Leserstimmen zu
Old School

John Niven

(10)
(7)
(1)
(0)
(0)
€ 10,99 [D] inkl. MwSt. | € 11,30 [A] | CHF 16,90* (* empf. VK-Preis)

Nach der Musikindustrie (Kill your Friends), Golf (Coma) und Gott (Gott bewahre) widmet sich John Niven in Old School den alten Leuten – hier kann also niemand sagen, Niven versucht nicht neue Themengebiete zu betreten. Herausgekommen ist eine typisch britische Mischung aus Krimi und Komödie. Die Hauptakteure des Buches sind nicht wirklich die typischen Charaktere die man so in Bücher findet. Man begleitet eine Rentner-Truppe nach ihrem <Achtung – kleiner Spoiler> mehr oder weniger erfolgreichem Banküberfall </Spoiler> auf der Flucht vor der Polizei. Die Charaktere selbst sind ziemlich verschieden. Da wäre Susan, die Witwe geworden ist, weil ihr Mann, ein kleinlicher Buchhalter, bei einem Prostituierten-Besuch an einem Herzinfarkt zu Tode gekommen ist (dabei spielte auch ein Riesendildo eine Rolle). Julie kann sich nur gerade so über Wasser halten, arbeitet als Aushilfe im Pflegeheim und wohnt in einer Sozialwohnung. Ethel, eine der Bewohnerinnen in Julies Heim, war früher Tänzerin und ist auch jetzt noch von arg derben Gemüt. Trotz ihres Alter sind ihre Gedanken doch noch ganz der wilden „Sex, Drugs and Rock’n’Roll“ Zeit anhängig. Das komplette Gegenteil ist die streng gläubige Jill – die von Ethels derben Kommentaren doch das ein oder andere mal arg in Verlegenheit gebracht wird. Trotz aller Verschiedenheit gelingt es Niven die Charaktere als rundum sympathischen Haufen rüberkommen zu lassen. Größtenteils schafft er es sogar, sie als recht glaubhaft und realistisch zu zeichnen – nur Ethel schlägt hier mit ihrer extrem vulgären Art doch das ein oder andere mal etwas über das Glaubhafte hinaus. Auch gönnt man ihnen ihr ergaunertes Geld – wahrscheinlich auch deshalb, weil der Roman sich im Kern doch mit einem Gesellschaftsproblem befasst: Armut und das Gefühl der „Nutzlosigkeit“ im Alter. Das Ganze als sozialkritisch zu bezeichnen wäre jetzt zwar Zuviel des Guten, aber über die verschiedenen Gründe nachzudenken, warum dieser Club der Alten zu Gaunern wird, kann sicher nicht schaden. Neben den Kapitel, die sich mit unserem Gauner-Club befassen gibt es auch Kapitel die sich „der anderen Seite“ – die der Polizei – widmen. Hier läuft alles unter der Führung von Sergant Boscombe, der nicht gerade Werbung für den Beruf des Polizisten betreibt. Diese Kapitel sind leider extrem flach und nach dem Humor-Prinzip „Holzhammer“ gestrickt. Das Verhalten Boscombes ist an Infantilität teilweise nicht zu überbieten – er gibt hier den typischen trotteligen Klischee-Polizisten. Hier wäre weniger, bzw. etwas feiner definierter Humor, vielleicht mehr gewesen. Was beim Lesen auffällt: Niven schafft es unheimlich gut, beim Leser Bilder im Kopf zu erzeugen. Im Prinzip hatte ich durchgehend den Eindruck, das Drehbuch eines Films zu lesen. Gefühlt könnte man das Buch so 1:1 verfilmen und es käme sicher etwas unterhaltsames dabei raus. Leider ist das vielleicht auch mit das Problem der Boscombe-Kapitel: Man hier hier den typischen vertrottelten Cartoon-Polizisten vor Augen – was im Kontext eines Buches halt einfach ab und an etwas zu viel des Guten ist. Trotz den paar angesprochene Problemen hab ich mich beim Lesen durchaus gut unterhalten gefühlt. Für Leser, die dem britischen Humor nicht abgeneigt sind, durchaus eine Lektüre wert. Einen wirklichen Grund das Buch unter dem Hardcore-Label von Heyne zu veröffentlichen hab ich allerdings nicht gefunden, außer das bis jetzt auch alle anderen Werke Nivens bis jetzt unter dem Hardcore-Label erschienen sind. Die paar derben Ausdrücke aus Ethels Mund machen das Buch noch lange nicht zu „Hardcore“. Inhaltlich hätte das Buch auch sehr gut in das ganz normale Heyne-Verlagsprogramm gepasst.

