Leserstimme zu
Der Tanz ums Ich

Die Rezension bezieht sich auf eine nicht mehr lieferbare Ausgabe.

Der Tanz um die Psychologie

Von: Jasmin von Das Lesesofa
06.05.2016

Früher war es undenkbar, heute ist es mainstream: der Gang zum Psychologen Sie haben für alles, was bei uns nicht der Norm entspricht, immer ein Wort, das die Lösung aller Probleme darstellt. Der Tanz ums Ich - wieso ticken wir so wie wir sind? Es gleicht schon fast einem Event, zu dem jeder hin muss um gesehen zu werden. Man stellt Probleme offen, Therapien werden vorgenommen und dann kann man lastenfrei neu starten - soweit der Wunsch. Ein Gespräch über die Kindheit, das Erkennen des Problems, dass man in einem wichtigen Stadium nicht genug an der eigenen Sexualität forschen durfte oder konnte und schon bekommt man direkt ein Kärtchen in die Hand gedrückt auf dem steht, welcher Gruppe man zugehört. Wir lassen uns freiwillig kategorisieren, um uns selbst zu verstehen, damit wir den gefundenen Defekt beseitigen können. Denn der heutige Mensch strebt ein wesentliches Ziel an: Perfektion. Die Modeindustrie gibt uns die ideale Schönheit vor und unendlich viele Ratgeber haben den einen perfekten Tip für uns, wie wir noch besser und noch effizienter werden. Jeden Tag aufs Neue, um mit der Masse schwimmen zu können, um der Gesellschaft zu entsprechen, um wettbewerbsfähig zubleiben. Aber wieso? Wie konnte es passieren, dass die Psychologie, geboren aus der Philosophie, unser Leben bestimmt? In allen Dingen. Es beginnt schon im Kindergarten: pink für die Mädchen, blau für die Jungs. Andersherum gliche es einem Super-Gau. Wieso ist das so? Dieso wollen wir uns fast schon zwanghaft in eine Schublade steken lassen, indem wir an uns wie Intelligens oder Kreativität messen lassen, was gar nicht in Zahlen auszudrücken ist? Kann ein Eignungstest alles über uns aussagen? Gibt es noch irgendetwas, was wir nicht durch Facebook, Twitter und co in die Welt hinausschreien wollen? Jens Bergmann will mit Der Tanz ums Ich den Ursprung der Psychologie und ihre Entwicklung bis zum heutigen Punkt dem Leser zeigen - ohne dabei ein Studium in diesem Gebiet vorraus zu setzen und mit Fachwörtern nur um sich zu werfen. Trotz der gerinen Seitenanzahl ist der Inhalt kurz und knackig gehalten, aber man spürt beim Lesen ihr Gewicht. Dadurch konnte ich es nicht wie sonst in einem Zug lesen, dafür ist es aber verständlich und man kann dem Flussleicht folgen. Viele Informationen, auch private der diversen Wissenschaftler welche nicht oft in Lehrbüchern stehen, doch das fande ich gerade so wichtig, weil sie oft der Ursprung ihrer Ideen waren. Viel erschreckender waren die Annahmen ihrer Theorien und Testergebnisse der Welt zu ihren Zwecken. Was zuerst als interessante Idee galt, ist heute fast schon eine Horrorborstellung: der Einstellungstest. Durch gewisse Fragen soll unsere Intelligenz gemessen werden, aber was ist, wenn man an diesen Tag nicht so gut ist wie sonst? Wenn man vielleicht (aus welchen Gründen auch immer) ein ganz bestimmtes Thema nicht im Unterricht erklärt bekommen hat? Wie kann man eigentlich tatsächliche Intelligenz messen? Was ist eigentlich Intelligenz? Mehr Fragen als Antworten und heute ist es ein must have seine IQ Zahl zu wissen. Ich kann die Darstellung des Autors verstehen, auch seinen kritischen Blick, denn oft werden die zu Anfangst helfen Theorien für andere Zwecke entfremdet. Alleine schon die ganzen Bereiche der Psychologie lassen es schon vermuten. Das Fach hat sich rasend schnell entwickelt, doch einen Großteil ihrer damaligen Idee konnte wenig gewahrt werden. Die Psychologie ist die Religion unserer Zeit. Dieser Teil der Darstellung ist erfüllt worden, doch einen anderen Teil habe ich vermisst. Durch den Klappentext hatte ich vermutet, dass auch der Grund für unser Handeln erklärt wird, wurde aber da enttäuscht. Warum wir nach Perfektionusmus streben, was schon zu Beginn zum Scheitern verurteilt war. Darauf hatte ich mich am meisten gefteut. Auch habe ich mich beim Lesen immer wieder gefragt, ob die aller meisten Psychologen, die ihr Fachgebiet um Längen erweitert hatten, hauptsächlich aus Deutschland kamen. Was war mit denen, die in Asien lebten? Oder die aus Afrika und Südamerika? Oder gab es dort niemanden, der sich darüber gedanken gemacht hat? Auch wenn sie vielleicht nicht gerade zu den größten Meilensteinen beigetragen haben, so wird es doch dort auch einige Psychologen geben, die an wichtigen Erkenntnissen geforscht haben. Das hat mich mit der Zeit immer mehr beschäftigt. Fazit: Die Entwicklung der Psychologie wird kompakt und verständlich dargestellt (aus Sicht einer Außenstehenden), jedoch wird auf den weiteren Teil, Der Tanz ums Ich, warum sind wir so wie wir sind, hatte ich mich am meisten gefreut.