Leserstimmen zu
Ventoux

Bert Wagendorp

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Trotz der Tatsache, dass ich mich für Radsport eher weniger begeistern kann, fand ich dieses Buch sehr unterhaltsam und gelungen. Bert Wagendorp hat einen wundervollen Schreibstil, dem man leicht folgen kann und der zwar sehr detailreich ist, aber niemals ausschweifend wirkt. Seine Charaktere beschreibt er realitätsnah und so individuell, dass man bald das Gefühl hat, man würde sie selbst kennen. Und so wunderbar bunt gemischt und humorvoll wie diese Truppe ist, möchte man auch am liebsten dazugehören. Peter ist ein begnadeter Dichter, der schon während seiner Schulzeit mit einigen seiner Werke bekannt wird. Bart wird später Journalist, Joost ist ein kleines Genie und wird zum berühmten Professor, André gerät nach der Schulzeit etwas auf die schiefe Bahn, David übernimmt das Reisebüro seines Vaters und Laura wird Regisseurin. Das Buch wechselt sehr locker zwischen Gegenwart und Rückblicken in die Vergangenheit. Bart lässt uns an seinen Erinnerungen teilhaben und erzählt uns, wie damals alles begann. Sehr schön untermalt dies der Autor mit entsprechenden Musikstücken und anderen typischen Dingen der 80er-Jahre. Witzige Dialoge und Szenen sind dabei noch das i-Tüpfelchen auf einem wundervoll gelungenen Ambiente. Für Leser, die etwa in diese Altersklasse fallen, ist das Buch wohl zwangsläufig auch eine kleine Reise in die eigene Jugend. Es erinnert an eigene Streiche in der Schulzeit, an die aufregenden Gefühle der ersten Liebe, an Zeltlageratmosphäre und gemeinsames Abhängen mit Freunden. Eine Hommage an Freundschaft und Kameradschaft; eine Erinnerung daran, dass man die Vergangenheit wirklich ein Stück weit wieder aufleben lassen kann und dass es niemals zu spät ist für einen Neubeginn. Jeder in der Gruppe hat so seine Probleme, mit denen er fertig werden muss. Vor allem aber wollen sie gemeinsam das schreckliche Ereignis von damals endlich aufarbeiten, um damit abschließen zu können. Laura ist danach einfach gegangen und war 30 Jahre lang verschwunden. Umso überraschender ist es, dass sie diejenige ist, die nach Jahrzehnten wieder ein Treffen am Mount Ventoux vorschlägt. Am Ende entwickelt sich die Story in eine Richtung, die ich nicht erwartet habe, die aber einen wundervoll runden Abschluss bildet und dafür sorgt, dass man das Buch irgendwie unwillig, aber mit einem zufriedenen Lächeln auf dem Gesicht zuklappt. Die sympathischen Figuren werden mir ein bisschen fehlen, aber der Geschichte ist nichts mehr hinzuzufügen. Ein gelungenes Ende mit vielen Emotionen und wundervollen Szenen. Fazit: Besonders für Radsportfans und Leser Ü40 dürfte dieses Buch genau die richtige Sommerlektüre sein. Fesselnd, humorvoll, emotional und zwangsläufig auch irgendwie eine Reise in die eigene Vergangenheit.