Lesen Sie weiter

Die Idee an sich fand ich schon witzig, die Umsetzung ist es umso mehr. John Niven erzählt äußerst kurzweilig und sehr amüsant. Die Kapitel sind knackig kurz und erinnerten mich sehr an filmisches Erzählen – kein Wunder, ist doch John Niven auch Regisseur, wie ich beim Lesen anderer Rezensionen feststellte. Der häufige Perspektivwechsel erhöht den schnellen Lesefluss, dennoch wird man nicht aus der Szenerie gerissen. Die eigentlich erwartete Handlung entwickelt sich zwar anfangs langsam, die Charaktere werden ausführlich eingeführt – allerdings las sich selbst der lange Beginn so flüssig, das es nur mäßig störte. Da sich die Handlungsstränge der einzelnen Figuren stark miteinander verflechten, hat man das permanente Gefühl kollidierender Handlung – ein bewusst gesetzter Effekt. Nicht nur die Alten selbst werden hier begleitet, auch der Gegenspieler in Form eines abgehalfterten alten Polizei Sergeant. Der eilt – immer einen Schritt zu langsam – den gesuchten vermeintlichen Schwerverbrechern hinterher. Mit Verstand, Frechheit und einer guten Portion Glück können diese sich ihm immer wieder im letzten Moment entziehen. Die Mischung der skurrilen Alten ist dabei sehr ausgewogen: Von der sehr nonnenhaften ältlichen Matrone bis zur mit Obszönitäten um sich werfenden ehemaligen Möchtegern-Berühmtheit ist alles dabei. Der Roman las sich wunderbar schnell, trotz meiner hausarbeitsstressigen Zeit. Die wilde Verfolgungsjagd über die Grenzen der Kleinstadtidylle hinweg war dabei wirklich grandios. Die Wendungen sind teils vorhersehbar, teils sehr, sehr überraschend, genau die richtige Mischung, um sich mitreißen zu lassen. Zudem muss man die etwas schrulligen Alten einfach ins Herz schließen. Eine spannende Geschichte, schrullige Charaktere, einen Schuss britischen Humor, was will man mehr? Fazit: Klare Leseempfehlung für humorvolle Stunden!

