Leserstimmen zu
Totenlied

Tess Gerritsen

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Julia Ansdell erwirbt in Rom in einem Antiquitätenladen ein Notenheft, indem sich auch eine einzelne Komposition eines Walzers befindet. Zuhause in den USA beginnt die Musikerin sich mit dem Stück auseinander zu setzen, doch jedes Mal wenn sie den Walzer ,,Incendio" auf ihrer Violine einüben will, tut ihr kleine Tochter Lily etwas Schreckliches. Doch kann es wirklich sein, dass die merkwürdige und unveröffentlichte Komposition dafür verantwortlich ist?... . Tess Gerritsen hat hier eine sehr spannende und authentische Handlung entworfen, die aus meiner Sicht allerdings nur wenig mit einem Thriller zu tun hat. Hier gibt es keinen Kriminalfall, der aufgeklärt werden müsste, sondern die eigentliche Spannung entsteht durch das unheimliche Verhalten der kleinen Lily. Mir hat das Hörbuch von Anfang an gefallen, aber an die ungewöhnliche rauchig klingende Stimme der Sprecherin Mechthild Großmann musste ich mich erst einmal gewöhnen. Die Handlung an sich hatte mich allerdings sofort gepackt und ich war sehr gespannt darauf, wie die Autorin alles logisch auflösen möchte. Besonders gut gefallen hat mir, dass sich die Geschichte in Gegenwart und Vergangenheit aufsplittet und man abwechselnd aus Julias Perspektive und später aus der des Italieners Lorenzo alles miterlebt. Julia ist eine sympatische Protagonistin, in die ich mich sofort hineinversetzen konnte. Besonders, als ihr niemand wegen ihrer Tochter glaubt, habe ich mit ihr mitgelitten. Allerdings habe selbst ich manchmal an ihrer Wahrnehmung gezweifelt. Lorenzo, der in den 1940er Jahre in Italien lebt, habe ich ehrlich gesagt in diesem Buch gar nicht erwartet. Er ist ein sehr talentierter Musiker, den leider wie vielen anderen Menschen zu seiner Zeit ein furchtbares Schicksal ereilt. Tess Gerritsen hat hier eine sehr spannende Geschichte geschrieben, die so auch wirklich hätte passieren können. Sie löst am Ende alles auch logisch auf. Besonders gut fand ich auch, dass man am Ende des Hörbuchs auch einmal ,,Incendio" hören kann. Mechthild Grossmann hat eine ungewöhnliche Stimme, die erst einmal gar nicht zu den Figuren, wie der kleinen Lily zu passen scheint. Wenn man sich aber an ihren Klang gewöhnt hat, möchte man sie nicht mehr missen. So habe ich nachher den Eindruck gehabt, dass Frau Grossmann sogar zur Spannung der Geschichte beiträgt, weil sie alles mit viel Gefühl und guter Betonung vorträgt. Insgesamt ist ,,Totenlied" ein spannendes Hörbuch, welches zwar in eine ganz andere Richtung verläuft, als ich es erwartet habe, aber mich letztendlich doch überzeugen konnte. Gerne empfehle ich es hier weiter.

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Zuerst mal zu Mechthild Großmann, ihre Stimme ist einfach sehr speziell und in meinen Ohren richtig klasse! Was das angeht ist der Hörgenuss schon mal richtig gelungen. Ich bin ja ein großer Freund der Rizzoli-&-Isles-Thriller, aber man muss sich schon darüber im Klaren sein, dass es sich um ein gänzlich anderes Projekt der Autorin handelt. Eigentlich haben wir es hier fast mit zwei Geschichten zu tun, die von der Autorin gekonnt gekoppelt werden. Auf der seinen Seite steht ein Musikstück welches in Italien um 1940 erschaffen wurde. Dieses Musikstück beeinflusst auch das heutige Leben einer jungen Frau. Die dunkle Zeit der Judenverfolgung ist sehr real geschildert und verursacht keine guten Gefühle, aber ich denke es ist mitunter auch sehr wichtig genau diese Zeit immer mal wieder in den Fokus der Menschen zu rücken. Julia, eine Hauptperson in diesem Buch ist in meinen Augen sehr gut beschrieben, man spürt ihre Angst und ihre Zerrissenheit, aber auch die andere Hauptfigur hat jede Menge zu bieten. Auch Lorenzo ist eine beeindruckende Persönlichkeit. Ich für mich würde dieses Buch allerdings nicht unbedingt als Thriller sehen. Es ist natürlich sehr spannend und unterhaltsam. Auch das Ende konnte mich wirklich überraschen. Eine gelungene Komposition.

