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Leserstimmen (20)

Margaret Atwood: Hexensaat

Hexensaat Blick ins Buch

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Gebundenes Buch mit Schutzumschlag ISBN: 978-3-8135-0675-4

Erschienen: 17.04.2017
Dieser Titel ist lieferbar.

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Beeindruckendes Werk,,,

Von: Angela Busch Datum : 15.11.2017

https://literaturgarten.blogspot.de


REZENSION

INHALT:
Felix, eine etwas exzentrischer, älterer Theaterregisseur wird von seinen Kollegen gemobbt und verliert seinen Job am Stück *Der Sturm* . Seine Adaption an das gleichnamige Drama von William Shakespeare wird ihm rücksichtslos genommen. Er leidet darunter sehr, zieht sich in das Privatleben zurück, lebt sehr lange abgeschieden, einsam und ärmlich in einer Hütte. Er ändert sogar seinen Namen. Nach einigen Jahren des Dahinsiechen ohne Lebensperspektive nimmt er einen Job als Theatermacher in einem Gefängnis an. Ungeahnte Möglichkeiten während seiner Arbeit als Regisseur tun sich für ihn auf. Er möchte mit den Gefangenen *Der Sturm* proben und aufführen. Zufällig bekommt er die Gelegenheit zum Kontakt zu seinen damaligen Widersachern und nun arbeitet er zielstrebig nur auf eines hin. Rache auszuüben an den ehemaligen Kollegen,,,,,,

MEINE MEINUNG:
Diese ganz besondere Art der Erzählform, eine Umarbeitung (Adaption) eines literarischen Stückes in eine andere Umgebungs - und Zeitform hat mich absolut fasziniert. Margaret Atwood hat in ihrer Erzählform das Niveau von William Shakespeares Dramen gespiegelt und für unser heutiges Leseverständnis perfekt dargestellt. Das Buch liest sich flüssig,angenehm und erzeugt viele Bilder im Kopf. Mit leiser, humorvoller Erzählkunst bringt Margaret Atwood dem Leser die Gestalt des Felix ( bei Shakespeare Prospero) sehr nahe und stattet seinen Charakter mit sympathischer Gerissenheit und Schläue aus. Man leidet mit ihm und wünscht sich sogar, dass seine Rachepläne , mit denen er es seinen Kollegen heimzahlen möchte, in Erfüllung gehen. Stimmungsvoll beschreibt die Autorin die Gefängnisatmosphäre , die Charaktere und Möglichkeiten der Insassen zum Schauspielern, Fähigkeiten , die von Felix intelligent auf den jeweiligen Menschen-Typ zugeschnitten werden. *Hexensaat* ist eine superschöne Hommage von Margaret Atwood an den grossen William Shakespeare und steht an Dramatik und Bildhaftigkeit dem Stück des grossen Meisters in nichts nach.
Wer möchte, kann am Ende des Buches vorher eine kurze Inhaltsangabe des Originalstückes *Der Sturm* von Shakespeare zum besseren Verständnis des Buches erlesen, aber das ist absolut nicht zwingend.

Lasst Euch unvoreingenommen auf dieses tolle Meisterwerk und die Ausführungen von Margaret Atwood ein und ihr werdet einige wundersame, interessante, ganz andere Lesestunden, weitab vom Mainstream erleben,,,

Meine Wertung: FÜNF ***** Sterne für dieses grossartige Buch!

Herzlichen Dank an die Autorin und den Knaus-Verlag für dieses grossartige Leseexemplar!

Packende Neuerzählung mit Biss

Von: Aurea Datum : 05.11.2017

www.aureasfabelhaftewelt.com/

Das steht drin

Felix bringt als Theatermachen die grandiosesten, gewagtesten Stücke auf die Bühne. Seine nächste Inszenierung soll Shakespeares "Der Sturm" werden. Sie soll ihm auch dabei helfen, über eine private Tragödie hinwegzukommen. Doch seine Mitarbeiter und engsten Vertrauten bringen ihn auf hinterhältige Weise um seinen Posten. Felix zieht sich zurück. Viele Jahre später sieht er seine Chance auf Rache endlich gekommen.


Kritik

"Hexensaat" von Margaret Atwood reiht sich als vierte Erscheinung in das Hogarth Shakespeare Projekt ein. Hogarth Press wurde 1917 von Virginia und Leonard Woolf gegründet. Das Label setzte es sich zum Ziel, die besten neuen und zeitgenössischen Autoren zu veröffentlichen. Mit dem Shakespeare-Projekt wagen sich insgesamt acht Autorinnen und Autoren an Neuerzählungen von Geschichten des Barden.

Margaret Atwood hat sich mit "Hexensaat" an Shakespeares Sturm herangewagt. Wer mit ihren Werken bisher nicht vertraut ist, könnte sich nun sicher irgendwie zynisch dazu äußern, dass wir alle Jahre wieder mit Neuerzählungen und Nacherzählungen von Werken von Shakespeare und Austen geflutet werden. Doch Margaret Atwood ist als Autorin nicht zu unterschätzen. Sie verwandelt den Sturm in eine wilde Achterbahnfahrt, bei der man als Leser kaum die Augen von den Seiten lösen kann.

Ihr Meisterstück in diesem Buch ist sicherlich die Hauptfigur Felix, der natürlich dem Prospero aus Shakespeares Sturm nachempfunden ist. Felix ist stellenweise haarsträubend dämlich und teilweise wirklich unerträglich. Atwood hat mit ihm eine bitterböse Karikatur der Theatereliten geschrieben, die ein Stück gar nicht abgedreht genug sein lassen können. So will er, dass Ariel (der Luftgeist aus dem Originalstück) von einem Transvestiten auf Stelzen gespielt wird, der sich irgendwann in ein Glühwürmchen verwandeln soll. Für alle Figuren hat er solche Ideen, und wer die Aussage dahinter nicht versteht, nun, der ist eben einfach ein Idiot.

Und trotzdem fiebert man am Ende mit ihm mit, wünscht ihm den Erfolg und die Möglichkeit, seine Rache auszuüben. Denn hinter all dem Wahnsinn, den er mit seinem Sturm auf der Bühne entfesseln will, steckt am Ende doch nur der Wunsch, sein verlorenes Kind wenigstens auf der Bühne wieder ins Leben zu holen, und wenn es nur für einen Moment ist. Felix als Charakter ist extrem instabil und schwankt permanent zwischen verschiedenen Extremen, und ihm immer weiter in diesen wirren Kaninchenbau zu folgen, ist absolut unterhaltsam.

Margaret Atwood schafft es ebenfalls, das durchaus von magischen und fantastischen Elementen durchzogene Stück in unsere Zeit zu verlegen. Mit Shakespeare hat man dort ja häufiger ein Problem. Seine Dramen mögen da zugänglicher sein, doch wie erklärt man heutzutage Luftgeister und die anderen Kreaturen, die im "Sturm" auftauchen? Atwood integriert ein Stück in das Stück, über welches sie schreibt, was ganz in der Tradition von Shakespeare selbst steht. Problematisch für den Leser wird dies höchstens am Ende, und dann auch nur, falls er oder sie bisher den "Sturm" nicht gelesen hat. Denn wenn wir davon ausgehen, dass Felix als Prospero sein Reich mit Magie im Zaum hält, dies aber nicht auf die Zuschauer des Stückes übergreift, dann bleiben die Motivationen einiger Figuren im Buch undurchsichtig. In diesem Fall sind wir die Zuschauer, und einige der Figuren handeln irrational.

Dem Lesevergnügen tut dies aber keinen Abbruch, insofern man sich darauf einlassen will. Margaret Atwood liefert eine ideenreiche Neuerzählung mit einem detailliert ausformulierten Protagonisten, bei dem man nie so richtig weiß ob man ihn nun lieben oder verabscheuen soll. Zahlreiche Seitenhiebe auf kulturelles Geschehen und zeitgenössische Themen als solche sind ebenfalls untergebracht und werden mit der für Atwood typischen, scharfen Zunge vorgetragen. Wie auch schon beim Originalstück bleibt am Ende aber die Frage, was mit den Figuren passiert, sobald der Zauber der Insel sich gelöst hat. Hier bieten beide Geschichten ein offenes Ende, und ich frage mich, ob eine Weitererzählung, anstelle einer Nacherzählung, nicht vielleicht sogar noch spannender gewesen wäre. Denn eins ist nach "Hexensaat" klar: Atwood und Shakespeare sind eine überaus spannende Kombination.

