Leserstimme zu
Der Tanz ums Ich

Die Rezension bezieht sich auf eine nicht mehr lieferbare Ausgabe.

Kritisch und unterhaltsam

Von: Melissa R.
12.11.2015

Psychologen fühlen sich in allen gesellschaftlichen Sphären für alles zuständig. Sie behaupten Intelligenz messen zu können ebenso wie Persönlichkeit und Kreativität. Sie deuten Emotionen, geben Anleitungen zu glückender Kommunikation und Selbstmanagement. Sie konstruieren Tests zur angeblich optimalen Online-Partnerwahl, sagen und, wie wir unsere Ehe führen, unsere Kinder erziehen und welche Ziele wir im (Berufs-)Leben anstreben sollen. [...] Jens Bergmann schildert, was den Reiz dieser Disziplin ausmacht und mit welchen Folgen der Glaube an sie verbunden ist. (Auswahl Klappentext) Mit seinem Buch gelingt Bergmann ein umfassender Bericht zur Geschichte der Psychologie, sowie den Problemen ihrer modernen Form. "Der Tanz ums Ich" enthält nicht nur gut recherchierte Eindrücke zur Geburtsstunde dieser beliebten Wissenschaft und ihrer weiteren Entwicklung im Laufe der Zeit, sondern auch, wie sie uns in unserem alltäglichen Leben beeinflusst. Was ich sehr schätze, ist, dass der Autor seine kritischen Aussagen argumentativ präsentiert und durch Fakten untermauert. Es gibt einfach zu viele Bücher, in denen der Autor willkürlich Anschuldigungen vorbringt, ohne nachweisbare Begründungen. Eine wirklich angenehme Überraschung, da ich aufgrund der deutlichen Kritik in der Buchbeschreibung eben solches "Gemecker" befürchtet habe. Alle Belege und Literaturverweise finden sich im ausführlichen Anhang des Buches. Meiner Meinung nach, ist "Der Tanz ums Ich" eine Pflichtlektüre, wenn man sich mit der Wissenschaft der Psychologie beschäftigt. Ein kritischer Blickwinkel ist absolut notwendig, um auch die Schattenseiten dieses interessanten Themas zu beleuchten, denn sonst läuft man Gefahr mit jedem weiteren Fachbuch in einen bleibenden Zustand des "Nicht-hinterfragens" zu gleiten. Kurzum: sehr informativ, gut recherchiert und augenöffnend - auch für den Laien.