Leserstimmen zu
Im Herbst

Karl Ove Knausgård

Die Jahreszeiten-Bände (1)

(2)
(4)
(0)
(0)
(0)

Ein Mann erwartet sein viertes Kind und beginnt ihm zu schreiben. In Briefen und kurzen Betrachtungen über die unendliche Vielfältigkeit des Lebens werden die ‚kleinen Dinge‘ poetisch aus dem Schatten geholt und in ein neues Licht gerückt. Im Herbst ist der erste Band der Jahreszeiten- Bände von Karl Ove Knausgård, der durch sein autobiographisches Projekt in sechs Bänden berühmt wurde und inzwischen zu den bedeutendsten Gegenwartsautoren Norwegens zählt. In poetischer Prosa mit erfrischenden, humorvollen Vergleichen und Metaphern beschreibt Knausgård die scheinbaren Nebensächlichkeiten des Lebens. So heißt es zum Beispiel im Kapitel Wespen: „Das gelbschwarze Muster, die glänzende Oberfläche und die abgerundete Kegelform lassen den hinteren Teil aussehen wie ein kleines Osterei oder vielleicht auch wie ein winziges Fabergé-Ei.“ Seine Betrachtungen reichen dabei von Äpfeln über Toilettenschüsseln bis hin zu abstrakten Dingen wie Schmerz und Einsamkeit. Es sind eben jene kleinen Dinge, die wir im Alltag übersehen und die in der Gewohnheit untergehen. Knausgård beweist, dass gerade diese nicht mehr wahrgenommenen Nebensächlichkeiten die elementarsten Dinge überhaupt sind. Es ist keine leichte Aufgabe, das Unsichtbare wieder sichtbar zu machen, doch hier ist es gelungen und wo Worte nicht mehr beschreiben können, da helfen die teils abstrakten Bilder von Vanessa Baird dem Leser dabei, seinen ganz eigenen Weg zu den Dingen zu finden. Das Buch ist der Beginn eines Versuchs, uns die kleinkindliche Fähigkeit des Wunderns und des Staunens wieder zu lehren, die wir im Laufe des Lebens immer mehr verloren haben. Während wir nämlich auf große Wunder hoffen, haben wir die Kleinen aus dem Blick verloren. Im Herbst – ein Buch, das dazu anregt, wieder mit offeneren Augen durch die Welt zu gehen und sie wieder in all ihrer Intensität und Vielfältigkeit zu spüren. Man darf gespannt sein auf den nächsten Teil der Jahreszeiten- Reihe.

Lesen Sie weiter

Ein Vater schreibt seiner ungeborenen Tochter Briefe und erklärt in einer phantastischen Sprache das Alltägliche, was es in der Welt zu entdecken gibt. Er will ihr zeigen, was sie alles entdecken kann wenn sie den Bauch ihrer liebevollen Mutter und Frau von Karl Ove Knausgård verlässt. "Im Herbst" ist der erste Teil des Jahreszeitenzyklus, eingeteilt in einzelne Monate finden wir hier kurze Essays über verschiedenste Dinge. Er philosophiert und erklärt - er beschreibt und interpretiert. Über Blut, Frösche, Schamlippen, Konservendosen und ganz vielen Dingen, denen wir in unserem Leben begegnen. Er zeigt und neue Blickwinkel und Gedankengänge. Er zeigt seiner Tochter seine Welt. Es wird keine zusammenhängende Geschichte erzählt, die einzelnen Passagen laden dazu ein, immer mal wieder einen kurzen Abschnitt zu lesen um das Buch dann wieder zur Seite zu legen. Leider sind mir die Gedankengänge des Autors manchmal etwas zu sprunghaft. Viele Abschnitte haben mir gefallen, aber einige konnten mich leider weniger überzeugen. Die Idee, der ungeborenen Tochter die Welt zu zeigen finde ich grandios. Doch leider fehlt mir manchmal die Leichtigkeit und die Tiefgründigkeit mancher Texte wirkte manchmal zu aufgesetzt. Zudem haben mir die Bilder von der Künstlerin Vanessa Baird wenig zugesagt, da sie für mich wenig zum Kontext gepasst haben. Dennoch werde ich die Reihe weiterverfolgen um mir ein besseres Bild zu Karl Ove Knausgård machen zu können. Mehr kann ich zu diesem doch sehr außergewöhnlichen Buch nicht sagen, außer dass ihr es euch selbst anschauen müsst und euch die Welt nochmal neu von dem Autor zeigen lasst.