Fazit

"Hexensaat" von Margaret Atwood bietet kurzweiliges Lesevergnügen sowohl für Kenner von Shakespeares Werk, als auch für Neueinsteiger. Geschickt transportiert sie die Geschichte in die heutige Zeit und geizt nicht mit zahlreichen Rundumschlägen. Ein Buch, welches ich kaum aus der Hand legen konnte und ehrlich gesagt auch gar nicht wollte, so fesselnd ist es geschrieben.

Tolles Buch im Shakespeare Projekt

Von: CoolCatsCologne Datum : 06.10.2017

www.coolcatscologne.de

Mein nächstes Buch aus dem Shakespeare Projekt. Bis jetzt mochte ich „Die störrische Braut“ sehr und „Shylock“ gar nicht. Auf „Hexensaat“ hatte ich mich ehrlich gesagt am meisten gefreut, weil Margaret Atwood mich vor ein paar Monaten mit „Der Report der Magd“ schon so begeistern konnte. Im Netz waren die Kritiken durchwachsen und ich frage mich, ob das etwas damit zu tun hat, ob man „Der Sturm“, auf dem es aufbaut, vorher schon gelesen hat. (Habe ich nicht.) Margaret Atwood geht diese Neuinterpretation jedenfalls anders an: Wir lesen hier von einem Theaterregisseur, der das Stück in einem Gefängnis aufführt. Wir lernen dadurch den Plot und die Charaktere kennen und interpretieren es gemeinsam mit den Insassen neu. Dazu kommen allerhand Intrigen und Verstrickungen. „Hexensaat“ ist vielleicht nicht mein Lieblingsbuch, aber in dieser Reihe habe ich es sehr gerne gelesen.

Shakespeare Again

Von: Niamh O'Connor Datum : 18.09.2017

britlitscout.wordpress.com

The Tempest (Der Sturm) gehört nicht zu den Theaterstücken William Shakespeares, deren Handlung jeder kennt, aber in Hag-Seed (Deutsch: Hexen-Saat), Margaret Atwoods Romanversion des Stücks für das Hogarth Shakespeare Project, wird uns diese Handlung gleich in zweifacher Weise näher gebracht: sie dient als Vorlage für den Roman und sie begegnet uns als das Theaterstück, an dessen Inszenierung die handelnden Personen freiwillig und weniger freiwillig mitwirken.

Die kanadische Autorin erzählt die Geschichte von Theatermann Felix Phillips. Schwer angeschlagen vom Verlust seiner Frau und seiner dreijährigen Tochter war er mitten in den Vorbereitungen zu einem seiner Geniestreiche, einer modernen Inszenierung von Der Sturm, als ihm sein zuvor immer eifrig kooperativer Assistent Tony Price eröffnete, dass er als künstlerischer Leiter des von ihm gegründeten Theaterfestivals gefeuert und Tony selbst sein Nachfolger sei. 12 Jahre später ist Anthony Price Kulturminister und Felix Phillips unter falschem Namen Leiter einer Theatergruppe eines Gefängnisses in der Nähe von Toronto. Zur nächsten Aufführung hat sich nun der Minister als Gast angekündigt. Der Augenblick der Rache ist gekommen.

Margaret Atwood erzählt die Geschichte in der dritten Person, aber weitgehend aus Felix‘ Perspektive. Felix liebt das Theater, dem er alles andere unterordnet, er liebt seine Tochter Miranda, die er in den letzten 12 Jahren an seiner Seite hat aufwachsen sehen, obwohl sie als Dreijährige an einer zu spät behandelten Gehirnhautentzündung gestorben ist, und er liebt sich selbst als den großen Theatermann. Sein Agieren und seine Gedankengänge bei der Vorbereitung und Durchführung seines Plans lassen erkennen, dass er sich immer noch für einen genialen Regisseur hält, einen, der genau weiß, was er will, der in der Lage ist, Menschen zu motivieren und zu lenken und sie so zu perfekten Mitwirkenden in seiner nun endlich umgesetzten Inszenierung zu machen. „Das Theater ist keine Republik“, sagt Felix, „es ist eine Monarchie. Und ich bin der König.“

Natürlich lässt sich die Frage stellen, wie glaubhaft es ist, dass eine Gruppe Gefängnisinsassen Felix‘ Racheplan widerspruchslos und weitgehend fehlerfrei umsetzt, aber von dieser Einschränkung abgesehen sind die Charaktere und auch die Geschehnisse ebenso wie die Rahmenbedingungen, die Felix im Gefängnis vorfindet, durchaus realistisch gezeichnet, in einer nüchternen, präzisen und knappen Sprache, so, als wäre es ein Bericht von einer militärischen Operation. Dadurch bleibt der nicht ganz unkomplizierte Plan verständlich, ohne dadurch vorhersehbar zu werden.

Als Zuschauerin aus den Kulissen war ich von der Aufführung streckenweise genauso überrascht wie der Minister und seine Begleiter, streckenweise habe ich, zumindest vorausahnend, was da jetzt kommt, schon im Vorhinein vor Vergnügen und Schadenfreude gegrinst, und nach Ende der Vorstellung konnte ich dem Regisseur und seiner Truppe vorbehaltlos applaudieren. Die Illusion ist gelungen, die Magie des Stücks hat auch 400 Jahre nach Shakespeare noch gewirkt.

HEXENSAAT von Margaret Atwood ist ein Pageturner!

Von: Katharina Siekmann Datum : 06.09.2017

www.ktinka.com

Felix Phillips steckt mitten in den fieberhaften Vorbereitungen zur Aufführung von William Shakespeares Stück "Der Sturm", als ihn eine infame Intrige seines engsten Mitarbeiters Tony vom Posten des künstlerischen Leiters des Theaterfestivals in Makeshiweg fegt. Der "heimtückische, hinterhältige Scheißkerl Tony" hatte langsam aber stetig Felix' Stellung an der Spitze des Theaterfestivals untergraben und ihn dann schließlich vom sprichwörtlichen Sockel gestoßen. Selbstredend, um ihn postwendend selbst zu besteigen.

Für Felix bricht eine Welt zusammen. Die Inszenierung von Shakespeares "Der Sturm" war, nach dem tragischen Verlust seiner geliebten Frau und der gemeinsamen Tochter Miranda, zu seinem einzigen Lebensinhalt geworden. All seine Kraft, all seine verbliebene Energie richtete er auf diese Inszenierung. "So viel ist gewiss, dass jemand, der Rache brütet, seine eigenen Wunden frisch erhält, die sonst heilen und verharschen würden.", lauten die dem Roman vorangestellten Worte von Sir Frances Bacon. Und Felix Phillips sinnt auf Rache an seinen Usurpatoren. Atwoods Spiel beginnt: Felix, der in seiner Inszenierung von "Der Sturm" den Prospero spielte wollte, zieht sich nach seinem Sturz vollkommen vom Leben zurück. Er mietet eine Art Höhle als Wohnstatt, verliert sich zunehmend in Phantasmen um seine verstorbene Tochter Miranda und hegt und pflegt seinen tiefsitzenden Groll. Doch dann, eines Tages, bietet sich ihm die perfekte Gelegenheit Rache zu nehmen.

Margaret Atwood adaptiert Shakespeares "Der Sturm" meisterlich. Während in Hexensaat die Inszenierung und Aufführung des Theaterstücks eine zentrale Rolle spielt, spiegelt Atwood die Handlung des Stücks auf einer zweiten, sehr gegenwärtigen Ebene. Felix Phillips wird zu einem Pendant von Shakespeares Prospero, die Theaterwelt wird zu dem Herzogtum Mailand, aus dem Prospero mit seiner Tochter Miranda vertrieben wird, seine Höhle und seine neue Wirkstätte werden zu Prosperos Insel. Nahezu alle Rollen aus "Der Sturm" finden Eingang in "Hexensaat". Atwood ist eine Meisterin ihres Handwerks: Nicht nur Prospero, Miranda und Anton(y)io sind in der gegenwärtigen Handlung glaubwürdig gezeichnet - oder, um im Theaterjargon zu bleiben: besetzt - sondern auch die Randfiguren, wie etwa Caliban oder Ariel, fügen sich nahtlos in die Handlung ein.

