Leserstimmen zu
Plötzlich ist es Abend

Petra Morsbach

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"Sind Sie mit der Petra Morsbach weitergekommen? Die gefällt nicht jedem" schreibt der Bibliothekar, der mir dieses Buch geschenkt hat. Im ersten Satz serviert Morsbach die Hauptfigur, und ich verstehe sofort, was er meint. Ljudmila, genannt Ljusja oder Ljudja, kann vielleicht bis drei zählen, aber bestimmt nicht bis hundert. Am Anfang des Buches ist sie 24 Jahre alt und eine dumme Nuss sondersgleichen. In diese "Heldin" kann man sich nicht hineinversetzen, man kann nur immer wieder den Kopf schütteln. Manchmal möchte man auch Ljudja packen und schütteln und sie anschreien: "Kapierst du denn gar nichts?" Und dennoch liest sich dieser Roman wie von alleine. Ohne es zu merken, ist man plötzlich auf Seite dreihundert und immer noch gespannt, wie es weitergeht. Woran das liegt? Vielleicht an der Sprache. Petra Morsbach schreibt schnell und bildhaft, erklärt nicht viel herum, sondern lässt ihre Figuren sprechen. Die Geschichte spielt in Leningrad zur Sowjetzeit, aber kommt mit sehr wenigen russischen Begriffen aus. Ganz hinten im Buch gibt es ein Glossar, wo man notfalls nachlesen kann, dass Warenje eine Marmelade ist und "Organe" ein Euphemismus für den Geheimdienst. Vielleicht liegt es auch an Ljudmilas unvorhersehbarem Leben, dass man bis zum Schluss wissen will, was als nächstes passiert. Zugegeben, an vielem ist sie selber schuld, aber sie bleibt nicht ewig 24 und langsam freundet man sich ein bisschen an mit dieser Hauptfigur. Mit dem Buch sowieso, vom ersten Kapitel an. "Plötzlich ist es Abend" von Petra Morsbach erschien 1995. Heute bekommt man es als Taschenbuch oder eBook bei btb, Die gebundene Erstausgabe vom Eichborn-Verlag gibt es gebraucht bei Amazon.

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