Lesen Sie weiter

Auf knapp dreihundert Seiten wandert Karl Ove Knausgård durch den Herbst, er beobachtet, erinnert sich, und philosophiert. Es gelingt ihm auf beeindruckende Weise, den Bogen zu spannen zwischen dem Alltäglichen und scheinbar Banalen auf der einen Seite sowie seinen tiefsinnigen Reflexionen über das Leben auf der anderen. Knausgårds Schreibstil ist unglaublich intensiv; er schreibt direkt und schonungslos, schreckt nicht vor etwaigen Konventionen zurück. Mit unverblümter Ehrlichkeit scheint er jegliche Schmerzgrenzen zu überschreiten - und beweist doch großes Gefühl für die leisen Töne. Dadurch bekommt der Leser nie das Gefühl, Knausgård schreibe, um Aufsehen zu erregen. Vielmehr gelingt es ihm so, eine ungemeine Offenheit und Verletzlichkeit zu generieren. Im Herbst zeichnet sich durch Knausgårds Fähigkeit zu beobachten, zu analysieren, zu induzieren aus. Er eröffnet dem Leser eine ganz neue Sicht auf die Dinge. Seine Wahrnehmung der Natur, der Menschen, der Dinge ist so faszinierend und kann mit unglaublich vielen Erkenntnissen und Einsichten aufwarten. Knausgård besitzt die Gabe, dem Leser die Welt auf eine vollkommen neue Art darzulegen. Mit viel Liebe zum Detail und zum Leben selbst beschreibt er Situationen und Gegenstände, welche unter anderen Umständen leicht als gewöhnliche Nichtigkeiten abgetan werden würden. Doch es ist seine Erzählkunst, die es vermag, selbst den alltäglichsten Banalitäten den Zauber des Besonderen zu verleihen. Und das ist es letztlich auch, was er seiner Tochter mit den Briefen nahebringen möchte: dass sie lernen wird, das Leben zu lieben und sich die Begeisterung für die Welt auch über die Kindheit hinaus zu bewahren. Beinahe sprunghaft bewegt sich Knausgård zwischen kindlicher Freude über den Geschmack von Äpfeln und schwermütigen Erinnerungen an den verstorbenen Vater. Dem Buch wohnt wie der titelgebenden Jahreszeit eine gewisse Wehmütigkeit inne. Der Herbst symbolisiert Reife und Vergänglichkeit - und keine andere der Jahreszeiten führt dem Menschen den Lauf der Dinge und das unaufhörliche Voranschreiten der Zeit ähnlich deutlich vor Augen. Unsere Welt ist endlich und ständigen Veränderungen unterworfen. Bildgewaltig und präzise gelingt es Knausgård, diese Essenz des Wandels zu greifen, zu begreifen, und dem Leser so die Augen für die Schönheit des Augenblickes zu öffnen. In "Laub" schreibt er: "Warum wusste ich es nicht zu schätzen, als ich es hatte? Weil ich es dann, denke ich manchmal, nicht gehabt hätte. Nur das, was einem zwischen den Fingern zerrinnt, nur das, was keine Worte findet, keine Gedanken hat, existiert voll und ganz. Das ist der Preis der Nähe: Man sieht es nicht. Weiß nicht, dass es da ist. Dann ist es vorbei, dann sieht man es" (S. 146). Dies ist mit Sicherheit eine meiner Lieblingspassagen, zeigt sie doch die bittersüße Poesie, welche Im Herbst innewohnt. Was für ein poetisches und philosophisches Werk. Dank der Aufteilung und der kurzen, voneinander unabhängigen Episoden eignet sich das Buch als idealer Begleiter durch die Jahreszeit. Ich habe früh, direkt nach dem Aufwachen gerne ein oder zwei Geschichten gelesen, und mich dann im Laufe des Tages immer wieder dabei ertappt, wie meine Gedanken unbewusst zurück zu Knausgårds Ausführungen wanderten. Die Erzählungen haben etwas magisches und fesselndes - so zieht er Parallelen, wo sich auf den ersten Blick kaum Gemeinsamkeiten erkennen lassen, und die doch nach der Lektüre so augenscheinlich und klar wirken, dass man sich fragen muss, warum man nicht selbst längst darauf gekommen ist. Das ist große Erzählkunst. Im Herbst ist unbedingt lesenswert und macht einmal mehr Knausgårds Talent, dem Leser die Welt auf eine neue und unerwartete Welt aufzuzeigen, deutlich. ,Auf