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Leserstimmen (42)

Tess Gerritsen: Totenlied

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Hörbuch MP3-CD (gek.) ISBN: 978-3-8371-3989-1

Erschienen:  16.10.2017
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Vorsicht, kein Vergleich zu Rizzoli-&-Isles

Von: Buecher Loewe Datum : 11.05.2018

buecherloewe.de

Zuerst mal zu Mechthild Großmann, ihre Stimme ist einfach sehr speziell und in meinen Ohren richtig klasse!

Was das angeht ist der Hörgenuss schon mal richtig gelungen.

Ich bin ja ein großer Freund der Rizzoli-&-Isles-Thriller, aber man muss sich schon darüber im Klaren sein, dass es sich um ein gänzlich anderes Projekt der Autorin handelt.

Eigentlich haben wir es hier fast mit zwei Geschichten zu tun, die von der Autorin gekonnt gekoppelt werden. Auf der seinen Seite steht ein Musikstück welches in Italien um 1940 erschaffen wurde. Dieses Musikstück beeinflusst auch das heutige Leben einer jungen Frau.

Die dunkle Zeit der Judenverfolgung ist sehr real geschildert und verursacht keine guten Gefühle, aber ich denke es ist mitunter auch sehr wichtig genau diese Zeit immer mal wieder in den Fokus der Menschen zu rücken.

Julia, eine Hauptperson in diesem Buch ist in meinen Augen sehr gut beschrieben, man spürt ihre Angst und ihre Zerrissenheit, aber auch die andere Hauptfigur hat jede Menge zu bieten. Auch Lorenzo ist eine beeindruckende Persönlichkeit.

Ich für mich würde dieses Buch allerdings nicht unbedingt als Thriller sehen. Es ist natürlich sehr spannend und unterhaltsam. Auch das Ende konnte mich wirklich überraschen.

Eine gelungene Komposition.

Eine ganz neue Tess Gerritsen

Von: Buchina Datum : 28.02.2018

buchzeit.blogspot.de

Der Roman startet sehr ungewöhnlich, richtig mystisch. Violinistin Julia lebt für ihre Musik und ihre kleine Tochter. Doch dann ändert ein neues Musikstück, die Noten dafür hat sie in beim letzten Italienbesuch gekauft, ändert ihr Leben. Plötzlich zeigt ihre kleine 3 jährige Tochter Wesensänderungen. Julia ist erschüttert und hat Angst, dass ihre eigene Familiengeschichte damit zusammenhängt, aber dann rückt das neue Musikstück in ihren Blick. Kann diese Musik ihre Tochter verändert haben, Julia muss wissen wer die Musik geschrieben hat und begibt sich auf die Suche.
Damit eröffnet sich ein zweiter Erzählstrang, der vor dem zweiten Weltkrieg in Venedig beginnt. Dort begleitet man den jungen Lorenzo, der für die Musik lebt bis er seiner Liebe begegnet. Nun ist das Hauptaugenmerk auf dieser historischen Erzählung. Für mich eine ganz neue Seite von Gerritsen. Sie hat sich damit an ein sehr interessantes Thema gewagt: die Judenverfolgung in Italien. Für mich ein ganz neuer Aspekt.
In der Mitte des Romans gab es für mich einige Längen. Am Ende steigerte sich dafür der Spannungsbogen nochmal sehr und endete schließlich für mich völlig überraschend. Auch wenn ich mit den Charakteren insgesamt etwas zu kämpfen hatte, so richtig warm wurde ich mit keinem richtig. Aber die Geschichte ist interessant und ungewöhnlich. Gleichzeitig wusste ich immer nicht, ob ich Julia glauben sollte, kann ein Musikstück einen Menschen ändern? Diese Fragen bleiben die ganze Zeit, bis schließlich dieses sehr überraschende Ende kam, was alle Fragen logisch löst. Einen weiteren großen Pluspunkt gibt es dafür, dass ich einiges gelernt habe und mir ein neuer Aspekt der Judenverfolgung aufgezeigt wurde. Tess Gerritsen kann gerne weiter solche Romane schreiben.
Mechthild Großmann kenne ich auch schon von anderen Gerritsen Hörbüchern. Ihre rauchige Stimme ist unverwechselbar, aber für mich auch gewöhnungsbedürftig. Dennoch spricht sie sehr gut und vor allem Julias Unsicherheit und Angst hat sie sehr gut rüber gebracht. Das Cover an sich gefällt mir, aber erinnert mich zu sehr an die Rizzoli Romane, was ich verwirrend finde, da dieser Roman auch in eine ganz andere Richtung geht und mit dem ähnlichen Cover Erwartungen geschürt werden, die gar nicht zu erfüllen sind.

