Leserstimme zu
Freiheit muss weh tun

Habe die Ehre, Herr Söllner

Von: Bri
13.12.2015

" Meine Sprache und meine Lieder waren meine einzige Waffe." Hans Söllner lässt sein Leben Revue passieren. Die Art, wie er das tut, zeigt wie er ist: ehrlich und unverstellt, ohne etwas zu verheimlichen aber auch mit viel Verständnis für die menschlichen Seiten des Lebens, die es ihm nicht immer einfach machten. Dabei immer mit den Hintergedanken, nicht beleidigen zu wollen, sondern einfach nur die Wahrheit zu sagen. Eben zu sagen, was geht und was nicht geht. Schon als Bub in engsten Verhältnissen mit den Geschwistern und den meist streitenden Eltern kann er die Klappe nicht halten. Es muss einfach raus, das "Wenn Du das Bier nicht verträgst, dann trink halt keins.", wenn der Vater ihn im Suff mal wieder runter macht. Er ist einer, der das Streiten aushält, das können nicht alle Menschen und viele gehen daran zugrunde. Er nicht. Vieles hält er aus, aber eben nicht alles. So zum Beispiel die Zeit bei der Bundeswehr. Warum einer wie der Söllner dort überhaupt hingeht? Ihm war gar nicht in den Sinn gekommen, zu verweigern, obwohl das zu seiner Zeit auch schon möglich war. Aber als er erkennt, dass er doch verweigern kann, versucht er es und schafft es - als einer von ganz wenigen - als Kriegsdienstverweigerer (so hieß das damals noch) anerkannt zu werden. Ein weiterer Wesenzug des Hans Söllner zeigt sich hier: Er gibt nicht auf und geht seinen Weg, in der ihm eigenen Art und Weise. Mein erster Kontakt zu Hans Söllners Musik muss so in den Endachtziger Jahren gewesen sein - genau kann ich mich nicht mehr erinnern. Die erste Söllner Kassette, vielfach von mir weiter verliehen, fand ihren Weg zu mir über einen jungen Polizisten - quasi unter der Hand. Seitdem ist der Söllner ein musikalischer Begleiter geblieben. Legendär sind seine Auftritte, die er auch heute noch, nicht nur musikalisch bestreitet. Am 24. Dezember dieses Jahres wird der unangepasste Mechaniker, der Musik macht, 60 Jahre alt. Ein Alter, in dem viele andere altersweise zurückgenommen daher kommen. Er nicht. Trotz der persönlichen Weiterentwicklung ist er sich und seinen Werten immer treu geblieben. Und genau das ist es wohl auch, was die Menschen so sehr an ihm fasziniert, dass sie auch heute noch zuhauf seine Konzerte besuchen. Hans Söllner ist ein durch und durch bodenständiger Mensch, der eine gehörige Portion gesunden Menschenverstand besitzt. Und genau deshalb legte er sich immer mit denen an, die die Menschen, die ihre Position ausnutzen, um zu hintergehen und zu betrügen. viel Geld hat ihn das bisher schon gekostet. Aber Geld ist ihm nicht wichtig.Die Wahrheit und ein Leben ohne Ängste schon. Wer mehr über die Einstellungen und Erlebnisse Söllners erfahren möchte, der der kommt an der von Christian Seiler aufgeschriebenen und von Hans Söllner erzählten Lebensgeschichte nicht vorbei. Die Süddeutsche Zeitung hat einmal über ihn geschrieben: " Wir haben keinen Besseren als diesen kiffenden, fluchenden, Staat, Kirche und Religion und den gehobenen Geschmack beleidigenden und dann auch noch das Hochdeutsche weiträumig umfahrenden Rastafari." Und wer ihn gerne einmal live erleben will, der sollte nicht zögern - denn dieser Mann, der vielen Leuten gezeigt hat, dass es sich lohnt, nicht aufzugeben und es wichtig ist, sich zu wehren gegen Ungerechtigkeit, Klüngel und Unwahrheit ist auch mit fast 60 Jahren immer noch eine wahre Erscheinung. Seine Texte - wenn auch Nicht-Bayern vielleicht schwer verständlich - aktueller denn je. Aber a bissl Anstrengung hat no nie jemand gschad. Für Menschen in München und Umgebung: Hans Söllner spielt am 24. Dezember 2015 - quasi ein Geburtstagskonzert - in der Muffathalle. HINGEHEN LEUTE! Alle andern müssen erst mal mit der großartigen Lebensgeschichte Vorlieb nehmen.