Inhaltlich, wie sprachlich ist Atwood mit "Hexensaat" ein Glanzstück gelungen. Das Buch steckt voller Witz, voller Satire. Die Beschreibungen von Felix' Leiden, seinem Groll und seiner Einsamkeit sind rührend, aber nicht pathetisch. Die Passion, welche die kanadische Schriftstellerin und Literaturwissenschaftlerin für den ursprünglichen Stoff hegt, ist in jede Romanzeile eingewoben:

"Der Sturm ist eigentlich ein frühes Multimedia-Stück. Ich bin sicher: Würde der Barde heute leben, so würde er alle Special Effects nutzen, welche die Technologie inzwischen zu bieten hat. Außerdem war dieses Stück für mich besonders verlockend, weil Shakespeare hier so viele Fragen einfach offen lässt. Was für ein - anstrengendes! - Vergnügen es doch war, sich damit auseinanderzusetzen."

Wenn Felix Phillips über Prospero referiert, ihn interpretiert, sein Denken und seine Handlungen darlegt, und auf diese Weise indirekt über sich selbst spricht, ist das grandios. "Hexensaat" weist zudem mehrere Zeitebenen auf und der Prolog, so viel sei verraten, hat es in sich:

"Absolute Finsternis. Lärmendes Durcheinander außerhalb des Raums. Geschrei. Schüsse fallen.

STIMME AUS DEM PUBLIKUM: Was ist los?
STIMME VON DRAUSSEN: Abriegelung! Abriegelung!
STIMME AUS DEM PUBLIKUM: Wer hat hier das Sagen?

Drei weitere Schüsse."

Neben aller sprachlichen Raffinesse und Atwoods großer Erzählkunst macht auch die Frage welche Form der Rache Felix' für seine Widersacher auserkoren hat das Buch zu einem grandiosen Pageturner.

Kaum hatte ich "Hexensaat" ausgelesen, begab ich mich auf die Suche nach weiterer Lektüre aus der Feder von Margaret Atwood. Viele Stimmen empfahlen "Der Report der Magd" (1985), den Roman, der Atwood bekannt bekannt gemacht. Er fiel mir im Antiquariat für einen Spottpreis in die Hände. Thematisch finde ich jedoch den Roman "Der blinde Mörder" (2000), für den Atwood den Brooker Price gewann, weitaus spannender. Beide Romane reihen sich nun in die Schlange der unbedingt zu lesenden Bücher ein. Aber "Hexensaat", herrje, ein so tolles Buch. Ob das zu toppen ist? Unbedingte Leseempfehlung!

Der Sturm im Sturm

Von: Michael Lehmann-Pape Datum : 31.07.2017

www.rezensions-seite.de

Er ist ein großer Theatermacher. Und er hat ein noch größeres Leid zu tragen. Eine gute Idee somit, das Leid zu bearbeiten und zu verarbeiten, indem er das tut, was er am besten kann. Ein Stück zur Aufführung bringen.

„Die Ärzte taten, was sie konnte. Jede Plattitüde wurde aufgefahren“.

Doch das wird eine ungeahnte Pause von 12 Jahren bedürfen und dann auch an einem Ort und mit „Schauspielern“ langsam, aber sich Gestalt annehmen, die sich Felix Philips so nicht vorher gedacht hätte.

„Dieser heimtückische, hinterhältige Scheißkerl“. Und das ist er. Der vormalige Vertraute und aktuelle Verräter und Karriererist.

Wobei es ganz gut ist, dass 12 Jahre vergangen sind. Vielleicht kann er so eine Weile noch unerkannt bleiben auf seinem Weg der „Rache“ einerseits und der „inneren Wiederbelebung“ andererseits. Vielleicht wird „Der Sturm“ von Shakespeare ihm Gelingen, ganz vielleicht sogar echten Frieden bringen.

Und während man dem Unglück des „Felix“ (lateinisch: „Der Glückliche“ folgt, miterlebt, wie er mitten im Schaffen „ausgebootet“ wird und umgehend ein „Refugium“, eine „Insel“ findet, erinnert man sich, dass in Shakespeares „Der Sturm“ der Held Prosperos auch 12 Jahre auf einer Insel verbrachte. Und ebenfalls zuvor von einem engen Vertrauten, im Sütck vom eigenen Blut, und, wie im Buch nun auch, von je dessen „Gönner“ zunächst gründlich aus dem Spiel genommen wird.

Atwood gestaltet das Buch wie die Handlung wie das zur Aufführung kommende Stück im Buch im Gesamten nach „Der Sturm“. Verlegt die Handlung in die „moderne Welt“ und ist wunderbar in der Lage, sowohl die formalen Aspekte (Orte, Personen und Ereignisse“ völlig neu zu füllen und je zu übertragen, wie sie sorgsam auch der inneren Dramatik des Stückes nachgehet, hier das Leiden ihres Felix ein wenig steigert, dort die „Insel“ ein wenig glättet und so alle Protagonisten in bester Weise Schritt für Schritt „antreten“ lässt zur großem Aufführung und zum ebenfalls wunderbar passend gestaltetem Finale.

Mit all de Bildern eines realen Gefängnisses, eines inneren Gefängnisses (Trauer), eines inneren Exils, mit den Mitteln der Täuschung, der Illusion, der Doppelbödigkeit agieren alle Beteiligten. Atwood in ganz klarer und mitreißender Sprache, Shakespeare im Aufbau seines Stückes und an dessen Ende mit der Bitte um Applaus und damit Erlösung aus der Unsicherheit und Felix mit seinem Weg zur neuen Reputation, vor allem aber zum inneren Frieden in seiner Trauer. Die ihn in Kontakt zur „Geisterwelt“ bringt und erst am Rande des Wahns ihn in die Welt zurückführt. Geändert, aber nicht geläutert, zunächst.

„Lavinia, Julia, Cordelia, Perdita, Marina. All die verlorenen Töchter. Einige von ihnen wurden wiedergefunden, warum nicht auch Miranda“? Was dennoch schwer erden wird, denn Töchter können ja auf verschiedene Weise verschwinden. Und je nachdem den Vater vor fast unlösbare Aufgaben stellen. Was wiederum den Leser interessiert, animiert, sich der Frage mit anzuschließen,, ob und wie das Felix im Buch wohl unter diesen konkreten Umständen gelingen kann.

Und so spielt es am Ende keine Rolle, ob Insel oder Gefängnis, ob Unwetter oder Schneesturm, ob lebendig oder tot, ob Bruder oder Günstling, eng folgt Atwood dem Faden des Stückes und jede Seite kündet von ihrer gelungenen Mission, den Geist Shakespeares in die moderne Welt zu übertragen.

Ein hervorragender Roman mit vielen Ebenen, ebenso vielen menschlichen Erkenntnissen, sprachlich hervorragend umgesetzt und mit einigen eigenen Schwerpunkten versehen.

Hexensaat

Von: Manuela Hahn Datum : 18.07.2017

lesenswertesausdembuecherhaus.blogspot.de/

Inhalt: Der exzentrische Theaterregisseur Felix ist der Star eines bedeutenden Festivals, seine Inszenierungen locken die Massen in die Vorstellungen. Bis nach dem Tod seiner Frau und dem kurz darauf folgenden Tod seiner kleinen Tochter, sein engster Vertrauter gegen ihn intrigiert und er noch vor der Uraufführung seines nächsten Stückes "der Sturm" von Shakespear entlassen wird. Mit diesem Stück wollte Felix den Tod seiner kleinen Tochter Miranda verarbeiten, sein Kind ein stückweit unsterblich werden lassen.
12 Jahre später, in denen Felix allein in einer kleinen abgelegen Hütte lebt und mittlerweile als Schauspiellehrer unter dem Namen Mr. Duke, an einem Gefängnis arbeitet, bietet sich ihm die Gelegenheit zur Rache.