Lesen Sie weiter

Manche Autoren lassen sich einfach nicht in eine Schablone pressen – und in den allermeisten Fällen ist das auch gut so. John Niven zum Beispiel gehört eindeutig in diese Kategorie und, so viel sei vorweggenommen, mit »Old School« stellt er das ebenso gekonnt wie eindrucksvoll erneut unter Beweis Dabei beginnt der Roman eigentlich auf eine Art und Weise, die nicht unbedingt vielversprechend ist. Ein Dialog zwischen einem Ehepaar um die 60. Lediglich die Tatsache, dass die Dame des Hauses mit selbstgemischtem Kunstblut durch die Gegend schmaddert, gibt zumindest einen dezenten Hinweis darauf, dass man es hier zumindest nicht mit einem ganz typischen Eheleben zu tun hat. Aber dann … John Niven gibt nach dem ersten Kapitel Vollgas und lässt den Leser mit »Old School« durch eine Achterbahn der Unwahrscheinlichkeiten fahren – und zwar eine verflucht schnelle. In erster Linie zielt er dabei mit Brachialgewalt auf die Lachmuskeln ab, ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich zuletzt bei einem Buch so häufig laut gelacht habe. Aber unter all dem Humor hat der Roman auch durchaus ernsthafte Seiten. Letzten Endes ist die Geschichte nichts anderes als eine ziemlich abgefahrene und bitterböse Auseinandersetzung mit dem Thema Altersarmut, versteckt in einem schwarzhumorigen Roadtrip der besonderen Art, bei dem der Leser bis zum Schluss mit den alten Ladys mitfiebert und sich nichts mehr wünscht, als dass sie mit ihrem Banküberfall durchkommen mögen. Womit wir auch direkt bei den Figuren angekommen wären. Diese sind, auch wenn es die reichlich bizarre Story vermuten lässt, sehr viel bodenständiger ausgefallen, als es den Eindruck macht. Im Grunde genommen ist das Quartett der reifen Damen sogar ziemlich realistisch ausgefallen, auch wenn sie natürlich alle ihre Ecken, Kanten und Macken haben. Etwas aus der Art schlägt da höchstens die Vertreterin der Ü-80-Mannschaft, Ethel, die tatsächlich schon sehr verschroben und skurril daherkommt – für mich aber gerade deswegen ein absolutes Highlight gewesen ist. An den Polizisten lässt »Old School« dagegen kaum ein gutes Haar, besonders Chefermittler Boscombe ist ein Trottel wie er im Buche steht und wird im Verlauf des Romans zu einem Ziel für so manchen Seitenhieb auf die Polizei als solches. Wäre er nicht so ein Arsch, könnte man hinsichtlich der Geschehnisse zwar Mitleid mit ihm haben, unter den gegebenen Umständen bleibt aber nur ein hämisches Grinsen übrig. Stilistisch ist Niven mit »Old School« wieder ganz weit vorn dabei. Das Buch liest sich supereingängig, legt ein wahnsinniges Tempo vor und wird schon früh zu einem absoluten Pageturner. Die Pointen sitzen, der mitunter brachiale Humor haut ordentlich rein und somit flutschen die vierhundert Seiten schnell durch. Die Übersetzung von Stephan Glietsch ist stimmig und macht Spaß. Was will man also mehr. Fazit: »Old School« war für mich ein absoluter Höhepunkt in John Nivens bisherigem Schaffen. Hier stimmt einfach alles. Fieser Humor lässt die berechtigte Sozialkritik nicht wie einen erhobenen Zeigefinger wirken, die tollen Figuren und das hohe Maß an Tempo sorgen dafür, dass man diesen Roadtrip der besonderen Art in einem Zug inhaliert und sich am Ende denkt »Schade, war es das schon?« Absolut gelungen und eine unbedingte Leseempfehlung.

Lesen Sie weiter

John Nivens "Old School" wirkt nicht nur auf den ersten Blick wie ein Buch gewordener Film und begeistert als unterhaltsame Krimi-Komödie durchaus, auch wenn der Humor manchmal etwas flach und die Ereignisse zunehmend überzogen sein mögen, doch ist es weit mehr die suggerierte Ernsthaftigkeit, der sich hier als störendes Element offenbart, denn Fäkalhumor und teils tieftragische Begebenheiten gehen selten gut Hand in Hand und das gilt auch in diesem Fall. Unterhaltsam ist die aberwitzige Geschichte dennoch und in ihren besten Momenten herrlich frisch und witzig inszeniert, allerdings eben nur mit leichten Abstrichen zu genießen.