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Der Roman startet sehr ungewöhnlich, richtig mystisch. Violinistin Julia lebt für ihre Musik und ihre kleine Tochter. Doch dann ändert ein neues Musikstück, die Noten dafür hat sie in beim letzten Italienbesuch gekauft, ändert ihr Leben. Plötzlich zeigt ihre kleine 3 jährige Tochter Wesensänderungen. Julia ist erschüttert und hat Angst, dass ihre eigene Familiengeschichte damit zusammenhängt, aber dann rückt das neue Musikstück in ihren Blick. Kann diese Musik ihre Tochter verändert haben, Julia muss wissen wer die Musik geschrieben hat und begibt sich auf die Suche. Damit eröffnet sich ein zweiter Erzählstrang, der vor dem zweiten Weltkrieg in Venedig beginnt. Dort begleitet man den jungen Lorenzo, der für die Musik lebt bis er seiner Liebe begegnet. Nun ist das Hauptaugenmerk auf dieser historischen Erzählung. Für mich eine ganz neue Seite von Gerritsen. Sie hat sich damit an ein sehr interessantes Thema gewagt: die Judenverfolgung in Italien. Für mich ein ganz neuer Aspekt. In der Mitte des Romans gab es für mich einige Längen. Am Ende steigerte sich dafür der Spannungsbogen nochmal sehr und endete schließlich für mich völlig überraschend. Auch wenn ich mit den Charakteren insgesamt etwas zu kämpfen hatte, so richtig warm wurde ich mit keinem richtig. Aber die Geschichte ist interessant und ungewöhnlich. Gleichzeitig wusste ich immer nicht, ob ich Julia glauben sollte, kann ein Musikstück einen Menschen ändern? Diese Fragen bleiben die ganze Zeit, bis schließlich dieses sehr überraschende Ende kam, was alle Fragen logisch löst. Einen weiteren großen Pluspunkt gibt es dafür, dass ich einiges gelernt habe und mir ein neuer Aspekt der Judenverfolgung aufgezeigt wurde. Tess Gerritsen kann gerne weiter solche Romane schreiben. Mechthild Großmann kenne ich auch schon von anderen Gerritsen Hörbüchern. Ihre rauchige Stimme ist unverwechselbar, aber für mich auch gewöhnungsbedürftig. Dennoch spricht sie sehr gut und vor allem Julias Unsicherheit und Angst hat sie sehr gut rüber gebracht. Das Cover an sich gefällt mir, aber erinnert mich zu sehr an die Rizzoli Romane, was ich verwirrend finde, da dieser Roman auch in eine ganz andere Richtung geht und mit dem ähnlichen Cover Erwartungen geschürt werden, die gar nicht zu erfüllen sind.

