Leserstimme zu
Adrian hat gar kein Pferd

Die Kraft der Fantasie,

Von: Unendlich vielseitig -Roja,
24.09.2019

Seit einiger Zeit liegt ein Bilderbuch auf meinem Nachttisch, das ich immer wieder zur Hand genommen habe, Seiten intensiv betrachte, wirken lasse, um dann still und nachdenklich über das Gesehene, Gelesene zu sinnieren. . Schon auf den ersten Blick verrät das Cover, dass „Adrian hat gar kein Pferd“ von Marcy Campbell und Corinna Luyken, erschienen bei cbj, ein außergewöhnliches Bilderbuch für Kinder ab 5 Jahren ist, viel Diskussionspotenzial enthält. Zu Gesprächen animiert und die Fantasie anregt. . Wie das funktioniert? . Durch den Blick auf den Alltag. Durch Worte eines Mädchens, das die Wahrheit sehen will. Die Welt der Fantasie ist keine Option für sie. Träume, wie bei ihrem Klassenkamerad Adrian, rücken in weite Ferne. Und was Zoe am meisten ärgert: Adrian erzählt von seinem Pferd. Einem weißen Pferd mit goldener Mähne und den schönsten und größten braunen Augen, die man sich vorstellen kann. Dabei hat Adrian gar kein Pferd. Das weiß Zoe ganz genau. Wie soll man ein Pferd haben, wenn man in der Stadt lebt? Wenn man ein kleines Haus besitzt, das kaum Garten hergibt? In armen Verhältnissen lebt? Zoe versucht alle um sich herum von ihrer Meinung zu überzeugen, ihre Freunde, ihre Mutter. Doch Adrian erzählt immer mehr Kindern von seinem Pferd. Diesem einzigartigen Wesen. „Wir müssen Verständnis haben. Wir müssen geduldig sein.“ sagt ihre Lehrerin immer. Aber wie soll man das sein, wenn nicht die Wahrheit gesprochen wird. Bis eines Abends Zoes Mutter beschließt einen Spaziergang zu machen. Mit ihrem kleinen Hund Molly. Es ist ein weiter Weg, eine kleine Reise zu jenem Ort, der Zoe die Augen öffnet und ihr die Welt der Fantasie eröffnet. . Was habe ich zu Anfang mit diesem Buch gerungen. Mich gegen diese Meinung von Zoe gesträubt. Mich geärgert und mit Adrian mitgelitten. Ein kleines Mädchen, das die Welt nur in ihrer Version sehen will. Uns ihre erzählt. Keine andere Meinung zulässt und es wahrlich schafft, den/die Leser*innen ins Grübeln bringt. Seite für Seite nimmt unser Zweifel zu und es steht außer Frage, dass Adrian nicht die Wahrheit erzählt. Doch ist es das, worum es geht? Adrian baut sich eine Welt auf, die ihn und andere um ihn glücklich machen. Geschichten zu erzählen, Träume wahr werden zu lassen, auch wenn sie nur in unseren Köpfen existieren. Und ist es nicht das, was Literatur ausmacht? Genau diese kontroversen Gedanken, die mich über Gelesenes und Gesehenes nachdenken lassen? Uns Türen zu anderen Welten öffnen? Und wiedermal ist es ein Bilderbuch, das mich wachrüttelt. Mir die Gesellschaft vor Augen zeigt und ich völlig beseelt einen weiteren Schatz in meinem Bücherregal aufgenommen habe, der nicht nur Kindern, sondern besonders Erwachsenen zeigt, dass Träume und die eigene Fantasie zum Greifen nah sind und der erste Schritt zu einem erfüllten Leben sind. Lügen sind zweifelsohne nicht der Weg, aber es liegt in unserer Hand, was wir glauben wollen. Und sind Geschichten und Erzählungen nicht genau das? Welten, die uns auffangen und träumen lassen? . Damit aber nicht genug. All diese Gedanken wären nicht möglich gewesen, gäbe es da nicht diese traumhaft schönen Illustrationen. Liebevoll, fantasievoll und ehrlich tauchen wir ein in die Welt von Zoe und auch von Adrian. Nehmen jeden Blickwinkel ein, um uns eine eigene Meinung zu bilden. Und das gemeinsam mit unseren Kindern, mit Schulkindern, Kindergartenkindern, um fantastische Gedanken miteinander zu teilen. . Eine kleine philosophische Reise und die Macht der Fantasie. Toll! ,