knapp dreihundert Seiten wandert Karl Ove Knausgård durch den Herbst, er beobachtet, erinnert sich, und philosophiert. Es gelingt ihm auf beeindruckende Weise, den Bogen zu spannen zwischen dem Alltäglichen und scheinbar Banalen auf der einen Seite sowie seinen tiefsinnigen Reflexionen über das Leben auf der anderen. Knausgårds Schreibstil ist unglaublich intensiv; er schreibt direkt und schonungslos, schreckt nicht vor etwaigen Konventionen zurück. Mit unverblümter Ehrlichkeit scheint er jegliche Schmerzgrenzen zu überschreiten - und beweist doch großes Gefühl für die leisen Töne. Dadurch bekommt der Leser nie das Gefühl, Knausgård schreibe, um Aufsehen zu erregen. Vielmehr gelingt es ihm so, eine ungemeine Offenheit und Verletzlichkeit zu generieren. Im Herbst zeichnet sich durch Knausgårds Fähigkeit zu beobachten, zu analysieren, zu induzieren aus. Er eröffnet dem Leser eine ganz neue Sicht auf die Dinge. Seine Wahrnehmung der Natur, der Menschen, der Dinge ist so faszinierend und kann mit unglaublich vielen Erkenntnissen und Einsichten aufwarten. Knausgård besitzt die Gabe, dem Leser die Welt auf eine vollkommen neue Art darzulegen. Mit viel Liebe zum Detail und zum Leben selbst beschreibt er Situationen und Gegenstände, welche unter anderen Umständen leicht als gewöhnliche Nichtigkeiten abgetan werden würden. Doch es ist seine Erzählkunst, die es vermag, selbst den alltäglichsten Banalitäten den Zauber des Besonderen zu verleihen. Und das ist es letztlich auch, was er seiner Tochter mit den Briefen nahebringen möchte: dass sie lernen wird, das Leben zu lieben und sich die Begeisterung für die Welt auch über die Kindheit hinaus zu bewahren. Beinahe sprunghaft bewegt sich Knausgård zwischen kindlicher Freude über den Geschmack von Äpfeln und schwermütigen Erinnerungen an den verstorbenen Vater. Dem Buch wohnt wie der titelgebenden Jahreszeit eine gewisse Wehmütigkeit inne. Der Herbst symbolisiert Reife und Vergänglichkeit - und keine andere der Jahreszeiten führt dem Menschen den Lauf der Dinge und das unaufhörliche Voranschreiten der Zeit ähnlich deutlich vor Augen. Unsere Welt ist endlich und ständigen Veränderungen unterworfen. Bildgewaltig und präzise gelingt es Knausgård, diese Essenz des Wandels zu greifen, zu begreifen, und dem Leser so die Augen für die Schönheit des Augenblickes zu öffnen. In "Laub" schreibt er: "Warum wusste ich es nicht zu schätzen, als ich es hatte? Weil ich es dann, denke ich manchmal, nicht gehabt hätte. Nur das, was einem zwischen den Fingern zerrinnt, nur das, was keine Worte findet, keine Gedanken hat, existiert voll und ganz. Das ist der Preis der Nähe: Man sieht es nicht. Weiß nicht, dass es da ist. Dann ist es vorbei, dann sieht man es" (S. 146). Dies ist mit Sicherheit eine meiner Lieblingspassagen, zeigt sie doch die bittersüße Poesie, welche Im Herbst innewohnt. Was für ein poetisches und philosophisches Werk. Dank der Aufteilung und der kurzen, voneinander unabhängigen Episoden eignet sich das Buch als idealer Begleiter durch die Jahreszeit. Ich habe früh, direkt nach dem Aufwachen gerne ein oder zwei Geschichten gelesen, und mich dann im Laufe des Tages immer wieder dabei ertappt, wie meine Gedanken unbewusst zurück zu Knausgårds Ausführungen wanderten. Die Erzählungen haben etwas magisches und fesselndes - so zieht er Parallelen, wo sich auf den ersten Blick kaum Gemeinsamkeiten erkennen lassen, und die doch nach der Lektüre so augenscheinlich und klar wirken, dass man sich fragen muss, warum man nicht selbst längst darauf gekommen ist. Das ist große Erzählkunst. Im Herbst ist unbedingt lesenswert und macht einmal mehr Knausgårds Talent, dem Leser die Welt auf eine neue und unerwartete Welt aufzuzeigen, deutlich.