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Autorin: Tess Gerritsen Verlag: blanvalet Preis: 9,99 € - Taschenbuch Seitenzahl: 312 ISBN: 978-3-8090-2670-9 Weitere Formate: Paperback, eBook, Hörbuch Klappentext: Wenn das Totenlied erklingt, gibt es kein Entkommen… Von einer Italienreise bringt die Violinistin Julia Ansdell als Souvenir ein altes Notenbuch mit. Es enthält eine handgeschriebene, bislang unbekannte Walzerkomposition. Julia ist fasziniert von dem Stück, doch jedes Mal, wenn sie die aufwühlende Melodie spielt, geschehen merkwürdige Dinge. Etwas Bösartiges geht von dem Walzer aus; es scheint das Wesen von Julias dreijähriger Tochter zu verändern. Weil niemand ihr Glauben schenkt, reist Julia heimlich nach Italien, um nach der Herkunft der mysteriösen Komposition zu forschen... Cover: Das Cover ist Schlicht gestaltet und wirkt durch den dunkel gehaltenen Hintergrund trotzdem bedrohlich. Am rechten Rand sieht man den Kopf einer Geige, der einen eindeutigen Bezug zum Inhalt herstellt. Titel und Autorenname sind in schlichter weißer Schrift aufgedruckt, wobei der Autorenname noch zusätzlich eingepresst wurde und somit leicht vertieft ist. Insgesamt überzeugt mich dieses Cover vor allem durch seine Schlichtheit und seine düstere Optik. Inhalt: Die Geschichte spielt in zwei Zeitzonen. Zum einen begleiten wir Julia, die von ihrer Reise das alte Notenbuch mitbringt und darin die mysteriöse Walzerkomposition entdeckt, die ihr Leben völlig auf den Kopf stellen wird. Zum anderen begleiten wir den jungen Lorenzo in Venedig kurz vor dem Ausbruch des ersten Weltkrieges und den darauffolgenden Jahren. Durch die Augen des jüdischen Italieners erleben wir hautnah die damaligen Entwicklungen hinsichtlich der Judenverfolgung mit – von einem sorglosen Leben bis hin zur Internierung. Die beiden Perspektiven wechseln sich nicht nach jedem Kapitel ab, sondern wir begleiten beide immer jeweils über mehrere Kapitel hinweg. Dadurch wird der Lesefluss durch die abwechselnden Handlungsstränge nicht gestört, man kommt immer wieder gut in die jeweiligen Geschehnisse rein und kann allem sofort folgen. Natürlich stellt sich dem Leser dabei schnell die Frage was die beiden Geschichten miteinander zu tun haben und wie alles mit dem geheimnisvollen Musikstück zusammenhängt. Fazit: Tess Gerritsen heißt für mich automatisch auch Rizzoli-&-Isles. Wer allerdings von diesem Stand-Alone-Thriller etwas Ähnliches erwartet, wird enttäuscht werden. Mir war anhand des Klappentextes klar, dass mich hier nicht die klassische Mordermittlung oder ein Serienkiller erwartet. Man begleitet Julia bei ihrer Suche nach Antworten und fragt sich die ganze Zeit wie der Walzer damit in Zusammenhang steht und wie am Ende alles sinnhaft aufgeklärt werden könnte. Dadurch ist die Spannung hier viel subtiler, aber keineswegs weniger präsent. Gleichzeitig regt die Geschichte von Lorenzo zum Nachdenken an und macht uns einen dunklen Teil der Geschichte (wieder) bewusst. Diesbezüglich gibt es am Ende des Buches noch eine kurze Anmerkung zum geschichtlichen Hintergrund, sodass man alles sehr gut nachvollziehen kann. Alles in allem konnte mich das Buch überzeugen und ich kann es durchaus empfehlen. Einen extremen Thriller darf man hier nicht erwarten, aber vor allem die geschichtlichen Aspekte haben mich überzeugt. Wären diese nicht gewesen, fände ich das Buch nur halb so gelungen, da diese Thematik die eigentliche Story teilweise fast schon in den Schatten stellt. Am Ende wird aber alles gut miteinander verknüpft, sodass der Schluss in sich stimmig ist und auch alle Fragen hinreichend geklärt werden.

