Leserstimme zu
Locked in - Wach auf, wenn du kannst

Berührende Stimmung

Von: Aglaya
30.06.2016

Während der Recherche für einen Artikel begegnet die Journalistin Alex der gleichaltrigen Amy, die seit einem Angriff vor 15 Jahren im Wachkoma liegt. Kann Alex herausfinden, was damals passiert ist und den Schuldigen ausfindig machen? Die Geschichte wird in drei Erzählsträngen geschildert, die in der Hörbuchversion auch von drei verschiedenen Sprechern gelesen werden. Einerseits wird aus der Sicht der Journalistin Alex erzählt, die gegen ihre Alkoholsucht kämpft und sich mit Amy verbunden fühlt, da sie gleich alt sind und in der Nähe voneinander aufwuchsen. Der zweite Erzählstrang wird aus der Sicht von Jacob geschildert, bei dem erst im Laufe der Geschichte klar wird, was er mit der ganzen Sache zu tun hat. Und die dritte Perspektive wird aus der Sicht von Amy geschildert, wie sie alles erlebt hat, beginnend am Tag ihres Verschwindens. Die Autorin Holly Seddon gibt sich Mühe, nicht zu viel zu verraten, während die Geschichte fortschreitet. Das hält zwar einerseits die Spannung hoch, erschwert aber andererseits das Miträtseln. Im Grunde war ich ab Buchmitte überzeugt, den Täter zu kennen, schlussendlich wurde er aber dann doch ziemlich „aus dem Hut gezaubert“, da er zuvor kaum erwähnt wurde. Die Stimmung riss mich sehr mit, sodass auch ich unbedingt wissen wollte, wer Amy misshandelt hatte. Einige unrealistische Details haben mich allerdings etwas gestört, wie beispielsweise der Londoner Polizist, der einfach so mal einen Fall aus Kent übernimmt, weil das Opfer kein Vertrauen zur dortigen Polizei hat. Schon mal etwas von Zuständigkeiten gehört? Da kann man nicht einfach so einen Fall aus einem anderen Distrikt übernehmen! Und wieso muss immer wieder betont werden, dass Amy nicht hirntot sei? Sie atmet selbstständig, da ist wohl klar, dass zumindest gewisse Hirnfunktionen noch vorhanden sind! Den Figuren stehe ich mit gemischten Gefühlen gegenüber. Die Protagonistin Alex ist mir zwar eigentlich sympathisch, allerdings ist sie eine Alkoholikerin mit den typischen Verhaltensweisen, was es schwierig macht, wie wirklich zu mögen. Jacob ist recht verlogen, und seine Frau Fiona eine hysterische, eifersüchtige Kuh (auch wenn sie nicht mit all ihren Vorwürfen unrecht hat). Nur Amy war mir durchgehend sympathisch. Auch wenn ich nicht alle ihre Handlungsweisen gutheissen konnte, so konnte ich sie doch in Anbetracht von Amys Alter nachvollziehen. Die drei Sprecher der Hörbuchversion machten ihre Sache gut, jedoch hatte vor allem die „Alex-Sprecherin“ Anna Carlsson oft etwas Mühe mit den Dialogen. In vielen Fällen konnte man kaum unterscheiden, wer da nun welchen Satz sagte. Mein Fazit Berührende Stimmung für den spannenden Kriminalfall.