Lesen Sie weiter

Frauenpower! Frauenpower? Nun, zunächst ist davon ehrlich gesagt nicht viel zu bemerken. Denn eigentlich leben die vier Frauen, die hier eine wesentliche Rolle spielen, ein ganz normales Leben, woran John Niven den Leser bzw. Hörer zu Beginn auch ausgiebig teilhaben lässt. - Da wäre zum einen Susan, eine bodenständige Frau, die zeitlebens Hausfrau und Mutter war und sich um Geld keine Sorgen zu machen braucht, denn ihr Mann hat schließlich einen sicheren Posten und sorgt stets für eine ausreichende Deckung der Kreditkarte. - Ihre Freundin Julie ist da schon schlechter dran - alleinstehend und ohne großartige Rücklagen lebt sie in einer winzigen Wohnung und arbeitet regelmäßig in einem Altersheim, um überhaupt über die Runden zu kommen. - In diesem Altersheim verbringt sie ihre Zigarettenpausen immer wieder mit einer 87jährigen Bewohnerin, Ethel, einer skurrilen Alten, die grundsätzlich kein Blatt vor den Mund nimmt und sich geschickt kleine Vorteile zu verschaffen weiß. 'Kein Schwanz ist so hart wie das Leben' - dieser Wahlspruch ziert als Aufkleber Ethels Rollstuhl und zeigt schon, wes Geistes Kind sie ist. - Und die Vierte im Bunde ist die sorgengeplagte Jill, eine zurückhaltende Frau, die sich große Gedanken um ihren kleinen Enkel macht. Dieser benötigt dringend eine lebensnotwendige Operation, doch die Familie kann das erforderliche Geld dafür nicht auftreiben. Alles steuert auf eine traurige Katstrophe zu. Doch die eigentliche Katastrophe überkommt unerwartet ausgerechnet Susan, deren gutsituiertes Leben sich plötzlich als windiges Kartenhaus entpuppt und damit alles Bisherige infrage stellt. Als ihr Mann Barry unter ungeahnten Umständen ums Leben kommt (eine wirklich ausgesprochen skurrile Situation), kommt Unglaubliches ans Tageslicht - und Susan hat plötzlich mehr Schulden an der Backe als die Bank für gut heißen kann. Und schon ist sie ihr Häuschen los, ihre Kreditkarte ebenso und gleichzeitg alles, was ihr bislang so selbstverständlich erschien. In ihrer Verzweiflung schmiedet sie mit ihrer Freundin einen verwegenen Plan - und plötzlich befinden sich die vier Frauen in dem Abenteuer ihres Lebens... Mehr möchte ich zu dem Inhalt nicht erzählen, denn das würde potentielle Leser / Hörer um das Vergnügen bringen, die chaotisch-schräge Handlung selbst zu entdecken. Ab hier wird nämlich zunehmend verständlich, weshalb das (Hör-)Buch so gute Wertungen erhält. Liebevoll-schrullige Charaktere verleihen dem Roadtrip der Oldies eine ganz eigene Würze, und selbst die Polizisten kommen hier zu ihrem Recht auf ihren Status als Hauptcharakter - und zu so manchem Youtube-Auftritt. Kaum scheint die Geschichte endlich wieder in ruhigerem Fahrwasser zu dümpeln, kommt die nächste Misere um die Ecke und fordert dem Einfallsreichtum der vier Frauen so einiges ab. Frauenpower eben! Ja, hier ist sie... Durch den sehr bedächtigen Beginn der Erzählung, dazu noch sehr ruhig vorgetragen von Gerd Köster, brauchte ich ehrlich gesagt mehrere Anläufe, bis mich das Hörbuch wirklich packen konnte. Dann aber ließ es mich kaum noch los, ich fühlte mich prächtig unterhalten, und die blidhaften Szenen ließen mich oftmals laut loslachen. Auch dem Sprecher machten Figuren wie Situationen offenbar zunehmend mehr Spaß, denn die Charaktere gewannen nicht zuletzt durch die stimmliche Nuancierung um einiges an Farbe und Lebendigkeit hinzu. Schräg, chaotisch, liebenswert - ein Hörspaß, der sich einstellt, sobald der ruhige Anfang überwunden ist. Dranbleiben lohnt sich! © Parden

Lesen Sie weiter

Dies ist das erste Werk was ich vom Autor John Niven in den Händen habe und es wird nicht das letzte bleiben, hoffe ich. Ich habe mich nicht voher informiert, weder über das Werk noch über den Autor. Ein Rentnerteam will eine Bank überfallen. Eine lustige Vorstellung, die Humor verspricht. Die Geschichte ist voller schwarzem Humor und das gefällt mir sehr. Schwarzer Humor gepaart mit Dialogen die ihren Meister suchen. Gerd Köster gibt der Story einen eigenen Charme. Die Imitationen der Frauenstimmen war manchmal etwas gewöhnungsbedürftig, aber ansonsten war der Mix der Stimmen, aber auch die verschiedenen Stimmlagen hervorragend umgesetzt. Die Figuren werden lebendig durch seine Sprechweise. Die Charaktere sind gut gemacht. Jeder Charakter ist auf seine Weise schräg und liebenswürdig zugleich. Man fiebert mit den Damen mit, allen voran nach dem Bankraub. Das Hörbuch ist ein genialer Augenschmaus für zwischendurch. Man kann herzhaft Lachen und das bei so einem bissigem schwarzen Humor.