Damit hätte ich nicht gerechnet

Von: Shondra Datum : 19.10.2017

shondrasblogwelt.com

Gelesen von Mechthild Großmann erschienen im RandomHouse Verlag

!Achtung Spoiler!

Von einer Italienreise bringt Violistin Julia Ansdell ein altes Notenbuch mit nach Hause. Sie ist fasziniert von dieser alten Walzerkomposition „Incendio“ doch jedesmal wenn sie diese spielt, passiert etwas schreckliches.

Irgendetwas Böses ergreift das Wesen ihrer kleinen dreijährigen Tochter, so tötet sie etwa die Katze und sticht mit einer Glasscherbe auf die Mutter ein.

Julia versucht ihrem Mann die Vorfälle zu erklären, und das es irgendetwas mit Incendio zu tun haben müsse. Auch sucht sie Rat bei Ärzten und auch dort stößt sie auf unverständnis. Es kommt soweit das man das Problem bei ihr sucht und sie einweisen möchte. Ihre Freundin Greta ist da viel aufgeschlossener und beide Frauen machen sich auf die Reise nach Venedig um den unbekannten Komponisten ausfindig zu machen.

Parallel erfahren wir von der Geschichte von der Italienerin Louisa und dem Juden Lorenzo Komponist von Incendio. Verbunden durch die Liebe zur Musik, getrennt durch die wirren des Krieges und den Hass auf Juden. Es dauert eine Weile bis beide sich finden, doch dann ist es auch schon fast zu spät, die Deportationen stehen an. Louisa und ihr Vater versuchen die Familie von Lorenzo zu verstecken, aber sie werden entdeckt und schließlich doch Deportiert.

In Venedig machen die beiden Frauen sich auf die Suche nach der Adresse die sie auf der Komposition gefunden haben. Sie finden heraus das es sich bei dem Komponisten um Lorenzo handelt, und versuchen mehr über ihn zu erfahren und wie das Musikstück dann dort gelandet ist. Diese Suche bringt sie in Gefahr, denn gewisse Personen in Machtpositonen möchten nicht das die Geschichte ans Licht kommt.

Ich bin schon lange ein Tess Gerritsen Fan, ihre Bücher und vorallem die Rizzoli & Isles Reihe haben es mir angetan. Aber sind wir mal ehrlich Tess Gerritsen hat einen wunderbar fesselnden Schreibstil den sie auf alle ihre Bücher überträgt. Mit Mechthild Großmann haben wir hier wahrlich eine Stimm Jongleurin die zu begeistern versteht.



Das Rezensionsexemplar wurde mir kostenlos zur Verfügung gestellt.

Walzer des Grauens

Von: Sandra Matteotti Datum : 11.07.2017

denkzeiten.com

Immer wenn amerikanische Violinistin Julia Ansdell auf ihrer Geige den Walzer Incendio spielt – sie hat ihn von einer Italienreise mitgebracht – verhält sich ihre kleine Tochter merkwürdig. Einmal tötet sie die Katze, dann greift sie Julia an. Keiner hat eine Erklärung, woher die Verhaltensveränderungen der kleinen Lily kommen, weder deren Vater noch herbeigezogene Psychologen. Julias Vermutung, es könnte mit dem Lied zusammenhängen, glaubt aber keiner.

Julia lässt der Gedanke, dass ein Zusammenhang zwischen der Komposition und Lilys Verhalten besteht, nicht los, und sie reist nach Italien, um der Herkunft des Liedes auf die Spur zu kommen. Es ist zugleich eine Reise in die Vergangenheit, eine Reise in die Zeit des 3. Reiches.

