Leserstimmen zu
Bosheit - Die Getreuen und die Gefallenen 2

John Gwynne

Die Getreuen und die Gefallenen (2)

(3)
(2)
(0)
(0)
(0)
€ 16,00 [D] inkl. MwSt. | € 16,50 [A] | CHF 22,90* (* empf. VK-Preis)

Nach dem ersten Band, der die Reihe als großer Prolog einleitete, freute ich mich sehr auf die Fortsetzung der Geschichte. Mit nicht gering hohen Erwartungen ging ich an den zweiten Teil heran, nur wurden diese nicht gänzlich erfüllt. Ein Teil der großen Prophezeiung hat sich erfüllt und Krieg über die Verfemten Lande gebracht. Während Corban nach der Eroberung Dun Carregs durch Owain mit der Hilfe Nathairs in den Norden flieht und ihm ein schwerwiegendes Geheimnis offenbart wird, vergrößert Nathair seinen Einfluss über das Land und hält Corbans Schwester Cywen bei sich gefangen. Als das Reine Licht, formt Nathair eine Armee gegen die vermeintlich Schwarze Sonne und die Schlacht der Kämpfer Asroths und Elyons rückt immer näher. Das größte Problem war wohl, dass sich dieses Buch nicht allzu sehr von seinem Vorgänger unterscheidet. Zumindest ist dies aus meiner Sicht der Fall. Doch allzu viele Stimmen loben seine Einzigartigkeit, die Art, wie es sich von seinem Vorgänger abhebt und wie viel Faszination es weckt. Dadurch war mein Messlatte etwas zu hoch gelegt und so sagt stehts eine kleine Stimme in meinem Hinterkopf, dass ich diese Lektüre doch als etwas sehr Gutes auslegen soll und über ein paar Dinge hinweg sehen könnte. Aber gibt es Einiges, das ich nicht übersehen kann. Die Geschichte ist weiterhin nur der Beginn. Zuallererst fehlte mir erneut die Spannung in dem Buch. Langatmigkeit mag teils eine Eigenschaft des Genres sein, zumindest meiner Erfahrung durch bisher gelesene Bücher nach, dass sich die Geschichte sehr auf zahlreiche diverse Charaktere aufteilt und dadurch mache Handlungsstränge zu sehr aufgetrennt werden. Die Kapitel sind stets recht kurz und manchmal ist der Wechsel zwischen den Charakteren, die sich alle nicht ganz unähnlich in gewisser Weise sind, verwirrend. Außerdem werden über die Zeitspanne eines ganzen Jahres nur einzelne kleine Handlungsfetzen erzählt. Es sind kurze herausragenden Ereignisse, die beschrieben werden, oder lediglich Situationen, damit man einen Charakter nicht vergisst und von seinem Fortgang erfährt. Manchmal sind die Kapitel sogar so kurz, dass durch den abrupten Wechsel zu einer vollkommen anderen Situation, immer und immer wieder, der Lesefluss unterbrochen wird. Zugleich ist die vergehende Zeit ein Aspekt, den ich wirklich an diesem Buch mochte. In vielen Büchern geschehen eine Menge Höhepunkte in einem unrealistisch kurzen Zeitraum, sodass man sich fragt, wann die Charaktere das letzte Mal ihren Grundbedürfnissen hatten nachgehen können. Hierbei merkte man hingegen die langsame Entwicklung von etwas Größerem und dass eine Schlacht normalerweise nicht in einer Stunde geschlagen wird. Deshalb ist es verständlich, überwiegend wichtige Handlungsmomente zu erzählen. Dennoch sind es zu viele Bruchstücke, die die Besonderheiten der Erfahrungen der Handlungsträger hervorheben. Rundum nahm ich keinen richtigen Spannungsbogen wahr, der mir das Herz in Aufregung aus der Brust springen ließ. Es war einigermaßen interessant, aber nie so spannend, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte. Dies lag nicht nur an der Erzählweise, sondern vor allem an der wieder einmal sehr vorhersehbaren Handlung. Aufgrund einer recht typischen Charakteraufstellung, sind zwischenmenschliche Situationen, die in diesem Buch für die