Meine Meinung:
Margaret Atwood schrieb dieses Buch im Rahmen eines Projekts, das der Verlag Hogarth Press anlässlich Shakespears 400. Geburtstag ins Leben gerufen hatte.
Die deutsche Umsetzung realisiert der Knaus Verlag. Aufgabe der Autoren war es ein Stück des berühmten Schriftstellers zu adaptieren, es in die heutige Zeit zu holen.
Meiner Meinung nach ist dies der Autorin hervorragend gelungen, sofern ich das beurteilen kann, denn leider muss ich zugeben das mir dieses Stück vollkommen unbekannt war. Eine Zusammenfassung des Stückes am Ende des Buches, half mir aber sehr.
Felix Phillips, stand meiner Meinung nach zu Beginn des Buches am Rande des Wahnsinns und so erschien es mir logisch, das sein Vertrauter Tony die Gelegenheit ergriff um ihn aus seiner Position entfernen zu lassen, geschickt machte er sich Felix Kummer und Schmerz zunutze.
Und auch im Laufe seines selbst gewählten Exils gesundete Felix nicht, sondern badete in Selbstmitleid. In seiner Vorstellung lebte seine Tochter mit ihm in der Hütte er ließ sie in seiner Vorstellung sogar älter werden. Erst die Arbeit mit den Häftlingen gab dem Regisseur neuen Halt.
Margaret Atwood hat den Focus eindeutig auf Felix gelegt und so blieben die weiteren Protagonisten leider etwas blass. Nichts desto trotz bekommt Hexensaat eine absolute Leseempfehlung von mir. Es hat Spaß gemacht eine alte Geschichte in neuem Gewand zu lesen und bestimmt werde ich auch noch eine weitere Adaption lesen, vielleicht die eines Stückes das mir auch bekannt ist, die Auswahl ist ja groß genug:

Jeanette Winterson „Das Wintermärchen“ neu mit „Der weite Raum der Zeit“
Howard Jacobson „Der Kaufmann von Venedig“ neu mit „Shylock“
Anne Tyler „Die Widerspenstige Zähmung“ neu (Herbst 2016)
Margaret Atwood „Der Sturm“ neu (Frühjahr 2017)
Jo Nesbø „Macbeth“ neu (Herbst 2017)
Tracy Chevalier „Othello“ neu (Frühjahr 2018)
Edward St. Aubyn „König Lear“ neu (Herbst 2018)
Gillian Flynn „Hamlet“ neu (Herbst 2018)

Große Begeisterung!

Von: Missappledome Datum : 02.07.2017

missappledome.wordpress.com

Inhalt:
Felix ist ein begnadeter Theatermacher und in der Szene ein Star. Seine Inszenierungen sind herausfordernd, aufregend, legendär. Nun will er Shakespeares „Der Sturm“ auf die Bühne bringen. Das soll ihn noch berühmter machen – und ihm helfen, eine private Tragödie zu vergessen. Doch nach einer eiskalten Intrige seiner engsten Mitarbeiter zieht sich Felix zurück, verliert sich in Erinnerungen und sinnt auf Rache. Die Gelegenheit kommt zwölf Jahre später, als ein Zufall die Verräter in seine Nähe bringt. 

In ihrem brillanten Roman schafft die große kanadische Autorin Margaret Atwood mit der Figur des Theaterdirektors Felix ein würdiges Pendant zu Shakespeares Prospero aus „Der Sturm“, jenes Zauberers, der als ein Selbstporträt des alternden Barden aus Stratford-on-Avon gilt.


Meine Meinung:

Für mich ist Atwoods hingebungsvolles Aufgreifen des Stoffes von Shakespeare eine wahre Meisterleistung!

Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen: Der Sturm ist ein über 400 Jahre alter Bühnenstoff, der dennoch so zeitgemäß und pointiert ins Heute transportiert werden kann, das man ihm sein Alter keine Minute anmerkt. Das liegt zum einen meiner Meinung nach an dem großen Meister Shakespeare selbst und seinem Talent bewegende und intelligente Stoffe zu verfassen, als auch an Margaret Atwoods fantastischer Schreibkunst. Man merkt, ich bin ein großer Fan ... und somit habe ich auch keine Kritikpunkte zu äußern.

Die Geschichte ist intelligent, fantasievoll und mit dem Hang zur Satire sehr clever konstruiert. Es geht letztendlich um ein Stück im Stück und um Gefangene auf den verschiedensten Ebenen. Um wortwörtliche Gefangene und um Gefangene im eigenen Sein. Dabei werden nicht, wie sonst typisch für Atwood Seitenhiebe auf die Gesellschaft in irgendeiner Form ausgeteilt, sondern diesmal macht sie sich eher lustig über die Welt des Theaters, was sich sehr unterhaltsam liest.

Sehr gute Neuerzählung

Von: Jeanyjanez Datum : 29.06.2017

https://jeanyjanez.wordpress.com/

Dieses Buch hat mir wirklich gefallen.

In dieser Shakespeare - Neuerzählung von 'Der Sturm' inszeniert Margaret Atwood eindrucksvoll das Stück 'Der Sturm' und geht dabei so detailliert und gewissenhaft vor, dass ich es unheimlich genossen habe - endlich mal eine genaue Analyse und Interpretation eines William Shakespeare Stückes.

Dabei fängt das Buch direkt mit einem Teil einer Aufführung an, die man erst am Ende zu lesen bekommt, denn Felix Phillipps, einst ein erfolgreicher Theaterregisseur, sinnt nach Rache und was eignet sich da besser als eine Aufführung, die er zusammen mit einigen Gefängnisinsassen aufführt?

Aber von vorne:

Felix ist ein Opfer einer Intrige geworden und seiner Position bei einem Theater-Festival geraubt, unmittelbar nachdem seine Tochter gestorben war. 

Felix zieht sich ins Exil zurück, voller Trauer und Kummer, Selbstvorwürfen und auf Rache gesinnt. 

Viele Jahre später arbeitet er, getarnt als Mr Duke, in einem Gefängnis bei einem Theater-Projekt und nimmt Werke von William Shakespeare dran - jedes Jahr ein anderes. Bis er endlich zu seinem "Der Sturm" kommt, was er damals nicht mehr zustande bekam, da der Komplott ihn daran gehindert hatte.

Doch nun bekommt er seine Chance - auch für seine Rache.

**

 Dieses Werk hat mir sehr gefallen, zumindest was die Szenen im Gefängnis angeht. Denn diese waren eindrucksvoll und sehr liebevoll erzählt. Man spürt, wie viel 'Der Sturm' Margaret Atwood bedeutet und ich bin so froh, dass sie es im Gefängnis spielen lässt, denn die Insassen sind clever, intelligent und sehr einfallsreich. Sie analysieren, thematisieren und nehmen das komplette Stück auseinander. 

**

Was mir gar nicht gefallen hat, ist die Fahrlässigkeit die man der Tochter entgegengebracht hat als sie mit drei Jahren gestorben ist.
Felix kann nicht loslassen und spricht auch Jahre später noch mit ihr.

Großartig

Von: Vanessas Bücherecke Datum : 22.06.2017

vanessasbuecherecke.wordpress.com


Klappentext:
Felix ist ein begnadeter Theatermacher und in der Szene ein Star. Seine Inszenierungen sind herausfordernd, aufregend, legendär. Nun will er Shakespeares „Der Sturm“ auf die Bühne bringen. Das soll ihn noch berühmter machen – und ihm helfen, eine private Tragödie zu vergessen. Doch nach einer eiskalten Intrige seiner engsten Mitarbeiter zieht sich Felix zurück, verliert sich in Erinnerungen und sinnt auf Rache. Die Gelegenheit kommt zwölf Jahre später, als ein Zufall die Verräter in seine Nähe bringt.

Meinung:
Ich bin ja ein großer Fan von Margaret Atwood. Dementsprechend gespannt war ich auf ihre Umsetzung von Shakespeares „Der Sturm“. Dieses Stück war mir selber weniger geläufig. Doch obwohl mir der Stoff unbekannt war, hatte ich keine Schwierigkeiten, der Geschichte zu folgen.
Denn der Regisseur Felix erleidet hier eine Schmach, an der er sich an denen, die ihm diese zugeführt haben, rächen möchte. Er wird Theaterleiter in einem Gefängnis und inszeniert dort mit den Gefangenen Shakespeares Stück, als seine Peiniger wieder auf den Plan treten, um so Rache an Ihnen üben zu können.
Margaret Atwood hat wieder gezeigt, dass sie eine großartige Schriftstellerin ist. Nicht nur ist es ihr gelungen, den Stoff in einem modernen Gewand zu präsentieren. Sie hat auch die Sprache Shakespeares gekonnt eingefangen und sie ihren Protagonisten geschickt in den Mund gelegt, ohne überzogen oder altmodisch zu wirken. Immer wieder wird auf das klassische Stück und die Handlung verwiesen und dem Leser zeigen sich somit die Parallelen zum aktuellen Geschehen.
Auch die Protagonisten sind spannend ausgearbeitet, werden den ihnen zugedachten Rollen gerecht und runden diesen Roman gekonnt ab. Am Ende des Romans gibt es dann nochmal eine Zusammenfassung des originalen Bühnenstücks, das den Leser dazu verleitet, sich mit der Umsetzung Atwoods auseinanderzusetzen und die Parallelen zu finden.

