Leserstimme zu
Die Brillenmacherin

Von Rittern und Ketzern, Brillen und Bibeln

Von: Marianne
28.03.2020

Eine mutige junge Frau, Catherine, reist ihrem Mann nach, da er länger wegbleibt, als erwartet. Es ist das Ende des 14. Jahrhunderts. Brillen sind ein kostspieliges und begehrtes Gut. Die Herstellung einer Brille, die zur Sehschwäche des Auftraggebers passt, ist sehr aufwendig. Es müssen viele Brillen gefertigt werden, bis das richtige Glas gefunden ist. Catherine liebt und bewundert ihren Mann. Zu gerne würde sie von ihm in diese geheimnisvolle Kunst eingeweiht werden. Sie beobachtet ihn bei der Arbeit, und mit ihrer raschen Auffassungsgabe meistert sie schnell dieses besondere Handwerk. Aber dann wird ihr Mann ermordet. Sein Lohn ist weg, die geheimnisvolle Papiere, die er bei sich trug, auch. Catherine wird bedroht, und alle Brillenwerkzeuge werden geraubt. Zuletzt verliert sie noch ihr Zuhause, und das alles, obwohl sie schwanger ist. Sie sucht ihren Bruder auf, der selbst schwere Schicksalsschläge hinnehmen musste. Gibt es einen Zusammenhang? Will jemand Catherine und ihren Bruder vernichten? Es ist schwer zu wissen, wem sie vertrauen können. Beide finden beim Erzbischof Courtenay Zuflucht. Catherines Bruder wird als Bogenschütze ausgebildet, und Catherine muss unfreiwillig Aufträge für den Bischof ausführen. Unfreiwillig, da sie ihr geliebtes Baby nicht behalten kann, wenn sie den Wünschen des Bischofs nicht Folge leistet. Courtenay hat nur ein Ziel vor Augen. Er möchte die Ketzer ausrotten, allen voran den Doktor Hereford, der die Bibelübersetzung Wycliffes weiterführt. Er befürchtet, wenn diese Schrift, die Bibel, in die Hände des Volks gelangt, wird die mächtige Kirche die Menschen nicht mehr kontrollieren können. Dieser historische Roman ist spannend geschrieben. Am Anfang fällt die Identifizierung mit den beschriebenen Personen schwer. Es tauchen auch schnell viele Namen auf. Aber nach einigen Seiten hat man sich eingelesen, und fiebert mit der verzweifelten Catherine mit. Catherine ist eine mutige Heldin, aber ihre Entscheidungen sind manchmal nicht so leicht nachzuvollziehen. Die bildhafte Sprache, mit vielen Naturbeschreibungen, malen ein Bild dieser ruhigen Welt vor Augen. Anders als heute, musste man reisen, um eine Nachricht zu überbringen, und es waren viel mehr Tiere und Vögel zu sehen. Auch die Gebräuche und Sitten des 14. Jahrhunderts werden gut wiedergegeben, von der mühseligen Herstellung einer Brille, bis hin zur Belagerung einer Burg. Die Bereitschaft der sogenannten Ketzer für die Wahrheit zu sterben, und ihr Wunsch Gottes Wort in einer für alle verständlichen Sprache weiterzugeben, wird eindringlich vor Augen gemalt. Fazit: Ein spannender historischer Roman über die Zeit vor der Reformation. Mutige Ritter, die Kunst des Brillenmachens, das Leben auf einer Burg und der Streit zwischen Kirche und Reformatoren; das sind einige Themen in diesem lesenswerten Buch.