VERLAGSGRUPPE RANDOM HOUSE - BERTELSMANN
Menü
  • facebook
  • google+
  • whatsapp
  • twitter
  • add this

Leserstimmen (32)

Alex Beer: Der zweite Reiter (Die Kriminalinspektor-Emmerich-Reihe) (1)

Der zweite Reiter Blick ins Buch

Bestellen Sie mit einem Klick

oder kaufen Sie direkt vor Ort bei Ihrem Buchhändler.

€ 19,99 [D] inkl. MwSt.
€ 20,60 [A] | CHF 27,90*
(* empf. VK-Preis)

Gebundenes Buch mit Schutzumschlag ISBN: 978-3-8090-2675-4

Erschienen:  27.03.2017
Dieser Titel ist lieferbar.

Abonnieren Sie unseren Newsletter

Anmeldung

Kundenrezensionen

5 Sterne
(24)
4 Sterne
(7)
3 Sterne
(1)
2 Sterne
(0)
1 Stern
(0)

Ihre Bewertung

Leserstimme abgeben

Voransicht

Toller historischer Wien-Krimi

Von: Martinas Buchwelten Datum : 08.03.2018

martinasbuchwelten.blogspot.co.at/

Bewertung: 4 1/2 Sterne

Wien 1919 - kurze Zeit nach Ende des 1. Weltkrieges. Die Monarchie ist Geschichte, die Menschen leiden unter Hunger und Kälte. Viele sind an der Spanischen Grippe gestorben oder haben ihr Zuhause verloren. Der Schleichhandel auf dem Schwarzmarkt blüht.
Auch Rayonsinspektor August Emmerich ist ein Kriegsversehrter. In seinem Bein steckt noch immer ein Granatsplitter, der ihm oftmals Beschwerden macht. Doch Emmerich hat den dringenden Wunsch in die Abteilung "Leib und Leben" zu wechseln. Noch muss er "niedrige" Polizeiarbeit verrichten, die ihm gar nicht schmeckt. Sein verletztes Bein ist ihm nur hinderlich. Deswegen hilft er sich mit Heroin, das zu dieser Zeit noch als Husten- bzw. Schmerzmittel verschrieben wurde.
Sein Chef setzt ihn auf Schleichhändler an und bekommt den jungen Assistenten Ferdinand Winter zur Seite gestellt, der aus verarmten Adel stammt. August Emmerich ist alles andere als erfreut darüber.
Als ein Toter im Stadtwald gefunden wird, der Selbstmord verübt haben soll, glaubt Emmerich nicht an Suizid. Der Tote war nämlich "Kriegszitterer". Wie wäre es diesen armen Mann möglich gewesen sich selbst zu richten? Doch sein Chef glaubt nicht an Mord und so ermittelt Emmerich auf eigene Faust weiter.....schließlich möchte er in Zukunft sowieso nicht mehr im Innendienst arbeiten, sondern Mordfälle bearbeiten. Emmerich und Winter kommen nach und nach einigen seltsamen Vorfällen auf die Spur und geraten, schneller als ihnen lieb ist, in Gefahr.
Neben seiner schmerzenden Kriegsverletzung und seinen unüberlegten Schnüffeleien hat der Rayonsinspektor bald ein weiteres Problem. Als der totgeglaubte Ehemann seiner Lebensgefährtin aus der Kriegsgefangenschaft unvermutet zurückkehrt, verliert er nicht nur seine Geliebte, sondern auch sein Heim. Doch das ist erst der Beginn seiner Schwierigkeiten....

August Emmerich hat nämlich auch im Job seine eigenen Vorstellungen von Recht und Gerechtigkeit. Es dauert nicht lange und er selbst steht auf der Liste der Verdächtigen. Ferdinand Winter hat anfangs seine Problem mit Emmerichs Auslegung der Gesetze, doch bald erkennt er, dass sein Kollege den richtigen Riecher hat....

Mit viel Vergnügen habe ich August Emmerich und Ferdinand Winter bei ihren Recherchen begleitet. Die Spannung setzt schon bei den ersten Kapiteln ein und bleibt bis zum Ende bestehen. Mit einigen überraschenden Wendungen kann die Autorin den Spannungsbogen zum Ende hin noch heben.

Alex Beer versteht es, nicht nur die stimmige Atmosphäre aus dieser Zeit wiederzubeleben, sondern auch ein Bild der Adeligen zu zeichnen, die nicht an den Zerfall der k.u.k. Monarchie glauben wollten. Die Menschen sind unentschlossen, versuchen so gut es geht zu überleben und träumen von einem besseren Leben. Die Stimmung wird wunderbar eingefangen und auch auf August Emmerichs Nöte und Sorgen wird eingegangen und machen die Figur noch lebendiger.

Hinter dem Pseudonym Alex Beer steckt die österreichische Autorin Daniela Larcher. Mit "Der zweite Reiter" hat sie den Auftakt zur neuen Krimireihe rund um Ermittler August Emmerich vorgelegt. Die Fortsetzung "Die rote Frau" erscheint im Mai und wird definitiv von mir gelesen werden.

Schreibstil:
Alex Beer hat einen sehr intensiven und flüssigen Schreibstil. Man wird automatisch in die Zeit nach der Jahrhundertwende versetzt und hat die Schauplätze vor Augen, die sehr bildhaft beschrieben sind. Der Leser unternimmt eine Reise durch die Straßen und Ecken von Wien, die teilweise auch heute noch ein Begriff sind. Die Autorin hat wunderbar recherchiert. Durch eingestreute Dialektwörter erhält der Krimi mehr Lokalkolorit. Die Figuren sind facettenreich und haben Ecken und Kanten.

Fazit:
Ein absolut gelungener Auftakt zu einer historischen Krimireihe, die in der Wiener Zwischenkriegszeit spielt. Tolle Atmosphäre und eine spannende Verfolgungsjagd durch die Straßen von Wien mit einem sehr speziellen Ermittler. Ich freue mich schon auf Teil 2!

Must read - nicht nur für Wiener

Von: Bine Datum : 25.02.2018

beautyglace.blogspot.co.at/

Alex Beer ist eine österreichische Autorin und dies ist der erste Fall von August Emmerich. Das ganze ist wirklich toll recherchiert und man erkennt als Wiener sofort alle Plätze wieder.



August Emmerich ist ein Kriegsheimkehrer. Eine Kriegsverletzung im Bein macht ihm zwar zu schaffen, aber dennoch ist er sofort bereit den Fall eines angeblichen Selbstmordes aufzuklären. Als er nache dem Lainzer Tiergarten einen toten Soldaten findet, ist er sofort sicher, dass es sich hier nicht um einen Selbstmord handelt. Wie soll sich der Kriegszitterer den selbst gerichtet haben?

Für seinen Chef ist der Fall nicht wichtig, denn Emmerich soll einen Schmugglerring aufdecken und sich nicht mit den Fall eines obdachlosen Toten rumschlagen.


Der Tote träumte von einem besseren Leben in Brasilien. Viele haben nach dem ersten Weltkrieg von diesem besseren Leben geträumt. Dadurch gab es auch viele Argenturen die dies ermöglichten. Dummerweise gab es auch schwarze Schafe, die nur daran interessiert waren, dass Geld ihrer Klienten zu nehmen...


Emmerich muss bald auch um sein Leben fürchten, welches ohnehin nicht so sonderlich gut verläuft. Nachdem er die Liebe bei einer Kriegswitwe gefunden hat, muss er bald seine neue kleine Familie verlassen, da der tot geglaubte Soldat doch heimkehrt.