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Nur ein Walzer

Von: wal.li

22.08.2016

In einem Trödelladen in Rom entdeckt die Musikerin Julia Ansdell ein altes Notenblatt. Wegen ihrer musikalischen Ausbildung kann sie sich die Melodie des Walzers gleich vorstellen und sie muss das Stück unbedingt haben. Voller Stolz präsentiert sie das Stück nach ihrer Heimkehr ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter. Das Vorspielen des anrührenden Walzers scheint allerdings beinahe schon unheimliche Auswirkungen zu haben. Beim ersten Mal findet Julia den betagten Familienkater tot, offensichtlich wurde er mit mehreren Stichen getötet. Das zweite Mal endet damit, dass Julia eine Wunde von einer Scherbe in ihrem Bein hat. Das kann doch nicht ihre erst dreijährige Tochter gewesen sein. Aber sonst war niemand da… Des Öfteren überziehen sich die Arme mit einer Gänsehaut, wenn man zuhörend verfolgt, was mit Julia Ansdell und ihrer Familie geschieht. Es ist doch nicht möglich, dass so ein kleines Kind auf die eigene Mutter losgeht, oder? Doch das ist nur ein Teil. Julia möchte ergründen, weshalb ein unschuldiges Musikstück solch negative Auswirkungen auf sie hat. Und so offenbart sich nach und nach die tragische und berührende Geschichte des Musikstücks, des grauenvollen Schreckens, dem sein Komponist ausgesetzt war, aber auch einer großen Liebe. Unheimlich, unheimlich berührend und ausgesprochen spannend, was Tess Gerritsen hier hervorgebracht hat. Ganz anders als die Rizzoli & Isles Krimis und gerade weil sich dadurch eine andere Facette der Autorin offenbart besonders faszinierend. Verstärkend kommt hinzu, dass Mechthild Großmann ihre Stimme hervorragend einzusetzen versteht. Von dem dahin gehauchten „Mami!“ mag man zunächst kaum glauben, dass es in ihr steckt. Und wie sie es vermag, den sehr unterschiedlichen Szenarien stimmlich gerecht zu werden, ist schon eine besondere Kunst. Gefesselt gibt man sich den Schauern hin, die die Geschichte und ihr Vortrag entfesseln. Ein ungewöhnlicher Thriller, in dem die europäische Geschichte geschickt mit den bedrohlich wirkenden Ereignissen der Gegenwart verknüpft wird. Bravo, Tess Gerritsen. Bravo, Frau Staatsanwältin. 4,5 Sterne

