Leserstimmen zu
Grüner Mars

Kim Stanley Robinson

Die Mars-Trilogie (2)

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Rezension zu „Grüner Mars“ von Kim Stanley Robinson Der zweite Teil der Science-Fiction Trilogie um die Besiedlung des Mars durch die Menschen. Inhalt : Die „ersten Hundert“, die ursprünglichen Siedler, sind seit nunmehr 50 Jahren auf dem Mars. Zwischenzeitlich ist der Mars von Tausenden Menschen besiedelt – und auch sehr vielen auf dem Mars geborenen Nachkömmlingen. Nachdem die Aufstände von 2061 gescheitert sind und große Teile der auf dem Mars erbauten Städte zerstört wurden, schreitet das Aeroforming wieder fort, die ersten Pflanzen und Tiere leben in den überkuppelten Städten. Auf dem Mars gibt es zwei Fraktionen : Die „Roten“ - sie wollen einen naturbelassenen, unabhängigen Mars – und die Gemäßigten, die einen Kompromiss anstreben. Doch allen ist eines gemein : Sie wollen nicht weiter von der Erde regiert werden, sondern wollen einen unabhängigen Mars. Derweil spitzt sich auf der Erde die Situation zu : Die trans- und metanationalen Unternehmen sind faktisch an der Macht. Die eigentlichen Regierungen der Länder und die internationalen Behörden stehen unter deren Kontrolle. Die metanationalen bekriegen sich untereinander, um noch mehr Macht zu bekommen, und sind auch darauf aus, ihren Einfluss auf dem Mars auszuweiten. Auf dem Mars hat sich eine breite Untergrundorganisation gebildet, die daran arbeiten, die metanationalen Firmen und Stützpunkte auf dem Mars zu sabotieren und zu stürzen. Die über den ganzen Mars vertreuten ersten Hundert versuchen, die Revolution zu koordinieren und so zu gestalten, dass ein unabhängiger Mars ohne Gewalt und Zerstörung existieren kann. Beurteilung Selten so ein langatmiges Buch gelesen ! Auf 900 Seiten wird hier eine Handlung dargestellt, die locker auf 300 Seiten gepasst hätte. Gefühlt noch extremer als im ersten Band, werden hier immer wieder über mehrere Dutzend Seiten die Gestaltung der Oberfläche, Steine, Städte, Straßen etc. beschrieben, und wenn es da gerade nichts zu beschreiben gibt, werden irgendwelche chemischen, meteorologischen, physischen oder psychologischen Abläufe hergenommen, und zwar haarklein. Zwischendurch hat man das Gefühl, statt in einem Roman in einem wissenschaftlichen Werk oder einer philosophischen Abhandlung zu lesen. Sehr schade, denn eigentlich finde ich es sehr spannend, über die Marsbesiedlung nachzudenken. Und ich finde es auch gut, dass hier versucht wurde, keinen unrealistischen Science Fiction zu schreiben – ich hatte schon den Eindruck, dass sich der Autor hier vermutlich bemüht hat, das ganze realistisch zu gestalten, mit allen mutmaßlichen politischen und wissenschaftlichen Problemen, die auch bei einer echten Mission auftreten werden oder würden. Dennoch – das ist ein Roman und kein Sachbuch. Daher hätte man das ganze auch für Laien aufbereiten müssen, und das ist es definitiv nicht. Man verliert einfach die Lust am Lesen, wenn seitenweise rote Steine und verschiedene Arten von Sand beschrieben werden. Das bisschen Handlung geht unter. Ich war immer sehr froh, wenn es tatsächlich mal ein paar Seiten Dialog gab, aber selbst die wurden durch irgendwelche langatmigen Beschreibungen oder philosophischen Gedankengänge unterbrochen und dadurch todlangweilig. Ich habe mich 3 Wochen lang durch dieses Buch zwingen müssen. Definitiv bin ich hier nicht die Zielgruppe. ABER ich wäre jetzt wahrscheinlich in der Lage, aus dem Gedächtnis den Mars in Farbe auf den Meter genau zu kartographieren …… Diese Trilogie sollte wirklich nur jemand lesen, der vom Mars quasi besessen ist und der es interessant findet, Prozesse, die über Jahrzehnte laufen, quasi gefühlt in Echtzeit mitzulesen. Das ist ungefähr so spannend wie dem Gras beim Wachsen zuzuschauen – aber es soll ja Menschen geben die auch für so etwas zu haben sind. Ich gehöre nicht dazu.