Zum Inhalt
Ein Thriller ist die vorliegende Geschichte meines Erachtens nicht, es fehlen ihr alle für dieses Genre qualifizierenden Eigenschaften. Wer also einen Thriller erwartet, könnte von dem Buch mehr als enttäuscht sein, da es als einzigen Spannungspunkt das aufzudeckende Geheimnis hat, welches aber durch die ganzen Rückblenden in die Geschichte immer wieder an den Rand gedrängt wird.

Zum Hörbuch
Wer kennt Mechthild Grossmann nicht mit ihrer wunderbar sonoren Stimme. Die Aussicht, von ihr ein Hörbuch gelesen zu geniessen, war wunderbar. Wie gross dann die Enttäuschung. In diesem Roman kommen mehrheitlich Frauen, Kinder und junge Männer vor – allesamt haben sie hohe Stimmen, so dass Mechthild Grossman fast permanent nur am Säuseln ist. Die Momente, in denen sie ihre Stimme richtig klingen lassen kann, sind dünn gesät. Das Gesäusel jedoch kann mit der Zeit gehörig auf die Nerven gehen – mir ging es so. Ich musste das Hörbuch abbrechen.

Fazit:
Die Geschichte ist kein wirklicher Thriller, hat aber durchaus Spannungsmomente. Leider passt die Stimme von Mechthild Grossmann – so wunderbar sie ist – nicht zu den Figuren des Romans. Leider eine Enttäuschung auf mehreren Ebenen.

Totenlied

Von: Kleine Bücherinsel Datum : 14.09.2016

www.monesleseinsel.blogspot.de

Wow! Einfach nur wow! Das Buch und die Sprecherin haben mir den Atem verschlagen.

Die Violinistin Julia Ansdell bringt aus Italien ein altes Notenbuch mit, in dem sich alte Zigeunerweisen befinden. Und dort ist auch ein Stück, welches sich von all den anderen Stücken abhebt. Incendio - Feuer. Doch als sie das Stück spielt, geschieht etwas Grauenhaftes und es wiederholt sich, als sie es noch einmal übt. Also würde etwas Böse in dem Stück nur darauf lauern Julias kleine Tochter zu verändern.
Doch niemand glaubt Julia und somit entschließt sie sich, erneut nach Italien zu reisen und das Geheimnis der Komposition zu lüften.

Tess Gerritsen ist durch ihre Romanreihe rund um Rizzoli und Isles bekannt geworden und nun hat sie etwas Neues gewagt. Denn Totenlied ist so anders als ihre bisherigen Bücher. Es gibt keinen typischen Ermittler, es gibt keinen typischen Mörder. Es ist das erstmal nicht greifbare, was mich an das Buch gefesselt hat. Ein Walzer, etwas Harmloses, wo aber soviel Macht drin steckt und eine Geschichte, die mich oft Schlucken ließ.

Die Geschichte spielt sowohl in der Gegenwart, rund um Julia und ihre kleine Tochter, den Vorfällen die geschehen sind, als Julia das Stück gespielt hat und ihren Entschluss, Nachforschungen anzustellen, als auch in der Vergangenheit, die mit dem Stück und einem traurigen Teil der Geschichte Venedig zu tun haben.

"Totenlied" gelesen von der wunderbaren Mechthild Großmann. Was für eine geniale Stimme diese Frau hat, der Wahnsinn. Sie hat mich an das Hörbuch gefesselt und sie hat mich süchtig gemacht. Das hat bis jetzt kaum einer geschafft. Diese rauchige, dunkle Stimme hat mich durch die Geschichte getragen. Ich bin sprachlos und ich habe jede Minute genossen.

Tess Gerritsen hat mit "Totenlied" mich auf eine ganz andere Weise geängstigt, als die gängigen Thriller es sonst machen. Hier geht es um die Macht der Musik, so wie ich es nicht für möglich gehalten hätte. Das Buch ist melancholisch und intensiv und Mechthild Großmann war die perfekte Sprecherin für dieses Buch.

Für ganz schwache Nerven, die es nicht gerne haben, wenn Tiere zu Opfer werden, die sollten lieber die Finger von dem Buch lassen.

