Leserstimmen zu
Marx. Der Unvollendete

Jürgen Neffe

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Ohne dogmatische Zwänge

Von: Michael Lausberg aus Doveren

28.09.2018

Nicht nur aufgrund sich nähernden 200ten Geburtsdatum wird über die Person Karl Marx und seine Lehre wieder in der Öffentlichkeit debattiert, gestritten und polemisiert, manchmal auch mit antisemitischem Unterton. Die fortschreitenden Ungerechtigkeiten der globalisierten Welt führen auch zu der Frage nach der aktuellen Gültigkeit seiner Lehre. In diesem Zusammenhang ist auch die Marx-Biografie von Jürgen Neffe zu verorten, der sowohl auf sein persönliches Umfeld, seine Beziehung zu Engels und anderen sozialistischen Größen, seine Werke mit dem Schwerpunkt auf „Das Kapital“ und seine Aktualität eingeht. Neffe sieht Marx als Verfechter der Freiheit: „Sein zentrales Thema, von Skeptikern und Gegnern noch immer leidenschaftlich bestritten, war die Freiheit. Und da, wo sie an ihre Grenzen stößt, die Befreiung. Im Einstehen für freies Wort und freie Presse als demokratische Grundrechte verlor er erst seine deutsche Heimat und dann gleich mehrfach sein Zuhause im Exil.“ (S. 17) Es müsse zwischen Marx und dem Marxismus unterschieden werden: „Einer Rückkehr zum vorbehaltlosen Umgang mit Marx und seinem Werk stand und steht immer der –ismus im Wege, den man seinen vier Buchstaben angehängt hat wie Christus das Christentum. Marx hat nie einen Marxismus begründet. Nichts lag ihm ferner, als ein abgeschlossenes System zu schaffen.“ (S. 16) „Das Kapital“ trage einen humanistischen Touch: „Da schreibt halt kein geisteswissenschaftlicher Sachbearbeiter, sondern ein revolutionärer Geist, dem es nicht zuletzt um das Schicksal der Menschheit zu tun ist. Sein Anliegen ist zutiefst humanistisch, sein neuer Mensch höchst human, Gesellschaft erscheint als Gemeinschaft, die Freiheit des Einzelnen als Vorbedingung zur Freiheit aller“. (S. 389) Neffe hält Marx Theorien angesichts der globalen Krisen und der Zunahme der Diskrepanz zwischen Arm und Reich im globalen Kapitalismus für aktueller denn je. Dennoch gibt es auch einige bleibende Verdienste des Philosophen aus Trier: Marx kommt der bleibende Verdienst zu, einer der fähigsten und dauerhaftesten Kritiker des kapitalistischen Wirtschaftssystems zu sein Jürgen Neffe erklärt in seinem mehr als 600 Seiten starkem Buch über Karl Marx die persönlichen Lebensumstände und seine Werke des weltberühmten Trier Philosophen und Sozialtheoretikers. Ohne dogmatische Zwänge setzt er sich mit Marx auseinander und unterscheidet mit Recht zwischen Marx und dem Marxismus. Seine Ausführungen sind in gewissen Punkten etwas zu kritiklos, vor allem die autoritären Elemente in seiner Lehre. Dennoch ist Neffe zuzustimmen, dass Marx‘ Kritik am Kapitalismus noch immer aktuell ist.

