Leserstimmen zu
Höllensturz

Ian Kershaw

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Diese Lektüre diente mir gewissermaßen als Recherche für meinen diesjährigen Nanowrimo Roman, der im ersten und zweiten Weltkrieg spielt. Erwartet hatte ich ein staubtrockenes Geschichtsbuch, welches nach der zweiten Seite langweilig wurde und mir unendliche Qualen verschaffte. Zu meinem Glück war dieses Buch nicht so. Der Autor versteht sich ausgezeichnet darauf, eine Geschichte aus vielen Blickwinkeln zu erzählen. So schildert er nicht nur die deutsche und französische Sicht auf die beiden Kriege, sondern geht auch ausführlich auf Russland und England ein. Gerade die Kapitel des ersten Weltkrieges gehören zu meinen Lieblingen. Doch auch der zweite Weltkrieg steht hoch in meiner Gunst. Ian Kershaw versteht sich einfach darauf, müde Fakten und Zahlen in einer spannenden Umgebung zu verpacken. Mein Highlight waren die Zitate aus Soldatenbriefen, die manchmal in den Kapiteln eingebaut waren. Lediglich die Zwischenkapitel, die die politische Lage zwischen den Weltkriegen beleuchtete, waren mir zu langatmig. Für dieses Buch braucht man nur zwei grundlegende Dinge: Zeit und jede Menge Hintergrundwissen, da einen die Faktenflut ansonsten schnell erschlägt. Gerade beim Thema „Ostfront“ sah ich mich manchmal einer Wand von Jahreszahlen gegenüber, die ich einfach nicht bewältigen konnte. Auch wenn es etwas seltsam erscheint, so möchte ich an dieser Stelle trotzdem über das Coverdesign sprechen. Einfach, weil es so simpel und doch irgendwie schön ist. Das Bild im Hintergrund zeigt einen Granateneinschlag, sowie einen Soldaten, der sich duckt um den tödlichen Splittern zu entkommen. Ansonsten sieht man weiße Schrift, die sich hervorragend vom dunklen Hintergrund abhebt. Einfach und wirkungsvoll- perfekt für ein Buch über Geschichte. Fazit: Abschließend kann ich sagen, dass mir dieser Band gut gefallen hat. Er vermittelt genügend wissen um die beiden Weltkriege zu verstehen- zeigt jedoch schwächen in den Zwischenkapiteln. Von mir bekommt Ian Kershaws „Höllensturz“ gute 4 von 5 Sternen.