Das Nachkriegsleben ist sehr sehr gut beschrieben. Damals konnte man nicht in ein besseres Land flüchten, so wie es heutzutage geht. Auch Brasilien nahm einen nur, wenn man einen Job hatte und hart arbeiten konnte. Der Hunger ist allgegenwärtig und kaum einer der einem da raus hilft. Wärme im Winter war auch kostspielig und viele Frauen hatten nur noch die Chance, mittels ihres Körpers an Geld und Essen zu kommen. Man wird geradezu von der Trostlosigkeit und Aussichtslosigkeit hineingezogen. Nichts für Winterdepressionen...dann doch lieber im sonnigen Sommer lesen ;)

Erstklassiger Ritt in ungeahnte Höhen

Von: Sven Hensel Datum : 22.09.2017

https://www.svenhensel.de/blog

Grundgedanken & Prota

Betrachtet man das Cover und wirft man einen Blick auf den Klappentext, wird man automatisch in einen Zustand interessierter Vorfreude versetzt. Das liegt nicht etwa am Genre oder an der lesenswert klingenden Geschichte, sondern am Setting des Romans, das wunderbar unverbraucht ist und somit spannendes Potential bietet: Wien zur Zeit des gerade erst verlorenen ersten Weltkrieges im Jahre 1919 ist als Hintergrund etwas Besonderes und offenbart eine Fülle von Möglichkeiten, die Gesellschaft, ihre Probleme und eine Reihe an historischen Eigenheiten der damaligen Zeit zu präsentieren.

Die Autorin Alex Beer hat sich durch die Wahl des Settings also bereits einen Vorteil gegenüber vielen anderen Kriminalromanen erdacht und erschrieben, da sie hierdurch eine Atmosphäre aufbauen kann, die ihrer Zeitreise eine außergewöhnliche Faszination gibt. Die unterschiedlichen Ausgangspunkte erlauben es ihr, ein Bild von einer der schönsten Städte Europas zu zeigen, das verheerender kaum sein könnte: Die Welt dieser damaligen Stadt ist düster, geprägt von Armut, Korruption und Prostitution. Hunger und Leid herrschten auf den Straßen und den kaum beheizten Wohnungen, während Gebeine und andere Körperteile von Schrapnellen, sowie Herzen von Erinnerungen an den Krieg und besseren Zeiten durchbohrt waren.

Inmitten dieser abstoßend-erschreckenden Umstände gibt es natürlich auch den für Kriminalromane typischen Kommissar, in diesem Falle ein Rayoninspektor namens Augustin Emmerich. Er ist, bis auf einige Ausnahmen, der Protagonist eines jeden Kapitels und gliedert sich in die fehlerhafte Gesellschaft ein, da auch er sein Leben mit einem charakterlich zwiespältigen Profil führt. Er ist ein Kriegsrückkehrer und auch wenn seine körperliche Verfassung seine geistige mit massiven Schmerzen stellenweise beeinflusst, präsentiert die Autorin diese Figur in einer Genauigkeit und schonungslosen Offenheit, dass man manchmal Schwierigkeiten hat, sich mit ihr identifizieren zu können. Dennoch entsteht über die Zeit eine starke Leserbindung an ihn, denn Emmerich ist im besten Sinne ein angeknackster Mensch in einer Welt, die zu Bruch gegangen ist. Er handelt stets in dem Bemühen, den letzten Rest an Moralisten-Dasein nicht auch noch durch die Abwasserkanäle von Wien hinuntergespült zu sehen. Er ist ein manischer, sich selbst aufopfernder Idealist, dem es um Gerechtigkeit geht, und gleichzeitig ist er Realist genug, sich darüber bewusst zu sein, dass Rechtmäßigkeit nicht immer in den Grenzen des Gesetzes zu finden ist.

An seiner Seite steht sein ungeliebter wie auch ungewollter Handlanger Winter, der zu Beginn des Romans eher wie ein Klotz am Bein des erfahrenen und kaum auszutricksenden Emmerichs ist, aber durch seine konträren Charaktereigenschaften eine gute Balance mit der Hauptfigur besitzt. Hierdurch gewinnt er sowohl für die Handlung als auch für den Leser mit fortschreitender Seitenzahl eine wachsende Bedeutung, die sich positiv auf den Lesefluss auswirkt.

Struktur & Fokus des Romans

Dieser Roman zeichnet sich durch eine nicht wirklich außergewöhnliche, aber dafür erstaunlich effektive Montage-Technik aus, die darin besteht, einige Kapitel lang dem Protagonisten Augustin Emmerich zu folgen, was aber in unregelmäßigen Abständen — und damit zur Überraschung der Leser — von Perspektivenwechseln unterbrochen wird, um andere Figuren, die für die Geschichte eine Bedeutung haben, zu beleuchten. Diese Ausbruchskapitel aus der erzählerischen Norm sind meist sehr kurz, erzeugen aber durch ihr alternatives inneres Tempo eine gute Brücke zwischen den bisher geschehenen und den zukünftigen Elementen des Romans.

(Aus Spoilergründen wird an dieser Stelle darauf verzichtet, weiter auf die Bedeutung der gesonderten Kapitel einzugehen.)

Sprache

Bei Kriminalromanen bleibt meist nicht viel Spielraum für eine möglichst poetische Sprache, die in ihrer inneren Struktur auch noch einzigartig ist. Alex Beer schafft es jedoch, weitestgehend auf Genre-typische Phrasen zu verzichten und bietet eine Schreibart, die intellektuell ansprechend daherkommt und sich mindestens eben so neu und unverbraucht anfühlt wie der Ort und Zeitpunkt des Geschehens.

Zusätzlich ist lobenswert, dass der Roman nie in Effekthascherei verfällt oder sich vom Tempo der Situation treiben lässt, und dabei an sprachlichem Niveau verliert. Außerdem existiert eine stets respektvolle Distanz zu den Figuren, ohne sie aber dadurch weniger sympathisch oder die Geschichte weniger folgenswert zu machen. Die teilweise auftretenden Ausflüge in den Wiener Dialekt helfen ebenfalls dabei, eine gelungene und vor allem glaubhafte Atmosphäre zu schaffen.

Lesegefühl

Bereits auf den ersten Seiten wird deutlich, dass vor allem die Atmosphäre das Lesegefühl definieren wird: es ist dieses unterschwellige Bedrohlichkeit in Verbindung mit einer spürbar zerbrochenen Gesellschaft, die einen schnell in den Bann zieht und das Buch nicht mehr aus den Händen gleiten lässt. Die Darstellung der Menschen kurz nach einem verlorenen Weltkrieg ist hervorragend gelungen und offenbart nicht nur die äußerlichen Wunden des Krieges, sondern besitzt auch noch ein starkes Augenmerk auf die inneren Verletzungen. Wien ist mit seinen Bewohnern der heimliche Star dieses Werkes und besitzt ebenso viel Strahlkraft wie die Hauptfigur und die fortlaufende Mordermittlung.

Der Mordfall an sich rückt zwar während des Voranschreitens der Geschichte in einigen Momenten in den Hintergrund, weil die Beschäftigung mit den Vertretern der Gesellschaft und ihren Leben ebenfalls Aufmerksamkeit fordern, aber dies ist nötig, um Leser an die Situation zu binden. Meist ist es dann Emmerich selbst, der die Geschicke wieder in Richtung Mordermittlung leitet. Dabei fällt vor allem sein Konflikt auf, sich als Mensch voller idealistischer Überzeugung in einer Welt mit mangelnder Rechtschaffenheit zurechtzufinden und trotzdem an sein Ziel zu kommen. Nicht selten ist er genötigt, die Grenzen der Legalität auszudehnen, um das größere Übel bekämpfen zu können. Es ist eine lebhafte Figur, der man ohne Zögern folgen will und auch wenn sie selbst ein Produkt der gesamten gebrochenen Gesellschaft darstellt, ist sie dennoch ein Ruhepol an Gerechtigkeit, den diese zu zerfallen drohende Stadt nötig hat.