Lesen Sie weiter

Inhalt: Die Jahreszeiten-Bände von Karl Ove Knausgård: "Im Herbst" ist der erste Teil einer aus vier Bänden bestehenden grandiosen Liebeserklärung an das Leben und die sinnlich erfahrbare Welt. Enthalten: Briefe an eine ungeborene Tochter, Reflektionen über alltägliche Phänomene. Ein Kind wird zur Welt kommen. Und ein Vater setzt sich hin, um ihm zu schreiben. Er will dem Kind zeigen, was es erwartet, die Myriade von Phänomenen und Materie, Tieren und Menschen, die wir die Welt nennen. Er schreibt über die Sonne und den Dachs, über die Thermoskanne und Urin, über das Bett und die Einsamkeit, während das Kind im Dunkeln wächst. Meine Lieblingszitate: Meine Meinung: Der Klappentext dieses Buches hört sich, wie ich finde, sehr interessant an und auch das gemalte Cover ist sehr ansprechend gestaltet. „Im Herbst“ ist in die drei Monate September, Oktober und November aufgeteilt, denen jeweils ein Brief an die ungeborene Tochter des Autors vorangeht. Unter jedem Monat findet man zwanzig klitzekleine Kapitel, in denen es um alle möglichen alltäglichen, aber auch außergewöhnlichen Dinge geht, z.B. um Äpfel, Betten, Gesichter, Knöpfe und Erde. All diese Erzählungen folgen aus dem Leben und den Erfahrungen des Autors. Er beschreibt Gegenstände, Tiere und Pflanzen, an denen oberflächlich gesehen nichts besonders ist, die auf den zweiten Blick jedoch von großer Bedeutung und Schönheit sind, mit solch einer Tiefgründigkeit, dass es mich zum Nachdenken über die groteskesten Dinge gebracht hat. Mein Buch sieht dementsprechend mit den vielen mit Klebezetteln markierten Stellen nun mehr blau als weiß aus. Ich könnte euch unter „Mein Lieblingszitat“ dementsprechend haufenweise faszinierende Textstellen zeigen. Oft erzählt Karl Ove Knausgård in der Ich-Perspektive und der Gegenwart, wodurch seine Beschreibungen noch realer werden. Zu diesen lebensechten Beschreibungen trägt außerdem sein offener, anschaulicher Schreibstil bei. Anders ausgedrückt: Der Autor nimmt wahrlich kein Blatt vor den Mund. Einige Bilder von Vanessa Baird regen zudem die Fantasie an und bringen den Kreislauf der Gedanken in Bewegung. Da Karl Ove Knausgård sich oft über außergewöhnliche Motive auslässt, gab es das ein oder andere Fremdwort, dass ich nachschlagen musste, sodass ich einige interessante Dinge gelernt habe. Mein Fazit: Eine Sammlung von Erzählungen über die kleinen, aber doch bedeutenden Dinge im Leben. Vielen Dank an den Luchterhand Literaturverlag für das Rezensionsexemplar! Im Herbst bekommt von mir volle 5/5 Sterne!

