Leserstimmen zu
Südlich vom Himmel

Jim Thompson

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Der amerikanische Autor Jim Thompson stand Zeit seines Lebens auf Seiten der Verlierer, für die der „american dream“ nur eine schöne Illusion war. Geboren und aufgewachsen zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts, als die amerikanische Wirtschaft am Boden lag und die Menschen jeden Job annahmen, der ihnen ein Auskommen sicherte, verdingte er sich schon früh als Arbeiter auf den texanischen Ölfeldern, die auch den Hintergrund für seinen 1967 im Original erschienen Roman „South of heaven“ bilden, der dank Heyne Hardcore nun endlich in der gelungenen Übersetzung von Peter Torberg vorliegt. Die Männer werden von den Ölgesellschaften bis zur völligen Erschöpfung ausgebeutet. Die Entlohnung ist schlecht, ein Menschenleben zählt nichts. Den Vorarbeitern völlig ausgeliefert, verrichtet jeder seinen Job bis zur völligen Erschöpfung und ist auf das eigene Überleben fokussiert, denn tödliche Unfälle sind auf der Tagesordnung. Mitgefühl gibt es nicht, Brutalität bestimmt den Alltag. Mit Himmel hat das nichts zu tun, es ist die Hölle auf Erden. Das ist die Welt, in die der junge Tommy Burwell eintaucht, als er auf den Ölfeldern anheuert. Unterstützung findet er bei Four Trey Whitey, den er bereits aus anderen Camps kennt. Dieser ist ein Entwurzelter, hat er doch mit dem Tod seiner Frau das einzige verloren, das seinem Leben Sinn gab. Tommy hingegen bewahrt sich selbst unter diesen katastrophalen Lebensbedingungen seine Menschlichkeit und seine Gefühle. Und von diesen entwickelt er eine ganze Menge, als er Carol kennenlernt, die in ihrem Trailer am Rande des Camps haust, und zu der die Männer am Zahltag einen Großteil ihres Lohns tragen. Aber da sind auch noch Carols Brüder, und diese haben einen Plan… Die Lebensbedingungen der Arbeiter, die der Autor in „Südlich vom Himmel“ beschreibt, könnten auch aus einer Sozialreportage stammen. Thompson ergreift mit seinen Schilderungen Partei für die Geschundenen, die Rechtlosen, zeigt aber auch völlig desillusioniert auf, dass es für sie kaum ein Entkommen aus diesem Leben gibt. Was bleibt, und das ist in diesem Roman untypisch für den Autor, ist die Hoffnung auf ein kleines Stückchen privates Glück. Jim Thompsons „Südlich vom Himmel“ ist ein Buch, dem ich viele Leser wünsche. Nachdrücklich und uneingeschränkt empfohlen!

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Der junge Tommy Burwell arbeitet in den 20er Jahren in der westlichen Prärie von Texas an einer Pipeline, die bis nach Port Arthur am Golf von Mexiko reichen soll. Mit von der Partie sind ein Haufen von Knackis, Saufbrüdern und Landstreichern mit zerfetzten Kleidern am Leid und leeren Mägen, ebenso sein Kumpel Four Trey. Statt sich entspannt wie gewohnt um die Arbeitszeiterfassung zu kümmern, sind die beiden Männer diesmal für das Sprengen mit Dynamit eingeteilt, woran Tommy unschöne Erinnerungen hat. Allein die gut ausgestattete Carol, die dem Camp nachreist, sorgt für angenehme Ablenkung vom harten Arbeitsalltag, und schon schmiedet das Liebespaar Pläne für die Zukunft. Allerdings ist mit den Jungs im Camp nicht zu spaßen, vor allem nicht mit Bud Lassen, der als Deputy Sheriff sichtlich Spaß daran hat, den Leuten das Leben schwerzumachen und dabei vor allem Tommy auf dem Kieker hat. Als Lassens zerteilte Leiche an einer Baggerschaufel gefunden wird, wird Tommy sogleich als Mörder verdächtigt und eingesperrt. Doch das ist der Anfang eines perfiden Plans, der von einer Gauner-Bande erdacht worden ist, um an die Lohngelder zu kommen, die alle zwei Wochen an die Arbeiter ausgezahlt werden. „Was die Malocher anging … Sie stiegen von den Ladeflächen, und alles an ihnen schrie vor Müdigkeit und Hunger; von diesem Tag und von all den bitteren Tagen zuvor. All die Leere dieser Tage und jener, die noch vor ihnen lagen. Das Schlimmste daran war, dass es ihnen nichts auszumachen schien. Sie hatten einen Tag geschafft. Den Tag zu schaffen, ganz gleich wie, war die Summe ihres Lebens. Und so erledigt, wie sie waren, rissen sie Witze und lachten. Warum auch nicht? Sie lachten über die Dinge, über die sie nicht hätten lachen sollen. Über ihre allgemeine Wertlosigkeit, über den Schmutz an Kleidung und Körper – alles klebte vor Schlamm aus Staub und Schweiß.“ (S. 92) „Südlich vom Himmel“, 1967 und damit zehn Jahre vor Thompsons Tod veröffentlicht, zählt zu den Spätwerken eines Autors, der bereits mit fünfzehn Jahren seine erste Kriminalgeschichte verkaufen konnte, aber seinen Lebensunterhalt als Glücksspieler, Sprengstoffexperte, Ölarbeiter und Alkoholschmuggler verdienen musste, bevor er Drehbücher für Filmemacher wie Stanley Kubrick verfassen durfte. Als zentraler Vertreter des Noir-Genres wird er nicht nur von Stephen King verehrt, sondern wird sukzessive auch in der Heyne-Hardcore-Reihe wieder dem deutschen Publikum zugänglich gemacht. „Südlich vom Himmel“ ist zwar auch ein Krimi, stellt sich aber vor allem als gut beobachtete Milieustudie dar, die kaum einer so authentisch präsentieren kann wie Thompson, der sich lange Zeit selbst mit Knochenjobs über Wasser halten musste. In seiner gewohnt schnörkellosen, direkten Art bringt er das einfache wie harte Leben von Wanderarbeitern auf den Punkt und beschreibt schonungslos, wie Träume zu sprichwörtlichem Staub zermahlen werden.

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