Fazit:
Eine großartige Umsetzung eines klassischen Stücks. Gekonnt verwebt Atwood hier ihre moderne Variante mit dem Original und sorgt für Frische in diesem etwas unbekannteren Stück von Shakespeare.
Von mir gibt es 5 von 5 Punkten.
Vielen Dank an den Knaus Verlag für das Rezensionsexemplar.

Hexensaat

Von: Bearnerdette Datum : 20.06.2017

www.bearnerdette.de/

“O, wonder!
How many goodly creatures are there here!
How beauteous mankind is! O brave new world,
That has such people in't!”
― William Shakespeare, The Tempest

Kennt ihr das: Ein Schriftsteller ist so gut, dass ihr ihn oder sie nicht mehr neutral bewerten könnt sondern nur noch im Rahmen des eigenen Schaffens? So geht es mir mit Margaret Atwood. Ihre Romane sind normalerweise derMassen brillant, dass ich extrem hohe Erwartungen an sie habe. Ob das gerecht ist weiss ich nicht, aber es spielte definitiv eine Rolle als ich über dieses Buch nachdachte. Warum? Das erfahrt ihr gleich. Zunächst ein paar Worte zur Story...



Felix war ein strahlender Stern am Theaterhimmel, ein wagemutiger Regisseur mit ausufernden Inszenierungen. Bis zu dem Tag als ihm sein Protege Tony in den Rücken fiel und zu seiner Entlassung führte. So versagte man Felix letztem Stück, Shakespeares der Sturm, die Uraufführung. Felix zieht sich zurück, gedemütigt und wütend. Jahre verbringt er in einer Hütte, abgeschieden, mit niemandem als dem Geist seiner verstorbenen Tochter als Gesellschaft. Doch dann ergibt sich eine Chance für ihn, Rache zu nehmen. Unter falscher Identität übernimmt er die Leitung einer Gefängnis Theater-Truppe, bestehend aus Verbrechern. Und er schmiedet einen perfiden Plan...

Hexensaat ist kein atemberaubender Atwood, wie man ihn kennt. Daher war ich zunächst etwas enttäuscht. Erst mit etwas Abstand realisierte ich, dass es sich immer noch um ein gutes Buch handelt, nur nicht um einen ihrer besten Romane. Die große kanadische Autorin interpretiert in diesem Werk - das zur Reihe Hogarths Shakespeare Neuinterpretationen gehört - den Sturm, The Tempest, neu. Nicht unbedingt Shakespeares bekanntestes Werk und tatsächlich auch eines, das ich nicht gelesen habe. Deshalb ging mir beim Lesen wahrscheinlich einiges verloren. Dennoch ist die Geschichte unterhaltsam und vereint einige kreative Einfälle.

Die Identifikation mit Felix fiel mir ungemein schwer, aber ich denke das war so gedacht. Er ist ein Anti-Held mit deutlichen Schwächen. Die meisten anderen Charaktere bleiben leider etwas blass. Außerdem hat das Buch ein oder zwei Längen, die es zu überwinden gilt. Trotz Schwächen ist es aber ein solider unterhaltsamer Roman und sicher eine kreative Neuinterpretation des zugrunde liegenden Materials. Atwood Neulingen empfehle ich jedoch mit einem ihrer anderen Werke einzusteigen, z.B. der Report der Magd oder Oryx & Crake. “O, wonder!
How many goodly creatures are there here!
How beauteous mankind is! O brave new world,
That has such people in't!”
― William Shakespeare, The Tempest

Kennt ihr das: Ein Schriftsteller ist so gut, dass ihr ihn oder sie nicht mehr neutral bewerten könnt sondern nur noch im Rahmen des eigenen Schaffens? So geht es mir mit Margaret Atwood. Ihre Romane sind normalerweise derMassen brillant, dass ich extrem hohe Erwartungen an sie habe. Ob das gerecht ist weiss ich nicht, aber es spielte definitiv eine Rolle als ich über dieses Buch nachdachte. Warum? Das erfahrt ihr gleich. Zunächst ein paar Worte zur Story...



Felix war ein strahlender Stern am Theaterhimmel, ein wagemutiger Regisseur mit ausufernden Inszenierungen. Bis zu dem Tag als ihm sein Protege Tony in den Rücken fiel und zu seiner Entlassung führte. So versagte man Felix letztem Stück, Shakespeares der Sturm, die Uraufführung. Felix zieht sich zurück, gedemütigt und wütend. Jahre verbringt er in einer Hütte, abgeschieden, mit niemandem als dem Geist seiner verstorbenen Tochter als Gesellschaft. Doch dann ergibt sich eine Chance für ihn, Rache zu nehmen. Unter falscher Identität übernimmt er die Leitung einer Gefängnis Theater-Truppe, bestehend aus Verbrechern. Und er schmiedet einen perfiden Plan...

Hexensaat ist kein atemberaubender Atwood, wie man ihn kennt. Daher war ich zunächst etwas enttäuscht. Erst mit etwas Abstand realisierte ich, dass es sich immer noch um ein gutes Buch handelt, nur nicht um einen ihrer besten Romane. Die große kanadische Autorin interpretiert in diesem Werk - das zur Reihe Hogarths Shakespeare Neuinterpretationen gehört - den Sturm, The Tempest, neu. Nicht unbedingt Shakespeares bekanntestes Werk und tatsächlich auch eines, das ich nicht gelesen habe. Deshalb ging mir beim Lesen wahrscheinlich einiges verloren. Dennoch ist die Geschichte unterhaltsam und vereint einige kreative Einfälle.

Die Identifikation mit Felix fiel mir ungemein schwer, aber ich denke das war so gedacht. Er ist ein Anti-Held mit deutlichen Schwächen. Die meisten anderen Charaktere bleiben leider etwas blass. Außerdem hat das Buch ein oder zwei Längen, die es zu überwinden gilt. Trotz Schwächen ist es aber ein solider unterhaltsamer Roman und sicher eine kreative Neuinterpretation des zugrunde liegenden Materials. Atwood Neulingen empfehle ich jedoch mit einem ihrer anderen Werke einzusteigen, z.B. der Report der Magd oder Oryx & Crake.

Fazit: Klassiker neu interpretiert, was hier super gelungen ist.

Von: YvisWelt Datum : 22.05.2017

yviswelt.de/

Ich muss tatsächlich sagen, dass ich schon immer etwas von der Autorin lesen wollte. Daher habe ich die Gunst der Stunde genutzt und dieses Buch angefragt. Was soll ich sagen, das Buch konnte mich zu 100% überzeugen.

Es fängt mit dem tollen Schreibstil an. Die Autorin schafft es, in kurzen knappen Sätzen und Kapiteln, Emotionen und Bilder zu schaffen. Das Buch war an keiner Stelle langatmig oder langweilig. Die Spannungsbögen sind perfekt gesetzt.

Unsere Hauptcharaktere war sehr gut ausgearbeitet und man konnte sich super in Ihn und vor allem seine Gedanken hineinversetzten. Bei den Nebencharakteren, vor allem den Gefängnisinsassen hätte ich ruhig noch ein bisschen Tiefe haben können.

Die Geschichte war aber das, was mich am Ende restlos überzeugte. Ich kenne „Der Sturm“ von Shakespeare leider nicht. Aber ich fand es einfach grandios wie dieses Original Stück Beschrieben wurde und in die Gefängnis-Situation eingearbeitet wurde. Wie unser Hauptcharakter mit den einzelnen Szenen arbeitet und welch Intelligenz in ihm steckt, für jeden die passende Rolle zu finden. Diese Interpretationen der Charakter und die Übertragungen auf die „realen“ Personen die er nur zur Verfügung hat waren einfach toll. Die Umsetzung von einen Klassiker ins Moderne, ohne das es langweilig geworden ist, ist hier sehr gut gelungen. Es war an keiner Stelle für mich vorhersehbar und durchgehend spannend

Fazit: Klassiker neu interpretiert, was hier super gelungen ist.

Shakespeare...

Von: ysa aus klagenfurt Datum : 19.05.2017

M Atwood „Hexensaat“

M Atwoods brillanter Roman ist eine einzige Verneigung vor dem großen Bühnenmagier Shakespeare. Mit der Figur des Theaterdirektors Felix hat die Grande Dame der kanadischen Literatur ein würdiges Pendant zu Shakespeares Prospero aus Der Sturm geschaffen, jenes Zauberers, der als Selbstporträt des alternden Barden aus Stratford-upon-Avon gilt.