Diese starke Figurengestaltung in Verbindung mit einer beeindruckenden sprachlichen Vielfalt, einigen erzählerischen Kniffen und einem Krimi-Verlauf, der fesselnd ist, sind die Glanzpunkte dieses überzeugenden Werkes. Der zweite Reiter ist daher einer der wenigen Kriminalromane, der von einem Gütesiegel wie „besonders wertvoll“ nicht niedergedrückt würde, sondern ihn mit Würde tragen könnte. Er hätte ihn verdient.

Bewertung: 5/5

Absolut gelungener Kriminalroman, der Lust auf einen zweiten Teil macht!

Von: Anjas Buchstunden Datum : 12.09.2017

anjas-buchstunden.blogspot.de

Ein sehr gut gelungener Kriminalroman! 

Der erste Mord lässt nicht lange auf sich warten und schon ist man in einem Sog aus Spannung, den Auswirkungen des ersten Weltkrieges und den beiden tollen Ermittlern gefangen.

Bei den beiden Ermittlern, Emmerich und Winter, habe ich nicht lange gebraucht, um die beiden auf ihre jeweils eigene Art ganz schnell zu mögen. Während August Emmerich noch mit einigen Problemen, die der Krieg hinterlassen hat, zu kämpfen hat, ist Winter herrlich unschuldig und ein bisschen naiv. Allerdings entwickeln sich beide Ermittler in dieser Geschichte weiter und vor allem Winter hat mich da mehr als einmal überrascht. Ich mag ja Bücher, wo man nicht nur wissen will, wer der Täter ist, sondern auch die Geschichten um die Ermittler einen mitreißen. Das ist hier definitiv der Fall, denn der Autor hat mega sympathische, klare, interessante und vor allem authentische Protagonisten erschaffen

Natürlich bleibt auch die Spannung nicht zu kurz. Es geschieht nicht nur ein Mord und natürlich wirft jeder einzelne neue Rätsel auf und jedes Opfer kommt auf eine andere, brutale Art und Weise, ums Leben. Die Ermittlungen verlaufen auch alles andere als problemlos und ich konnte mir absolut keinen Reim auf die Zusammenhänge machen. Zwischendurch bekommt man auch immer wieder Dinge über den vergangenen Krieg zu lesen und wie die Menschen immer noch verzichten und immer wieder neue Verluste hinnehmen müssen, was ich sehr interessant und aufregend fand. 

Überraschungen gibt es in diesem Buch in jedem Fall auch mehr als genug und obwohl es einige krasse Drehungen gab, waren doch alle nachvollziehbar. Ich war so gefangen zwischen Ermittlungen und möglichen Tätern, das ich das nahende Ende erst gesehen habe, als es uneinholbar vor mir stand. Hier gab es nochmal den großen Knall, eine Überraschung, mit der ich niemals gerechnet hätte. Fragen sind für mich am Ende keine mehr offen geblieben.

Der Epilog hat gleich auch nochmal schockiert und hat sofort Lust auf einen zweiten Teil gemacht.


Wien mal anders

Von: De Bichergeck Datum : 11.09.2017

bichergeck.blogspot.lu/?m=1

Das Cover zeigt ein schwarz-weißes Bild Wiens und stimmt somit von Anfang an den Leser auf die im Buch vorherrschende düstere, deprimierende Atmosphäre ein.
Von Beginn an bestens getroffen ist zunächst die besondere Atmosphäre der Zeit und der damaligen Umstände in der Stadt.

1919 in Wien, der erste Weltkrieg verloren, der Kaiser nicht mehr da, es mangelt an allem, von Lebensmitteln bis zum Brennholz, Tausende noch Gefangenschaft ...

Rayonsinspektor August Emmerich war selbst im Krieg und hat seitdem mit einem steifen Bein zu kämpfen. Die Verwundung, durch einen Granatsplitter verursacht, versucht er so gut es eben geht zu verbergen - will er doch auf keinen Fall in den Innendienst versetzt werden.

Er entdeckt die Leiche eines angeblichen Selbstmörders.
Als erfahrener Ermittler traut er der Sache nicht über den Weg.
Da er keine Beweise vorlegen kann und sein Vorgesetzter nicht an einen Mord glaubt, stellen er und sein junger Assistent selbst Nachforschungen an.
August Emmerich, der ehemalige Waisenjunge, und Ferdinand Winter, der aus guten Elternhaus stammende, bilden ein gegensätzliches Ermittler-Duo, dessen Geschichte genug Ansätze bietet, um sicher und mit Interesse weiterverfolgt zu werden.

Die Suche nach der Wahrheit beginnt.
Die Ermittlungen gestalten sich nicht einfach.
Das liegt nicht nur daran, dass Emmerich die auf eigene Faust betreibt.
Irgendjemand scheint ihm immer einen Schritt voraus zu sein und ihn zu blockieren.

Ein Kriminalroman, der in der angesiedelten Zeit bestens funktioniert, bei dem zwar Fingerabdrücke schon genutzt werden, aber alle anderen „modernen“ Methoden noch weit in der Zukunft liegen und reine „Handarbeit“ daher gefragt ist.

Durch die guten Recherchen der Autorin erhält man einen Einblick in die Verhältnisse nach dem ersten Weltkrieg.
Ich war teilweise sehr schockiert und berührt zu lesen wie die arme Bevölkerung gelebt hat.
Sie hatten zu kämpfen mit Schmuggel, Armut, Krankheiten, Ängsten, Hunger und Arbeitslosigkeit.
Dann gab es aber auch den reichen Adel, dieser lebte in Saus und Braus.
Im Nachwort wird Realität und Fiktion getrennt und darauf hingewiesen, was aus manchen Wiener Gebäuden im Laufe der Zeit geworden ist.

Ein gelungener Serienauftakt, sprachlich und dramaturgisch perfekt ausgearbeitet.
Der trockene Humor, der hin und wieder an den passenden Stellen vorkommt, hat mir auch sehr gut gefallen.
Der zweite Ritter, war mein erster historischer Krimi, es war jedoch nicht der letzte ...
Ich werde den zweiten Fall von August Emmerich sicherlich auch lesen!

Herzlichen Dank, für dieses Rezensionsexemplar, es hat einen Ehrenplatz bei meinen liebsten Schätzen bekommen ...
Tolles Debüt, Alex Beer!

Ein Wien-Krimi, der mich voll überzeugt hat!

