Leserstimmen zu
Die Holunderschwestern

Teresa Simon

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Auf diese Geschichte bin ich zufällig gestoßen, durch eine gemeinsame Leserunde bei Facebook. Dort wurde das Buch aus verschiedenen Vorschlägen ausgewählt, sodass ich mich entschied mitzulesen, da die Meinungen dazu ja doch recht positiv waren. Ansonsten hätte ich diesem Buch wahrscheinlich keine größere Beachtung geschenkt, da ich mich vom Cover überhaupt nicht angesprochen fühlte. Das Buch handelt einerseits in der Gegenwart, wo wir Katharina kennenlernen, die gemeinsam mit ihrer Freundin alte Möbel restauriert und dabei zufällig auf ein Möbelstück stößt, das ihr durch ein Foto ihrer Urgroßmutter bekannt vorkommt, und andererseits handelt es in der Vergangenheit, wo wir mehr erfahren über die Urgroßmutter Fanny sowie deren Zwillingsschwester. Als Katharina schließlich von einem jungen Mann aufgesucht wird, der ihr die Tagebücher der Urgroßmutter bringt, beginnt sie diese zu lesen und endlich die Geheimnisse der Familiengeschichte aufzudecken. Die stetig abwechselnden Zeitebenen machten mir anfangs sehr zu schaffen, da ich die Vergangenheit mit ihren Charakteren wesentlich interessanter fand und gleichzeitig fand ich auch Katharina eine Spur zu blass. Ich konnte nicht nachvollziehen, warum sie sich in den Überbringer der Tagebücher so schnell verliebte und fand das alles irgendwie unpassend, zumal sie ja kaum etwas über ihn wusste. Immer wieder fand ich anschließend einige Szenen merkwürdig und war dann auch dementsprechend froh, wenn es endlich wieder zurück zu Fanny sowie deren Schwester ging. Die damalige Zeit, beginnend 1918 wurde durch die Autorin wirklich wunderbar bildhaft beschrieben, mit einigen bekannten Persönlichkeiten dieser Epoche und den politischen Konflikten, die nach und nach Auswirkungen auf das Leben aller hatte. Und auch die beschriebenen Handlungsorte in München faszinierten mich, da ich selber die Stadt zwar nur von der Durchreise kenne beziehungsweise aus dem Fernsehen, aber sie waren mir ein Begriff und so hatte ich sofort ein entsprechendes Bild vor Augen. Der Schreibstil lässt sich schnell sowie flüssig lesen, und insbesondere die Szenen in der Gegenwart hatte ich nach dem Lesen recht schnell wieder vergessen. Ganz anders hingegen bei den Erzählungen über Fanny, deren Schwester sowie ihre beste Freundin, welche aus einer jüdischen Familie stammt. Ich fand das unheimlich spannend zu lesen. Mein Fazit: Alles in allem ist "Die Holunderschwestern" eine interessante sowie lesenswerte Geschichte, die man super zwischendurch mal lesen kann. Mir erschienen jedoch die Szenen rund um Katharina stellenweise zu unglaubwürdig und beinahe so, als ob sie erst viel später auf die Schnelle ergänzt wurden. Dennoch möchte ich unbedingt weitere Bücher der Autorin lesen und war positiv überrascht über die eingebauten historischen Details.