weitere Annäherung als auch Entfaltung der bedeutenden Prophezeiung wichtig sind, nicht schwer vorherzusehen. Man kann sich ebenfalls erdenken, welcher der nächste Witz sein wird. Eher das wirkliche Schicksal der Personen verbunden mit den übernatürlichen Ereignissen, war für mich von großem Interesse. Wobei man eigentlich weiß, wer auf die gute oder böse Seite umsteigen wird. Dies ist kein Geheimnis, ganz im Gegensatz zu der Grundidee des Buches. Die Charaktere gestalteten sich wohl als das für mich größte Problem. Die meisten sind wenig mysteriös und genau genommen, unterscheiden sie sich nicht großartig voneinander. Viele sind angetrieben von einer großen Sache und wundervolle Kämpfer. Dessen ungeachtet, differenzieren sie sich auf eine Art, dass man die dutzenden Namen voneinander abgrenzen kann. Sehr auffällig ist, dass man kaum Frauen zu Gesicht bekommt, die tatsächlich wichtig sind. Es kommt eine etwas wichtigere Figur hinzu, die sich indes kaum von Corbans Schwester abgrenzt. Vielmals sind die Frauen sehr stark und widerspenstig. Um ehrlich zu sein, manchmal sogar etwas lachhaft und nervig in ihren Aktionen. Hinzu kommt, dass sich beinahe erzwungene und nicht unähnliche Liebesbeziehungen entwickeln, die sicherlich eine Handlungswendung hervorrufen werden. Abgesehen von der Gemeinsamkeit und Eintönigkeit der Handelnden, wird oftmals das Heroische an ihnen betont. Dies betrifft überwiegend Corban, auf den im Laufe des Buches mehr Augenmerk als auf den zunehmend verblassenden Nathair geworfen wird. Er wird vielfältig und wiederholend als die besondere Person hervorgehoben, hingegen lassen sich dafür nur wenige Beweise finden. Es ist als würden Beschreibung und die durch Taten geformte Art des Charakters nicht ganz übereinstimmen. Ganz als würde eine Information fehlen. Überdies spürt man nicht, dass viel Zeit vergeht, denn eine Veränderung der Personen ist kaum auszumachen, nur in seltenen Ausnahmefällen. Es ist wahrhaft faszinierend, wie John Gwynne die atemberaubende Blindheit von Menschen verbildlicht, die sich einer Überzeugung, einem Glauben, dem scheinbar Richtigen hingegeben haben. Nicht wenige Menschen und andere Wesen sind durch ihre Hingabe und den unerschütterlichen Glauben geblendet und haben ebenso die Augen vor der Wahrheit verschlossen. Leider und das Buch damit Authentizität gebend, trifft der Autor damit eine Wahrheit, die zu sehr in der Realität anwesend ist. Ferner weist er auf das Falsche am Krieg hin und die tragische Kehrseite nach der Euphorie des Krieges. Die Frage nach der Moral und Gerechtigkeit wird dabei gestellt. Man bekommt die sinnlose Brutalität zu spüren, doch ist es schade, dass sie nicht mit allzu tiefgehenden intelligenten Intrigen versponnen ist, die dem Buch mehr Reiz gegeben hätten. Im Großen und Ganzen hatte dieses Buch jene Schwachstellen wie auch sein Vorgänger, wie beispielsweise fehlende, die Welt erweiternde diverse Beschreibungen der Umgebung, abgesehen von den detaillierten Szenen von Kämpfen, oder nur winzige Teile des Übernatürlichen, die erst zum Schluss oder in einzelnen, zu abrupten Dosen auftreten. Die dargestellte und fühlbare Zerbrechlichkeit und Vergänglichkeit des Lebens sind schön, obschon die Charaktere gleichermaßen nicht vom Tod bedroht sind. Für manche mag die Verbindung zwischen Mensch und Tier herzerweichend sein. Dennoch hatte ich mir viel mehr erwartet, mehr Tiefe, und ob ich die Geschichte weiterhin verfolgen möchte, steht in den Sternen. Auch dieser Band konnte mich nicht richtig reizen.