Von: Martina - Schmökerwelten Datum : 21.08.2017

https://www.facebook.com/Schmoekerwelten

"Der zweite Reiter" ist ein historischer Krimi, der kurz nach dem Ersten Weltkrieg in Wien spielt. Polizeiagent August Emmerich ist auf der Jagd nach einem Schwarzhändler, als er im Wald einen Toten entdeckt, der vermeintlich Selbstmord begangen hat. An seiner Seite sein neuer Assistent Ferdinand Winter, ein etwas unbedarfter junger Mann, der ihm eher lästig ist. Emmerich wittert einen Mord und nimmt eigene Ermittlungen auf.
Im Laufe ihrer gemeinsamen Zusammenarbeit kommen sich die zwei näher und es entwickelt sich nach und nach ein Vertrauensverhältnis.
Weitere Morde geschehen und die beiden kommen einem furchtbaren Verbrechen auf die Spur...
"Der zweite Reiter" ist eine wirklich gelungene Mischung aus Krimi und historischem Roman. Die Not der Bevölkerung, der tägliche Kampf ums Überleben, die erbärmlichen Verhältnisse und wie sie versuchen, sich den Alltag ein wenig angenehmer zu gestalten, hat der Autor wahnsinnig gut beschrieben. Der Roman ist historisch sehr informativ, spannend und atmosphärisch. Alle beteiligten Charaktere sind sehr authentisch und gut ausgearbeitet. Besonders die Figur des August Emmerich hat mir gut gefallen. Sehr originell und passend war zwischendurch immer wieder der Wiener Dialekt, der "Wiener Schmäh".
"Der zweite Reiter" ist übrigends der Auftakt einer Reihe und ich freue mich auf mehr von dem sympathischen Ermittlerduo :)

Morde nach dem 1. Weltkrieg

Von: Denise Datum : 06.08.2017

www.tapsisbuchblog.blogspot.de


Wien, 1919: Die Stadt kämpft mit den Folgen des Krieges, Hunger und Tod sind an der Tagesordnung. Rayonsinspektor August Emmerich und sein Assistent Ferdinand Winter ermitteln in einem Fall von großangelegtem Schmuggel, als sie auf eine Leiche stoßen. Der erste Verdacht: Selbstmord. Doch schon bald tauchen mehr Leichen auf und Emmerich beginnt, entgegen jeglicher Anweisung, zu ermitteln. Wer steckt hinter den Toten?

"Der zweite Reiter" ist der Auftakt der Krimireihe um August Emmerich und hat mir sehr gut gefallen. Alex Beer lässt in ihrem Werk das Wien zu Beginn des 20. Jahrhunderts wieder aufleben und erschafft dabei eine beklemmende, traurige und zugleich spannende Umgebung.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man die meiste Zeit über Inspektor August Emmerich. Dieser hat im 1. Weltkrieg eine Verletzung davon getragen und versucht nun mit allen Mitteln, sich im Beruf durchzusetzen, ohne dabei sein Leiden offenzulegen. Ihm zur Seite steht der junge, unerfahrene und aus gutem Hause kommende Ferdinand Winter, der bei Emmerich einen schweren Stand hat. Obwohl der Inspektor bärbeißig und alles andere als liebenswürdig ist, habe ich ihn sofort ins Herz geschlossen. Denn August ist nicht unfair oder vom Krieg verbittert, sondern einfach nur Realist mit Sinn für Gerechtigkeit. Das hat mir sofort imponiert.

Alex Beer schaffte es innerhalb weniger Kapitel, Wien kurz nach dem 1. Weltkrieg zum Leben zu erwecken. Ihre Beschreibungen sind detailverliebt, aber nicht überbordend und mit den Ermittlungen Emmerichs und Winters dringt man in Ecken Wiens vor, die mir selbst vollkommen unbekannt waren. Dabei zeigt die Autorin auch, dass ein Krimi nicht von Blut und Gewalt leben muss, sondern auch durch spannende, wenngleich ruhig anmutende Ermittlungen getragen werden kann. Toll!

Die Story an sich hat mich von Beginn an in Beschlag genommen. Es war spannend zu lesen, wie die Polizei ohne moderne Hilfsmittel auf Verbrecherjagd ging und wo die damaligen Prioritäten lagen. Zudem gewährt Alex Beer einen Einblick in das recht unterschiedliche Privatleben ihrer beiden Polizisten und zeigt so hautnah, dass das Ende des Krieges nicht automatisch ein Ende des Leidens bedeutet.

Das Ende ist rund und passt sehr gut zum gesamten Kriminalfall. Zudem lässt die Autorin eine kleine Tür für eine Fortsetzung offen, auf den ich schon jetzt gespannt bin.

Der Stil von Alex Beer ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise lebt von Details, ist fesselnd und zieht den Leser mit. Klasse!

Fazit: Der Wiener Schmäh überdauert alle Zeit. Eine klare Leseempfehlung.

Eine kleine Apokalypse für August Emmerich

Von: Misty Datum : 01.08.2017

friedhofdervergessenenbuecher.blogspot.co.at/

Nachdem ich mich in letzter Zeit wieder einmal an Thrillern versucht habe, wollte ich auch nicht auf einen klassischeren Krimi verzichten, den ich mit diesem Buch auf jeden Fall gefunden habe. Abgesehen von den auszeichneten Bewertungen fand ich den Inhalt -vor allem auf historischer Ebene- ziemlich ansprechend.

Eine gute Wahl jedenfalls für alle Liebhaber eines typischen Ermittlerfalls, auch wenn der Protagonist Emmerich selbst eigentlich gar nicht für Mordfälle zuständig wäre. Das erzeugt natürlich einen gewissen Konflikt in seinem Arbeitsalltag, schließlich muss er seine geheimen Ermittlungen vor seinen Vorgsetzten geheim halten - was mit zahlreichen Schwierigkeiten einher geht. Über die Zusammenhänge der Morde wird man als Leser zunächst im Dunkel gelassen und kann ebenso wie der Ermittler ein wenig herum rätseln. Die letztliche Auflösung fand ich unerwartet, in sich aber sehr solide erklärt - wobei ich selbst immer zu den besonders ahnungslosen Lesern gehöre, Handlungswendungen, wie in diesem Buch, sehe ich eigentlich nie vorher kommen.

Die Figur und ihr Gehilfe - ein junger, naiver Bursche mit Namen Winter- geben einen schönen Kontrast ab, wobei Emmerich der übliche leicht kauzige Polizist ist, der entgegen aller Probleme seinem Riecher folgt und dadurch bei Kollegen und Vorgesetzten ordentlich aneckt. Vollkommen neu sind die Charaktere in dieser Geschichte sicherlich nicht. Trotzdem fand ich die beiden recht authenisch und habe ihre Abenteuer gerne verfolgt. Womit ich persönlich nicht gerechnet hätte, war die Tatsache, dass die Autorin auch eine ordentliche Portion Wiener Schmäh in diesen Fall verpackt hat, ich hätte eigentlich mit einer noch ernsteren und düstereren Story gerechnet. Der schwarze Humor brachte mich aber immer wieder zum Schmunzeln, wenngleich manche Dialoge und Twists doch ein wenig aufgesetzt wirkten.

Spannungsmäßig war ich mit der Handlung und ihrem Fortlauf ebenfalls sehr zufrieden, wobei der Fall vor allem gegen Ende hin so richtig Fahrt aufnimmt, sodass man ihn als Leser sehr versiert verfolgt. Historisch erscheint mir das Buch ebenfalls recht solide (wobei ich geschichtlich ein Laie bin) und man erfährt einige interessante Details über die Stadt Wien zu dieser Zeit und die entsprechenden Lebensbedingungen.

Insofern war das Buch für mich ein sehr schönes Gesamtpaket, dass dank der Figuren, der Umgebung und den verzwickten Ermittlungen für ansprechende Unterhaltung gesorgt hat.

Fazit:

Ein solider, spannender Fall in klassischer Manier, der mich nicht nur dank der logischen Zusammenhänge, sondern auch wegen der interessanten Umgebung überzeugen konnte.