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Die Holunderschwestern war mein erster Roman, welcher historische Züge in sich trägt. Einerseits befinden wir uns bei Katharina im Jahre 2015 in München. Sie hat sich mit ihrer Freundin Isi als Restaurateurinnen selbstständig gemacht. Ihre zweite kleine Leidenschaft ist das Kochen, hat sie sogar die Kochbücher von ihrer Urgroßmutter Fanny geschenkt bekommen. Fanny hat neben ihrer kleinen Rezeptsammlung auch Tagebücher geschrieben. In diesen reisen wir zuerst ins Jahr 1918 nach Weiden, zu den jungen Jahren von Fanny und ihrer Zwillingsschwester Fritzi, welche extrem an Verlustängsten leidet. Wir Leser dürfen dann hautnah miterleben, wie Fanny nach München abhaut und versucht sich ihr eigenes Leben aufzubauen. Ihr Kochtalent und ein wenig Glück helfen ihr in den nächsten Jahren zu überstehen. Die Zeit ist durch den 1. Weltkrieg und Hitlers beginnenden Aufstieg geprägt. Die Thematik der Armut, Hungersnot und dem wachsenden Judenhass erlebt der Leser, als wäre er vor Ort bei Fanny. Das ist Geschichte pur. „»Die zerrissenen Jahre«, so nennt der amerikanische Historiker Philip Blome jene schicksalhafte Zeit zwischen 1918 und 1938, in der die alte Ordnung zerbrochen war und Europa auf den Zweiten Weltkrieg zutaumelte.“ Teresa Simon Die zwei Zwillingsschwester, welche nicht unterschiedlicher sein könnten, sind trotz allem immer im Herzen vereint. Allerdings macht ihnen die Eifersucht und Verlustängste von Fritzi das Leben schwer, gibt es doch für Fanny eine andere Stütze im Leben. Während man beim Lesen dem 1. Familiengeheimnis immer näher kam, hat mich das 2. Geheimnis in seiner Ausprägung überrascht und mich gedanklich kurz überfordert. Die Jahreszonen des Romans war durch Jahreszahlen klar voneinander abgegrenzt, auch die Tagebucheinträge und das historische „Echtzeitgeschehen“ war durch den Wechsel von Schriftform (kursiv) ebenfalls wunderbar trennbar. Mir hat der Roman wirklich super gefallen! Ich habe Geschichte erlebt, die sich so viel besser einprägen lässt, als durch den damaligen Schulunterricht. Zuletzt möchte ich noch kurz aus Teresa Simons Nachwort zitieren: „Angeregt zum Schreiben wurde ich durch das Leben meiner geliebten Großmutter, die 1918 als junge Frau aus dem geruhsamen Weiden in der Oberpfalz in die aufregenden Tage der Münchner Novemberrevolution kam. Wie meine Heldin Fanny stammte sie aus einer kinderreichen Familie und hatte eine Zwillingsschwester. Wie Fanny konnte sie ausgezeichnet kochen, und meine ersten Erinnerungen an sie sind untrennbar mit dem betörenden Duft nach Vanille verbunden. Die meisten der anschließenden im Buch aufgeführten acht Rezepte stammen von ihr, und sie schmecken heute noch ebenso gut wie damals. […]“ Die Rezepte aus Die Holunderschwestern findet man hier: https://rorezepte.com/die-holunderschwestern-teresa-simon/

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Meine Meinung: Katharina, unsere Hauptprotagonistin ist eine sehr nette, fleißige, junge Frau, die als Restauratorin für alte Möbel arbeitet. Über die Vergangenheit ihrer Familie weiß sie nicht viel, denn die schweigen alle beharrlich, bis ihr eines Tages die Tagebücher ihrer Uroma Fanny in die Hände fallen. Sie beginnt darin zu lesen und taucht in das Deutschland um 1918 ein. Endlich erfährt sie einiges aus der Vergangenheit, das ihr bis jetzt verschlossen geblieben ist. Ich liebe Familiengeschichten und so bin ich mit Katharina in die Tagebücher ihrer Ahnin Fanny eingetaucht. Ich war sofort gefangen von der Geschichte und konnte kaum mehr aufhören zu lesen. Die Autorin hat einen fesselnden und flüssigen Schreibstil, der einen von Anfang an mitreißt. Man kann gar nicht anders als in Fannys Leben einzutauchen. Ich Buch gibt es immer wieder Zeitensprünge und zwar wird zwischen Katharinas Leben und Fannys Tagebuchaufzeichnungen gewechselt. Das hat die Autorin aber geschickt verbunden und so ist es nicht weiter störend. Vor allem hat Frau Simon damit erreicht, dass der Spannungsbogen bis zum Schluss dieses Romans erhalten bleibt. Ich konnte nicht mehr aufhören zu lesen, denn Fannys Leben war wirklich spannend und hat einige interessante Geheimnisse ans Licht geführt. Bei mir ist dieser Roman wie ein Kopfkino abgelaufen und ich konnte mir alles wunderbar vorstellen. Mir hat diese Familiengeschichte sehr gut gefallen, weil man auch viel über die Zwischenkriegszeit erfahren hat und gesehen hat, wie wenig Rechte Frauen damals noch hatten. Es ist ein Roman, der einem sicher für längere Zeit im Gedächtnis bleiben wird. Von mir bekommt diese wunderbare Familiengeschichte 5 Sterne.

