Leserstimmen zu
Kill Your Friends

John Niven

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Triggerwarnung für diesen Roman: Rassismus, Sexismus, physische und vor allem sexualisierte Gewalt "Das ist MEIN Job: Ich höre mir Musik an - Sänger, Bands, Songwriter - und entscheide, welche eine reelle Chance auf kommerziellen Erfolg haben. Dann kümmere ich mich darum, dass ihre Musik angemessen aufgenommen wird, und wir, die Plattenfirma, verkaufen sie schließlich an euch, die Öffentlichkeit. Klingt ganz einfach in deinen Ohren? Fick dich ins Knie - du würdest es keine zehn Minuten überleben." (S. 18) Steven Stelfox - 27 Jahre, erfolgreich, gut aussehend und ein aufgeblasenes Arschloch. Er ist arrogant, sexistisch, rassistisch und ein Egomane durch und durch. Steve Stelfox ist also alles andere als ein Sympathieträger und man kann ihn schon ab der ersten Seite nicht leiden. Durch diesen koksziehenden Vollidioten erhält man Einblick in seine Welt - in die Welt der Musikindustrie und die ist alles andere als ein Ponyhof. Diese besteht nämlich aus Intrigen, Machtgeilheit und noch mehr solcher Typen wie Steven. Eigenleben vor Fremdleben ist hier die Devise und Steven nimmt das nur allzu wörtlich. Muss er ja irgendwie, um seinen Lebensstandard weiterhin hoch zu halten - um sich weiterhin teure Klamotten, Koks und Nutten leisten zu können. Als sein Arsch auf Grundeis geht, genügt es nicht mehr anderen bloß ans Bein zu pissen und deren Karrieren zu zerstören, um weiters einer der Alpha-Gorillas im Musik-Business zu sein. Steven muss zu drastischeren Mitteln greifen, denn - Eigenleben vor Fremdleben. Man begleitet Steven ein Jahr lang und somit 12 Monate. Jedes Monat wird durch damalige News aus der Musikbranche eingeleitet und jedes Kapitel durch ein Zitat eines Produzenten oder Sänger, wie z.B.: Simon Cowell, Don Simpson, etc. Bis es zu einem Mord kommt, dauert es jedoch etwas. Bis dahin plaudert Steve über die Musikindustrie und wie sie wirklich ist, was sich jedoch alles andere als langweilig gestaltet. Man besucht mit ihm Events, Puffs und Geschäftsessen, ballert sich die Birne mit teuren Alkoholika, Koks und sonstigen Drogen und Pillen zu und lernt dabei all die anderen Loser und Arschlöcher kennen. Hierbei wird geflucht was das Zeug hält. Dann ,wie aus dem NIchts und völlig unerwartet, quasi aus einer Laune heraus, geschieht es - der erste Mord. Einfach so und nahezu emotionslos, als wäre dieses Geschehen eine Nebensächlichkeit. Dies ist wohl das schockierender, als die ganze sexistische und abwertende Flucherei. Hier erkennt man dann erst mit was für einem Typ Mensch man es wirklich zu tun hat. Er ist nämlich nicht nur ein Arschloch, sondern ein berechnendes und gefühlskaltes Oberarschloch. Ihr mögt nun womöglich das Gefühl haben ich würde diesen Typen abgrundtief hassen..nun ja..nein. Das zwischen mir und diesem abgewichsten Arsch,der auf alles schimpft und scheißt, ist es sowas wie eine Hass-Liebe. Vielleicht seid Ihr auch der Meinung, dass meine Wortwahl derb und proletarisch