Leserstimme zu
Die Frau Müller hat mir schon wieder die Zähne geklaut!

Steffi und

Von: Carmen Vicari
28.06.2015

Stefanie arbeitet als Autolackiererin, ehe sie sich zu ihrem Traumberuf der Altenpflegerin umschulen lässt. Sie weiß, dass dieser Beruf Knochenarbeit und nicht immer leicht und einfach ist, aber dennoch bietet er ihr auch viel Schönes, so dass sie die Umschulung nicht bereut und dem Leser sogar ihren Beruf mit allen Macken und schönen Momenten vorstellen will. Eigentlich sehe ich mich nicht unbedingt als Zielpublikum für diese Art von Lektüre, doch da ich nun selbst damit konfrontiert werde, stieg bei mir das Interesse und ich habe es nach ein wenig reinschmökern dann doch bestellt. Stefanie – auch wenn das nur ein Pseudonym ist – beschreibt hier ihren Alltag, wobei sie auf der einen Seite nichts beschönigt, auf der anderen Seite aber auch Rücksicht auf „ihre Alten“ nimmt und diese durch erfundene Namen und Örtlichkeiten schützt. Das Buch ist teilweise sehr emotional. Beim Lesen habe ich mit Stefanie sowohl die schönen und lustigen Seiten des Berufs der Altenpflege kennenlernen dürfen, wie auch die traurigen. Stefanie beschönigt nichts, sondern übt teilweise sogar harte Kritik. Nicht nur an der Pflegeleitung, dem System, sondern auch an sich selbst, anderen Pflegekräften und den Angehörigen. Die Kritik wird dabei nicht wahllos in den Raum gestellt, sondern begründet und teilweise zeigt Stefanie sogar auf, wie man es besser machen könnte. Der Schreibstil ist einfach, leicht und dabei doch einfühlsam. Man erlebt das fiktive Altenheim Frankruh in all seinen Facetten, lernt die Bewohner kennen, ihre Macken und Eigenschaften, schließt Freundschaft und muss auch Abschied nehmen, wenn ein Bewohner dann stirbt. Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Es zeigt nicht nur die verschiedenen Facetten des Berufs auf, man blickt als Außenstehender hinter die Kulissen, sieht und erkennt, womit sich ein Altenpfleger tagtäglich herum schlagen muss und lernt, dass hinter dem Berufsbild mehr steckt, als man als Außenstehender auf den ersten Blick zu sehen glaubt. Am Ende des Buches bekommt der Leser noch einen Glossar an die Hand, mit dem sich manche Begrifflichkeiten aus dem Pflegealltag erklären. Fazit: Ein gelungener Einblick in einen Beruf, dem man sonst eher wenig Beachtung schenkt.