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Überaus detailreich bis (fast) zum letzten Staubkorn, bis hin in Bodenfaltungen und Bodenverwerfungen, über vulkanische Höhenzüge, durch breite, öde Landschaften hin zum Südpol des Mars, das ist die Welt der in den frühen 90er Jahren erschienen „Mars-Trilogie“ Robinsons. Ein Ort des Terra-Forming, der Besiedlung, aber auch der Auseinandersetzung eben genau über die Art der Nutzung und Gestaltung des Mars. Während „Die ersten Hundert“, die Besiedler des Mars, mit wenigen „Anpassungen“ ihre Idee und Vision eines wirklich auch „neuen Lebens“ verwirklichen wollten, gerieten sie in Konflikt mit den industriellen und staatlichen Stellen der großen Konzerne und der tonangebenden Obrigkeit. Dieser Bürgerkrieg ging verloren, mehr oder minder verdeckt leben die Rebellen in der Polregion des Mars. Während die offizielle Besiedlung und das Terraforming (quälend langsam) vorangeht. Doch nun scheint eine (heimliche) Verbindung gewünscht, zwischen den Interessen eines der größten Konzerne der Erde, „Praxis“, in Person seines Gründers und Vorstandes William Fort. Er sendet Art als seinen neuen Mitarbeiter auf den Mars, um Kontakt aufzunehmen zu den verborgenen Aufständischen. Zu einer Zeit, in der der neue Weltraumaufzug fertig gestellt wird, zu einer Zeit, in der alles ruhig scheint. Auf der Erde und dem Mars. Aber Fort ist ein Mann des weit nach vorne gerichteten Blickes. Ein Blick der den „LZI“, den „Landeszukunftsindex“ fokussiert. Aber ob dies „dem Untergrund“ auf dem Mars bewusst und recht wäre? Oder ob noch andre Beteiligte ein doppeltes Spiel spielen? Nun aber entsteht kein Thriller im üblichen Sinne oder eine Art „Star-Wars auf dem Mars“, sondern Robinson nutzt die volle Breite seiner Trilogie für eine hintergründige und nachhaltige Darstellung dessen, was den sozialen Zusammenhalt einer Gesellschaft ausmachen kann, welche Formen der sozialen Strategie denkbar sind, wie sich Gesellschaften in Frühzeiten einer Besiedlung entwickeln, welchen Formen sie folgen könnten und welche Begrenzungen durch Naturgesetze ihnen auferlegt sind. Wie daraus folgt, zu klären, welcher Umgang mit den gesetzten Bedingungen möglich ist, welche Intentionen die Wirtschaft antreibt, wie die Natur selbst „geformt“ werden kann. So, wie sich jene riesige Baumaschine, „Das Biest“, in fast quälender Langsamkeit auf ihren Weg des Aufräumens beginnt, so schlägt auch Robinson ein sehr ruhiges, breites, Landschaft und Personen, Verhältnisse untereinander und große Pläne gegeneinander darstellendes Erzähltempo an. Eine Art des Erzählens, auf die man sich tatsächlich einlassen können muss, um die vielfachen Facetten des Autors, die inneren Wendungen und äußeren Entwicklungen des Planeten und der beteiligten Menschen in ihrer minutiös durchdachten Entfaltung zu erleben. Wobei manches Mal die seitenweisen Schilderungen von Landschaften oder des Abwartens oder der biologischen, chemischen oder wirtschaftlichen Erläuterungen bei aller Freude an der fundierten Darstellungsweise des Autors doch hier und da echte Geduldsproben bei der Lektüre mit sich bringen. Ein wenig Straffung zumindest hätte auch diesem zweiten Teil der Trilogie gutgetan. Dennoch, eine faszinierende Lektüre, in der man sich durchaus für längere Zeit verlieren kann.