ist. Nun, dann braucht Ihr hier überhaupt nicht mehr weiterlesen oder auf andere Rezensionen umschwenken, denn dann ist dieser Roman definitiv nichts für Euch. Wenn dem also so sein sollte, dann - Weitergehen, hier gibt es nichts zu sehen. Für sensible Gemüter ist dieser Roman nämlich definitiv NICHTS. "Während [das] Atmen von einem lauten, mühsamen Schnorcheln zu einem rasselnden Wispern wird und schließlich ganz aufhört, sehe ich Clips der Cardigans, Radiohead, Texas und die neue Blur-Single. Zufrieden, dass er tot ist, hole ich meinen Schwanz raus und pisse ihn voll." (S. 113) Der Schreibstil ist flüssig und die Charaktere sind durchwegs gut gezeichnet, wenn man auch fast niemanden leiden kann, da ja auch Steve niemanden leiden kann. Hier richtet sich der Protagonist an den Leser und erzählt seine Geschichte, mit seinen Ansichten und das in einem ziemlich tiefen Jargon - rassistisch, sexistisch, derb...so wie Steven eben ist. Dagegen sind meine Worte nahezu als niedlich zu bezeichnen. Dabei wird der Leser auch direkt angesprochen und man hat das Gefühl Steven gegenüber zu sitzen - mit einem teuren Whisky in der Hand und vor einem eine Line Koks auf dem Tisch. Man ist hier mitten drin, statt nur dabei. Manchmal wurde aber selbst mir das Gefluche und Geschimpfe zu viel, bzw. begann es mich zeitweise zu langweilen, da ich immerzu darauf hoffte, dass Steve wieder mal durchdreht. Was er dann auch tut...wieder völlig unerwartet und wie aus dem Nichts. Die Atmosphäre der 90er wird gekonnt eingefangen und wiedergegeben, sei es durch diverse Sprüche, wie z.B. "Coolio", oder durch damals angesagte Bands und Songs. Das erhöht natürlich den Lesegenuß, vor allem wenn man in dieser Zeit selbst durch die Clubs zog, wie ich. "Sein Nachname enthält einen Bindestrich, scheiße, und trotzdem redet er immer wieder wie ein mit Schuhcreme geschwärzter Dick Van Dyke - die gedehnten Vokale, die verschluckten Konsonanten -, weil er irgendwann mit fünfzehn mal eine HipHop-Platte gehört und beschlossen hat, die Dachpappen wären cool." (S. 45) Eine Freundin sagte mir, dass die Story sehr an "American Psycho" von Bret Easton Ellis erinnert und dem muss ich zustimmen. Der Schreibstil von Niven mach das Buch dennoch speziell - ein Niven eben und daher "American Psycho" zwar ähnlich, aber trotzdem ganz anders. Fazit: Ich bin ein absoluter Fan von John Niven und dieses Buch zu lesen hat mir richtig Spaß gemacht. Es ist verstörend, abartig, morbid, ein durchaus obszöner Roman voller Gewalt. Gleichzeitig hat mich die Story gefesselt und ich musste an mehreren Passagen sogar lauthals lachen. Dieses Gefühl von heiß-kalt, dem Wechsel zwischen ekelhaft und zum Schreien komisch, muss ein Autor erstmal bringen. Irgendwie ist dies eine spezielle Art gewisser schottischer Autoren. Irvine Welsh gehört z.B. auch zu dieser äußerst seltenen Autoren-Spezies. Ich für meinen Teil freue mich jetzt schon, im Jänner wieder mit dem Wichser Steve abzuhängen. Da erscheint nämlich der 2. Teil "Kill 'em All". © Pink Anemone