Lesen Sie weiter

Für seine noch ungeborene Tochter schreibt der norwegische Autor Karl Ove Knausgard einen Brief. Darin erzählt er ihr Begebenheiten aus der Familie, die sie noch ergänzen wird und macht sie vertraut mit ganz alltäglichen und besonderen Dingen, die ihm als Vater wichtig und die ihn selbst immer faszinieren und zum staunen bringen. Karl Ove Knausgard hat hier den ersten Band zu einer Jahreszeiten-Reihe vorgelegt, in der er gewissermaßen in vielen kleinen Kapiteln versucht zu erklären, was unsere Welt ausmacht. Wenn man dieses Buch liest, wird man gleich von der ruhigen Stimmung und gelassenen Atmosphäre, die die Texte ausstrahlen, erfasst. Obwohl der Autor eigentlich nur ganz normale Dinge beschreibt und was er damit erlebt hat oder verbindet, gelingt es ihm, den Leser mit in seine Welt zu nehmen und mit seiner Sicht darauf vertraut zu machen. So beschreibt er ganz banale Sachen wie das Laub und Knöpfe, genauso wie Toilettenschüsseln und Erbrochenes. Mich hat dabei beeindruckt, wie offen er bei seinen Erklärungen vor geht und selbst bei heiklen Themen nichts verschweigt. Ohne Scham schildert er zum Beispiel, wie er auf einer Klassenfahrt ins Bett gemacht hat. Solche Erinnerungen von ihm wurden mir dann allerdings doch etwas zu genau beschrieben und waren für mich etwas gewöhnungsbedürftig. Generell ist es aber faszinierend, wie Knausgard es auf ganz natürliche Art und Weise schafft, ohne jegliche Hilfsmittel zur Spannungserzeugung, die Aufmerksamkeit des Lesers zu gewinnen und alltägliche Dinge neu vor Augen zu führen. Insgesamt habe ich ,,Im Herbst" sehr gerne gelesen und war überrascht, wie viel Leben und Wärme in den Texten steckt. Für mich ist dies ein wunderbar gelassenes Buch, das ich hier gerne weiterempfehle.