Historisch interessanter Krimi

Von: Sigismund von Dobschütz Datum : 17.07.2017

https://www.facebook.com/groups/buecherkabinett/

HISTORISCH äußerst interessant, als KRIMI stellenweise zu langatmig, so empfand ich den im März 2017 im Limes-Verlag erschienenen Roman "Der zweite Reiter" der Österreicherin Alex Beer (40; eigentlich Daniela Larcher). Dies ist der erste Band einer neuen Krimi-Reihe um den kriegsversehrten Polizeiagenten August Emmerich, der im Wien des Nachkriegsjahres 1919 privat selbst mit den chaotischen Nachwirkungen des Ersten Weltkriegs zu kämpfen bzw. beruflich gegen sie anzukämpfen hat. Obwohl er nicht der Mordkommission angehört, geht er, seinem Bauchgefühl folgend, ein paar Todesfällen nach, die (anfangs) als damals nicht seltene Selbstmorde eingestuft werden und sich dann doch zu einer Mordserie ausweiten. Die Autorin ist sehr bemüht, die historische Situation, Hoffnungslosigkeit, Siechtum und Armut, die politischen Wirren und das unmenschliche Chaos der Nachkriegswirren akribisch zu beschreiben: "Der zweite [apokalyptische] Reiter [- nämlich der Krieg -] hatte eine Spur der Verwüstung hinterlassen und mehr soziale Brennpunkte denn je geschaffen. Der Krieg mochte vorbei sei, doch das Toben hatte gerade erst begonnen." So heißt es im Buch am Schluss. Bei aller Akribie des Historischen habe ich allerdings stellenweise doch die Spannung eines Krimis vermisst. Auch Emmerich wird ein Opfer des Chaos, wird vom Jäger zum Gejagten. Aber so viel sei verraten: Am Ende geht doch alles gut aus und Emmerichs Wunsch, in die Mordkommission versetzt zu werden, erfüllt sich. So ist die Voraussetzung für Folgebände dieser Reihe gelegt (Band 2: "Die rote Frau"). Wer historisch interessiert ist, wird auch an diesem Krimi seine Freude haben. Für hartgesottene Thriller-Fans ist "Der zweite Reiter" allerdings nichts.

Wie ich einen neuen Helden fand...

Von: Kasia_Buchstabendrechsler Datum : 13.07.2017

https://nichtohnemeinbuch.com/

August Emmerich klingt nicht gerade gleich nach Superhero.

Ist er aber. Zumindest für mich nach der Lektüre des ersten Bandes einer sich toll ankündigenden Kriminalromanreihe von Alex Beer: „Der zweite Reiter“.

Seit Ende März 2017 im Limes Verlag erschienen nimmt dieser Krimi uns mit nach Wien, kurz nach dem Ende des Ersten Weltkriegs.

Emmerich – mal wieder von der knurrend-murrenden Ermittlersorte mit großem Gerechtigkeitssinn – hat im Ersten Weltkrieg gedient und ist nun mit Leib und Seele Polizeiagent in einer Abteilung die Betrüger und Schwarzmarkthändler jagt. Er liebäugelt jedoch mit der Abteilung „Leib und Leben“, die die Morddelikte bearbeitet. Aus Ehrgeiz? Arroganz? Nun, nicht ganz. Ein starker Motivationsfaktor für Emmerich ist die alle und alles erdrückende Armut im Nachkriegswien und seine neu gefundene Partnerschaft (mit Kindern), die er durch erhöhte Zulagen bei „Leib und Leben“ durchzubringen trachtet.

Starke Atmosphäre

So wären wir auch schnell bei einer ganz großen Stärke dieses Romans: Die quasi nebenher toll dargestellten gesellschaftlichen und politischen Probleme der damaligen Zeit. Immer wieder schmückt die Autorin seine Kernhandlung mit echten – toll recherchierte – Details der Nachkriegsstadt aus. Das Hungern, die Verzweifelten, die Alkohol- und Drogenprobleme, die Auswanderer mit ihren Fluchtansinnen, aber auch einzelne Orte, legendäre Schlösser und Cafés… alles bereichert die Atmosphäre dieses Buches mit Erfolg.

Nun aber zurück zu meinem neuen Helden. Aus seinem Kriegseinsatz hat er einen Granatsplitter im Bein, der mehr und mehr Probleme macht. Emmerich verheimlicht dies, da er als Kriegsinvalide aus dem Aussendienst in den weit schlechter bezahlten Innendienst versetzt würde. Folglich jagt er weiter fleißig einen Schleichhändlerring (Schwarzmarkt) mit einem interessanten Charakter als Kopf der Bande: Veit Kolja. Warum die Kombination der beiden so spannend ist, liegt in der Kindheit von Emmerich. Er wuchs im Waisenhaus auf. Von seinen Eltern blieb nur ein geheimnisvoller Anhänger. Aus seiner Kindheit kennt er auch Veit Kolja. Nun stehen sie auf entgegengesetzten Seiten… oder doch nicht? Mehr kann ich an der Stelle nicht sagen ohne Spoiler ��

Seine aktuelle Jagd unterstützt auch Emmerichs Assistent, Winter. Dieser entstammt einem völlig anderem familiärem Hintergrund: Dem österreichischen Adel, der nun durch die Sozialdemokraten in Österreich enteignet und degradiert wird, um alte Strukturen aufzubrechen. Dessen behüteter Hintergrund kollidiert frontal mit dem abgebrühten Emmerich.

Als die Leiche eines angeblichen Selbstmörders auftaucht, gefolgt von weiteren suspekten Todesfällen, riecht Emmerich Lunte. Leider ist er der Einzige. Von seinem Vorgesetzten sowie vom Gerichtsarzt wird er erstmal „auf Platz verwiesen“. Es handele sich um Unglücksfälle und er solle seine Zeit nicht verschwenden.

Emmerich – zu stur, um sich was sagen zu lassen – beißt sich jedoch fest und entdeckt tatsächlich nach und nach mit etwas Glück und Penetranz eine Verbindung zwischen den Todesfällen und zu Gräueltaten im Krieg. Wie wenig seine Ermittlungen von oben gewollt sind, muss er schnell feststellen und gerät selbst von mehreren Seiten unter Beschuß…

Eine pikant-tragische Beinote zu der Haupthandlung gibt das scheinbare Scheitern seiner liebevollen Beziehung hinzu. Da der angeblich gefallene Ehemann der Geliebten plötzlich auf der Fläche erscheint, muss sich Emmerich als persona non grata zurückziehen… es wäre aber nicht eine Buchreihe zu erwarten, wenn das schon das Ende vom Lied mit dem geliebten Wesen wäre.

Eignung

Meine Empfehlung gebe ich diesmal in höchsten Tönen an alle, die zwiebelartig mehrschichtige Charaktere als Ermittler lieben und vor allem an jene, die sich gern von historischen Details verzaubern lassen, um Bilder alter Zeiten im Kopf tanzen zu lassen. Hierfür eignet sich „Der zweite Reiter“ hervorragend.

Kriegszitterer

Von: wal.li Datum : 02.07.2017

wallis-buechersichten.blogspot.de/

Obwohl der Krieg schon seit einem Jahr um hat das Zittern noch nicht aufgehört. Dietrich Jost ist nicht als Kriegsgeschädigter anerkannt und fristet sein Leben auf den Straßen Wiens. Im Jahr 1919 herrschen in der ganzen Stadt Armut und Hunger. Jost sieht jedoch einen Silberstreif am Horizont, er träumt von Brasilien. Von den Polizisten August Emmerich und Ferdinand Winter, die eigentlich einen Schmuggler verfolgen, wird Dietrich Jost im Stadtwald erschossen aufgefunden. Sein Traum wird sich nicht erfüllen. Auch der Polizist Emmerich hat einen Traum, er will zur Abteilung „Leib und Leben“. Und als nach Josts Tod dessen Bekannter Harald Zeiner tot aus der Donau gefischt wird, kann Emmerich nicht an einen Zufall glauben.