Soweit der Umschlagtext.

Felix – ein begnadeter Theaterdirektor – möchte bei dem Festival in Makeshiweg Shakespeares „Sturm“ inszenieren mit sich selbst in der Rolle des Prospero. Dazu kommt es aber nicht mehr: eine Intrige seines engsten Mitarbeiters Tony führt dazu, dass Felix seine Arbeit verliert und sich völlig zurückzieht.

Er verbringt lange Jahre vereinsamt in einer abgelegenen, schäbigen Hütte, sinnt auf Rache, verfolgt die Erfolge seiner Widersacher (Genial der Begriff: Schnüffelkobold Google!), lebt in einer Phantasiewelt mit seiner Tochter Miranda, die bereits im Alter von 3 Jahren verstorben ist.
12 Jahre später bekommt er die Möglichkeit Shakespeares Sturm zu inszenieren – im Rahmen eines Bildungsprogrammes in einem Gefängnis. Dort nennt er sich dann übrigens logischerweise Mr. Duke. Und durch Zufall bekommt er auch die Möglichkeit zur Rache. Und darum geht es doch in Shakespeares Sturm: um Rache. Aber eben auch um Vergebung. Und seine Rache ist eines Theatermenschen würdig.

M. Atwood erzählt uns Shakespeares Sturm neu: in einem akutellen Umfeld, in moderner Sprache – und trotzdem ist es Shakespeare. Denn sie schafft es, uns dieses Werk gleich mehrfach näher zu bringen: einerseits erlebt ja Felix das Schicksal des Prospero – Verrat und Verbannung. Andererseits inszeniert Felix dieses Stück mit den Gefangenen. Er erarbeitet das Werk mit den Häftlingen und der Leser lernt mit: Ariel, Prospero, Miranda und alle anderen werden lebendig dargestellt, in Frage gestellt und neu interpretiert. Man lernt sie neu kennen und (wenn nicht schon vorher) schätzen. Giftiger Pesthauch – Shakespeare ist zwar schon 401 Jahre tot, aber immer noch wirklich aktuell!

Das Buch ist spannend, modern und auch informativ – eine wirklich gelungene Umsetzung im Rahmen des Hogarth Shakespeare Projekt. Man muss Shakespeares Sturm nicht unbedingt kennen, aber es erhöht den Genuss und die Spekulationslust! Eine 100%ig gelungene Hommage an Shakespeare und ein interessanter Lesegenuss!

Unglaublich gelungene und interessante Adaption

Von: Buchmagie Datum : 15.05.2017

https://m.facebook.com/buchmagie88


Den Theatermacher Felix kann man schon fast als einen Exzentriker bezeichnen. Aber der Erfolg gibt ihm Recht. Mit zahlreichen mutigen und innovativen Inszenierungen hat er sich einen Namen in der Szene erarbeitet. Nun will er sein Meisterstück auf die Bühne bringen. William Shakespeare's "Der Sturm" soll Felix endgültig auf den Thron der Theaterregisseure bringen. Doch kurz vor der Premiere legt sein eigentlich treuer Assistent Tony seinen perfiden Plan offen und nimmt Felix seinen Posten weg.
Tief getroffen zieht er sich zurück und verliert sich in Erinnerungen an seine Vergangenheit und an seine Leidenschaft: Shakespeare's Sturm, dieses wundersame Werk voller Magie, Täuschung und Illusion, sollte ihn nicht nur dazu verhelfen noch berühmter zu werden, sondern auch eine private Tragödie zu vergessen. Felix, in seiner selbst auferlegten Isolation, sinnt immer mehr auf Rache an seinen einst treusten Mitarbeiter und zwölf Jahre später bekommt er die Gelegenheit, als ein unverhoffter Zufall seinen Feind in seine Nähe bringt...

Bei den vielen Büchern, die ich bereits gelesen habe, war ich immer der Meinung, dass ich die meisten Erzählformen kennen würde. Margaret Atwood's "Hexensaat" hat mich in der letzten Woche eines Besseren belehrt. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass es tatsächlich der erste Roman war, den ich von der Autorin gelesen habe. Da sich "Hexensaat" aber nahtlos zu meinen bisherigen Highlights des laufenden Jahres gesellt, wird es ganz sicher nicht der letzte Roman von Margaret Atwood gewesen sein.
Dabei muss ich gestehen, dass sich der Sturm am Anfang des Romans eher wie ein laues Lüftchen angefühlt hat. Ein etwas in die Jahre gekommener Theatermacher, der den Höhepunkt seiner Karriere mit seinem Karriereende verwechselt hat, und nun, aufgrund einer gemeinen Intrige, sich aus der Welt zurückzieht und seine selbst auferlegte Einsamkeit mit einer extra Portion Selbstmitleid würzt. Das klang erst einmal nicht nach einer Ausgangssituation, die noch viel für den Rest der Geschichte verspricht. Doch weit gefehlt. Das laue Lüftchen des ersten Leseeindrucks wurde schnell zu einem rauen Wind und dann zu einem tosenden Sturm, bei dem ich den Protagonisten Felix und seiner Schöpferin Margaret Atwood schon während des Lesens mehrmals applaudieren wollte. Verzeiht mir die Sturm Metaphern, aber so lässt es sich einfach am besten beschreiben.
"Hexensaat" ist eine Hommage, eine Verneigung vor dem großen William Shakespeare. Die Handlung und die Figuren des Stücks "Der Sturm" werden in "Hexensaat" nicht nur auf moderne Art und Weise neu interpretiert, sondern in liebevoller Kleinarbeit in die Handlung des Romans eingeflochten. Es ist schon erstaunlich, wenn eine Autorin es schafft ein Theaterstück in einem Roman so lebendig werden zu lassen, dass man das Rauschen des Meeres und den tosenden Sturm beinahe hören kann. Shakespeare's Werk ist in "Hexensaat" an jeder Ecke so präsent. "Der Sturm" steht hier wieder auf, versprüht seinen Zauber auf die Handlung, auf die Figuren und vor allem auf die Leser, um sich dann mit tosendem Applaus verabschieden zu lassen.
Man muss das Stück zudem nicht kennen, um "Hexensaat" zu lesen. Ich kannte es auch nicht. Ich würde sogar so weit gehen, um zu behaupten, dass es sogar besser ist es nicht zu kennen, weil man Margaret Atwood's Buch am Ende der Geschichte, bei einer kurzen Zusammenfassung von "Der Sturm", noch einmal einen Extraapplaus spendiert.
Auch wenn ich meine Anfangsschwierigkeiten hatte, konnte mich "Hexensaat" schlussendlich mehr als begeistern. Wer besondere Geschichten liebt, die sich, gerade in der Erzählweise, vom Rest unterscheiden, der ist mit diesem Buch gut bedient. Und für Shakespeare Fans ist Felix Geschichte sowieso ein Muss.

Der Sturm

Von: Melanie E. Datum : 10.05.2017

melbuecherwurm.blogspot.de/

"Hexensaat" ist ein Roman, der sich mit Shakespeares Prospero dem Zauberer aus "Der Sturm" beschäftigt. Was eigentlich als ein Rachefeldzug geplant war, wirkt auf ich letztendlich wie eine großartige Umsetzung der Grundidee Shakespeares. Felix wird durch eine Intrige inmitten seinem beruflichen Höhepunkt aus seinem geplanten Projekt entfernt. Das, was er dann zaubert, wird für die Leserschaft interessant und hochkarätig.
"Hexensaat" ist ein Roman, der nicht einfach zu lesen ist und dennoch durch den Schreibstil ganz tief in mir arbeitete. Für mich als Laien war es eine Offenbarung Shakespeare kennen zu lernen und mich mit "Der Sturm" zu beschäftigen. Ein Theaterprojekt in einem Gefängnis zu inszenieren ist eine geniale Grundidee, denn es beinhaltet dadurch eine gewisse Situationskomik, die nur durch das Original nicht zustande gekommen wäre.
Felix ist ein gebrochener Mann, der zuerst Frau und dann Kind verliert und um sich selbst nicht zu verlieren, sucht er sich Beschäftigung. Als kreativer Kopf braucht er dies, um nicht den Verstand zu verlieren. Mich hat beeindruckt, wie er trotz aller Rückschläge immer wieder neu ins Leben findet. Es dauert seine Zeit und oftmals erscheint Felix als depressiv, was seinem Projekt, welches er dann in die Wege leiten kann nicht im Wege steht. Es erscheint auch für ihn Hilfe zu sein, sich nicht der Trauer allein hinzugeben. Natürlich sind es auch Menschen, die ihn auf seinen Weg weisen, wenn auch unbewusst, aber Rachegedanken fördern Kreativität eventuell auch.
Der Vergleich zum Original "Der Sturm" ist deutlich zu erkennen und gibt dem Roman die nötige Würze. Es erscheint letztendlich glaubwürdig und bietet mir als Leserin ein gelungenes Abtauchen in Shakespeares Welt, die ich letztendlich auch genießen konnte. Gerne vergebe ich eine Leseempfehlung, da "Hexensaat" interessant und unserer modernen Zeit komplett angepasst worden ist und dadurch auch begeistern konnte.