Nichts für sensible Katzenbesitzer

Von: frischgelesen.de Datum : 03.09.2016

frischgelesen.de

Auf das Hörbuch „Totenlied“ von Tess Gerritsen haben wir uns sehr gefreut. Ich hatte ja schon oft erwähnt, dass meine Familie es liebt, gemeinsam Geschichten zu hören. Und die Story um die Violinistin Julia Ansdell klang sehr vielversprechend.
Während ihrer Italienreise entdeckt sie in einer geheimnisvollen Buchhandlung ein altes Notenheft mit einer faszinierenden Walzerkomposition. Julia Ansdell ist von dem Stück tief beeindruckt, doch während sie sich beim Violinespielen in dem Stück verliert, geschehen furchtbare Dinge und niemand will die Zusammenhänge zum mysteriösen Stück erkennen.
Klingt sehr spannend, oder?

Ich habe mir in der Vergangenheit angewöhnt, die ausführlichen Beschreibungen der Handlung nicht mehr durchzulesen, da oft Wendungen verraten werden, die ich eigentlich erst erlesen möchte. So hielt ich es auch beim „Totenlied“ von Tess Gerritsen. Allerdings hätte mich hier vielleicht der Hinweis auf das erste Opfer des geheimnisvollen Musikstückes vom Hören abgehalten. Es ist nämlich die Katze der Familie Ansdell, die von der dreijährigen Tochter getötet wird. Und als sensible „Katzenmami“ war ich mehr als schockiert über den brutalen Start in die tragischen Ereignisse.
Wahrscheinlich wird dieser Vorfall auch deshalb auf der Innenklappe des Hörbuches schon erwähnt, eine kleine Warnung sozusagen: Nichts für zartbesaitete Katzenliebhaber.

Nachdem die Geschichte für meine Begriffe zu splattermäßig beginnt, nimmt sie dann einen eher ruhigeren Verlauf in Form der Suche nach dem Urheber des „bösen“ Musikstückes. Die Protagonistin reist zurück nach Italien und kommt diversen Verstrickungen auf die Spur. Das bringt natürlich auch sie selbst in große Gefahr.

Die Auflösung der Geschichte hat uns nicht so sehr überrascht und das „Totenlied“ kam bei uns nicht wirklich gut an. Das lag nicht nur am unsensiblen Auftakt mit dem Haustier.
Nein, für mich persönlich lag es daran, dass ich es nicht nachvollziehen kann, dass ein derartiges Musikstück Böses ausrichten soll. Die tragischen Ereignisse, die mit seiner Entstehung zu tun haben, machen es für mich nicht automatisch böse.

Musik kann traurig und glücklich machen, aber böse?

Vielleicht bin ich einfach nicht der richtige Empfänger für derartige Storys. Die rohe Gewalt am Anfang des „Totenlied“ von Tess Gerritsen spricht mich als Leser oder in diesem Fall als Hörerin nicht an. Es passt für mein Empfinden auch nicht zum sehr sensiblen Thema, was Tess Gerritsen hier gewählt hat.

Außerdem spiele ich selbst Klavier und schreibe auch ab und an kleine Stücke. Für mich ist Musik immer gut und ich mag die Vorstellung nicht, dass eine Komposition dreijährige Mädchen zu Monstern macht. Ganz egal, wie traurig auch die Umstände des Komponisten waren. Er war doch kein böser Dämon, der seine Musik zum Töten in die Welt schickte. Ich hätte mir ein anderes Denkmal gewünscht, was Tess Gerritsen hier einer sehr düsteren Zeit setzen wollte.

Die Autorin Tess Gerritsen war Ärztin bevor sie mit dem Schreiben begann, deshalb sind ihre medizinischen Ausführungen sehr detailliert und genau. Ihre Romane rund um die Detektivin Jane Rizzoli gehören weltweit immer wieder zu den Bestsellern. Bei der Hörversion bekommt man auch das geheimnisvolle „Totenlied“ zu hören. Es wurde von Tess Gerritsen selbst komponiert.

Gesprochen wird das Hörbuch von Mechthild Großmann, die bereits mit Fassbinder und mit Pina Bausch arbeitete. Ihre Stimme ist wirklich unverkennbar und ich mag sie sehr gern. Aber diese eindrucksvolle Stimme passt definitiv nicht zur Protagonistin im „Totenlied“ von Tess Gerritsen. Die Violinistin Julia Ansdell ist Mitte dreißig und ich stelle sie mir einfach mit einer anderen, viel weicheren Stimme vor. Genauso wie bei der dreijährigen Tochter, passt hier Mechthild Großmanns Stimmlage nicht zu meiner Phantasie.