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Der Berg

Von: BücherKaterTee

10.09.2016

Der Berg Der Gipfel des Mont Ventoux, ist eines der herausragenden Ziele für Radrennfahrer in der Provence ist per Straße von drei Seiten aus erreichbar. Der schwerste Anstieg, von Bédoin im Südwesten, hat über mehr als 1600 Höhenmeter bei einer durchschnittlichen Steigung von 7,6 Prozent eine Länge von etwa 21 km. Berühmt ist der „Col des Tempêtes“ (Sattel der Stürme), an dem die Straße auf dem Grat verläuft. Die Ostseite gilt mit einer Strecke von 26 km über 1150 Höhenmeter bei einer Steigung von 4,5 % als die leichteste Strecke auf diesen Berg. Der Aufstieg auf den Ventoux ist gefürchtet wegen der enormen Steigung und noch mehr wegen seiner kahlen Kuppe, auf der die Rennfahrer ungeschützt der Sommersonne, starken Winden und heftigem Regen ausgesetzt sein können. 1967 erlangte der Mont Ventoux Renn – Berühmtheit, weil der englische Radprofi Tom Simpson eineinhalb Kilometer vor dem Gipfel erschöpft zusammenbrach und noch an der Unglücksstelle verstarb. Auch bei der diesjährigen Touretappe (2016) kam es zu einem denkwürdigen Ereignis auf dem Mont Ventoux. Das Buch „Das Buch handelt nicht nur vom Rennsport. Eigentlich handel es gar nicht davon“… „Es handelt vom Leben“ Bert Wagendorp erzählt in diesem mehr als großartigen Buch auf zwei Zeitebenen die Geschichte von Jugendfreunden aus Zutphen, einem Ort im Achterhoek in den Niederlanden. In der heutigen Zeit begegnen sich die Jugendfreunde, die sich zwischenzeitlich aus den Augen verloren haben erst durch Zufall wieder. Allen Freunden ist gemein, dass sie, Anfang 50, mehrere Brüche in Geheimnisse ihrem Leben verkraften mussten die sie, wenn sie es genauer betrachten, mit ihrer gemeinsamen Jugend in Verbindung bringen können. Bart, der Gerichtsreporter trifft Andre, den Drogendealer vor Gericht, als Andre freigesprochen wird. Sie verabreden sich zu einer gemeinsamen Ausfahrt auf den Rennrädern. Wie sich später herausstellen wird, war der Radsport in ihrer Jugend ein verbindendes Thema. Allerdings führte eine Rennradtour auf den Mont Ventoux vor dreißig Jahren zur großen Zäsur ihres gemeinsamen Lebens und ihrer Freundschaft. Die jungen Menschen entwickeln ihre Leben scheinbar unabhängig voneinander, aber in dem tiefen Bewusstsein, dass sie durch ihre Freundschaft, ihre gemeinsame Jugend, ihrer Liebe zu einander und zu Laura für immer geprägt sein werden. „Du bist schon ein seltener Vogel, Papa, solche Freunde hat nicht jeder. Ein Dichter, ein berühmter Wissenschaftler, ein Verbrecher, ein Reiseveranstalter…. – Kein Wunder, dass du Reporter geworden bist. Sind ja angeblich Chamäleons.“ Bart und Andre nehmen den Kontakt zu David, dem Inhaber eines Reisebüros und Joos, der inzwischen Physikprofessor geworden ist her, als sie völlig unerwartet von Laura in die Provence eingeladen werden. Ausgerechnet Laura, die damals nach dem tödlichen Unfall am Mont Verdoux spurlos aus ihrer aller Leben verschwunden war. Die vier Freunde machen sich nach dieser langen Zeit wieder auf die Reise zum Mont Vendoux. Um ihn zu bezwingen und sich zu retten. Die Jungen Bart, David, Joos, Peter und Andre lernen sich in den achtziger Jahren in der Grundschule kennen. Mit ihren sehr unterschiedlichen Charakteren und familiären Hintergründen bilden die Jungen eine feste Einheit, die später durch Laura nicht einfach erweitert, sondern vervollständigt wird. Mit Laura entstehen in der Gruppe bei den Jungen Liebes- Neid- und Eifersuchtsgefühle. Das System der Jungengruppe mit Laura als Mittelpunkt funktioniert, weil Laura sich weitgehend neutral verhält. Zum Abschluss ihrer Schulzeit machen sich Bart, der Rennradsport – Enthusiast und Joos, der Physikfreak, auf den Weg zum Mont Ventoux, um die schwerste Auffahrt zum Gipfel zu fahren. Peter, der Dichter, schließt sich an, um auf den Spuren des von ihm verehrten Dichters Franceco Petrarca ebenfalls den Mont Vendoux zu bezwingen und sich dichterisch inspirieren zu lassen. David, der in das Reisebüro seines Vaters einsteigen will und Laura, die demnächst in Italien ein Studium aufnehmen will, lassen es sich nicht nehmen, die Freunde zu begleiten. Die Ereignisse am Mont Vendoux lassen Fragen und Gefühle entstehen, die erst dreißig Jahre danach von den knapp Fünfzigjährigen Freunden in der Provence geklärt werden können. Wenn das gelingt, können die Freunde nicht nur Frieden mit der Vergangenheit, sondern auch der Zukunft machen. „Schuldgefühl kann auch ein Ausdruck von Feigheit sein,von der Angst, sich der Tatsache zu stellen, dass wir auf vieles im Leben keinen Einfluss haben….“ Am Mont Vendoux werden die fünf Freunde erwachsen, sie nehmen ihre Schicksale an und entwickeln ihre Leben fiteinander und nehmen ihre Verantwortungen wahr. Bert Wagendorp ist eine wunderbare Coming of Age Geschichte über Freundschaft gelungen, in der er deutlich macht, dass Erwachsen werden eine lebenslange Aufgabe sein kann. Die jungen Menschen, ihre Begegnungen und ihre Einflüsse aufeinander beschreibt Wagendorp sehr einfühlsam und so, dass wohl manche/r gerne ein Teil dieser Gemeinschaft gewesen wäre. Vendoux ist für mich bisher mein Buch des Jahres!!

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