Leserstimme zu
Darien - Die Herrschaft der Zwölf

Trotz kleiner Schwächen gute Lektüre.

Von: Verlorene Werke_Blog
05.10.2017

Conn Iggulden hat sich mit "Darien" an seinen ersten Fantasyroman gewagt, für gewöhnlich kennen ihn seine Leser aus der historischen Ecke. So ganz ist es ihm leider nicht gelungen, diese abzustreifen; schon allein an der Seitenstärke ist das zu spüren. Der Autor nimmt sich sehr viel Zeit, um die einzelnen Figuren in ihrem jeweiligen Lebensbereich vorzustellen, was mitunter ein klein wenig zu ausufernd gelungen ist und Stehvermögen braucht. Es lohnt sich jedoch, über die erste Langatmigkeit hinwegzulesen, denn Iggulden sind interessante und gut angelegte Figuren aus der Feder geflossen, die allerdings nicht ihr volles Potential ausschöpfen können. Leider werden sie nur in ihren jeweiligen Lebensbereichen, oft auch für sie neu, gezeigt, die gesamte Welt oder schlicht nur die Stadt Darien kommen viel zu kurz. Zwar ist zu spüren, dass Iggulden sich am Mittelalter orientiert hat, doch erklärt das nur wenig zur Lebensweise, Politik oder anderen wichtigen Details. Der Roman, der als in sich abgeschlossen betrachtet werden kann, ist nur der erste Teil einer Trilogie, die sich im Original "Empire of Salt" nennt. Was das für ein Empire sein soll und was die Handlung mit Salz zu tun hat, wird mit keiner Silbe erwähnt. Auf diesem, sehr wichtigen Gebiet gibt es also durchaus noch Nachholbedarf. Der gemächliche Start der Handlung verkehrt sich schon schnell ins Gegenteil. Der Autor wechselt oft zu rasch zwischen den Figuren und treibt damit die Story erbarmungslos an, was dieser nicht guttut. Darunter leiden auch die Charaktere, die zwar einzigartig angelegt wurden, aber oft nicht genug Raum bekommen, um eben das auch zu zeigen. Die geheimnisvollen Fähigkeiten, die natürlich mit Magie zu tun haben, werden kaum erläutert, was schade ist, da zu erahnen ist, dass auch hier eine wohlüberlegte Grundessenz angelegt wurde. Die Seiten fliegen anhand der mannigfaltigen Geschehnisse nur so vorbei, aber später ärgert sich der Leser eben doch, weil es zu schnell ging und die Figuren durch ihre fehlende Tiefe - und das obwohl alles da ist, um ihnen diese zu verleihen - wohl nicht im Gedächtnis hängenbleiben. Vielleicht gab es dann ganz zum Schluss auch Probleme mit der vorgegebenen Seitenzahl - historische Romane sind oft wesentlich länger. "Darien - Die Herrschaft der Zwölf" ist eine gute Lektüre für zwischendurch, wenn nichts anderes zur Hand ist, entwickelt aber leider sein eigenes Potential nicht vollständig aus.