Leserstimmen zu
Old School

John Niven

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Taschenbuch
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Nach der Musikindustrie (Kill your Friends), Golf (Coma) und Gott (Gott bewahre) widmet sich John Niven in Old School den alten Leuten – hier kann also niemand sagen, Niven versucht nicht neue Themengebiete zu betreten. Herausgekommen ist eine typisch britische Mischung aus Krimi und Komödie. Die Hauptakteure des Buches sind nicht wirklich die typischen Charaktere die man so in Bücher findet. Man begleitet eine Rentner-Truppe nach ihrem <Achtung – kleiner Spoiler> mehr oder weniger erfolgreichem Banküberfall </Spoiler> auf der Flucht vor der Polizei. Die Charaktere selbst sind ziemlich verschieden. Da wäre Susan, die Witwe geworden ist, weil ihr Mann, ein kleinlicher Buchhalter, bei einem Prostituierten-Besuch an einem Herzinfarkt zu Tode gekommen ist (dabei spielte auch ein Riesendildo eine Rolle). Julie kann sich nur gerade so über Wasser halten, arbeitet als Aushilfe im Pflegeheim und wohnt in einer Sozialwohnung. Ethel, eine der Bewohnerinnen in Julies Heim, war früher Tänzerin und ist auch jetzt noch von arg derben Gemüt. Trotz ihres Alter sind ihre Gedanken doch noch ganz der wilden „Sex, Drugs and Rock’n’Roll“ Zeit anhängig. Das komplette Gegenteil ist die streng gläubige Jill – die von Ethels derben Kommentaren doch das ein oder andere mal arg in Verlegenheit gebracht wird. Trotz aller Verschiedenheit gelingt es Niven die Charaktere als rundum sympathischen Haufen rüberkommen zu lassen. Größtenteils schafft er es sogar, sie als recht glaubhaft und realistisch zu zeichnen – nur Ethel schlägt hier mit ihrer extrem vulgären Art doch das ein oder andere mal etwas über das Glaubhafte hinaus. Auch gönnt man ihnen ihr ergaunertes Geld – wahrscheinlich auch deshalb, weil der Roman sich im Kern doch mit einem Gesellschaftsproblem befasst: Armut und das Gefühl der „Nutzlosigkeit“ im Alter. Das Ganze als sozialkritisch zu bezeichnen wäre jetzt zwar Zuviel des Guten, aber über die verschiedenen Gründe nachzudenken, warum dieser Club der Alten zu Gaunern wird, kann sicher nicht schaden. Neben den Kapitel, die sich mit unserem Gauner-Club befassen gibt es auch Kapitel die sich „der anderen Seite“ – die der Polizei – widmen. Hier läuft alles unter der Führung von Sergant Boscombe, der nicht gerade Werbung für den Beruf des Polizisten betreibt. Diese Kapitel sind leider extrem flach und nach dem Humor-Prinzip „Holzhammer“ gestrickt. Das Verhalten Boscombes ist an Infantilität teilweise nicht zu überbieten – er gibt hier den typischen trotteligen Klischee-Polizisten. Hier wäre weniger, bzw. etwas feiner definierter Humor, vielleicht mehr gewesen. Was beim Lesen auffällt: Niven schafft es unheimlich gut, beim Leser Bilder im Kopf zu erzeugen. Im Prinzip hatte ich durchgehend den Eindruck, das Drehbuch eines Films zu lesen. Gefühlt könnte man das Buch so 1:1 verfilmen und es käme sicher etwas unterhaltsames dabei raus. Leider ist das vielleicht auch mit das Problem der Boscombe-Kapitel: Man hier hier den typischen vertrottelten Cartoon-Polizisten vor Augen – was im Kontext eines Buches halt einfach ab und an etwas zu viel des Guten ist. Trotz den paar angesprochene Problemen hab ich mich beim Lesen durchaus gut unterhalten gefühlt. Für Leser, die dem britischen Humor nicht abgeneigt sind, durchaus eine Lektüre wert. Einen wirklichen Grund das Buch unter dem Hardcore-Label von Heyne zu veröffentlichen hab ich allerdings nicht gefunden, außer das bis jetzt auch alle anderen Werke Nivens bis jetzt unter dem Hardcore-Label erschienen sind. Die paar derben Ausdrücke aus Ethels Mund machen das Buch noch lange nicht zu „Hardcore“. Inhaltlich hätte das Buch auch sehr gut in das ganz normale Heyne-Verlagsprogramm gepasst.

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Die Idee an sich fand ich schon witzig, die Umsetzung ist es umso mehr. John Niven erzählt äußerst kurzweilig und sehr amüsant. Die Kapitel sind knackig kurz und erinnerten mich sehr an filmisches Erzählen – kein Wunder, ist doch John Niven auch Regisseur, wie ich beim Lesen anderer Rezensionen feststellte. Der häufige Perspektivwechsel erhöht den schnellen Lesefluss, dennoch wird man nicht aus der Szenerie gerissen. Die eigentlich erwartete Handlung entwickelt sich zwar anfangs langsam, die Charaktere werden ausführlich eingeführt – allerdings las sich selbst der lange Beginn so flüssig, das es nur mäßig störte. Da sich die Handlungsstränge der einzelnen Figuren stark miteinander verflechten, hat man das permanente Gefühl kollidierender Handlung – ein bewusst gesetzter Effekt. Nicht nur die Alten selbst werden hier begleitet, auch der Gegenspieler in Form eines abgehalfterten alten Polizei Sergeant. Der eilt – immer einen Schritt zu langsam – den gesuchten vermeintlichen Schwerverbrechern hinterher. Mit Verstand, Frechheit und einer guten Portion Glück können diese sich ihm immer wieder im letzten Moment entziehen. Die Mischung der skurrilen Alten ist dabei sehr ausgewogen: Von der sehr nonnenhaften ältlichen Matrone bis zur mit Obszönitäten um sich werfenden ehemaligen Möchtegern-Berühmtheit ist alles dabei. Der Roman las sich wunderbar schnell, trotz meiner hausarbeitsstressigen Zeit. Die wilde Verfolgungsjagd über die Grenzen der Kleinstadtidylle hinweg war dabei wirklich grandios. Die Wendungen sind teils vorhersehbar, teils sehr, sehr überraschend, genau die richtige Mischung, um sich mitreißen zu lassen. Zudem muss man die etwas schrulligen Alten einfach ins Herz schließen. Eine spannende Geschichte, schrullige Charaktere, einen Schuss britischen Humor, was will man mehr? Fazit: Klare Leseempfehlung für humorvolle Stunden!