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Mit dem Zitat von Jean Paul (Buch Seite 497) „Heimat ist nicht nur, woher man kommt, sondern auch wohin man geht“ möchte ich diese Rezension beginnen. Denn in diesem Zitat steckt sehr viel Wahrheit, aber auch sehr viel von diesem Buch… Fanny, eine tapfere und mutige junge Frau aus Weiden hält es zu Hause nicht mehr aus. Sie hat genug von der Provinz und von Fritzi, ihrer Zwillingsschwester, die sie ziemlich einengt. So plant sie, mit der Hilfe ihres Bruders, ihr Elternhaus zu verlassen und nach München zu reisen, um sich ein neues Leben aufzubauen. Das wäre ja nicht weiter außergewöhnlich, wenn es nicht 1918 wäre. Eine schwierige Zeit, vor allem für Frauen. Fanny hat es in München nicht wirklich leicht und kämpft sich durchs Leben. Allerdings wäre Fannys Leben um einiges leichter, wäre Fritzi nicht plötzlich in München aufgetaucht… München 2015: Katharina, Fannys Urenkelin, bekommt eines Tages überraschenden Besuch von Herrn Bluebird, der ihr die alten Tagebücher ihrer Uroma überreicht. Ab diesen Zeitpunkt taucht sie in die Welt ihrer Uroma und Ahnen ein und lässt uns an der Familiengeschichte, die aus Freundschaft, Freud, Liebe aber auch aus Eifersucht und Leid besteht, teilhaben. Dieses Buch hat mich von der ersten Seite an gefesselt. Teresa Simon hat mit ihrem Schreibstil und mit der ganzen Liebe, die sie in dieses Buch gesteckt hat, ein außergewöhnlich tolles Buch geschaffen. Man spürt beim Lesen, wie sehr ihr diese Geschichte am Herzen liegt. Die Charaktere sind herrlich beschrieben, so dass ich keine Probleme hatte, mir diese vorzustellen. Die Tagebucheinträge sind in einer anderen Schrift gehalten und ich konnte sie daher gut vom Rest des Buches unterscheiden. Ihre Recherchen über die Stadt, die Epoche und deren Geschehnisse hat sie in einer besonderen Art und Weise in das Buch miteinfließen lassen, so dass man das Gefühl hatte, man steht mittendrin und sieht alles mit eigenen Augen. Dieses Buch lässt einen nicht mehr so schnell los. Und wenn man denkt, nach dem so liebevollem Nachwort ist das Buch zu Ende, dann kann ich euch mit Freude sagen, definitiv NEIN. Als kleines Schmankerl hat Teresa Simon Fannys Rezepte mit ins Buch gelegt, damit ihr nicht nur von den köstlichen Dampfnudeln, dem leckeren Braten und der anderen wunderbaren Rezepte lesen, sondern sie auch gleich probieren könnt. Mein Lieblingsrezept sind die Dampfnudeln mit Vanillesoße und euers? Ein wundervolles Buch über Freundschaft, Freud, Leid, Eifersucht und Liebe, das ich jedem ans Herz legen kann.

