Leserstimme zu
Junktown

Empfehlung für Leser von Büchern, die sich gerne unterhalten lassen, aber auch versteckten Tiefgang und Hintergründe zu schätzen wissen.

Von: Bücherleser
18.10.2017

»Junktown« von Matthias Oden ist ein Buch, dass ich gleich zum Erscheinen im Mai gelesen habe und das mich in den letzten Monaten immer wieder beschäftigt hat, bevor ich endlich die Rezension schreiben konnte. Matthias Oden zeichnet das Bild einer dystopischen Zukunft der Faschisten in einem Stadtstaat zeigt. Für das passende Setting sorgt der Autor nicht nur mit seinem harten, aber detaillierten Schreibstil und Inspektor Solomon Cain. Auch die Nutzung vom Bezeichnungen wie „Gemapo“, „Humanklassen“ sowie „Ausfall“ und „Recycling“ im Zusammenhang mit Menschen, verdichtet die Atmosphäre, die an die nationalsozialistische Vergangenheit Deutschlands erinnert. Die historischen Anspielungen finden zu einem dichten, totalitären Stadtstaat zusammen, der nicht nur seine Bewohner gefangen hält. Auch der Leser ist schnell gefangen von den strengen Vorschriften und Kontrollen, regelmäßige Drogentest sorgen hier dafür, dass die Bürger nie zu nüchtern oder entsorgt werden, falls die Konzentration der Drogen im Blut zu niedrig ist. In diese Welt hat Matthias Oden seinen Protagonisten Solomon Cain gesetzt, Mitte 50, Witwer hat der ehemalige Kämpfer für die Konsumistische Partei so langsam seine Zweifel an dem System, dem er an die Macht geholfen hat. Dabei ist er mürrisch, etwas selbstherrlich und trotzdem sympathisch. Und er ist ein Ermittler, der nicht aufhört, wenn der Befehl von oben dazu kommt, sondern gerne seine Fälle löst. Ungelöste Rätsel sind ihm ein Greuel. Genauso wie systemtreue Speichellecker. Kurz: Wer sich durch den Anfang von »Junktown« beißt und bereit sich mit dem direkten Einstieg ohne große Erklärungen zu Beginn zurechtzufinden, liest hier ein Buch voll skurriler Momente, Tempo, überzeugender Charaktere und wenig hoffnungsvoller Momente. Die Lektüre hat eine dichte Atmosphäre, die den Leser in den Bann zieht und die Dystopie lebendig macht. »Junktown« ist eine Leseempfehlung für Leser von Büchern, die sich gerne unterhalten lassen, aber auch versteckten Tiefgang und Hintergründe zu schätzen wissen.