So, nun habe ich meine Meinung kundgetan, möchte aber ausdrücklich betonen, dass das „Totenlied“ von Tess Gerritsen bei vielen anderen Lesern und Hörern sehr gut ankommt. Ihr solltet euch also auf jeden Fall selbst eine Meinung bilden, die Geschmäcker sind bekanntlich verschieden.



Nur ein Walzer

Von: wal.li Datum : 22.08.2016

wallis-buechersichten.blogspot.de/

In einem Trödelladen in Rom entdeckt die Musikerin Julia Ansdell ein altes Notenblatt. Wegen ihrer musikalischen Ausbildung kann sie sich die Melodie des Walzers gleich vorstellen und sie muss das Stück unbedingt haben. Voller Stolz präsentiert sie das Stück nach ihrer Heimkehr ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter. Das Vorspielen des anrührenden Walzers scheint allerdings beinahe schon unheimliche Auswirkungen zu haben. Beim ersten Mal findet Julia den betagten Familienkater tot, offensichtlich wurde er mit mehreren Stichen getötet. Das zweite Mal endet damit, dass Julia eine Wunde von einer Scherbe in ihrem Bein hat. Das kann doch nicht ihre erst dreijährige Tochter gewesen sein. Aber sonst war niemand da…

Des Öfteren überziehen sich die Arme mit einer Gänsehaut, wenn man zuhörend verfolgt, was mit Julia Ansdell und ihrer Familie geschieht. Es ist doch nicht möglich, dass so ein kleines Kind auf die eigene Mutter losgeht, oder? Doch das ist nur ein Teil. Julia möchte ergründen, weshalb ein unschuldiges Musikstück solch negative Auswirkungen auf sie hat. Und so offenbart sich nach und nach die tragische und berührende Geschichte des Musikstücks, des grauenvollen Schreckens, dem sein Komponist ausgesetzt war, aber auch einer großen Liebe.

Unheimlich, unheimlich berührend und ausgesprochen spannend, was Tess Gerritsen hier hervorgebracht hat. Ganz anders als die Rizzoli & Isles Krimis und gerade weil sich dadurch eine andere Facette der Autorin offenbart besonders faszinierend. Verstärkend kommt hinzu, dass Mechthild Großmann ihre Stimme hervorragend einzusetzen versteht. Von dem dahin gehauchten „Mami!“ mag man zunächst kaum glauben, dass es in ihr steckt. Und wie sie es vermag, den sehr unterschiedlichen Szenarien stimmlich gerecht zu werden, ist schon eine besondere Kunst. Gefesselt gibt man sich den Schauern hin, die die Geschichte und ihr Vortrag entfesseln. Ein ungewöhnlicher Thriller, in dem die europäische Geschichte geschickt mit den bedrohlich wirkenden Ereignissen der Gegenwart verknüpft wird.

Bravo, Tess Gerritsen. Bravo, Frau Staatsanwältin.

4,5 Sterne

Grandios

Von: Angelika O. Datum : 05.08.2016

kaltefuesseundhaende.wordpress.com

Puhh was für ein Thriller! Wirklich meisterhaft! Endlich wieder einmal ein Einzelband der Autorin abseits von Rizzoli und Isles. Darauf habe ich gewartet und wurde nicht enttäuscht. Passend dazu eingesprochen von einer großartigen Mechthild Großmann. Ihre rauchige und trotzdem vielschichte Stimme machte aus dem Spannungsroman ein Hörerlebnis, auch wenn es sich leider, leider wieder einmal um eine gekürzte Lesung handelt. Aber egal, es war einfach nur toll!