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Klappentext Europa am Abgrund Das europäische zwanzigste Jahrhundert war geprägt von kriegerischen Auseinandersetzungen. Europa erlebte gewaltige Turbulenzen, die Hölle zweier Weltkriege in der ersten Jahrhunderthälfte und tiefgreifende Veränderungen. Der britische Historiker Ian Kershaw erzählt in einem meisterhaften Panorama die Geschichte dieses Kontinents vom Vorabend des Ersten Weltkriegs bis in die Zeit des beginnenden Kalten Kriegs Ende der vierziger Jahre, nachdem die europäische Zivilisation an den Rand der Selbstzerstörung gelangt war. Ethnische Auseinandersetzungen, aggressiver Nationalismus und Gebietsstreitigkeiten, Klassenkonflikte und die tiefe Krise des Kapitalismus waren die treibenden Kräfte, die Kershaw dabei besonders in den Blick nimmt. Neben den großen Entwicklungslinien in Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft schildert er auch immer wieder Erlebnisse und Erfahrungen einzelner, die einen Eindruck geben vom Leben im Europa der ersten Jahrhunderthälfte. Der Autor Ian Kershaw, geboren 1943, war bis zu seiner Emeritierung Professor für Modern History an der University of Sheffield und zählt zu den bedeutendsten Historikern der Gegenwart. Seine große zweibändige Biographie Adolf Hitlers gilt als Meisterwerk der modernen Geschichtsschreibung. Meine Meinung Story Wie kam es zum Ersten Weltkrieg? Warum waren die Länder Europas so erpicht darauf in den Krieg zu ziehen. War das Attentat auf den österreichischen Thronfolger wirklich der Auslöser. Warum wurde Deutschland bestraft. Und was führte schließlich zum Zweiten Weltkrieg? Wie konnte die NSDAP an die Macht kommen? Und warum haben die anderen Länder nicht schon viel früher interveniert um den Krieg zu verhindern, wo schon bei Hitlers Machtübernahme die Zeichen auf Krieg standen? Der Renommierte englische Historiker, der schon mit seiner Hitler Biografie für Furore gesorgt hat, erklärt in diesem Werk die Ereignisse und gibt antworten auf diese und viele andere Fragen. Schreibstil Das Buch ist gut verständlich und man kommt trotz einiger Fremdwörter zu einem flüssigen Lesen. Kershaw hat das Buch chronologisch aufgebaut. Im Wechsel erklärt er die Situation in den einzelnen Ländern. Er schildert sehr aufschlussreich, wie die Menschen den Krieg erlebten und was er ihnen brachte, bez abverlangte. Ausstattung Das Buch enthält zwei Bildteile mit insgesamt 30 Abbildungen, dazu kommen mehrere politische Karten Europas zu den einzelnen Epochen. Ein über 30 Seiten langer Anhang mit ausgewählter Literatur, sowie ein Sach und Namensregister runden das 766 seitige Werk ab. Fazit Nehmen wir es vorweg, ich denke, dass Ian Kershaw wiedermal ein Buch geschrieben hat, das Maßstäbe setzten, könnte. Kershaw versteht es wie kein Zweiter die Ereignisse von 1914 bis 1949 dazustellen und dem Leser nahezubringen. Sehr ausgewogen erklärt er die jeweilige Situation in den Ländern Europas. Das Werk ist ein Sachbuch, bei dem es eine Freude ist, es zu lesen, ja Ian Kershaw versteht es sogar, eine gewisse Spannung reinzubringen. Im Gegensatz zu nahezu allen anderen Büchern über den ersten oder Zweiten Weltkrieg hört sein Werk nicht mit der Kapitulation Deutschland auf, sondern geht noch weiter und er erklärt, wie es nach den jeweiligen Kriegen weiterging. Sehr anschaulich vermittelt er ein Bild der jeweiligen Klassen. Das Buch ist der erste Teil einer zweibändigen Reihe und man darf gespannt sein, wie es weitergeht. Meine Empfehlung wäre: Das Buch als Schulbuch rauszubringen der interessierte Schüler weiß nach Lektüre des Werks, was man über die Geschichte Europas wissen sollte. Das beste Sachbuch, das ich je gelesen habe. Ich vergebe volle fünf von fünf Leseratten/Sternen und eine absolute Leseempfehlung. Autor: Ian Kershaw