Lesen Sie weiter

„Das Geheimnis der Vergebung besteht jedoch darin, dass sie einen Ort entstehen lässt, tief im Einzelnen verwurzelt, an dem kein anderer Macht besitzt, und wenn man einmal dorthin vordringt, wo andere Menschen nichts bedeuten, findet man eine Stärke, die einem keiner nehmen kann, und diese Stärke macht es möglich, den anderen mit Hilfe von Vergebung in die Knie zu zwingen.“ Knausgards Buch Im Herbst ist voll mit solchen Erkenntnissen. Meist schüttele ich den Kopf und sage: nein, nein, das stimmt so nicht. Seltener nicke ich und stimme ihm zu. Das oben genannte Zitat ist ein wunderbares Beispiel dafür, was Knausgard mit dem Leser macht. Er schleudert ihm seine Weltsicht entgegen. Dabei sind die Gegenstände seiner Welt äußerst vielschichtig: in einem Absatz schreibt er noch über Erbrochenes, im nächsten schon über Vergebung, Apfelbäume, Thermosflaschen oder Krieg. Man findet die übliche Dichte an Themen, die so typisch für Knausgards Bücher ist. Er schreibt im Grunde über alles, alles interessiert ihn. Sein Spektrum reicht von Pisse bis zu Flaubert. Im Herbst ist ein Buch, das Knausgard schrieb, als er und seine Frau Linda ihr viertes Kind, die Tochter Anne, erwarteten. Es ist ein Buch, geschrieben für dieses Kind, das im Leib der Mutter heran wächst, während der Vater draußen das tut, worin er gut ist: er sammelt die Welt für dieses Wesen und schildert sie mit Worten. Seine Welt. Seine Weltsicht. Spürbar auf jeder Seite die Liebe zu seiner Familie, den Kindern, dem kleinen Wesen, das bald zu ihnen stoßen wird. Spürbar auch die Neugierde, wer da kommen wird und die Freude, ein weiteres Mitglied in die Familie aufnehmen zu können. Seine Freude überträgt sich bei mir, der Leserin, in eine Freude darüber, dass jemand so akribisch diese unsere Welt anschaut, da ist auch sehr viel Ehrfurcht, und sich die Mühe macht, alles, was ihm dazu einfällt, in Worte zu fassen. Für seine Tochter Anne, aber natürlich auch für mich und für jeden anderen, der die Welt durch diese Linse aufmerksam betrachten möchte. Man muss seiner Sicht auf die Welt nicht zustimmen. Ich tue es in vielen Fällen nicht. Aber wieder, wie eigentlich bei allen Knausgard – Büchern, bleibt die Schönheit dieses Unterfangens an sich, die Zartheit, der Mut. Dass da jemand sitzt, in seinem kleinen Schreibkämmerlein, und die Welt einfängt, sie versucht, so zu beschreiben, dass da ein Sinn, eine Liebe erkennbar werden, das ist einfach schön. Viele der Essays sind gar nicht besonders tiefsinnig, es sind kleine Momentaufnahmen, dennoch regten mich sehr viele zum Nachdenken an, auch zum eigenen Schreiben. Vor allem auch dann, wenn ich nicht seiner Meinung bin, wenn ich die Welt anders sehe. Dabei wirkt das Büchlein so mühelos dahin geschrieben. Als läse man im Grunde in einem Notizblock von ihm. Mein Lieblingsessay ist der über die Knöpfe. Er erinnerte mich sofort an meine Kindheit und daran, wie meine Mutter tagtäglich an der Nähmaschine saß und selbstverständlich auch eine große Dose mit vielen, verschiedenen Knöpfen besaß. Der Essay erinnerte mich daran, wie schön es ist, Dinge zu bewahren, die man besitzt. "Meine Kinder wachsen ohne eine solche Knopfschachtel auf, sie haben ihre Eltern niemals beim Nähen gesehen, denn wenn sich bei uns ein Knopf löst, sortieren wir das Kleidungsstück aus und kaufen ein neues. Das widerstrebt mir....Schätze ich Genügsamkeit und Armut mehr als Überfluss? Ja, in gewisser Weise tue ich das wohl." Dieses Buch ist ein wunderbarer Einstieg in das Werk Knausgards. Denn die kleinen Essays sind nie länger als 2-3 Seiten, das Buch insgesamt hat 280 Seiten. An diesem Buch kann man erproben, wie man es mit Knausgard hält und dann zu den dicken Wälzern weiter ziehen, falls man sich verliebt hat. Oder aber sagen: Okay, dieser Knausgard ist nichts für mich. Das Buch enthält Bilder der norwegischen Künstlerin Vanessa Baird, welche es in meinen Augen zu einem kleinen Schatzstück machen. Herzlich danke ich dem Luchterhand Verlag für das Rezensionsexemplar. (c) Susanne Becker

Lesen Sie weiter