Leserstimme zu
Tränen der Erde

Liebe und Emotionen vor dem Hintergrund des sich anbahnenden 30jährigen Krieges

Von: Monika Caparelli-Hippert
22.06.2020

Zitat Klappentext: „ Getrennt durch die Religion - geeint in einem Verbrechen: Zwei Familien, die sich dem Schicksal stellen müssen.“ Hinter „Zach-Bauer“ verbirgt sich ein Autorenduo: Bastian Zach und Matthias Bauer haben schon diverse Romane und Drehbücher zusammen verfasst, und nun gemeinsam ein episches Familiendrama vor dem Hintergrund des sich anbahnenden 30jährigen Kriegs geschrieben. Mich persönlich fasziniert diese Epoche sehr, er ist, wie die Autoren im Nachwort sagen, die Zeit eines Krieges, „der noch heute als Synonym für Verrohung und Verblendung des Menschen steht, aber auch für die Fähigkeit, sich zu besinnen und wieder aufzubauen“. Offiziell beginnt der Krieg 1618, ein Konflikt um die Vormachtstellung des Heiligen Römischen Reiches in Europa, beginnend als Religionskrieg zwischen Lutheranern und Katholiken, ausufernd aber natürlich als Territorialkrieg. Man kann keinen Roman in dieser Zeit ansiedeln, ohne nicht auch auf die geschichtlichen Hintergründe einzugehen, und das ist den Autoren definitiv sehr gut gelungen. Der Roman beginnt 1583 in Deutz: die Stadt wird belagert, und im letzten Augenblick gelingt es den Tagelöhnern Johannes Heidfeldt und Christoph Ackermann mit ihren Frauen zu fliehen. Der Preis dafür ist teuer, aber es gelingt den beiden, weit weg in der freien Reichstadt Schwäbischwerd ein neues Leben aufzubauen – ein gutes neues Leben. Beide kommen zu Reichtum und Ansehen. Christoph als Lutheraner schafft es in den Stadtrat, Johannes als Katholik hat die schlechteren Karten gezogen, denn die Repressalien gegen die Katholiken nehmen beständig zu. Trotzdem schaffen sie es, ihre Freundschaft immer hoch zu halten, und die Hochzeit zwischen ihren ältesten Kindern soll eigentlich ein Zeichen hierfür setzen. Doch weder der einen noch der anderen Familie ist dauerhafter Frieden und Glück gegönnt, denn alte Geheimnisse und Schulden ziehen ihre Kreise, aus denen es kein Entkommen zu geben scheint…. Schwäbischwerd ist nicht fiktiv, das ist der frühere Name von Donauwörth, und gemeinsam mit den Heidfeldts und Ackermanns durchleben wir die letzten Jahre, in denen der Religionskonflikt zunimmt, bis es zur sogenannten „Reichsacht“ kommt, und der Stadt alle Rechte genommen werden und zur Verdeutlichung der Macht des Kaisers auch die Umbenennung in Donauwörth erfolgt. Und diese Zeiten waren krass: Katholiken und Protestanten bekriegen sich aufs Blut, egal ob es sich um Freunde oder Nachbarn handelt, und eine ganze Stadt steigert sich in den Wahnsinn hinein (und ich konnte nur den Kopf schütteln, denn die Menschheit scheint die letzten 400 Jahre nicht allzuviel gelernt zu haben…viel schlauer tragen wir aktuell unsere Glaubens- und Rassismusdebatten auch nicht aus….). Historisch verbürgte Fakten mischen sich hier wunderbar mit der Fiktion, und ich war hier wirklich gepackt und bestens unterhalten. Ich fand es lebensecht und fesselnd beschrieben. Der Roman ist in der auktorialen Erzählform geschrieben, was einerseits es immer leicht macht, alle Erzählstränge für den Leser gut zu verbinden, zum anderen manchmal aber auch etwas distanziert wirken kann, aber das fand ich hier nicht. Es gibt hier mehrere Protagonisten, und ich fand alle stimmig und interessant beschrieben. Ich hatte jetzt hier nicht den einen Held, die eine Heldin, mit der ich die ganze Zeit mitgefiebert habe, hier gabs mehrere gleichberechtigte Protagonisten, und das war mich stimmig. Alles in allem: für mich ein tolles Buch, das ich gerne weiterempfehle! Stimmiges Setting, super recherchiert, packende Geschichte. Daumen hoch!