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Grüner Mars

Von: ralfreitze

24.01.2016

Der zweite Teil der Marstrilogie von Kim Stanley Robinson knüpft an die gescheiterte Revolution des Jahres 2061 an. Die ‘Marsterroristen’ arbeiten im Untergrund; die sieben großen Konzerne versuchen den Mars auszuschlachten, mit mehr oder weniger brutalen Mitteln. Zwischen den ersten hundert Wissenschaftlern, die auf dem Mars landeten, entfacht sich auch ein Streit, wie der Mars zu behandeln ist. Terraforming – ja, aber wie schnell soll so etwas passieren und wie sieht es mit dem moralischen Aspekt bei einer Umwandlung einer Jahrmilliarden alten Welt aus? Viele sprechen sich für eine schnelle Änderung in eine neue Erde aus: “Warum nicht hier einen Versuch mit einem optimalen Ökosystem wagen, Ann? Ohne Lebewesen kann man nicht von Ökosystemen sprechen. Was vor uns hier auf dem Mars war, war keine Ökologie, sondern nur Geologie. Man könnte sogar behaupten, dass es hier vor langer Zeit den Anfang einer Ökologie gegeben hat und dass dann etwas schiefgegangen ist und alles erfror, und dass wir sie jetzt gerade wieder anregen.” Die Angesprochene Ann ist eher eine Verfechterin der ‘Nichteinmischung’, sie möchte den Mars unberührt lassen. “Sie knurrte und er hielt inne. Er wusste, dass sie an eine Art von innerem, natürlichem Wert der mineralischen Relität des Mars glaubte. Das war ihre Version von dem, was die Leute als Landschaftsethik bezeichneten, aber ohne die Land-Biota. Man könnte es Stein-Ethik nennen. Ökologie ohne Leben. In der Tat ein intrinsischer Wert.” Die Revolutionäre sammeln sich, um frei zu sein, eine neue Kultur zu gründen. Im Jahre 2124 ist schon eine neue Generation auf dem Mars geboren, die anders ist, größer und an die Lebensbedingungen angepasst, freier. Mit Hilfe der ‘Alten’, die durch die im ersten Band angewandten lebensverlängerten Maßnahmen noch leben, soll eine neue Mars-Gemeinschaft aufgebaut werden. Bei der ersten Zusammenkunft der Rebellen wird in wochenlangen Diskussionen eine Art Magna Charta erstellt. Diese soll alle Gedanken aller Bewegungen vereinen. In der Zwischenzeit schmelzen auf der Erde die Polkappen und es kommt zu einer Erhebung des Meeresspiegel um 6 Meter. Dieses Ereignis ist der Startschuss der Marsrevolution. Im zweiten vorliegenden Buch der prämierten Marstrilogie setzt Kim Stanley Robinson sein Hauptaugenmerk auf die innere Verfassung der Charaktere. Wie im Vorband ist jeweils ein Kapitel einem Akteur gewidmet, aus dessen Sicht erzählt wird. Dabei wird auch die lebensverlängernde Maßnahme als Problem angesprochen, da das Gehirn die Fülle der Lebenserinnerungen gar nicht halten kann und viel vergisst. Wie im ersten Band wird viel über Geologie gesprochen, manche Wörter sind so technisch, dass ich sie nachschlagen musste. Doch ist dies immer noch so außergewöhnlich, dass das Buch sich quasi ohne große Handlung über 900 Seiten mit diesen interessanten wissenschaftlichen Aspekten selber trägt und fesselnd bleibt. Ja, es gibt auch seitenweise Impressionen der Marswelt, Beschreibungen der Geologie, der Berge auf dem Mars, es ist so plastisch und intensiv, als stände man am Fenster und sähe diese Bilder. Diese fremdartigen Wahrnehmungen werden durch viele technische Fremdwörter erklärt, die Zusammenhänge erschließen sich nicht unbedingt einem breiten Publikum, so das das Buch deswegen und auch wegen seines Umfanges von 900 Seiten sperrig bleibt. Für den SF-Freund erschließt sich aber eine neue spannende Welt, die sich dieser wegen der Nähe zur Realität nicht entgehen lassen darf.

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Grüner Mars

Von: gosureviews

27.12.2015

"Grüner Mars" ist der zweite Teil der Mars Trilogie von Kim Stanley Robinson und ist vor kurzem in einer Neuübersetzung im Heyne Verlag erschienen. Ich habe mich sehr über das Rezensionsexemplar gefreut, da mir das erste Buch bereits immens gefallen hatte. Auch der zweite Teil hat wieder epische Ausmaße und spielt einige Zeit nach dem Ende von "Roter Mars". Hauptsächlich wird die Handlung wieder von Charakteren aus den ersten Büchern erzählt. Robinson hat hier mit einem kleinem Trick dafür gesorgt, dass hier keine Generationen Roman entsteht (was durchaus auch interessant geworden wäre), sondern dadurch, dass die Menschheit körperliche Unsterblichkeit erlangt hat, ist es möglich, das "Terraforming" aus der Sicht der ersten Einhundert zu erzählen. Interessant finde ich jedoch, dass der Autor dieser Form der Unsterblichkeit Limitationen gesetzt hat. So ist unser Gedächtnis nicht für eine so lange Lebenszeit ausgelegt und viele Charaktere haben Probleme mit ihren Erinnerungen, was zu wirklich guten Handlungsszenen führt. Wieder nimmt die spekulative Fiktion den Hauptteil des Buches ein. Es wird Vieles naturwissenschaftlich, aber auch sozio- und wirtschaftswissenschaftlich diskutiert und beschrieben. Viele Laien verstehen an diesen Stellen wahrscheinlich nur Bahnhof und ihnen wird schnell langweilig. Die Romane sind auch wenig handlungsbasiert, aber ich war schon immer ein Fan dieser Form von spekulativer, Hard-Science-Fiction, die es aber immer noch genug Handlung hergibt, um den Leser bei der Stange zu halten. Und meiner Meinung nach schafft die Mars Trilogie dies bisher außerordentlich gut. Aber ja, man braucht einiges an Stamina um sich durch diese fast tausend Seiten zu arbeiten, man wird aber mit einem wirklichen SciFi Epos belohnt. Fazit: Eine für Science-Fiction Kenner, sehr empfehlenswertes Buch, vielleicht sogar Pflichtlektüre. Anfänger in diesem Genre dürften hier wohl eher abgeschreckt werden. Der 08. Februar 2016 ist schon vorgemerkt, Erscheinungsdatum von "Blauer Mars" :) - See more at: http://gosureviews.blogspot.de/2015/12/gruner-mars-von-kim-stanley-robinson.html#sthash.BqVIkj3E.dpuf

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