Polizeiagent August Emmerich versucht seine eigene Kriegsverletzung zu verstecken. Er befürchtet, in den Innendienst versetzt zu werden, wenn er auffliegt. Nicht einmal sein Assistent Wagner, den er für ein verweichlichtes und verwöhntes Jüngelchen hält, darf davon wissen. Obwohl Winter ihm treu zur Seite steht, kocht Emmerich zunächst sein eigenes Süppchen. Schnell merkt er allerdings, dass er sich doch gut auf Winter verlassen kann. Gemeinsam suchen die beiden nach einem Zusammenhang zwischen den Todesfällen. Trotzdem auch die Beamten von den Nachwirkungen des Krieges nicht verschont sind und sie Not und Elend erfahren haben und immer noch erfahren, sind sie bestrebt für Gerechtigkeit zu sorgen. Auch wenn sie es dabei mit dem Gesetz nicht so genau nehmen können.

In die schwere Zeit nach dem ersten Weltkrieg hineingeschrieben schafft die Autorin einen packenden Plot. An allen Ecken lauern Hunger, Krankheit und Tod. Die Menschen hausen in unsäglichen Wohnungen, die diesen Namen kaum verdienen. Eine Sicherheit, dass es für den nächsten Tag reichen wird, gibt es nur für Wenige. Auch die Staatsdiener bleiben nicht verschont. Vielleicht ein wenig besser gestellt, kann es auch für sie schnell vorbei sein mit ihrem bisschen Komfort. Doch gibt es auch Bars, Cafés und andere Vergnügungsstätten und der Schwarzhandel floriert. Man stellt sich diese Zeit häufig in schwarz-weiß vor, weil es kaum Farbbilder gibt. Doch gerade dieses schwarz-weiß mit seinen grauen Zwischentönen gibt die Stimmung gut wieder. In dieser Szenerie agieren Emmerich und Winter, die sich erst zusammenraufen müssen, mit Hartnäckigkeit und Scharfsinn. Durch ihren Wagemut bringen sie sich manchmal in Gefahr und kommen auf die Spur eines Verbrechen, dessen Geheimnis sich lange nicht erschließt.

August Emmerich, der ehemalige Waisenjunge, und Ferdinand Winter, der aus guten Elternhaus stammende, bilden ein gegensätzliches Ermittler-Duo, dessen Geschichte genug Ansätze bietet, um sicher und mit Interesse weiterverfolgt zu werden.

4,5 Sterne

Nehmt euch vor dem zweiten Reiter in Acht!

Von: Kaisu Datum : 14.06.2017

life4books.de

„Niemand durchschaut Emmerich. Daran kannst du dich gleich gewöhnen.“ (S.24)

Nachkriegszeit. Man hangelt sich von Tag zu Tag. Hofft, dass man morgen genügend zu Nahrung findet, sich nicht den Arsch abfriert und die nächsten Tage in der Hundskälte überlebt. Mittendrin sterben Menschen. Was nicht sonderlich überraschend ist. Wer unterernährt ist oder keinen Sinn mehr in seinem Dasein sieht, beendet es eben. Gern auch mit Nachdruck. Doch nicht alle wollen sterben. Sondern müssen es.

Und genau so einen Fall hat Polizeiagent August Emmerich auf dem Tisch liegen. Selbstmord. Was sollte es sonst sein. Mach einen Haken an die Sache, die ist es nicht wert. Aber Emmerich ist skeptisch. Also recherchiert er und geht den letzten Spuren des Verstorbenem nach. Wohlbetucht hat er nicht gelebt. Kein Wunder, dass der ehemalige Soldat als traumatisches Opfer deklariert wird.

Immer mit an seiner Seite – mehr oder weniger freiwillig – der Neuling Ferdinand Winter. Das komplette Gegenteil von ihm: Aus gutem Haus. Lebt bei seiner Mutter. Noch grün hinter den Ohren. Wie soll DER mit ihm mithalten? Der hat doch keine Ahnung! Aber wie sagt man so schön, was nicht ist, kann ja noch werden. Die beiden entdecken nämlich schnell wo ihre Stärken und Schwächen liegen und wie sie sich perfekt ergänzen können.

„Chef, da sind Sie ja.“ Winter hatte von dem ganzen Wirbel rote Wangen und glänzende Augen bekommen.“Das war vielleicht aufregend heute, oder?“
Emmerich zuckte mit den Schultern und verkniff sich einen Vergleich mit der Dramatik von Grabenkämpfen und Gasangriffen. „Kümmerst du dich später um den Papierkram?“ bat er seinen Assistenten stattdessen. (S.153)

Eigentlich ist es „nur“ ein Fall, der einem Inspektoren mit feinfühligem Instinkt auffällt und dennoch ist das Buch super spannend und interessant geschrieben. Besonders das Zusammenspiel der beiden Hauptfiguren und deren Umgebung ziehen einen in den Bann. Lassen einen schmunzeln und zusammenzucken. Man fühlt sich ihnen nah, auch wenn man diese Epoche nicht miterlebt hat.

Zeitgleich kommt man dem gesuchten Mörder immer näher. Diesem passt es überhaupt nicht, dass da jemand seine Taktik scheinbar durchschaut und setzt zum Gegenangriff an. Diese sind nicht sonderlich zögerlich und beide Polizisten bekommen den Hass deutlich zu spüren und neue Leichen präsentiert. Ein Teufelskreis. Der nicht aufhören will.

„Kommt no mehr. Kommt no mehr Unglick.“ (S.241)

Irgendwann ahnte ich, wer hinter allem steckt, aber richtige Hinweise bekam man nie präsentiert. Erst kurz bevor Emmerich es selbst herausbekommt, konnte mich sich zu 100prozent sicher sein. So etwas mag ich bei Krimis. Denn die Spannung ist dadurch immer vorhanden, genauso wie der Wille vor dem Ermittler aus dem Buch auf die Lösung zu kommen. Was für einen wunderbaren Leseeifer sorgt.

Alles in allem kann ich das Buch nur empfehlen. Der zynisch denkende (und aussprechende) Emmerich, kombiniert mit dem zarten Jüngling Winter, geben ein sympathisches Team ab. Zudem haben beide ihr Leben, was Schatten und Licht bereit hält. Was, sie auch noch äußerst menschlich wirken lässt. Desweiteren schafft die Autorin es, einem die damalige triste, trübe und traumatische Stimmung perfekt darzustellen. Da bleibe ich gerne am Ball!

Der zweiter Reiter

Von: Denise.M Datum : 16.05.2017

xbabiix.blogspot.de/

Inhalt: Wien, 1919. Der Erste Weltkrieg ist verloren, und in der einst so glanzvollen Stadt herrschen Hunger und Elend. Als der Polizeiagent August Emmerich über die Leiche eines ehemaligen Soldaten stolpert, glaubt er zunächst an einen Selbstmord. Doch schon bald stößt er auf eine schreckliche Wahrheit, die ihn vom Jäger zum Gejagten macht.


Mein Fazit: Ich habe hier so viel mehr bekommen als erwartet und bin restlos begeistert. Ein dichter Plot, viel Spannung und ein großartiger Protagonist machen den Krimi zum Pageturner. Für mich Leseratte ist dieses Buch ein absoluter Lesehighlight dem ich sowohl Fans von Historischen Romanen als auch Krimis nur sehr weiter empfehlen kann. Ich hoffe das es von diesem Buch eine Fortsetzung geben wird.