Die Geschichte beginnt recht unspektakulär und ruhig, aber doch mit einem leicht unguten Gefühl in einem recht düsteren und verstaubten Antiquariat in Rom. Zurück in den USA erlebt man dann das Grauen, das der Musik entspringt das erste mal. Etwas Bösartige ergreift scheinbar Besitz von Julias Tochter, immer wenn sie den Walzer spielt. Niemand hat eine Erklärung dafür. Julia wird immer verzweifelter und ist psychisch am Ende. In einer Klinik soll sie sich von den Strapazen erholen und wieder zur Ruhe kommen. Doch bevor es dazu kommt reist Julia nach Venedig. Sie ist sich sicher, dass sie dort Antworten auf das Verhalten ihrer Tochter bekommen wird, denn der Komponist des Feuer-Walzers stammt aus der Lagunenstadt ….

Lorenzo ist ein begnadeter Violinist und träumt von einer Musikkarriere. Zusammen mit der Tochter eines angesehenen Professors möchte er an einem Musikwettbewerb teilnehmen. Als endlich der Tag gekommen ist, wird es für den jungen Mann der schrecklichste Tag seines Lebens. Denn Lorenzo ist Jude, Hitler ist an der Macht und auch im faschistischen Italien werden Menschen seiner Rasse denunziert. Fortan bleibt Lorenzo nur noch die Arbeit im Musikgeschäft seines Vaters. Im Glauben an das Gute, kann sich niemand in Lorenzos Familie vorstellen, dass es für Juden in Venedig nicht mehr sicher ist ….

Der Thriller bietet doppelte Spannung. Einerseits ist da Julias Geschichte. Diese ist vom Aufbau so gut gemacht, dass man eher einen Horrorroman denn einen Thriller dahinter vermutet. Andererseits ist da Lorenzos Geschichte. Eine Liebesgeschichte deren Tragik sich als der eigentliche Horror entpuppt. Beide Handlungsstränge sind unabhängig voneinander. Der Thriller besticht vor allem aber durch seine überraschenden Wendungen. Und davon gibt es mehrere. Das Ende ist überraschend und richtig richtig gut!

Mein Fazit:

Ein gelungener Thriller, der meine Erwartungen bei weitem übertroffen hat. Das Musikstück am Ende der Hörbuchfassung ist auch hörenswert, echt gelungen!

So viel Traurigkeit ...

Von: WolfgangB Datum : 04.08.2016

www.buecherkaffee.de

Zugegeben, die Inhaltsangabe ist irreführend: Angesichts der Beschreibung würde man sich eine Geschichte erwarten, die harmlos, unschuldig, subtil mit einem verschollenen Musikstück beginnt und dann wie auf einer schiefen Ebene langsam aber unausweichlich auf die Katastrophe zusteuert. Die ersten Kapitel bestätigen diesen Eindruck ja noch. Als die Violinistin Julia die Melodie zum ersten Mal spielt, verfällt sie selbst in eine Art Trance, ihre vierjährige Tochter hingegen ersticht auf brutale Weise die Hauskatze. Eine diabolische Komposition also, die eine Persönlichkeitsveränderung bewirkt und Menschen in mörderische Bestien verwandelt, wo das Grauen sich erst hinterhältig einschmeichelt, bevor es sich als solches zu erkennen gibt ... eine solche Geschichte würden wir am ehesten von Stephen King oder Marc Raabe erwarten. Wenn eine Mutter plötzlich nicht mehr weiß, ob sie ihrer Tochter noch trauen kann - eine solche Situation erinnert auch an das schaurige Debüt von S. K. Tremayne, "Eisige Schwestern".

Doch als man sich bereits mitten im Rätseln findet, ob nun Julia ihren Verstand oder ihre Tochter die kindliche Unschuld verliert, ändert die Autorin schlagartig den Kurs. Der Leser findet sich im Venedig des frühen zwanzigsten Jahrhundert. Lorenzo, Sohn eines Geigenbauers, entpuppt sich als ein musikalisches Wunderkind, das über die seltene Gabe des Absoluten Gehörs verfügen dürfte. Im Zuge der Vorbereitungen auf einen Wettbewerb verliebt er sich in seine Partnerin, die Tochter eines befreundeten Professors. Tess Gerritsen zelebriert ihre Hingabe an die Musik, setzt geschickt Harmonien und Akkorde als Metaphern für jugendliche Leidenschaft ein. Die universelle Sprache artikuliert sich über zwei Saiteninstrumente im Gleichklang, und jede verbale Kommunikation wird redundant.
Doch nicht nur der nahende Wettbewerb markiert ein fixes Ablaufdatum der regelmäßigen nachmittäglichen Probespiele. Immerhin schreiben wir das Jahr 1938, und Lorenzos jüdische Herkunft stößt immer öfter auf Argwohn unter seinen Zeitgenossen. Die Anzeichen, daß der jungen Liebe ein furchtbares Ende beschieden sein wird, mehren sich, die schwere Melancholie erinnert an den Film "Casablanca". Schließlich erreicht der Krieg auch Italien, und die ersten Deportationen beginnen. Menschen werden wie Tiere zusammengepfercht, ein Gerangel um die letzten verbliebenen Nahrungsreste setzt ein:

"... weil Brot wie Luft war, etwas, was man als selbstverständlich hinnahm. Und dabei war es doch der Grundstock jeder Mahlzeit."

Nun entfaltet die Geschichte ihre wahre Tragik. Im Interview mit dem Büchermagazin (Ausgabe 5/2016) verweist die Autorin auf eine Gedenktafel für 246 getötete Juden in Venedig, denen sie mit ihrem Roman ein weiteres Denkmal setzen wollte. Der Name Tudesco erregte ihre Aufmerksamkeit, er wurde zum sympathischen Protagonisten. So vollzieht sie das Schicksal dieser Menschen nach, verleiht den Namen Gesichter, ihren Stimmen Gehör.

"Wie schnell man doch aus einem Menschen ein jämmerliches Häufchen Elend machen kann", entlädt sich die Ungewißheit in einem Seufzen ...

Natürlich kann die Geschichte um Lorenzo, den venezianischen Virtuosen nur tragisch enden, alles andere würde der Ernsthaftigkeit des Themas nicht gerecht werden. Und natürlich muß diese aus der Distanz der Gegenwart - in Julias Part - aufgelöst werden. Die Weise jedoch, in der sie dazu motiviert wird, die Herkunft des Moll-Walzers zu erkunden, verwässert die Gesamtkomposition, indem sie einer Geschichte, die ihre intensivste Wirkung entfaltet, wenn sie wohl geerdet ist, eine unnötige metaphysische Komponente verleiht. Die kleinen Anleihen im Genre Psychothriller wirkt, als würde der titelgebende Moll-Walzer durch eingeflochtene Polka-Variationen aufgelockert, um ihm an Schwere zu nehmen. Somit dient lediglich dieses Musikstück als verbindendes Element. Was über weite Strecken fehlt, ist die schlüssige Erklärung, die zwingende Notwendigkeit, warum genau diese beiden Teilgeschichten - und keine anderen - zusammengehören. Erst, als man Julia in Venedig nach dem Leben trachtet, weil sie durch ihren Fund unfreiwillig zur Schlüsselfigur einer politischen Verschwörung geworden ist, scheinen die beiden Erzählstränge so etwas wie eine gemeinsame Tonart gefunden zu haben. Erst ab diesem Zeitpunkt wirken sie nicht mehr so, als würden sie der Autorin als Füllstoff für den jeweils anderen dienen. Erst ab diesem Zeitpunkt sind die gedanklichen Hindernisse beiseite geräumt, ist der Weg frei für eine Auflösung, für die man der Autorin für alle Zweifel Abbitte leistet.

Mechthild Großmann, die Sprecherin der Hörbuchfassung, klingt, als würde sie ihre rauchige Erzählstimme täglich mit einem Übermaß an Zigarettenkonsum kultivieren. Dem resultierenden Vortrag möchte man stundenlang lauschen ... wenn er als Erzählinstanz die Ereignisse aus der Vogelperspektive schildert oder bedächtige Männerstimmen intoniert. Höhere Tonlagen wie Frauen- und Kinderstimmen hingegen klingen spröde und brüchig, und auch der Akzent italienischer Figuren läßt eher an sibirische Auftragsmörder als an heißblütige Südländer denken. Großmann mag in ihrer Rolle als Stammsprecherin von Tess Gerritsen engagiert worden sein, für diese spezielle Geschichte hingegen scheint sie nicht die optimale Wahl darzustellen.