Lesen Sie weiter

Als das wohlbehütete Leben der sechzigjährigen Susan Frobisher plötzlich völlig aus den Fugen gerät und sie erfährt, dass sie nun dank den Machenschaften ihres plötzlich verstorbenen Ehemannes schlichtweg pleite ist, macht sie sich Gedanken und beschließt, sich das nicht vom Leben bieten zu lassen. Sie möchte nicht enden wie ihre beste Freundin Julie, die ebenfalls schon einmal alles verloren hat und mittlerweile in einer Sozialwohnung lebt und die Böden im Altersheim wischt. Ein Leben auf Sozialkosten im Altersheim ist etwas, dass die beiden sehr abschreckt. Wollen sie jemals selbst hier enden? Dann ist da ja ich noch ihre Freundin Jill, deren Enkelkind schwer krank ist und das Geld trotz mehrfacher Spendensammlungen hinten und vorne nicht für die Operation reicht. Es muss etwas passieren, denn eine Altersarmut wollen sie nicht akzeptieren. Ein Banküberfall muss her! So schwer kann das ja nicht sein, zumal Susan bei ihrem letzten verzweifelten Besuch bei ihrem Bankberater etwas Wichtiges und Hilfreiches erfahren hat. Susans Freundin Ethel - über achtzig, Flucht, trinkt, und hat Geschichten auf Lager, dass die Wände wackeln - sitzt zwar im Rollstuhl, aber es hindert sie keinesfalls, dank diesem Vorhaben teilzunehmen. Im Gegenteil: Endlich passiert mal wieder etwas Aufregendes, da bleibt sie nicht freiwillig im Altersheim. Hilfe muss natürlich auch her, in Form eines ebenfalls in die Jahre gekommenen ehemaligen Bankräubers, der zwar ohne sein Sauerstoffgerät nicht kann und auch immerzu etwas vergesslich ist, aber was macht das schon? "Es ist besser, etwas zu bereuen, was man getan hat, als etwas, dass man nicht getan hat." Herrlich schräg und vor allem sehr temporeich geht es zu, den die Geschehnisse gipfeln in einem actionreichen Roadtrip. John Niven schafft es, seiner mit etwas britischem angehauchten Satire mit diesen Charakteren wunderbar, Leben und Dynamik einzuhauchen. So unterschiedlich sie alle sind, so perfekt passen sie auch zusammen und gerade ihre etwas überzeichneten Eigenschaften machen es auch, dass man immer wieder herzlich lachen muss. Es geht chaotisch zu und die Truppe hat oftmals mehr Glück als Verstand - aber es ist herrlich! Zumal sie ja von dem etwas trotteligen Sergeant Boscombe und seinem nach gutem französischem Essen süchtigen Kollegen gejagt werden. Boscombe hat aufgrund diverser Vorkommnisse immerhin ganz persönliche Rache an dieser Truppe geschworen. Der Tonfall ist in typischer John-Niven-Manier direkt, offen und hin und wieder flapsig und er nimmt wie gewohnt kein Blatt vor den Mund. Die Thematik ist Ansicht eine sehr ernste und Niven ist es gelungen, Ernsthaftigkeit und Humor gekonnt zu vermischen. Immer wieder lässt er Passagen und Gespräche einfließen, die nachdenklich stimmen und letztlich haften bleiben. Gelesen wird das Hörbuch von Gerd Köster. Seine Stimme passt hervorragend und er schafft es, dieser verrückten Satire den nötigen Charme zu verleihen und wird Nivens Stil gerecht. Kopfkino pur! PERSÖNLICHES FAZIT Eine gelungene und vor allem rasante Satire über ein ungewöhnliches, aber äußerst liebenswertes Bankräuber-Team. Schwarzer Humor von seiner herrlichsten Seite in typischer John-Niven-Manier. Mal urkomisch und schräg, mal sehr derbe und direkt, aber aufgrund des doch ernsten Hintergrundes auch immer wieder mit leisen und nachdenklichen Tönen. Wer einen Niven lesen möchte, sollte allerdings hinsichtlich seiner zynisch-derben Sprache nicht empfindlich und in Watte gepackt sein. Niven hat mir einmal mehr ein "Rundum-Sorglos-Unterhaltungspaket" geliefert, an dem es so rein gar nichts zu meckern gibt.