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Es hätte, was die erzählerischen und sprachlichen Qualitäten Kershaw´s angeht, der Vorgabe des Verlages nicht unbedingt bedurft, Fußnoten aus dem fließendem Text des Werkes zu verbannen (nur das ausführliche Literaturverzeichnis zeigt in aller Breite auf, wo Kershaw´s Quellen und Grundlagen zu finden sind). Aber diese Vorgabe nutzt Kershaw, um einen noch erzählerischeren, kompakten, frei fließenden und sprachlich hervorragend, in Teilen fast wie einen Roman zu lesenden, Stil vorzulegen, der allein schon die Lektüre dieses Buches zu einer wahren Freude werden lässt. Zweiteilig angelegt bietet der emeritierte Historiker in diesem ersten Band die Konzentration auf die Ereignisse von 1914 bis 1949. Wobei das nicht ganz zutrifft, denn auch die großen Entwicklungslinien des 19. Jahrhunderts, die aufkommenden Unruhen, die sich zu sicher wähnenden Führer der Welt, die Probleme starker Minderheiten in Machtsphären und vieles mehr führt Kershaw an und rüstet den Leser damit bestens aus, all die Ereignisse, die folgten, in einem klaren Bezugsrahmen zu verstehen. Antisemitismus, Nationalismus, Schieflage des Kapitalismus, das Aufstreben Russlands, die Fantasien von „Weltherrschaft“ beim deutschen Kaiser (und später bei Hitler), es sind zudem auch soziale Verwerfungen, gesellschaftliche „Haltungen“ (wie gerade der Antisemitismus in Frankreich und anderen Orten der Großreiche), welche bereits den ersten Weltkrieg mitbedingten (der nicht „zufällig“ oder durch gravierende Fehlentscheidungen oder eine dumme „Nibelungentreue“ des deutschen Kaisers gegenüber Österreich entstanden ist). Und das gleiche gilt für das Werk „nach hinten heraus“. Nicht die Zäsur der Kapitulation ist für Kershaw der natürliche Abschluss dieser Jahre des Abgrundes der Zivilisation, sondern die Jahre bis 1949, bis zu einer „Neuordnung“ der Welt und einer sich klar abzeichnenden „Frontenstellung“ der Siegermächte bilden Endpunkt dieser zerstörerischen Jahre und Einstellungen und zugleich den Wendepunkt und Neustart in Europa. Vier Linien sind es, die Kershaw dabei ebenso klug wie überzeugend wie detailliert durch die chronologisch gesetzten Hauptkapitel und die darunter thematisch orientierten Unterkapitel von Beginn an setzt. Zunächst erfolgte, trotz des real wachsenden Wohlstandes und vermehrt „internationaler Beziehungen“, die Entfaltung eines ethnisch -rassistischen Nationalismus. Eine schon Ende des 19. Jahrhunderts vorliegende Strömung in Europa, die durch den unsäglichen revanchistischen Abschluss des ersten Weltkriegs aufgeputscht und „salonfähig“ wurde. Eng verzahnt mit diesem ersten Ursprung, der zum zweiten Weltkrieg eine klare Linie aufzeigt, sind erbitterte, unversöhnliche territoriale Revisionsforderungen. Aus den Trümmern alter Großreiche neue Nationen zu formen und dabei die Strömungen innerhalb starker ethnischen Minderheiten in den einzelnen Staaten kaum zu berücksichtigen. Allen voran Italien, zwar Siegermacht, aber in den Zielen territorialer Erweiterung massiv enttäuscht und damit offen für stark nationalistische Strömungen, die im Faschismus ihren (traurigen) Höhepunkt dann fanden. Dazu gesellte sich ein zweites „Doppelpaar“ von Entwicklungen. Der durch die Revolution in Russland eine Form, ein Gesicht, einen „Staat“ erhaltender Klassenkampf, verbunden mit einer langanhaltenden Krise des Kapitalismus. Zwar war die Welt vor dem ersten Weltkrieg „global“, dennoch aber hatten weite Teile der Bevölkerung Europas kaum am riesigen Warenumschlag profitiert, die „Schere“ zwischen arm und reich war enorm, was sich gerade in den Weimarer Jahren und den Wirtschafskrisen jener Zeit zu einer gefährlichen Mischung entwickelte. Mit dem Bolschewismus lag nun eine sichtbare, staatliche „Alternative“ vor Augen, welche die Klassenkämpfe auf die Straßen und in die Auseinandersetzungen der Staaten mit hineinbrachte. Dass dabei bestimmte, konkrete Kräfte, gerade das deutsche Kaiserreich, bei dieser Entwicklung eine aktive und kriegstreibende Rolle einnahm, dass hier keine „Zufälle“ oder „unglückselige Verkettung“ die Welt an den „ersten Abgrund“ führten, auch das stellt Kershaw eindeutig und mit hervorragenden Argumenten dar. Wie er ebenso den Machtaufstieg Hitlers und die Abläufe, aber auch inneren Haltungen der handelnden Personen auf dem Weg zum und im zweiten Weltkrieg auf den Punkt erläutert. Schon bei der Betrachtung dieser vier Grundlinien, auf die Kershaw immer wieder rekurriert (und die er scheinbar mühelos aus allen denkbaren Perspektiven des damaligen Europa reflektiert) und diese aufzeigt im Verlauf der Jahrzehnte, die er in den Mittelpunkt rückt, zeigt sich, dass durchaus aktuelle Bezüge nicht von der Hand zu weisen sind. Die Kershaw mit herausarbeitet und damit aus der Geschichte der Gegenwart eine deutliche Warnung zukommen lässt. Denn gerade die Ungleichheit zwischen Volk und Fürsten, Eliten sorgt für einerseits sozialen Sprengstoff (der sich im Antisemitismus u.a. ein Ventil suchte), und andererseits eine hohe Unzufriedenheit mit dem „Ist-Zustand“, der demagogische Steilvorlagen bot, die an vielen Orten gesehen und genutzt wurden. Da ergeben sich vielfache Parallelen zur Gegenwart und zu aktuell auftretenden Strömungen, die nationalistisch, teils rassistisch und von tiefem Misstrauen gegen die „Entscheider“ mehr und mehr geprägt wird. Und das in ganz Europa. Glänzend erzählt, die großen Linien aufzeigend, ohne zu versäumen, in wichtigen Fragen in die Tiefe zu gehen, ist dies ein hervorragendes, auch für interessierte Laien ohne Abstriche zu empfehlendes Buch. Das nicht den Anspruch erhebt, Geschichte ganz neu darzustellen, sondern auf dem Boden einer sehr breiten historischen Forschung eine Gesamtschau darstellt, die Hand und Fuß aufweist.

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