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marx ist wieder da

Von: michael lausberg aus Doveren

26.06.2018

Nicht nur aufgrund sich nähernden 200ten Geburtsdatum wird über die Person Karl Marx und seine Lehre wieder in der Öffentlichkeit debattiert, gestritten und polemisiert. In diesem Zusammenhang ist auch die Marx-Biografie von Jürgen Neffe zu verorten, der sowohl auf sein persönliches Umfeld, seine Beziehung zu Engels und anderen sozialistischen Größen, seine Werke mit dem Schwerpunkt auf „Das Kapital“ und seine Aktualität eingeht. Neffe sieht Marx als Verfechter der Freiheit: „Sein zentrales Thema, von Skeptikern und Gegnern noch immer leidenschaftlich bestritten, war die Freiheit. Und da, wo sie an ihre Grenzen stößt, die Befreiung. Im Einstehen für freies Wort und freie Presse als demokratische Grundrechte verlor er erst seine deutsche Heimat und dann gleich mehrfach sein Zuhause im Exil.“ (S. 17) Es müsse zwischen Marx und dem Marxismus unterschieden werden: „Einer Rückkehr zum vorbehaltlosen Umgang mit Marx und seinem Werk stand und steht immer der –ismus im Wege, den man seinen vier Buchstaben angehängt hat wie Christus das Christentum. Marx hat nie einen Marxismus begründet. Nichts lag ihm ferner, als ein abgeschlossenes System zu schaffen.“ (S. 16) „Das Kapital“ trage einen humanistischen Touch: „Da schreibt halt kein geisteswissenschaftlicher Sachbearbeiter, sondern ein revolutionärer Geist, dem es nicht zuletzt um das Schicksal der Menschheit zu tun ist. Sein Anliegen ist zutiefst humanistisch, sein neuer Mensch höchst human, Gesellschaft erscheint als Gemeinschaft, die Freiheit des Einzelnen als Vorbedingung zur Freiheit aller“. (S. 389) Neffe hält Marx Theorien angesichts der globalen Krisen und der Zunahme der Diskrepanz zwischen Arm und Reich im globalen Kapitalismus für aktueller denn je. Dennoch gibt es auch einige bleibende Verdienste des Philosophen aus Trier: Marx kommt der bleibende Verdienst zu, einer der fähigsten und dauerhaftesten Kritiker des kapitalistischen Wirtschaftssystems zu sein Jürgen Neffe erklärt in seinem mehr als 600 Seiten starkem Buch über Karl Marx die persönlichen Lebensumstände und seine Werke des weltberühmten Trier Philosophen und Sozialtheoretikers. Ohne dogmatische Zwänge setzt er sich mit Marx auseinander und unterscheidet mit Recht zwischen Marx und dem Marxismus. Seine Ausführungen sind in gewissen Punkten etwas zu kritiklos, vor allem die autoritären Elemente in seiner Lehre. Dennoch ist Neffe zuzustimmen, dass Marx‘ Kritik am Kapitalismus noch immer aktuell ist.

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Das komplexe Werk wird entfaltet und entschlüsselt, sodass es auch für nicht politische Fachleute interessant und verständlich ist. Es liest sich teilweise wie ein Roman, was mir als unpolitische Leserin sehr entgegenkam. Die Biografie gibt einen sehr gut recherchierten, fundierten Einblick in Marx Leben. Wer eine zeitgerechte Bio des immer noch aktuellen Denkers und dessen Hintergründe lesen möchte, empfehle ich dieses Werk. Ein politisches Fazit ziehe ich zu diesem Buch nicht, denn dazu habe ich zu wenig Wissen. Mich hat vor allem der private Mensch Karl Marx interessiert. Der in dieser Biografie vom Autor hervorragend recherchiert und für 2018+ zeitgemäß dargestellt wurde. Marx hat zu seiner Zeit viel ausgesagt über die Zeit von heute. Ich danke dem C. Bertelsmann Verlag und Randomhouse für dieses angeforderte Rezensionsexemplar. Dies hatte keinen Einfluss auf meine Bewertung und Vorstellung.