″Ein Highlight für Krimifans!″

Von: Literaturwerkstatt-kreativ / Blog Datum : 09.05.2017

www.literaturwerkstattkreativblog.wordpress.com

„Literaturwerkstatt- kreativ“ rezensiert
"Der Zweite Reiter" von Alex Beer

Wir schreiben das Jahr 1919. Der erste Weltkrieg ist für Österreich verloren gegangen. Die Menschen kämpfen ums nackte Überleben. Es gab kaum etwas zu Essen, Hunger und Elend sind überall sichtbar. Im Gegensatz dazu gibt es die Kriegsgewinnler und Schwarzhändler die in kürzester Zeit sehr reich geworden sind.
Zu dieser Zeit lebt und arbeitet Rayonsinspektor August Emmerich in Wien. Er ist selber Kriegsveteran und hat einen Granatsplitter im Bein, der ihm immer wieder große Schmerzen bereitet. Dies verheimlicht er aber, da er sonst im Innendienst der Polizei arbeiten müsste. Er lebt mit seiner Freundin und deren drei kleinen Kinder zusammen. Der Mann seiner Freundin ist im Krieg gefallen. Dieser Totgeglaubte kehrt aber plötzlich zurück und stellt Emmerichs Leben und das seiner Freundin auf den Kopf.
Beruflich ist Emmerichs Hauptaufgabe den Schwarzhändlern von Wien das Handwerk zu legen und sie zu verhaften. Dabei soll ihm der junge Ferdinand Winter helfen. August Emmerich passt dies so gar nicht in den Kram, denn er sieht in dem unerfahrenen Winter eher eine Belastung, als eine Hilfe.
Bei der Beschattung eines Schwarzhändlers finden sie durch Zufall eine Leiche. Für die Gerichtsmedizin handelt es sich um Selbstmord. Da es sich bei dem Toten aber um einen „Kriegszitterer“ handelt, kommen Emmerich Zweifel ob dieser sich selbst mit einem Kopfschuss hätte erschießen können. Er beginnt zu ermitteln. Obwohl sein Vorgesetzter ihm verbietet weiter an dem Mordall zu arbeiten, lässt Emmerich nicht locker. Durch seine Hartnäckigkeit kommt Emmerich dem Mörder immer näher und wird selbst zum Gejagten. Die Umstände führen dazu, dass Emmerich vom Zorn gepackt den Spieß umdreht.
„August Emmerich war auf der Jagd“

Fazit:
Bei diesem Roman kann ich nur sagen - Chapeau !!!
Alles richtig gemacht.
Das Buch wird auf jeden Fall einer meiner Highlights in diesem Jahr sein. Ich habe gelesen, gelesen und konnte nicht mehr aufhören. Daniela Larcher, die unter dem Pseudonym Alex Beer schreibt, hat einen sehr fesselnden und eindringlichen Kriminalroman geschrieben. Die Autorin führt uns durch ein düsteres Wien der Nachzeitigkeit und schafft es, mir einen guten Einblick in diese Zeit zu vermitteln. Auch wurde mir sehr deutlich, wie selbstverständlich für uns heute Technik, Medikamente und manche andere – heute für uns banale - Gegenstände sind:

„Du hast eine eigene Badewanne?
Emmerich, der sich wie alle Menschen, die er kannte, mit einem Schwamm und Wasser von der Bassena ( öffentliche Wasserstelle am Gang eines Mietshauses) säuberte hatte noch nie eine private Wanne gesehen“.

Besonderes gut hat mir auch gefallen, dass die Autorin an manchen Stellen den Wiener Dialekt - Wiener Schmäh eingeflochten hat. Dadurch wirkte der Roman auf mich noch authentischer.

Alex Beer hat zudem noch wunderbare Protagonisten geschaffen. An erster Stelle natürlich August Emmerich mit seinen Ecken und Kanten. Aufgewachsen in einem Waisenheus, weil seine Mutter ihn als Baby ausgesetzt hat. Aber gerade das harte Leben im Waisenhaus und der Krieg haben ihn genau zu dem Menschen gemacht, den wir nun im Roman kennenlernen. Vor allem sein Gerechtigkeitssinn ist sehr ausgeprägt: „Recht und Gerechtigkeit sind zwei Paar Schuhe“.

Der andere Protagonist Ferdinand Winter ist das genaue Gegenteil. Er stammt aus gutbürgerlichem Haus, war nicht im Krieg und hat noch nie eine Leiche gesehen, macht sich nicht gerne schmutzig und hat eine völlig andere Sicht auf die Dinge. Aber auch er musste schon einschneidende Schicksalsschläge hinnehmen. Seine Eltern und Geschwister sind alle an der Spanischen Grippe gestoben. Er lebt bei seiner, - doch sehr schwierigen - Großmutter in ihrer Villa. Aber auch Ferdinand Winter hat das Herz am rechten Fleck und wächst mit seinen Aufgaben.

Gut gewählt ist auch das schwarz, weiße Cover. Es passt hervorragend zu der düsteren Wiener Nachkriegszeit.

Ich hoffe auf weitere Fälle von August Emmerich und Ferdinand Winter.

Für dieses Buch eine absolute Leseempfehlung !!!

Gelungener Auftakt eines vielschichtigen Ermittlers

Von: Michael Lehmann-Pape Datum : 02.05.2017

www.rezensions-seite.de

Von Beginn an bestens getroffen ist zunächst die besondere Atmosphäre der Zeit und der damaligen Umstände in der Stadt.

1919 in Wien, der erste Weltkrieg verloren, der Kaiser nicht mehr da, es mangelt an allem, von Lebensmitteln bis zum Brennholz, Tausende noch Gefangenschaft.

Und auch August Emmerich, Rayoninspektor in Wien. Mit Ehrgeiz, irgendwann nach „ganz oben“ zu gelangen, zu den „Stars“ der Mordkommission. Aber auf diesem Weg nun in den Niederungen der Polizeiarbeit noch gefangen und immer darauf bedacht, dass seine schmerzhafte Kriegsverletzung keinem näher auffällt, denn das wäre das K.O. Kriterium für alle weiteren Karrierepläne.

Einer, der viel gesehen hat. Dem Leichen nichts mehr ausmachen, Der sich aber einen tiefen Kern an Gerechtigkeitsempfinden bewahrt hat. Der ihm wichtiger ist, als so manche Dienstvorschrift.

Sei es, dass er einen Schwarzhändler versucht, zu stellen (ein Fall, bei dem einiges an Überraschungen noch auf ihn warten wird), sei es, dass ihm zwei vermeintliche Selbstmorde kurz hintereinander keine Ruhe lassen. Und auch das verbindenden Glied beider Fälle hat mit der konkreten Zeit zu tun, denn was da in den Mund genommen wurde, ist seit Jahrzehnten mittlerweile (zum Glück) nicht mehr geläufig, gar nicht mehr bekannt.

Und auch ein weiteres Moment nimmt die Atmosphäre der Zeit bestens auf, das Privatleben des Inspektors. Sowohl, was die Liebe angeht, wird etwas dazwischentreten, was es wohl in dieser Form nur kurz nach Kriegszeiten je gab, als auch seine nächste Wohngelegenheit (bei seinem Auszubildenden), spiegelt hervorragend die Verhältnisse jener Tage, den „Weltenumbruch“, wie viele Kleinigkeiten bestens recherchiert dem Verlauf der Ereignisse eine sehr authentische Note geben.

Wobei auch der Fall, eigentlich ja die Fälle, an sich anregend, spannend und genügend komplex zu lesen sind, um den Leser Seite für Seite bei der Stange zu halten.