Lesen Sie weiter

Mit diesem Roman ist John Niven ein herrlich sarkastisches Meisterstück gelungen, denn in dem im November 2015 im Random House Verlag erschienen Hörbuch geht es nach relativ harmlosen Start ziemlich zur Sache - ganz unter dem Motto „Mit 66 Jahren ...“. Aber Achtung: Die Sprache ist teilweise derbe, respektlos, cool und witzig! Wer sich darauf einlassen mag, wird eine Menge Spaß haben! Ich hatte ihn jedenfalls! Zu Beginn des Hörbuchs dürfen wir in die Leben vier älterer Damen zwischen 60 und 87 Jahren blicken, die alle in mehr oder weniger bescheidenen Verhältnissen leben - außer Susan, die zwar recht bieder, aber gut versorgt zu sein scheint. Sie und ihre beste Freundin Julie sind gerade 60 Jahre geworden. Julie, die früher das glamourösere Leben der beiden führte, muss sich nach einigen Lebenspannen ihr mageres Leben durch einen Job im Altersheim mehr recht als schlecht verdienen. Hier lernte sie Ethel kennen, eine im Rollstuhl sitzende vulgäre Fettel, wie es auf den ersten Blick scheint. Die vierte Dame ist Jill, die Susan aus der Laien-Theatergruppe kennt. Jill hat Sorgen wegen ihres todkranken Enkelsohnes, für den sie jeden Cent zusammenkratzt und Spendengelder sammelt, die aber längst nicht für die teure Behandlung reichen. Doch dann kommt alles ganz anders als erwartet und selbst Susan erlebt ein Desaster. Eigentlich hat nun auch sie nichts mehr zu verlieren und so entsteht die wahnwitzige Idee eines Banküberfalls. Wie gut, dass Julie Nails, einen ehemaligen Bankräuber kennt, der ihnen schnell klar macht, dass er a) dabei sein will und sie b) noch zwei weitere im Bunde brauchen. Ethel ist sofort dabei, nur Jill ist schwer zu bewegen. Doch schließlich steht der Entschluss fest. Die schräge Rentnertruppe unternimmt einen dilettantisch durchgeführten Banküberfall und begibt sich auf eine irrwitzige Flucht von England nach Frankreich, die so kurzweilig, spannend und humorvoll geschildert wird, dass kein Auge trocken bleibt. Dabei wird die Rentnergang vom besessenen Sergeant Boscombe und seinem gutmütigen Adjutanten Wesley gejagt. Die Charaktere sind allesamt äußerst ausgereift und passen entweder perfekt oder so gar überhaupt nicht zueinander, dass es eine wahre Wonne ist, den Interaktionen zu folgen. Da ist zum einen die äußerst vulgäre Ethel, ein früherer Tanzstar, der für niemanden bremst und nach einem aufregenden Leben lechzt, dann ihr Konterpart, die zartbesaitete Jill, die immer alles richtig machen möchte. Julie, die einmal ein so aufregendes Leben führte und nun große Geldsorgen hat, oder Susan, die ihr beschauliches Leben abrupt ändern muss. Zu Beginn ein Kurzauftritt von Barry, dem masochistischen Sexmonster, genau wie vom alten und senilen Ganoven Nails und schließlich der ungehobelte, übermotivierte und zum Unmut seines Chefs Wilson kein Fettnäpfchen auslassende Sergeant Boscombe mit seinem beflissenen Adjutanten Wesley. Der schwarze Humor ist an einigen Stellen sicher derb, aber so surrealistisch, dass die Derbheit einfach nicht ernst zu nehmen ist. Richtig herrlich. Natürlich ist viel überspitzt und einiges vorhersehbar, doch das ist sicher auch so gewollt, denn mit so mancher Wendung rechnet man dadurch sicher nicht und der temporeiche, trocken überzogene, humorige Erzählstil ist so anschaulich, dass ein wahrliches Kopfkino entsteht. Ebenso passt die Sprecherstimme Gerd Kösters - mit seiner etwas rauen und gelassenen Tonart - perfekt zu diesem trockenen Humor Nivens. Fazit: Wer schwarzen Humor mag, wird hier aufs Feinste bedient! Ich fühlte mich über 10 Stunden lang bestens unterhalten und war jederzeit gespannt, wie es weiter geht!

Lesen Sie weiter