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Der Mann mit dem Rauschebart, ein Gespenst, welches zweihundert Jahre nach seiner Geburt noch immer in den Köpfe der Menschen umgeht: Karl Marx. Wie definiert man diesen Mann? Als einen der letzten Universalgelehrten, Philosophen, Visionär, Revolutionär, Querkopf, Kommunist…? Wird man ihm damit gerecht? Von sich selbst sagte Marx, er sei kein Marxist, so fällt zumindest dieser Begriff schon einmal weg. Trotzdem, kein leichtes Unterfangen, welches Jürgen Neffe da in seiner Biografie Marx. Der Unvollendete anstrebt. DIE BIOGRAFISCHE ZEITMASCHINE Ein Leben adäquat darstellen – puh! Die meisten von uns wissen wahrscheinlich, wie schwer schon allein die Zusammenstellung eines Lebenslaufs ist und in einer Biografie werden diese reinen Fakten ja noch textlich aufbereitet, erklärt und in Zusammenhang gebracht. Kein Mensch steht für sich alleine oder außerhalb der Zeit, auch Marx nicht. Ich muss zugeben, dass mich im ersten Moment die Seitenzahl von 656 Seiten beinahe erschlagen hat, aber in Hinblick auf den Inhalt relativiert sich dies schnell: Jürgen Neffe schmeißt seine „biografische Zeitmaschine“ (S. 261) an, und erzählt Leben und Werk Karl Marx‘ in 34 Kapiteln. Zu weiten Teilen lesen sich diese Kapitel wie eigenständige Texte, was dazu einlädt, einfach das Buch an den entsprechenden Stellen aufzuschlagen und direkt drauf los zu lesen oder nur bestimmte Dinge nachzuschlagen. Allein das 8. Kapitel beschäftigt sich in 38 Seiten mit dem Frühwerk und der „Entwicklung der Marxschen Gedankenwelt“, wobei es in einzelnen Abschnitte wie „Arbeit und Entfremdung“ oder „Kollektiv und Plan“ unterteilt wird. Ähnliches gilt für das 23. Kapitel zum Kapital, welches 86 Seiten mit Abschnitten wie „Aus Geld wird Kapital“ oder „Postkapitalismus“ umfasst. PERSÖNLICH UND DOCH OBJEKTIV Neffe rollt die Biografie quasi von hinten auf: Zuerst nimmt er die Leser mit auf den Highgate Cemetry in London, wo sich das Grab von Marx befindet, bevor es chronologisch mit dem Leben los geht. Die unterschiedliche Art der Verehrung, wie man sie zum Beispiel beim Denkmal auf dem Friedhof oder in der Geburtsstadt Trier findet, arbeitet Neffe dabei sehr organisch in den Text ein. Generell ist das Zusammenspiel von persönlichem und objektiven für mich in dieser Biografie sehr gelungen, da Neffe durchweg mal persönliche Einsichten einfließen lässt, diese aber erkennbar bleiben. Denn eine Biografie wird nicht nur von dem Lebenslauf der betroffenen Person beeinflusst, sondern auch vom Biografen selbst. Das macht die Biograf sehr gut lesbar, gerade für Laien, die noch nie mit Marx in große Berührung gekommen sind. Schon mal mit der Lehre Hegels auseinandergesetzt? Oder eine Ahnung vom Wirken von Feuerbach? Falls nicht, ist das ebenfalls kein Problem, denn wenn etwas oder jemand einen Einfluss auf das Leben, Denken und Wirken von Marx hat, so erläutert Neffe dies. Dadurch lernt man im Verlauf der Lektüre nicht nur viel über Marx selbst, sondern auch über weitere Personen und Einflüsse seiner Zeit. Unterstützt wird dies immer wieder durch gut ausgewählte Zitate aus Schriften oder direkten Zeitzeugenberichten. MAL WEISER, MAL WÜTERICH, HIER ZURÜCKHALTEND, DORT ZUPACKEND, GUTER VATER, SCHLECHTER VATER: GELEBTE DIALEKTIK, WENN MAN SO WILL. ERST IM ZUSAMMENSPIEL DER EXTREME ERGEBEN SEINE VIELEN ICHS DIE VOLLSTÄNDIGE FIGUR. […] ZUM MENSCHEN MARX AUS FLEISCH UND BLUT, DAS GEHT IM DENKMALSTREIT ZU HÄUFIG UNTER, GEHÖRT EIN GROSSES HERZ, DAS NICHT NUR ALS PUMPE LEBENSERHALTEND WIRKT. ER WAR GEWISS KEIN EINFACHER EHEMANN, WER IST DAS SCHON, ABER EIN GUTER GEFÄHRTE, VIELLEICHT GELEGENTLICH UNTREU, ABER NIEMALS TREULOS. | SEITE 23-24 DAUERBRENNER Braucht es denn solch einen dicken Schinken von Biografie überhaupt? Ist Marx zweihundert Jahre nach seiner Geburt überhaupt noch aktuell? Neffe kommt ganz klar zu dem Fazit, dass Marx und seine Ideen aktueller sind denn je und nach dem Lesen dieser Biografie würde ich mich diesem auf alle Fälle anschließen. Aber auch wenn man keine Relevanz für das aktuelle Zeitgeschehen für sich aus dieser Biografie ziehen kann, so ist allein das Leben von Marx spannend und abenteuerlich genug, um erzählt zu werden. Der Mann, der übers Kapital schrieb und selber nicht haushalten konnte, staatenlos, aber immer am Puls der Zeit – immer noch ein Dauerbrenner und eine Persönlichkeit, die die Weltgeschichte immens beeinflusst hat. Neffe schafft es, diesen Mann in all seiner Widersprüchlichkeit und Facettenreichheit einzufangen und dem Leser zugänglich zu machen. Eine zehnseitige Bibliografie und ein Register runden die Biografie ab.

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