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Die Kluft, die zwischen meinen Erwartungen an dieses Buch und der Realität lagen, lassen leider mein Leseerlebnis in einem ziemlich unguten Licht erscheinen... Es war nicht lange her, dass ich von einer Reise in das schöne England wiederkehrte und dann dieses Buch entdeckte. Ich las nur die Stichworte "Brighton", "London" und "Musik" und erhoffte mir eine literarische Fortsetzung meines kleinen Abenteuers. Damit lag ich leider so was von daneben. Dieses Buch strotzt voller Rohheit und unbequemen Wahrheiten und lässt keinen Raum für die romantische Verklärtheit meinerseits. Trotzdem konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen, als ich es einmal angefangen hatte. Mit all seinen ungeschönten, teils brutalen Ansichten der Musikindustrie ist es immer noch eine packende Story und absolut empfehlenswert.

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“Kill your friends” ist kein Roman für schwache Mägen, sondern ein Abstieg in die Abgründe eines entfesselten, hypermaskulinen Bewusstseins und somit oft auch ein Heidenspaß. Niven schreibt so wie ihm die Tippfinger gewachsen sind und als Leser merkt man förmlich, dass er es genießt literarisch über die Stränge zu schlagen und die krassesten Szenen und Plotwendungen zu komponieren. Der Roman liest sich so, als lache sich der Autor permanent ins Fäustchen und dieses schelmische Grinsen ist irgendwie ansteckend. So ansteckend sogar, dass man als Leser geneigt ist über kleine Unzulänglichkeiten hinweg zu sehen und sich nach einer Weile auch nicht mehr ständig über Hauptfigur Steven Stelfox aufregt, sondern sich einfach nur berieseln lässt. Trotzdem ist Steven Stelfox wohl der unsympathischste Erzähler, der mir je über den Weg gelaufen ist. Erst versuchte ich noch ihn zu mögen, hatte darauf gehofft, dass etwas in ihm steckt, abgesehen von unerbittlichem Zynismus. Doch da wurde ich enttäuscht, denn schnell wird klar – Steven Stelfox versucht gar nicht erst ernsthafte Künstler unter Vertrag zu nehmen, statt dessen versucht er aus Scheiße Gold zu machen und was das tollste daran ist, das gelingt ihm sogar manchmal. Letztlich hieß es für mich, lehn dich zurück und genieße diese Achterbahnfahrt. Denn einen Erzähler, der so außer Kontrolle gerät wirst du sonst wohl nur in Bret Easton Ellis “American Psycho” finden – ein Buch, das übrigens ebenfalls auf meiner Leseliste steht ;) Abgesehen von dem Horrortrip, der Stelfox Karriere in der A&R Branche ist, erfährt man als Leser auch einige interessante Dinge über die Musikindustrie, die man als Musikliebhaber ja gerne mal etwas romantisiert. John Niven packt sein Insiderwissen aus und übertreibt dabei sicher ein bisschen, aber ganz sicher nicht so sehr, wie man zunächst denkt. All die gecasteten Hupfdohlen ohne Singstimme und die Art und Weise auf die Stelfox das Publikum zu manipulieren versucht, um maximale Gewinne einzufahren – es ist überzeichnet dargestellt, verdreht und verzerrt durch Stelfox ewig geilen, zugekoksten Blick. Doch irgendwie kann ich nicht anders, als John Niven zu glauben, denn als ehemaliger A&R Manager (der angeblich Coldplay abgelehnt haben soll) weiß er sicher wovon er schreibt. Das was John Nivens Romane für mich auszeichnet ist sein trockener Humor, der in jeder Szene, jedem Dialogfetzen mitschwingt. Es scheint so als mache er sich innerhalb der Welt des Romans über den Roman selbst lustig und als Leser genieße ich diese Dimension sehr. Denn wenn sie nicht wäre, dann wäre “Kill your friends” lediglich “Rohypnol” von Andrew Hutchinson mit Musik – nichts als ein Schockroman ohne ernsthaftes Anliegen. Natürlich ist auch John Niven nicht gerade ritterlich in seinen Absichten, aber er liefert doch immer wieder ein paar echte Einblicke in die Marketinghölle Musikindustrie, in der Verkleidung seiner Hauptfigur zwar, aber die Kritik an der Sache, an den Methoden und der Tatsache, dass es Berufsfelder gibt in denen es die miesesten Typen nach ganz oben schaffen, scheint trotzdem durch und wirkt dabei durchaus authentisch. “Kill your friends” ist kein Roman für zartbesaitete, noch ist er die richtige Wahl für Leser, die sich nur kurz oberflächlich amüsieren wollen. Die Geschichte des Steven Stelfox verlangt ein großes Maß an Ironieverständnis, ein Interesse an der Sache ( in diesem Fall der Musikindustrie) und die Bereitschaft einen Antihelden so zu nehmen, wie er ist – sexistisch, drogensüchtig, karrieregeil, mordlustig, etc. Dann wird man als Leser von “Killy our friends” auf seine Kosten kommen und dabei sogar großen Spaß haben. Um dies nun nochmal auf mich zu beziehen – Ja, ab und zu wollte ich Steven Stelfox den Hals umdrehen und John Niven gleich mit, aber letztlich konnte ich das Buch dann doch nicht aus der Hand legen. Denn “Kill your friends” hat definitiv Suchtpotenzial und ist somit meiner Meinung nach John Nivens bisher bester Roman – keine Frage.

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Ein Buch, welches mich mit gemischten Gefühlen zurück gelassen hat und von dem ich garnicht so richtig sagen kann, wie es mir gefallen hat:http://youtu.be/ZkpXR6InNCE

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