Theatralisches Experiment

Von: NiWa Datum : 02.05.2017

zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Theaterregisseur Felix ist ein Star der Szene und für seine Avantgarde-Haltung bekannt. Doch bevor er seinen beruflichen Höhepunkt erreicht, wird er von seinen engsten Mitarbeitern hintergegangen. Er zieht sich - gedemütigt - aus dem Showbusiness zurück. Jahre später geht er wieder die Inszenierung von Theaterstücken - in einem Gefängnis - an und ahnt nicht, dass dies die Gelegenheit für seine Rache werden wird.

In „Hexensaat“ verneigt sie sich die Autorin vor einem ganz Großen ihrer Zunft. Sie adaptiert William Shakespeares „Der Sturm“ und geht dabei ihren ganz eigenen Weg dieser schillernden Geschichte an. Tragende Thematik ist die Rache in all ihren Facetten. Rache, wie sie unterschwellig lodert, zum Durchhalten anregt, Pläne schmieden und Unvorstellbares zuwege bringen lässt.

Gleichzeitig behandelt sie Inszenierung und Illusion. Es geht um Geschichten, die bewegen, und die Künstler, die sie in Bewegung bringen. Sie beschreibt Gefängnisse, aus denen es scheinbar keinen Ausweg gibt, die man aber durch die Kraft von Kunst überwindet, weil uns diese nichts und niemand nehmen kann.

Ich bin mir sicher, dass dieses Werk von Margaret Atwood weitaus hingebungsvoller, literarisch vielschichtiger interpretiert werden kann, und beschränke mich nun auf meinen laienhaften Leseeindruck, der zwar nicht dem Werk aber hoffentlich dem Roman gerecht werden kann.

Wer Margaret Atwood kennt, weiß, dass man sich gemeinsam mit der großen kanadischen Erzählerin weitab vom üblichen Schema bewegt. Diesmal hat sie mir eine verrückte Geschichte von einem rachsüchtigem Theaterregisseur erzählt.

Felix ist ein schräger Kauz. Er ist ein Künstler par excellence. Zurückhaltend, aufbrausend, bedacht und zugleich absolut durchgeknallt. Die Intrige seiner Mitarbeiter macht ihm schwer zu schaffen. Außerdem knabbert er an einer privaten Tragödie und sehnt sich nur mehr danach, Shakespeares „Der Sturm“ im Theater in Szene zu setzen. Trotzdem zieht er sich erstmal aus dem öffentlichen Leben zurück, weil er weiß, dass in der Ruhe die Kraft für seine Inszenierung und Rache liegt.

All das führt ihn zu einem theatralischen Experiment, das er mit Gefängnisinsassen vollbringt. Und dieses Experiment gehen Felix und Margaret Atwood gleich auf mehreren Ebenen an.

Margaret Atwood hat Shakespeares „Der Sturm“ auf unterschiedlichen Wegen auf ihr Werk übertragen. Zuerst ist die Handlung selbst an dieses Werk angelehnt, dann spielt es als Theaterstück an sich eine Rolle darin und außerdem hat sie die wichtigsten Themen von Shakespeares Leben selbst übernommen, womit sie sich vor dem wohl größten Theatermacher verneigt und ihm ihren Respekt entgegenbringt.

Der Schreibstil ist einfach und trotzdem facettenreich. Man kann es einfach runterlesen oder dabei innehalten. Man kann sich Atwoods Roman erzählen lassen oder die literarischen Hintergründe erforschen. Oder man kann es einfach genießen, mal eine völlig andere Geschichte in den Händen zu halten.

Mir hat Atwoods Interpretation und Übertragung Shakespeares in unsere moderne Zeit sehr gut gefallen. Zeitweise war es mir etwas zu abgedreht, was wahrscheinlich an der Originalvorlage liegt. Den modernen Schliff bekommt „Der Sturm“ durch den Schauplatz unserer Gegenwart, der sogar Lyrik in Rap umschlagen lässt. Ich mag daran, dass es - obwohl es auf einer alten Geschichte basiert - etwas völlig anderes ist und Margaret Atwood erneut beweist, dass sie zu den ganz Großen zählt.

Man muss sich nicht unbedingt für Shakespeare interessieren um dieses Werk zu mögen, jedoch sollte man für Literatur und Neues offen sein, damit man diesen Roman richtig genießen kann.

Das Remake des Sturms

Von: Marius Datum : 29.04.2017

buch-haltung.com

Welch schönes Projekt: als Verneigung vor dem vor 400 Jahren verstorbenen Barden und ikonischen Dichter William Shakespeare schrieben beziehungsweise schreiben 8 Bestseller-Autoren unter dem Titel Shakespeare-Projekt Neuinterpretationen der Werke Shakespeares. Das Ganze erscheint bei uns nach und nach in schöner Ausstattung im Knaus-Verlag. Zu dem Autorenkreis zählen Größen wie Tracy Chevalier, Gillian Flynn, Howard Jacobson oder auch Jo Nesbø.

Als viertes Werk erschien nun das Werk Hexensaat der kanadischen Großmeisterin Margaret Atwood, das von Brigitte Heinrich ins Deutsche übertragen wurde. Grundlage ist Shakespeares Stück Der Sturm, der im Buch zum Prüfstein für den Regisseur Felix wird. Jener plante eigentlich eine furiose Inszenierung des Stücks, die ihn zum Gesprächsthema in der Theaterwelt machen und sein persönlicher Triumphzug werden sollte. Doch eine Intrige seines engsten Mitarbeiters verhinderte das. Gebrochen, durch den Tod seiner Frau und Tochter zerstört und von der Welt vergessen zieht er sich in eine bruchfällige Hütte zurück. Aufgeben will Felix dennoch nicht und sinnt auf Rache. Der Schlüssel hierfür ist eine Theatertruppe im Gefängnis, mit der er ebenjenen – wie könnte es anders sein – Sturm einstudiert, um sich an seinen Feinden zu rächen.

Folglich inszeniert Margaret Atwood eine Neuinterpretation jenes vielgespielten Werkes des Barden aus Stratford-upon-Avon, die auf drei Ebenen funktioniert. Da ist zunächst der klassische Sturm mit seinen Motiven: der Insel, auf der Caliban, Prospero Miranda und der Geist Ariel leben, der Schiffbruch, der neue Gestrandete bringt und all die Intrigen, die klassisch im Werk Shakespeares sind. Auch wenn man mit dem Opus des Barden nicht vertraut ist – durch einen raffinierten Kniff löst Margaret Atwood dieses Problem. Denn für seine Neuinszenierung muss Felix den Gefängnisinsassen jenes Werk auch erst einmal mit vielen – manchmal sogar etwas zu vielen – didaktischen Kniffen näherbringen. Neben dieser aktuellen Ebene ist da auch noch Felix selbst, der von der Welt vergessen gestrandet ist und nun seinen eigenen Sturm durchlebt und ein wahrer Prospero ist.

Margaret Atwood strukturiert ihre Neuinterpretation durch die klassischen fünf Akte nebst einem Epilog, der die Inhalt des Original-Sturms zusammenfasst und damit auch einen genauen Vergleich zwischen Interpretation und Originalquelle erlaubt. Insgesamt ein sehr gelungenes Remake (wenngleich Atwoods Gefängnisinsassen schon wirkliche Pappkameraden sind) – und ein frischer Zugang zu Shakespeares Werk, das den Staub von 500 Jahren locker wegpustet und vielleicht auch Atwood-Fans zu Shakespeare-Fans machen könnte und umgekehrt.