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Manche Autoren lassen sich einfach nicht in eine Schablone pressen – und in den allermeisten Fällen ist das auch gut so. John Niven zum Beispiel gehört eindeutig in diese Kategorie und, so viel sei vorweggenommen, mit »Old School« stellt er das ebenso gekonnt wie eindrucksvoll erneut unter Beweis Dabei beginnt der Roman eigentlich auf eine Art und Weise, die nicht unbedingt vielversprechend ist. Ein Dialog zwischen einem Ehepaar um die 60. Lediglich die Tatsache, dass die Dame des Hauses mit selbstgemischtem Kunstblut durch die Gegend schmaddert, gibt zumindest einen dezenten Hinweis darauf, dass man es hier zumindest nicht mit einem ganz typischen Eheleben zu tun hat. Aber dann … John Niven gibt nach dem ersten Kapitel Vollgas und lässt den Leser mit »Old School« durch eine Achterbahn der Unwahrscheinlichkeiten fahren – und zwar eine verflucht schnelle. In erster Linie zielt er dabei mit Brachialgewalt auf die Lachmuskeln ab, ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich zuletzt bei einem Buch so häufig laut gelacht habe. Aber unter all dem Humor hat der Roman auch durchaus ernsthafte Seiten. Letzten Endes ist die Geschichte nichts anderes als eine ziemlich abgefahrene und bitterböse Auseinandersetzung mit dem Thema Altersarmut, versteckt in einem schwarzhumorigen Roadtrip der besonderen Art, bei dem der Leser bis zum Schluss mit den alten Ladys mitfiebert und sich nichts mehr wünscht, als dass sie mit ihrem Banküberfall durchkommen mögen. Womit wir auch direkt bei den Figuren angekommen wären. Diese sind, auch wenn es die reichlich bizarre Story vermuten lässt, sehr viel bodenständiger ausgefallen, als es den Eindruck macht. Im Grunde genommen ist das Quartett der reifen Damen sogar ziemlich realistisch ausgefallen, auch wenn sie natürlich alle ihre Ecken, Kanten und Macken haben. Etwas aus der Art schlägt da höchstens die Vertreterin der Ü-80-Mannschaft, Ethel, die tatsächlich schon sehr verschroben und skurril daherkommt – für mich aber gerade deswegen ein absolutes Highlight gewesen ist. An den Polizisten lässt »Old School« dagegen kaum ein gutes Haar, besonders Chefermittler Boscombe ist ein Trottel wie er im Buche steht und wird im Verlauf des Romans zu einem Ziel für so manchen Seitenhieb auf die Polizei als solches. Wäre er nicht so ein Arsch, könnte man hinsichtlich der Geschehnisse zwar Mitleid mit ihm haben, unter den gegebenen Umständen bleibt aber nur ein hämisches Grinsen übrig. Stilistisch ist Niven mit »Old School« wieder ganz weit vorn dabei. Das Buch liest sich supereingängig, legt ein wahnsinniges Tempo vor und wird schon früh zu einem absoluten Pageturner. Die Pointen sitzen, der mitunter brachiale Humor haut ordentlich rein und somit flutschen die vierhundert Seiten schnell durch. Die Übersetzung von Stephan Glietsch ist stimmig und macht Spaß. Was will man also mehr. Fazit: »Old School« war für mich ein absoluter Höhepunkt in John Nivens bisherigem Schaffen. Hier stimmt einfach alles. Fieser Humor lässt die berechtigte Sozialkritik nicht wie einen erhobenen Zeigefinger wirken, die tollen Figuren und das hohe Maß an Tempo sorgen dafür, dass man diesen Roadtrip der besonderen Art in einem Zug inhaliert und sich am Ende denkt »Schade, war es das schon?« Absolut gelungen und eine unbedingte Leseempfehlung.

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John Nivens "Old School" wirkt nicht nur auf den ersten Blick wie ein Buch gewordener Film und begeistert als unterhaltsame Krimi-Komödie durchaus, auch wenn der Humor manchmal etwas flach und die Ereignisse zunehmend überzogen sein mögen, doch ist es weit mehr die suggerierte Ernsthaftigkeit, der sich hier als störendes Element offenbart, denn Fäkalhumor und teils tieftragische Begebenheiten gehen selten gut Hand in Hand und das gilt auch in diesem Fall. Unterhaltsam ist die aberwitzige Geschichte dennoch und in ihren besten Momenten herrlich frisch und witzig inszeniert, allerdings eben nur mit leichten Abstrichen zu genießen.

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