Leserstimme zu
Das Buch vom Meer oder Wie zwei Freunde im Schlauchboot ausziehen, um im Nordmeer einen Eishai zu fangen, und dafür ein ganzes Jahr brauchen

Eintauchen und mitreißen lassen

Von: Lars Schmidt (Nord bei Nordost) aus Neu Isenburg
07.09.2017

Lange habe ich kein Buch mehr so verschlungen wie dieses. „Das Buch vom Meer oder Wie zwei Freunde im Schlauchboot ausziehen, um im Nordmeer einen Eishai zu fangen, und dafür ein ganzes Jahr brauchen“ von Morten A Stroksnes ist eine ganz tolle Story von Freundschaft, Ausdauer und Mut. Angereichert von Geschichten hinter der Geschichte und einem Füllhorn an Wissen über das Meer und seine Bewohner. Und darum geht es: Wie der Untertitel schon verrät, wollen der Autor und sein Freund Hugo vor den Lofoten einen Eishai fangen. Weil dieser seltene Fisch einem aber mal nicht so eben an den Haken geht, bedarf es einer gründlichen Vorbereitung. Man benötigt den richtigen Köder. Das Wetter im äußersten Norden Norwegens muss stimmen. Und die beiden Freunde und Hobbyangler müssen das Vorhaben nicht nur mit ihren Jobs in zeitlichen Einklang bringen. Sie müssen auch mit den Marotten des anderen klarkommen. So vergeht also ein Jahr. Von „Moby Dick“ zum Eishai Doch was macht der Autor, wenn die Eishaiangelei gerade auf Eis liegt? Er schreibt übers Meer. Und das so spannend, so anschaulich und so informativ, dass man die Geschichten förmlich aufsaugt. Ich habe beim Lesen immer wieder gestaunt, wie Morten A Stroksnes es mühelos schafft, die Genres Roman und Sachbuch in seinem Werk zu vereinen. Was er – quasi nebenbei – an Wissen über das Meer als Lebensraum, als Gegenstand in Kunst und Literatur, als unverzichtbaren Teil der Erd- und damit unserer Geschichte vermittelt, ist grandios. Zwangsweise streift er dabei Themen wie Mythologie und Naturwissenschaften, Walfang und Überfischung, Umweltschutz und Klimawandel. Er zieht Vergleiche und zitiert aus vielen Klassikern der Literatur. Unter anderem aus Herman Melvilles „MobyDick“ oder Jules Vernes „20.000 Meilen unter dem Meer“. „Das Buch vom Meer“ ist wie der Mahlstrom Stark wie der Sog des Mahlstroms, in dessen Nähe der Autor und sein Freund den Eishai jagen, sind die maritimen Geschichten im „Buch vom Meer“. Die Storys von Fischen, Forschern, Seeungeheuern und Schiffen ziehen den Leser in ihren Bann. Mal poetisch, mal philosophisch, mal abenteurlich und mal wissenschaftlich geschildert. Doch nie langweilig! Stroksnes ist mit dem Werk eine Hommage, ja eine Hymne an das Meer gelungen. Wer sich so akribisch und umfassend mit dem 71 Prozent der Erdoberfläche bedeckenden Gewässer auseinandersetzt, der muss es wirklich lieben. Und wer das Meer liebt, wird auch dieses Buch lieben.