Vorurteil erwischen uns unsere Götter auf die Erde stürzen.." S. 434 Insgesamt ein tolles Buch rund um ein Familiendrama, das es durchaus in sich hat. Im Vergleich zu den vorangegangenen Büchern ist es allerdings etwas weniger spannend, da das Hauptaugenmerk auf den Charakteren liegt, was mir gut gefallen hat, aber eben nicht ganz so fesselnd war, wie ich vom Autor eigentlich gewohnt bin. „Das Leben hat Möglichkeiten. Es hat zweite, dritte und vierte Chancen. Es hat Musik und Lachen, Liebe und Hoffnung.." S. 456 Fazit Toll zu lesendes Familiendrama mit ein paar Thriller-ähnlichen-Zügen, spannend aber unblutig, wenig Gewalt und dafür sehr viel Charakterzeichnung. Ein Ausflug in Joes Seele, sein Leben und seine Familie - aber insgesamt nicht wirklich ein Thriller.