Leserstimme zu
Der dunkle Wald

Der dunkle Wald - eine Metapher

Von: JulesLeseecke
20.09.2018

Der Titel hält eindeutig was er verspricht. Das mit „Die drei Sonnen“ eingeführte Universum wird in „Der dunkle Wald“ zweifellos um einiges größer, detaillierter und düsterer. Pessimistischer ist hier wohl aber das passendere Wort. Denn angesichts des im ersten Band eingeläuteten drohenden Untergangs – welcher zu Beginn des vorliegenden Romans noch über 400 Jahre in der Zukunft liegt – lässt der Autor die Gesellschaft auf dieser weit aufgespannten Bühne überwiegend ihre selbstzerstörerischen Tendenzen ausleben. Da erscheint die Geschichte um den Protagonisten Luo Ji wie ein Lagerfeuer auf einer Lichtung. Von einem Durchschnittsbürger kaum zu unterscheiden, jedoch vom Schicksal auserkoren, eine schier unmögliche Aufgabe zu erfüllen, weckt er recht schnell Sympathie für seine Person und seine Motive. Und nicht zuletzt möchte man wissen, was seine große Idee oder Tat zur Rettung der Menschheit schlussendlich ist und ob diese ihren Zweck erfüllt. Gleichzeitig birgt diese Zusammenstellung aus Ort, Zeitraum und Handlung jedoch eine gewisse Dissonanz. Die Szenerie ist im Verhältnis zu den Personen einige male zu abstrakt und wirkt der Immersion entgegen. An anderer Stelle ist es der sprachliche Stil der Kerben in den selbst für 800 Seiten recht langen Zeitstrahl schlägt und mit Floskeln versucht, Lücken zu füllen bzw. Nebeninformationen einzuflechten, die dadurch stark deplatziert wirken. Es lässt sich ohne Kenntnisse in Chinesisch jedoch schwerlich beurteilen ob es sich dabei um Übertragungsfehler oder um Mängel im Original handelt. Empfehlen lässt sich das Buch trotzdem, nicht zuletzt den Lesern des ersten Teils. Denn abgesehen von ein paar Stolpersteinen verbirgt sich hinter Cixin Liu‘s Roman eine durchaus plausible Philosophie betreffend der Entwicklung sowohl der Technik als auch der sozialen Gefüge. Man darf also gespannt sein was sich im dritten Teil noch daraus entwickelt.