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Katharina, Restauratorin, liebt ihren Beruf und hat sich einen Traum erfüllt: Zusammen mit ihrer Freundin Isi betreibt sie eine eigene Werkstatt. Eines Tages steht der Engländer Alex Bluebird aus London vor ihrer Tür und übergibt ihr die Tagebücher ihrer Urgroßmutter Fanny. Katharina ist sehr überrascht, sie hat ihre Urgroßmutter zwar noch kennengelernt, war aber selbst noch sehr klein. Geblieben sind von ihr die legendären Kochbücher, da sie selbst genauso leidenschaftlich kocht wie einst ihre Urgroßmutter. Die Tagebucheinträge reichen bis ins Jahr 1918 zurück. Fanny schildert ihre Erlebnisse in einer bewegenden Zeit zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg in München. Dort arbeitet sie als Köchin bei Familie Rosengart und es entsteht zur Tochter des Hauses, Alina, eine tiefe Freundschaft, sehr zum Verdruss ihrer eifersüchtigen Zwillingsschwester Fritzi. Was ist damals geschehen, dass Fannys Zwillingsschwester Fritzy bis zum heutigen Tage totgeschwiegen wird? Sie taucht immer tiefer in Fannys Aufzeichnungen ein und kommt einem unglaublichen Verrat auf die Spur. Die Holunder Schwestern aus der Feder von Teresa Simon lässt eine sehr bewegende Zeit wieder zum Leben erwecken. Wie bei "Die Frauen der Rosenvilla" zeichnet sich auch dieser Roman durch einen einzigartigen Schreibstil aus. Er ist sehr spannend und gleichzeitig gefühlvoll zu lesen, durch eine wunderbare bildhafte Schreibweise lässt uns Teresa Simon vor allem München kennenlernen. Außerdem gibt es passend zum Thema Kochen wunderbare Rezepte herrlicher Gerichte. Der Perspektivenwechsel zwischen der Vergangenheit und Gegenwart ist absolut gelungen. Die Erlebnisse von Fanny zwischen den beiden Weltkriegen sind hervorragend mit den historischen Fakten kombiniert. Die Charaktere sind sehr authentisch dargestellt und man fiebert mit Ihnen mit. Durch die Tagebucheinträge ihrer Urgroßmutter Fanny werden vor allem die Frauen aus Katharinas Familie zum Leben erweckt und sie setzt Puzzle um Puzzle zu einem Gesamtbild zusammen, das so manche Überraschung hervorbringt. Der Roman hat mir wieder super gefallen, ich kann ihn sehr empfehlen und vergebe hierfür fünf Sterne. Ich freue mich schon auf Teresas nächsten Roman.

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Meine Erwartungen: Besonders gefreut habe ich mich neben dem deutschen Schauplatz vor allem die zwei verschiedenen Zeitebenen. Nämlich ab 1918 und im Jahr 2015. Außerdem habe ich gehofft, dass mir beide Hauptcharaktere in beiden Zeiten mir schnell ans Herz wachsen und ich mich in sie hineinversetzen kann. Zwar ist es ein recht dickes Buch mit seinen knapp 500 Seiten, aber wenn der Schreibstil gut ist, dann geht das ziemlich schnell. Gedanken während dem Lesen: Ich hätte erwartet, dass ich schneller durch das Buch komme, was jedoch nicht der Fall war. Ganze 4 Wochen hing ich an dem Buch, was aber definitiv nicht am Schreibstil oder der Geschichte lag. Nur muss ich zugeben, dass ich so historische Geschichten nicht so schnell durchsuchten kann, egal, wie spannend und abwechslungsreich sie sind. Denn ich habe dieses Buch wirklich sehr genossen und habe die ganzen Charaktere in mein Herz geschlossen. Die ganze Familie von Katharina ist zwar sehr unterschiedlich, aber alle in ihrer Art besonders und herzensgut. Der Handlungsstrang in den Nachkriegszeiten des 1. Weltkrieges fand ich super spannend, da man in der Schule mehr oder weniger nur alles über den 2. Weltkrieg und was danach ablief, lernt und den 1. Weltkrieg bzw. das Danach nicht analysiert wird. Und gerade so persönliche Geschichten sind am spannendsten und machen die Zeit so interessant. Die Geschichte um Fanny und ihre Schwester Fritzi hat mich total mitgenommen, geschockt und auch ergriffen. Höhen, Tiefen und vor allem die Machtergreifung der Rechten war wirklich schleichend, aber irgendwann so präsent, das man schnell mitten drin war. Gegen Ende wurde es dann nochmal richtig spannend - und das nicht nur in der früheren Geschichte, sondern auch bei Katharina privat. Spannend wurde es zwar, aber das Ende ging trotzdem ziemlich schnell bzw. wurde schnell erzählt. Mein Fazit: Das Buch hat mir wirklich gut gefallen und Spaß gemacht zu lesen. Auch wenn ich etwas länger dafür gebraucht habe, kann ich sagen, dass es eine tolle Geschichte über viele Generationen ist, die mitreist und Spaß macht. Das Nachwort der Autorin lässt nochmal alles intensiver wirken und die angehängten Rezepte von Fanny sind einfach wunderbar und ein kleiner Zusatz, den es nicht in jedem Buch gibt.