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Zugegeben, die Inhaltsangabe ist irreführend: Angesichts der Beschreibung würde man sich eine Geschichte erwarten, die harmlos, unschuldig, subtil mit einem verschollenen Musikstück beginnt und dann wie auf einer schiefen Ebene langsam aber unausweichlich auf die Katastrophe zusteuert. Die ersten Kapitel bestätigen diesen Eindruck ja noch. Als die Violinistin Julia die Melodie zum ersten Mal spielt, verfällt sie selbst in eine Art Trance, ihre vierjährige Tochter hingegen ersticht auf brutale Weise die Hauskatze. Eine diabolische Komposition also, die eine Persönlichkeitsveränderung bewirkt und Menschen in mörderische Bestien verwandelt, wo das Grauen sich erst hinterhältig einschmeichelt, bevor es sich als solches zu erkennen gibt ... eine solche Geschichte würden wir am ehesten von Stephen King oder Marc Raabe erwarten. Wenn eine Mutter plötzlich nicht mehr weiß, ob sie ihrer Tochter noch trauen kann - eine solche Situation erinnert auch an das schaurige Debüt von S. K. Tremayne, "Eisige Schwestern". Doch als man sich bereits mitten im Rätseln findet, ob nun Julia ihren Verstand oder ihre Tochter die kindliche Unschuld verliert, ändert die Autorin schlagartig den Kurs. Der Leser findet sich im Venedig des frühen zwanzigsten Jahrhundert. Lorenzo, Sohn eines Geigenbauers, entpuppt sich als ein musikalisches Wunderkind, das über die seltene Gabe des Absoluten Gehörs verfügen dürfte. Im Zuge der Vorbereitungen auf einen Wettbewerb verliebt er sich in seine Partnerin, die Tochter eines befreundeten Professors. Tess Gerritsen zelebriert ihre Hingabe an die Musik, setzt geschickt Harmonien und Akkorde als Metaphern für jugendliche Leidenschaft ein. Die universelle Sprache artikuliert sich über zwei Saiteninstrumente im Gleichklang, und jede verbale Kommunikation wird redundant. Doch nicht nur der nahende Wettbewerb markiert ein fixes Ablaufdatum der regelmäßigen nachmittäglichen Probespiele. Immerhin schreiben wir das Jahr 1938, und Lorenzos jüdische Herkunft stößt immer öfter auf Argwohn unter seinen Zeitgenossen. Die Anzeichen, daß der jungen Liebe ein furchtbares Ende beschieden sein wird, mehren sich, die schwere Melancholie erinnert an den Film "Casablanca". Schließlich erreicht der Krieg auch Italien, und die ersten Deportationen beginnen. Menschen werden wie Tiere zusammengepfercht, ein Gerangel um die letzten verbliebenen Nahrungsreste setzt ein: "... weil Brot wie Luft war, etwas, was man als selbstverständlich hinnahm. Und dabei war es doch der Grundstock jeder Mahlzeit." Nun entfaltet die Geschichte ihre wahre Tragik. Im Interview mit dem Büchermagazin (Ausgabe 5/2016) verweist die Autorin auf eine Gedenktafel für 246 getötete Juden in Venedig, denen sie mit ihrem Roman ein weiteres Denkmal setzen wollte. Der Name Tudesco erregte ihre Aufmerksamkeit, er wurde zum sympathischen Protagonisten. So vollzieht sie das Schicksal dieser Menschen nach, verleiht den Namen Gesichter, ihren Stimmen Gehör. "Wie schnell man doch aus einem Menschen ein jämmerliches Häufchen Elend machen kann", entlädt sich die Ungewißheit in einem Seufzen ... Natürlich kann die Geschichte um Lorenzo, den venezianischen Virtuosen nur tragisch enden, alles andere würde der Ernsthaftigkeit des Themas nicht gerecht werden. Und natürlich muß diese aus der Distanz der Gegenwart - in Julias Part - aufgelöst werden. Die Weise jedoch, in der sie dazu motiviert wird, die Herkunft des Moll-Walzers zu erkunden, verwässert die Gesamtkomposition, indem sie einer Geschichte, die ihre intensivste Wirkung entfaltet, wenn sie wohl geerdet ist, eine unnötige metaphysische Komponente verleiht. Die kleinen Anleihen im Genre Psychothriller wirkt, als würde der titelgebende Moll-Walzer durch eingeflochtene Polka-Variationen aufgelockert, um ihm an Schwere zu nehmen. Somit dient lediglich dieses Musikstück als verbindendes Element. Was über weite Strecken fehlt, ist die schlüssige Erklärung, die zwingende Notwendigkeit, warum genau diese beiden Teilgeschichten - und keine anderen - zusammengehören. Erst, als man Julia in Venedig nach dem Leben trachtet, weil sie durch ihren Fund unfreiwillig zur Schlüsselfigur einer politischen Verschwörung geworden ist, scheinen die beiden Erzählstränge so etwas wie eine gemeinsame Tonart gefunden zu haben. Erst ab diesem Zeitpunkt wirken sie nicht mehr so, als würden sie der Autorin als Füllstoff für den jeweils anderen dienen. Erst ab diesem Zeitpunkt sind die gedanklichen Hindernisse beiseite geräumt, ist der Weg frei für eine Auflösung, für die man der Autorin für alle Zweifel Abbitte leistet. Mechthild Großmann, die Sprecherin der Hörbuchfassung, klingt, als würde sie ihre rauchige Erzählstimme täglich mit einem Übermaß an Zigarettenkonsum kultivieren. Dem resultierenden Vortrag möchte man stundenlang lauschen ... wenn er als Erzählinstanz die Ereignisse aus der Vogelperspektive schildert oder bedächtige Männerstimmen intoniert. Höhere Tonlagen wie Frauen- und Kinderstimmen hingegen klingen spröde und brüchig, und auch der Akzent italienischer Figuren läßt eher an sibirische Auftragsmörder als an heißblütige Südländer denken. Großmann mag in ihrer Rolle als Stammsprecherin von Tess Gerritsen engagiert worden sein, für diese spezielle Geschichte hingegen scheint sie nicht die optimale Wahl darzustellen. Ein ganz besonderes Zuckerl hat die Hörbuchversion gegenüber der gedruckten ganz bestimmt zu bieten: Das zentrale Musikstück ist nämlich keine bloße Fiktion, sondern wurde von der Autorin selbst komponiert. Wenn also auf den tief bewegenden Epilog melancholische Walzer folgt, erlebt der Roman einen letzten, aufwühlenden Höhepunkt, der ihn zu einem synästhetischen Gesamterlebnis abrundet. PERSÖNLICHES FAZIT "Totenlied" ist eine hoch einfühlsam erzählte Geschichte der amerikanischen Erfolgsautorin, die ausnahmsweise nicht von der burschikosen Bostoner Polizistin und ihrer perfektionistische Kollegin aus der Pathologie handelt. Gerade weil sie ihre berührendsten Momente in jenen Passagen offenbart, die am stärksten auf historischen Begebenheiten beruhen, wirken die anderen, die stärker von erzählerischer Freiheit geprägt sind, oft nicht gänzlich stimmig.

