Leserstimme zu
Wildpflanzen essen

Ein praktisches Handbuch über Wildkräuter

Von: Küchenliebelei
15.06.2020

Obwohl ich ein Dorfkind bin, weiß ich über Pflanzen viel weniger, als ich gerne würde. Trotzdem reizt es mich seit vielen Jahren, mehr Pflanzen aus der Heimat zu erkunden und zuzubereiten. Also brauche ich Hilfe. Ich frage gern erfahrene Menschen um Rat, lese, benutze im Zweifelsfall noch einmal die ein oder andere Pflanzenbestimmungsapp. Wie passend, dass jetzt gerade ein neues Buch zu Wildpflanzen erschien. Das wollte ich mir unbedingt genauer ansehen. Erster Eindruck: Das Buch hat ein handliches Format, das kann man auch gut mitnehmen, in den Garten, in den Wald, es passt in den Rucksack. Gleichzeitig sieht es wertig aus. Die Farbgestaltung ist angenehm, die Schriftart simpel, erinnert an Schreibmaschinenschrift. Das Inhaltsverzeichnis – und auch das gesamte Buch – ist nach Monaten sortiert, in denen geerntet werden kann. Los geht es also mit Magnolien oder Brennnesseln im März und April, über Waldmeister und Rotklee im Mai und Juni, wilde Rauke und Klatschmohn im Juli und August, Buschmalve und Hagebutten im September und Oktober bis zu Ideen für den Winter. Vor den eigentlichen Pflanzen- und Rezeptseiten steht eine Seite mit wichtigen, nützlichen Informationen. Respektvoll mit der Natur umgehen: Nur ernten, was man braucht, umsichtig sein. Vorsichtig sein: Nur sammeln, was man zweifelsfrei erkennt. Zu jeder Pflanze gibt es zunächst eine Doppelseite. Links eine Detailaufnahme der Pflanze, sodass man diese gut erkennen kann. Rechts eine Kurzbeschreibung: Wann blüht oder wächst die Pflanze, was kann man davon essen, wie wirkt die Pflanze. Auf den nächsten Seiten folgen, zumindest bei den meisten Pflanzen, ein oder zwei Rezepte. Magnoliensirup, Brennnesselsuppe oder Walnusslikör – das klingt für mich alles nach soliden Rezepten mit Pflanzen, die ich zweifelsfrei erkenne. Gundermannpesto, Flammkuchen mit Schafgarbe oder Kartoffelstampf mit Kletten-Labkraut? Klingt reizvoll, auch wenn ich die Pflanzen noch nicht kenne. Da würde ich vermutlich noch einmal recherchieren. Gibt es Pflanzen die ähnlich aussehen? Mit solchen Informationen ist das Buch eher sparsam. Auf die Pflanzen, fertig, los! Ich ziehe also durch den Garten, pflücke zunächst Bärlauch. Den kenne ich ja! Nicht weit entfernt sind zarte erste Brennnesseltriebe, davon pflücke ich auch ein paar, denn ich würde gerne das Kräuterbrot ausprobieren. Auch finde ich Knoblauchsrauke, davon wächst in unserem Garten eine Menge. Der Joghurtdip mit Knoblauchsrauke klingt gut! Mein Schwiegervater erzählt, dass Knoblauchsrauke beim Erhitzen ihren Geschmack verliert. Ich lese nach und finde mehrere Quellen, die da bestätigen. Auch beim Trocknen ginge demnach der Geschmack verloren. Das wäre eine Information, die ich mir auch im Buch gewünscht hätte. (K)ein Kochbuch? Für mich ist dieses Büchlein nicht in erster Linie ein klassisches Kochbuch. Ich lese nicht ein Rezept, beschließe, es auszuprobieren und kaufe dann ein. Ich durchstöbere das Büchlein, werde inspiriert, in die Natur zu gehen, meine Region zu erkunden, den Garten zu inspizieren. Ich schlage in dem Büchlein nach, nutze es als Ratgeber. Die Rezepte klingen gut und ich merke mir einige davon vor: Wenn die Walnüsse grün sind, möchte ich den Likör ansetzen. Ich möchte die Augen offenhalten, nach Vogelmiere und Acker-Senf, und den Salat ausprobieren! Ich möchte Waldmeister sammeln und einen Maiwein ansetzen. Fazit Es ist für mich ein gelungenes Buch, eine große Freude. Es ist hübsch, handlich, praktisch und robust. Es gibt es kein Stichwortverzeichnis, keine alphabetische Sortierung; nur das doppelseitige Inhaltsverzeichnis hilft, sich zurechtzufinden. Aber, wie gesagt: Die Gliederung nach Monaten ist praktisch. Die Pflanzenbilder sind schnörkellos und helfen gut, die Pflanzen zu erkennen und zu finden. Auch die Rezeptbilder sind sehr ansprechend. Dazwischen gibt es weitere ganzseitige Bilder, z. B. vom Sammeln, von Gartenfeiern oder gemeinsamen Unternehmungen. Die geben dem Büchlein eine persönlichere Note, trotzdem hätte es für mich davon etwas weniger sein können. Ich komme da auf rund 15 Seiten, auf denen ich lieber noch das ein oder andere Rezept oder eine weitere Pflanze gehabt hätte.