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In der Rahmenhandlung geht es um die Restauratorin Katharina Raith, die zusammen mit ihrer Partnerin und besten Freundin Isi eine gut gehende Werkstatt betreibt. In ihrer Freizeit kocht Katharina sehr gerne, bevorzugt Gerichte aus der alten, handgeschriebenen Kladde, in der ihre Urgroßmutter Fanny ihre Rezepte und persönlichen Tipps aufgeschrieben hat. Franziska Raith, wie Fanny eigentlich hieß, hatte in jungen Jahren ihre Heimatstadt Weiden verlassen und war nach München gegangen, wo sie als Köchin arbeitete. Eines Tages steht ein fremder junger Engländer vor Katharinas Tür. Alex Bluebird, wie er sich vorstellt, hat einige alte Fotos dabei und das Tagebuch von Fanny. Katharina ist völlig verblüfft und kann sich gar nicht vorstellen, wie das Tagebuch ihrer Urgroßmutter nach England gekommen sein soll. Neugierig beginnt sie zu lesen. Zusammen mit Katharina tauchen wir, während sie in Fannys Tagebuch liest, in eine andere Zeit ein. Wir lernen Fanny kennen, als sie mit dem Zug nach München unterwegs ist. Während der Fahrt macht sie Bekanntschaft mit einer jüdischen Familie und freundet sich mit der Tochter Alina an. Es ist nicht leicht für die junge Frau, in München Fuß zu fassen, aber als Fanny ihren Arbeitsplatz als Weißnäherin verliert, nimmt die Familie Rosengart sie als Köchin bei sich auf. Sie verbringt eine glückliche Zeit bei Alina, die ihr zur besten Freundin wird und deren Familie. In der großen Stadt fühlt sie sich wohl, und bald kommt sie auch in Kontakt mit Münchner Künstlerkreisen und kocht für sie so manches Festessen. Eines Tages steht Fannys Zwillingsschwester Fritzi vor der Tür. Auch sie möchte in München bleiben und eine Anstellung finden. Es brechen schwierige Zeiten an, und einige tragische Ereignisse sowie Fritzis Eifersucht entfernen die Zwillingsschwestern immer mehr voneinander. Aber wie Fanny es ausdrückt: Es geht nicht mit ihr, aber auch nicht ohne sie. Gerade die Einblicke in die Vergangenheit von Katharinas Familie, die man im Roman durch die detaillierten Schilderungen aus Fannys Tagebüchern erhält, haben mich fasziniert. Die frühere Handlung spielt im Zeitraum zwischen den beiden Weltkriegen. Es ist eine Zeit des Umbruchs, die Monarchie wird abgeschafft und vorübergehend entsteht eine Räterepublik. In dieser Zeit werden die Nationalsozialisten und ihr Einfluss immer stärker. Für die Familie Rosengart brechen schwere Zeiten an, denn Juden sind in München nicht mehr sicher. Für mich waren die Schilderungen der damaligen Zeit besonders eindrucksvoll, weil es diverse Parallelen zwischen Fannys und meiner Familie gibt, denn auch meine Urgroßmutter war Köchin in München, und einige ihrer Rezepte von damals haben wir in der Familie bewahrt. Auch musste ich beim Lesen oft an meine Großeltern denken, die sich ebenfalls im Zeitraum der Handlung kennengelernt haben. Es sind mir daher immer wieder Details aus alten Erzählungen zu meiner eigenen Familiengeschichte eingefallen. Der