Lesen Sie weiter

Mir hat der erste Teil der Reihe wirklich gut gefallen, war es doch qualitativ hochwertige High-Fantasy mit tollen Charakteren. So ist es nicht verwunderlich, dass auch dieses gute Stück von mir gelesen wurde. Auch wenn nach dem ersten Band verhältnismäßig wenig Zeit verging, bis ich mir diesen hier zu Gemüte führte, muss ich nun schon gestehen, dass mir der Einstieg in das Buch recht schwer gefallen ist. Schon im ersten Band ist deutlich geworden, dass die Geschichte aus der Sicht einer nicht geringen Anzahl von Personen geschildert wird und in jeder Perspektive erst einmal zu durchblicken ist wer denn eigentlich wer ist, was diese Person im letzten Band erlebt hat und auf welcher Seite sie steht. Das war wirklich nicht so einfach. Zwar gibt es hinten im Buch ein Personenregister und auch eine Karte in jeder Klappenseite, doch ein „was bisher geschah“ wäre für mich auch sehr hilfreich gewesen. Zwar ist die Mehrperspektivität ein großer Vorteil für das Buch, da die verfemten Landen aus vielen Ländern bestehen, gibt es in einigen davon Charaktere mit eigener Perspektive, so dass die Geschiche plastisch erscheint und nicht nur an einem Ort erzählt wird. Um die Übersicht zu wahren, sind jedem Charakter einzelne Kapitel – ähnlich wie bei Das Lied von Eis und Feuer – zugeteilt. Manche sind dabei auch wirklich kurz gehalten und man erhascht nur einen kurzen Blick wie es auf der anderen Seite der Welt aussieht. Aber dadurch wurde mir eben der Einstieg erschwert. Im Verlauf dieses Buches wird sehr viel gereist bzw. geflohen und noch mehr gekämpft. Bis auf Charakterentwicklung und das Voranschreiten der Haupthandlung im Finale passiert sonst eigentlich nicht viel mehr. Zwar ist das storytechnisch schon alles in Ordnung und ist auch interessant geschrieben, doch mir war das inhaltlich etwas zu wenig auf über 800 Seiten. Das hat mir die Lektüre des Buches etwas erschwert, da mir diesmal die etwas langsamere Entwicklung z.B. von Corban fehlte. Ansonsten ist nun deutlich und bald auch allen klar, wer der Strahlende Stern und wer die Schwarze Sonne ist, also der jeweilige Paladin der zwei vorherrschenden Gottheiten, die nun gegeneinander in einem Krieg kämpfen werden. Das Schöne an der Sache ist, dass nach wie vor Nathair und sein Gefolge davon ausgehen, er sei der Strahlende Stern, wobei nun nach und nach Gefolgsleute dazustoßen, die eindeutig wissen, wer auf wessen Seite kämpft. Zwar wurde uns Lesern noch nicht eröffnet was Nathair nun denkt, als zwangsläufig auch ihm klar wird, dass er einem Schwindel aufgesessen ist. Am Ende ist jedoch klar welchen Hintergrund die vorher etwas zwielichtige Figur Meical hat und was Ghar für eine Vergangengeit verborgen hat. Corban bleibt sich treu und ignoriert erst einmal jegliches religiöses Gelaber und konzentriert sich auf das Wesentliche: Zunächst Edana in Sicherheit bringen und anschließend seine tot geglaubte Schwester Cywen aus den Fängen der Feinde zu retten. Ich hätte mir gewünscht, dass außerhalb von Reisen, Flucht sowie Kampf und Schlacht noch etwas mehr passiert oder andersherum man hätte hier auch gut etwas kürzen können. Aber nun gut, es ist so wie es ist und über Geschmack lässt sich nicht streiten. Die Charaktere sind nach wie vor toll gestaltet und die Geschichte als solche funktioniert auch prima. Ich hoffe nur, dass der nächste Band wieder etwas „mehr“ ist. Nach wie vor finde ich die Namesgebung der ersten beiden Bücher recht merkwürdig: Die deutschen Titel bestehen analog zu den Originaltiteln aus einem Wort. Der erste Band Macht heißt im Original Malice zu deutsch „Bosheit“. Bosheit widerrum ist allerdings der deutsche Titel dieses zweiten Bandes, welcher im Original Valour (Tapferkeit) heißt. Das ist zwar keineswegs tragisch, aber irgendwie unnötig irritierend. Doch ich muss sagen, die englischen Titel passen besser zum Inhalt. Fazit: Bosheit ist eine gelungene wenn auch sehr kampf- und reiselastige Fortsetzung der Reihe Die Getreuen und Gefallenen. Die Stärke dieser Reihe sind eindeutig die Charaktere, wenn ich auch zu Beginn dieser Lektüre ob der schlichten Masse an unterschiedlichen Perspektiven, etwas Schwierigkeiten hatte wieder in die Geschichte zu finden. Wie die Haupthandlung letztlich vorangebracht wird, hat mir gut gefallen und ich bin nun gespannt wie es weiter geht mit dem Strahlenden Stern und der Schwarzen Sonne, hoffe jedoch, dass der nächste Band nicht so sehr geprägt wird vom ständigen Fliehen, was Kämpfe mit Verfolgern nach sich zieht.

Lesen Sie weiter