Leserstimme zu
Der Ruf der Stille

Eine Reise in die Einsamkeit der Wälder

Von: BuboBubo
08.04.2018

Der zwanzigjährige Christopher Knight hat eine Familie, einen Job und ein neues Auto. Und trotzdem spürt er, dass er nicht wie andere Menschen in die Gesellschaft passt. Es fällt ihm schwer, mit anderen Menschen zu agieren und die gesellschaftlichen Regeln anzuerkennen. Kurzentschlossen steigt der Zwanzigjährige 1986 eines Tages in sein Auto und fährt ziellos los. Als sein das Benzin zur Neige geht lässt er sein Auto stehen und zieht zu Fuß weiter. Am North Pond in Maine schlägt er in einem schwerzugänglichen Waldabschnitt ein kleines Lager auf und kehrt 27 Jahre nicht zurück in die Zivilisation. Doch er kehrt er nicht ganz den Rücken, alles, was er zum Leben braucht, stiehlt Christopher Knight bei nächtlichen Einbruchstouren in den umliegenden Urlaubshütten rund um den See. Dazu zählt auch ein Feriencamp für behinderte Kinder. Durch seine Einbrüche, die sich nur auf das wesentliche beschränken, übersteht er die härtesten Winter in seinem Zelt. Obwohl die nächste Hütte nur drei Minuten von ihm entfernt liegt und innerhalb der 27 Jahre mehrere Einbrüche bei der Polizei gemeldet werden, wird er und sein Lager nie entdeckt – bis 2013, als er bei einem seiner nächtlichen Streifzüge entdeckt wird. Der Autor und Journalist Michael Finkel erfährt durch Medien von dem Emigranten Christopher Knight und nimmt Kontakt zu ihm auf – auf Gesprächen und schriftlicher Korrespondenz basiert diese Biographie, die von einem Mann handelt, der 27 Jahre lang in den Wäldern verschwunden war. Ein Buch mit einer Geschichte die fasziniert. Jeder von uns hat manchmal die Nase voll von der Gesellschaft und möchte vielleicht kurz aus der Zivilisation entfliehen. Was für uns nur ein Gedankengespinst ist, ist für Christopher Knight 27 Jahre lang die Realität gewesen. Nicht nur wie Knight es in seinem Lager ausgehalten hat, sondern auch die Zeit nach seiner Entdeckung schildert der Autor. Ich hatte nicht nur das Gefühl die Geschichte des Emigranten zu erfahren, sondern auch Einblicke in das Leben des Autors zu bekommen, der sich lange mit der Geschichte Knights auseinandergesetzt hat und Kontakt zu ihm gesucht hat – trotz großer räumlicher Distanz. Die Gedanken der Menschen zu dem Leben Knights haben mich teilweise sprachlos zurückgelassen – die von positiv, neutral bis negativ war alles dabei. Dass ein Mensch solange fern von der Zivilisation und doch so nah dran leben konnte ist mir unvorstellbar. Was für ein Mensch ist Knight? Der Autor hat Ansätze geliefert um besser verstehen zu können was einen jungen Mann dazu treibt – aber im Enddefekt wissen wir es nicht und es bleibt das Geheimnis von Knight. Ein kurzweiliges und faszinierendes Buch über eine außergewöhnliche Geschichte von einem außergewöhnlichen Mann. Absolut lesenswert und vielleicht regt es den einen oder anderen an, sich öfter in Wäldern aufzuhalten und den Geheimissen der Natur näher zu kommen – wenn auch nich für 27 Jahre.