Ein ganz besonderes Zuckerl hat die Hörbuchversion gegenüber der gedruckten ganz bestimmt zu bieten: Das zentrale Musikstück ist nämlich keine bloße Fiktion, sondern wurde von der Autorin selbst komponiert. Wenn also auf den tief bewegenden Epilog melancholische Walzer folgt, erlebt der Roman einen letzten, aufwühlenden Höhepunkt, der ihn zu einem synästhetischen Gesamterlebnis abrundet.


PERSÖNLICHES FAZIT

"Totenlied" ist eine hoch einfühlsam erzählte Geschichte der amerikanischen Erfolgsautorin, die ausnahmsweise nicht von der burschikosen Bostoner Polizistin und ihrer perfektionistische Kollegin aus der Pathologie handelt. Gerade weil sie ihre berührendsten Momente in jenen Passagen offenbart, die am stärksten auf historischen Begebenheiten beruhen, wirken die anderen, die stärker von erzählerischer Freiheit geprägt sind, oft nicht gänzlich stimmig.

Ein grandioser Thriller, den sich niemand entgehen lassen sollte.

Von: Krimine Datum : 31.07.2016

krimines-buecherblog.blogspot.de/

Die Violinistin Julia Ansdell entdeckt in einem Antiquitätengeschäft in Rom ein altes, handgeschriebenes Notenbuch, das ein Blatt mit einer unbekannten Walzerkombination enthält. Von der traurigen und aufwühlenden Melodie fasziniert, versucht sie gleich am ersten Tag ihrer Heimkehr in Boston die ungewöhnlich schwere Komposition zu spielen. Doch kaum unterbricht sie ihre Proben, stellt sie mit Entsetzen fest, dass ihre dreijährige Tochter Lilly völlig verändert ist. Das stets ausgeglichene und sanfte Kind hat unter Einfluss der mitreißenden Melodie den Familienkater mit einem scharfen Gegenstand tödlich verletzt. Weitere Vorfälle häufen sich und Julia sieht sich gezwungen, den merkwürdigen Dingen auf den Grund zu gehen. Gemeinsam mit einer Freundin reist sie nach Rom, wo sie plötzlich in tödliche Gefahr gerät. Aber nicht nur sie muss um ihr Leben bangen. Auch der Komponist des Stücks, der im Zweiten Weltkrieg mit seiner Familie deportiert worden ist, stand den Angriffen eines von Macht besessenen Feindes hilflos gegenüber.

„Totenlied“ ist ein bewegender Thriller, mit dem Tess Gerritsen beweist, dass sie auch ohne herkömmliche Ermittler und Gerichtsmediziner nervenaufreibende Thriller schreiben kann. Denn die Geschichte um den jüdischen Jungen Lorenzo und die amerikanische Violinistin Julia ist überaus packend, leider aber auch sehr tragisch. In zwei Handlungssträngen erzählt Tess Gerritsen, was beginnend im Jahr 1938 mit einer jüdischen Familie in Venedig geschah, deren Sohn Lorenzo ein ganz besonderes Talent für das Geigenspiel besaß und welche verhängnisvollen Ereignisse das Auftauchen seines komponierten Walzer im späteren Boston und in Rom nach sich zog. Dabei versteht sie es, ein Stück Geschichte erneut aufleben zu lassen, das die unfassbaren Geschehnisse rund um die Vernichtungslager in Italien schildert und verknüpft dieses geschickt mit der Gegenwart. Zwar ist sie nicht die einzige Autorin, die historische Begebenheiten bemüht und diese als Grundlage für Verbrechen in der heutigen Zeit nutzt, aber sie versteht es brillant, diese in Szene zu setzen, den Hörer mitzureißen und eine Geschichte zu erzählen, über die er noch lange nachdenken muss.

Gelesen wir Tess Gerritsens „Totenlied“ von Mechthild Großmann, die mit ihrer einzigartig tiefen und rauen Stimme die bedrückenden Ereignisse nachvollziehbar zu Gehör bringt und dafür sorgt, dass dem Zuhörer regelmäßig ein Schauer über den Rücken rinnt. Eine Interpretation, die gekonnt einzelne Figuren voneinander abgrenzt und diese mit einem passenden Ausdruck versieht.

Fazit:
Ein grandioser Thriller, den sich niemand entgehen lassen sollte.