Erzählstrang über die Vergangenheit hat mich absolut fasziniert, und mir ging es so wie Katharina mit Fannys Tagebüchern, ich konnte gar nicht aufhören zu lesen. Spannend fand ich auch die vielen Details zu Künstlern dieser Zeit, denn Fanny lernt nicht nur Paul Klee und seine Familie kennen, sondern viele weitere interessante Menschen, die damals in München gelebt haben. Hier wurde sehr viel Reales in die Handlung aufgenommen, und die detaillierten Beschreibungen der Schauplätze tun ein Übriges, den Leser zu fesseln. Die Abschnitte, die in der Gegenwart spielen, sind für mein Empfinden wirklich nur ein netter Rahmen. Hier hatte ich manchmal den Eindruck, dass die Handlung mit Hilfe einiger Zufälle, die mir manchmal nicht so ganz glaubwürdig erschienen, zurechtgebogen wurde. Auch wurden hier im zwischenmenschlichen Bereich noch ein paar Dramen eingefügt, die für mein Gefühl unnötig waren, weil sie etwas konstruiert wirkten. Ich finde, die Tragödien der Vergangenheit hätten völlig ausgereicht. Leider geht aufs Ende zu alles ziemlich schnell, und einige Nebenzweige der Handlung verlaufen irgendwo im Nichts. Es klärt sich nicht alles, und zu manchen Ereignissen hätte ich gerne etwas mehr erfahren. Trotz meiner kritischen Anmerkungen hat mir der Roman aber insgesamt ausgesprochen gut gefallen, schon aus dem Grund, weil mich die Vergangenheit emotional sehr berührt hat. Auch gibt Fanny am Schluss noch einige bayerische Rezepte preis, und beim Lesen musste ich schmunzeln, denn alle hätten auch aus dem Kochbuch meiner eigenen Urgroßmutter stammen können.

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Bei Katharina Raith, Single, Anfang 30 und Restauratorin in München, taucht plötzlich ein sympathischer Engländer auf, der ihr die Tagebücher ihrer Urgroßmutter bringt. Katharina ist natürlich neugierig und beginnt diese Aufzeichnungen zu lesen. Die sehr geheimnisvollen Einträge bringt Katharina dazu, über das Leben ihrer Urgroßmutter Fanny, die 1918 von Weiden nach München gezogen ist, zu recherchieren. Über die Tagebucheinträge erfahren wir die tragische Geschichte von Fanny und ihrer Zwillingsschwester Franzi. Teresa Simon hat diese Familiensaga sehr fesselnd und spannend erzählt. Von der ersten Seite an war ich mitten im Geschehen und war gespannt darauf, ob am Ende der Geschichte wohl alle Familiengeheimnisse, die in der Story so nach und nach ans Licht kommen, aufgedeckt werden können. Die Charaktere in dieser Familiensaga sind sehr lebendig gezeichnet. Fanny und Katharina sind sehr sympathisch. Der Erzählstrang 1918 in München spielt zu einer düsteren Zeit und ist entsprechend für Tragödien in Geschichten prädestiniert. Die Autorin scheint über diese Zeit sehr genau recherchiert zu haben. Am Ende der Geschichte sind einige von Fannys Lieblingsrezepten aufgelistet, die zum Nachkochen einladen. 5/5 Sterne für diese spannende, geheimnisvolle Familiengeschichte mit vielen Wendungen.

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