Modern und mitreißend von Anfang bis Ende

Von: Sarahs Bücherregal Datum : 26.04.2017

https://sarahs-buecherregal.blogspot.com

Felix Phillips war einst ein gefeierter Theaterregisseur, bevor er von seinem Konkurrenten Tony abgesägt wurde. Zurückgezogen lebt er allein in einem kleinen Häuschen im Nirgendwo und sinnt auf Rache. Jahre später sieht er seine Chance gekommen, Shakespeares „Der Sturm“, der ihm damals von Tony weggenommen wurde, neu aufzuführen und Tony und seinen anderen Gegenspielern darin eine ganz besondere Rolle zukommen zu lassen.
Margaret Atwood thematisiert in ihrer Neuinterpretation von Shakespeares „Der Sturm“ das Stück gleich doppelt: Zum einen lässt sie es durch die Hauptfigur neu inszenieren, zum anderen gleicht die ganze Geschichte Shakespeares Original. Das Streben nach Rache, das Auftreten von Geistern oder eingebildeten Personen, gestrandet an einem seltsamen Ort, all das zeichnet Felix Leben ebenso wie das Stück, das er zur Aufführung bringt. Atwood setzt all das in einer Erzählung um, die einen von der ersten Seite an fesselt und mitreißt, wobei es völlig unwichtig ist, ob man den Stoff des „Sturms“ vorher schon kennt oder nicht. „Hexensaat“ ist teil der Hogarth Shakespeare Projekts und meiner Meinung nach bisher die beste Umsetzung von Shakespeares Stoff. Das Buch ist spannend, sehr modern und die Autorin schafft es auf bewundernswerte Weise, den Inhalt des Originals gleich doppelt in ihrem Werk zu spiegeln und so sowohl Original als auch ihrer Interpretation genug Raum zu geben.
Margaret Atwood Roman „Hexensaat“ ist eine unglaublich faszinierende Neubearbeitung von Shakespeares „Der Sturm“, die einen als Leser regelrecht einsaugt. Mich hat die Geschichte einfach nicht mehr losgelassen und ich konnte nicht aufhören, weiterzulesen. Meiner Meinung nach ist dies eine großartige Umsetzung von Shakespeares Grundidee!

Krötenhauchig gut!

Von: LiteraturReich Datum : 20.04.2017

literaturreich.wordpress.com

„Die Arbeit an diesem Buch hat mir ein großes Vergnügen bereitet (…)“ verrät Margaret Atwood in ihrem Dank am Ende von „Hexensaat“. Man glaubt es gerne, sprüht dieser Roman doch vor Einfällen, schrägen Ideen und genialen Transformationen von Motiven aus der Welt Shakespeares.
Zur Erinnerung: Die englische Hogarth Press bat anlässlich des 400. Geburtstags William Shakespeares namhafte Autoren um eine Umsetzung eines von ihnen zu wählenden Stücks des großen Dramatikers. Daraus entstand „The Hogarth Shakespeare Project“, das auf Deutsch im Knaus Verlag veröffentlicht wird und in dem bereits Adaptionen von Jeanette Winterson („Der weite Raum der Zeit“), Howard Jacobson („Shylock“) und Ann Tyler („Die störrische Braut“) erschienen sind.
Die kanadische Autorin Margaret Atwood wählte für sich „The Tempest“, den „Sturm“ aus.
Zugleich frei und doch sehr eng an der Vorlage siedelte sie das Geschehen im zeitgenössischen Ontario an. Der geniale Kniff ist hierbei das „Stück im Stück“, denn Atwood lässt uns die Inszenierung, Einübung und Aufführung von „The Tempest“ mitverfolgen. Es ist aber keine x-beliebige Aufführung. Ihr Regisseur, Felix Phillips, der das Drama in einer Justizvollzugsanstalt im Rahmen eines Resozialisierungsprogramms inszeniert, ist seinerseits ein moderner Prospero, der damit auch seine eigenen Rachepläne verfolgt.
Wir erinnern uns: In Shakespeares romantischem Stück, in dem es von Zauberern, Hexen, Elfen und Trollen nur so schwirrt, wurde der Herzog von Mailand, Prospero, seinerseits zaubermächtig und nach dem Tod seiner geliebten Frau alleinerziehender Vater der kleinen Tochter Miranda, von seinem intriganten Bruder Antonio entmachtet und in einem klapprigen Kahn aufs Meer verbannt. Prospero und Miranda können sich auf eine einst von der Hexe Sycorax bewohnte Insel retten, auf der immer noch deren missgestalteter Sohn Caliban haust. Ariel, ein Luftgeist, ist Prospero dort zu Diensten und so leben die beiden lange Jahre dort recht friedlich, auch wenn Prospero finstere Rachepläne schmiedet. Lediglich Calibans angeblich gewaltvolles Begehren gegenüber der heranwachsenden Miranda muss Prospero Einhalt gebieten, indem er diesen einsperrt und versklavt. Eines Tages werden Schiffe mit Bruder Antonio, König Alonso von Neapel und dessen Sohn Ferdinand vor der Insel gesichtet. Prospero, der seinen Tag der Rache gekommen sieht, entfesselt einen Sturm und lässt die Schiffe zerschellen, die Besatzung auf seiner Insel stranden. Wie bei Shakespeare gewohnt kommt es nun zu allerlei Verwicklungen und Konflikten, am Ende löst sich aber, wie in seinen Komödien üblich, alles zum Guten.
Wunderbar ist es nun der Entwicklung dieses Theaterstücks mit der ungewöhnlichen Theatergruppe zu folgen. Originelle Inszenierungsideen wechseln mit tiefgründigen Einblicken in das Geschehen im Stück. Originell ist zum Beispiel die „Lehreinheit“ Was geschieht danach? Was passiert mit den Protagonisten, nachdem das Schiff von der Insel fortgesegelt ist? Ein wenig sitzt der Leser mit am Seminartisch, das ist sehr erhellend, aber auch sehr amüsant.
Aber auch außerhalb des Stückes verkörpert Regisseur Felix Philipps seine Prospero-Figur, das wird kaum verhüllt, seine kleine Tochter, die mit drei Jahren an Hirnhautentzündung verstarb, ihre Mutter war da auch noch nicht lange im Grab, hieß Miranda. Auch Felix wurde von seinem Kollegen Anthony (!) unsanft aus seiner Intendantenrolle bei einem Theaterfestival verdrängt. Nach seinem Rückzug in Trauer und Eremitentum in einer heruntergekommenen Hütte in der Provinz Ontario leitet er nun seit einigen Jahren dieses Theaterprojekt. Und wie dem Shakespeareschen Prospero kommt auch für ihn der Moment der Rache, als seine alten Widersacher, mittlerweile in der Politik erfolgreich, die von ihm inszenierte Tempest-Aufführung zu Wahlkampfzwecken besuchen wollen. Seine Rachepläne sind ein wenig enttäuschend, als sie dann endlich offenbar werden, ein wenig vorhersehbar und auch reichlich unglaubwürdig. Aber wir befinden uns mit ihnen in einem Umfeld der Fabelwesen, in dem Luftgeister und Trolle ihr Wesen oder Unwesen treiben, Mirandas Geist stets um ihren Vater herum ist und Zauber in der Luft liegt. Und so kann Felix nicht nur seine Ehre wieder herstellen und seinen Feinden ordentlich in den Karren fahren, sondern auch das Theaterprojekt langfristig sichern und seinen „Knastbrüdern“ manch Hafterleichterung verschaffen. Vielleicht kann er sich nun auch endlich von seiner Trauer um Miranda lösen. Und: wartet da nicht sogar eine neue liebe?
Margaret Atwood jongliert bis zum Schluss aufs Schönste mit ihren Ideen, wirbelt die Motive umher, verflicht sie miteinander, schafft neben der zweiten mindestens auch noch eine dritte Ebene, auf der man das Geschehen betrachten kann, spielt mit großem Vergnügen mit der Sprache, reimt, rappt und flucht, dass es das Zeug hält, alles in schönster Shakespeare-Manier. (Ein besonderes Vergnügen ist es bestimmt, diesen Roman im englischen Original zu lesen) Das macht bis zum Ende einen Riesenspaß und ist zugleich eine ehrerbietige Verneigung vor dem großen englischen Barden. Zugleich kommt mit Felix großer Trauer um seine kleine Tochter, mit seinem Festhalten, der Schwierigkeit, sie loslassen zu können auch ein zartes, trauriges und berührendes Motiv ins Buch. Wunderbar, Mrs. Atwood! Sie sind eine hurensohnmäßig gute Schriftstellerin!