Leserstimme zu
Der Löwe erwacht

Zäher Auftakt einer Trilogie

Von: Rissa
27.06.2015

Inhalt Schottland, 1297: John Balliol, König der Schotten, ist von Englands König, Edward I., abgesetzt und seiner Insignien beraubt worden. Doch noch immer brodelt der Widerstand gegen die englische Besatzung, immer wieder begehrt das Volk gegen die Unterdrücker auf, und auch die Adeligen Schottlands müssen sich für eine Seite entscheiden. Henry “Hal” Sientcler ist ein junger Ritter, der sich eigentlich aus den Kriegshandlungen heraushalten will, doch so einfach ist dies nicht. Auf der Burg Douglas trifft er auf Robert Bruce und John Comyn, den Earl of Buchan, deren Familien verfeindet sind. Als während einer Jagd eine Leiche gefunden wird, sind mehrere Parteien an der Aufklärung des Mordes interessiert… Meine Meinung Wenn ich diesen Einstieg in eine Trilogie mit einem einzigen Wort beschreiben müsste, so wäre dies “verwirrend”. Denn obwohl ich durch andere Romane bereits mit einem Großteil der historischen Persönlichkeiten vertraut bin, hatte ich hier doch meine Schwierigkeiten, überhaupt durchzusteigen. Dies liegt zunächst an der großen Anzahl der Charaktere, die gleich zu Beginn eingeführt werden, fiktive wie auch historische. Aber nicht die Anzahl ist so verwirrend, sondern besonders die Art und Weise der Einführung hat mir Schwierigkeiten bereitet. So geht es zu Beginn seitenweise um den “Hundejungen”, der keinen anderen Namen trägt, darum, wie er in diese Position gekommen ist, wie er von den Menschen um ihn herum behandelt wird. Doch viele der in dem Zusammenhang eingeführten Personen tauchen im weiteren Verlauf des Romans gar nicht weiter auf, stattdessen wird die nächste Person und deren Umkreis genauer vorgestellt. Und so hat es eine ganze Weile gedauert, bis sich eine richtige Hauptperson herauskristallisiert hat. Dabei handelt es sich um Hal Sientcler von Herdmanston, einen jungen Ritter ohne großes Vermögen, der eigentlich Sir Patrick Dunbar lehnspflichtig ist, durch die Umstände aber in den Dienst der Bruces gerät. Durch die Ermittlungen und die Liebe gerät er zwischen die Fronten. Seine Motive konnte ich größtenteils nachvollziehen, auch wenn mir ein wenig der Einblick in sein Innenleben gefehlt hat. Bei vielen der Nebenfiguren handelt es sich um Leute niederen Standes. Da wären Hals Gefährten, die mit ihm durchs Land ziehen und auch an Kämpfen gegen die Engländer teilnehmen, doch mit den wenigsten bin ich in irgend einer Form warm geworden, sie waren bloß eine Reihe von Namen, die dann nach und nach aus dem Roman verschwunden oder auch mal dazugekommen sind und die sich höchstens durch äußere Merkmale hervorgetan haben. Dann ist da noch der walisische Bogenschütze Addaf, der auf Seiten der Engländern an den Schlachten bei Stirling Bridge und Fallkirk teilnimmt und durch dessen Augen man einen Blick auf die andere Seite erhaschen kann, der aber eigentlich keine große Rolle spielt. Und dann sind da noch diejenigen, die in irgendeiner Form in den Mordfall verwickelt sind. Um einen Überblick über die ganzen Charaktere zu behalten, gibt es ein sehr ausführliches Personenregister. Zum Nachschlagen zwischendurch finde ich es jedoch ungeeignet, weil auf Ereignisse, die lange nach Ende des ersten Bandes der Trilogie geschehen, eingegangen wird. Zusätzlich war auch die Handlung zunächst schwer nachzuvollziehen. Wer steht hier gerade auf welcher Seite und warum, warum treffen alle auf Burg Douglas zusammen, und warum ist der Tote, der während der Jagd aufgefunden wird, plötzlich so wichtig? Der Mordfall wirkt hier meiner Meinung nach doch recht aufgesetzt, denn auch wenn er mit einem großen Geheimnis zusammenhängt, so konnte er mich gar nicht packen. Erst nach etwa der Hälfte des Romans war ich in der Geschichte drin, nachdem die vielen handelnden Personen aufgestellt und die Fronten geklärt waren. Große Schwierigkeiten haben mir weiterhin viele Rückblicke bereitet, wenn plötzlich mitten in einer Szene über Vergangenes nachgedacht wird, dies aber nicht sofort ersichtlich wird. Auch größere Zeitsprünge um einige Wochen oder Monate, die gerade dann ansetzen, wenn etwas Spannendes passiert ist und ich auf die Reaktion der anderen Beteiligten gespannt war, haben den Lesefluss gestört. Dabei ist die Geschichte gar nicht mal unspannend. Die Schlachten bei Stirling Bridge und Fallkirk stehen zwar nicht im Zentrum des Romans, doch werden sie glaubwürdig überwiegend aus der Sicht der kleinen Leute beschrieben, der Fußsoldaten und Bogenschützen. Das Kämpfen wird hier nicht so ausführlich zelebriert, wie es bei manch anderem Autor der Fall ist, doch fließt auch hier recht viel Blut. Doch kann dies leider nicht über die Kritikpunkte hinwegtrösten. Dennoch hat mir das Ende dieses ersten Bandes Hoffnung auf den zweiten Teil gemacht, so dass ich die Reihe noch nicht abschreiben mag. Fazit Der Auftakt dieser Trilogie überhäuft einen direkt mit Informationen, so dass der Einstieg sich schwierig gestaltet. Wer sich für diesen Abschnitt der schottischen Geschichte interessiert, kann sich den Roman gerne genauer anschauen, doch sollten schon einige Vorkenntnisse vorhanden sein, auch sollte man keine allzu leichte Lektüre erwarten.