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Tess Gerritsen einmal ganz anders Die Handlung des Buches spielt auf zwei Zeitebenen. Die Gegenwart mit Julia und ihrer Familie und der Vergangenheit um Lorenzo und Laura. Als Julia in Rom ein Antiquitätengeschäft betritt, findet sie ein altes Notenblatt, das sie von Anfang an fasziniert. Wieder zu Hause spielt sie das Lied auf ihrer Geige – und bemerkt, dass die Komposition ihre Tochter zu verändern scheint. Denn am Ende des Liedes ist die Katze tot, mit mehreren Stichen getötet. Als sich dieses Geschehen so ähnlich wiederholt ist Julia verzweifelt! Liebt ihre Tochter sie nicht, weil sie auf sie losgegangen ist? Was hat es mit dem Lied auf sich? Zusammen mit einer Freundin fährt sie nach Venedig, um den Komponisten ausfindig zu machen oder zumindest die Geschichte des Liedes. Der Leser ist Julia weit voraus, denn Lorenzos Geschichte wird im zweiten Strang erzählt. Als Sohn jüdischer Eltern hat er es nicht leicht in den späten 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Lorenzos Geschichte fand ich fast besser als Julias. Und so wollte es die Autorin wohl auch. Denn im Nachwort schreibt sie, wie sie darauf kam, dieses Buch zu schreiben. Die Menschen sollen nicht vergessen sein und vor allem sollen auch die erwähnt werden, die geholfen haben und zu Helden wurden. Die Aufklärung am Ende fand ich etwas klischeehaft, aber eigentlich musste es so kommen. Gerritsen kann nicht nur Thriller schreiben, wie sie in Totenlied mehr als gut beweist. Mich hat Lorenzos Story tief bewegt, die von Julia war teilweise spannend erzählt, konnte mich aber nicht so mitreißen, weil ich keine Bindung zu der Protagonistin aufbauen konnte. Irgendwie war Julia eben da, aber nur oberflächlich. Hier haben mir Lorenzo und die Liebe zu Laura viel mehr gegeben. Das Buch lässt sich aufgrund von Gerritsens anschaulichem und flüssigen Schreibstil sehr schnell lesen. Mir war es fast zu schnell. Gerne hätte ich noch mehr gelesen.

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