Denn wie kann ein „Kriegszitterer“ sich eine Waffe an den Kopf halten? Wie kann einer im Kino fast gemeuchelt werden, nur um dann im Krankenhaus, auf dem Weg der Besserung, noch lange nicht aus dem Schneider zu sein?

Wobei der Leser bei all dem zudem noch mit Besorgnis registrieren muss, das das Schmerzmittel, welches der Inspektor in der Klinik entwendet, eine Reihe von, damals nicht bekannten, Nebenwirkungen nach sich ziehen kann?

Ein Kriminalroman, der in der angesiedelten Zeit bestens funktioniert, bei dem zwar Fingerabdrücke schon genutzt werden, aber alle anderen „modernen“ Methoden noch weit in der Zukunft liegen und reine „Handarbeit“ daher gefragt ist.

Mitsamt engstirnigen Vorgesetzten, faulen Kollegen und kühlen,, aber sehr kompetenten Gerichtsmedizinern (in deren Gegenwart der Leser übrigens doch gute Nerven haben sollte, denn sehr direkt und klar schaut Beer bei solchen Momenten auch gerne mal in harmlos wirkende Zinkbadewannen.

Beste Unterhaltung ist damit garantiert.

Düstere Zeiten

Von: leseratte1310 aus Mönchengladbach Datum : 01.05.2017

Hunger und Not sind in Wien kurz nach dem Ersten Weltkrieg überall gegenwärtig. Der Schleichhandel blüht und Polizeiagent August Emmerich soll diesen Leuten, allen voran Kolja, ihr Handwerk legen. Aber dann wird ein Toter gefunden und Emmerich ist im Gegensatz zu seinen Kollegen nicht davon überzeugt, dass es sich um Selbstmord handelt. Er macht sich mit seinen Assistenten Winter an die Ermittlungen und bald schon gibt es weitere Tote. Die Sache lässt Emmerich keine Ruhe und er gerät selbst in Gefahr.
Der Schreibstil ist sehr angenehm zu lesen. Die Autorin schafft es, die düstere Atmosphäre im damaligen Wien gut und sehr authentisch darzustellen. Es gibt wenige Menschen, die weiterhin im Luxus leben, den meisten fehlt das Nötigste zum Leben. Gute Zeiten für Schwarzhändler, welche die Gunst der Stunde nutzen und ihre Waren zu Wucherpreisen an den Mann bringen.
August Emmerich ist ein Kriegsinvalide, aber er versucht mit allen Mitteln, seine Behinderung zu verstecken, denn er möchte nicht in den Innendienst abgeschoben werden. Am liebsten würde er in der Abteilung Leib und Leben arbeiten, aber dafür müsste er erst einmal Erfolge vorweisen können. Da er aber seine Ermittlertätigkeiten im Fall Kolja vernachlässigt, sieht es mit den Aufstiegschancen nicht gut aus. Emmerich hat ganz bestimmte Vorstellungen von Recht und Gerechtigkeit und die vertritt er auch nach außen. Er geht sehr pragmatisch bei seinen Ermittlungen vor. Wenn man was erfahren will, dann muss man auch unangenehme Wege gehen. Damit hat Winter, der aus einer ganz anderen Gesellschaftsschicht stammt, anfangs so seine Probleme. Emmerich hält zunächst nicht viel von dem Frischling Winter, aber unter Emmerichs Anleitung entwickelt der sich zu einem sehr fähigen Assistenten, der seinen Vorgesetzen bereitwillig unterstützt. Es ist nicht weiter verwunderlich, dass Emmerich durch seine Eigenmächtigkeiten Ärger mit seinem Vorgesetzen Sander bekommt. Darüber hinaus gibt es noch eine ganze Reihe von Charakteren, die individuell und sehr authentisch gestaltet sind.
Zum Verlauf der Geschichte will ich nichts weiter verraten, aber es ist vom Anfang bis zum Ende spannend. Zum Schluss gibt es dann überraschende Wendungen, die ich so wirklich nicht erwartet habe.
Ich bin begeistert von diesem historischen Krimi.

Von: Irgard Rosenbichler aus Gloggnitz Datum : 28.04.2017

Buchhandlung: Buchhandlung Kral

Der zweite Reiter ! ein ganz tolles Buch, spannend interessant und das Ende Phänomenal! Also auf das wäre ich nicht gekommen.

War in zwei Tagen fertig!

Hoffe die Dame schreibt schon am zweiten Fall!

Deine Taten werden dich immer verfolgen

Von: JoeyWolfsdottir Datum : 26.04.2017

joeywolfsdottirsbooks.blogspot.de/

Worum geht es?

Wien, kurz nach dem Ende des Ersten Weltkriegs: Der Glanz der ehemaligen Weltmetropole ist Vergangenheit, die Stadt versinkt in Hunger und Elend. Polizeiagent August Emmerich, den ein Granatsplitter zum Invaliden gemacht hat, entdeckt die Leiche eines angeblichen Selbstmörders. Als erfahrener Ermittler traut er der Sache nicht über den Weg. Da er keine Beweise vorlegen kann und sein Vorgesetzter nicht an einen Mord glaubt, stellen er und sein junger Assistent selbst Nachforschungen an. Eine packende Jagd durch ein düsteres, von Nachkriegswehen geplagtes Wien beginnt, und bald schwebt Emmerich selbst in tödlicher Gefahr...

Was ist meine Meinung zu diesem Buch?

„Er war ein Polizeiagent. Er jagte Verbrecher und zwar in natura, nicht auf dem Papier. Außerdem war er nicht bereit, sein großes Ziel, eines Tages in der Abteilung ‚Leib und Leben‘ aufgenommen zu werden, aufzugeben“ (Seite 15)

Ich bin begeistert von diesem Buch.
August Emmerich ist ein ambitionierter Polizeiagent, der gerne in die Kriminalabteilung ‚Leib und Leben‘ aufsteigen möchte. Er ist in einem Waisenhaus aufgewachsen, hat selbst im Krieg gedient, wobei er sich einen Granatsplitter im rechten Bein eingefangen hat, der nicht entfernt werden kann und ihn zum Invaliden macht.
Ich mag seine moralischen Vorstellungen, die er auch deutlich nach außen vertritt:

„Das sind mir die Liebsten. Nach oben buckeln und nach unten treten“ (Seite 26)

Zum Ärger von August Emmerich bekommt er auch noch den Neuling Ferdinand Winter zur Seite gestellt. Jedoch muss Emmerich seine Meinung über Winter im Laufe der Ermittlungen noch einmal revidieren und ist auch in der Lage seinen Fehler einzugestehen:

„Er hatte Winter Unrecht getan, hatte in ihm, ohne zu hinterfragen, nur das priviligierte Bürschchen aus gutem Hause gesehen“ (Seite 107)

Zur Story selbst will ich nicht so viel schreiben, um einen Spoiler zu verhindern. Jedoch fand ich die Hintergründe sehr gut recherchiert.
Das Buch selbst spielt kurz nach dem ersten Weltkrieg und ich finde Alex Beer hat sehr gut die Atmosphäre der Stadt eingefangen, die Gefühle, die Ängste der Menschen waren greifbar.
Aber auch so Kleinigkeiten wie:

„ ‚Heroin soll ein Wundermittel sein.‘ Sie verrieb die Tablette, bis sie nur mehr Pulver war. ‚Ich habe gehört, dass es noch besser wirken soll, wenn man es einatmet.‘ “ (S.167)

Solche Dinge fallen mir als Apothekerin gleich ins Auge und lassen mein Herz ein klein wenig schneller schlagen.

Der Schreibstil selbst war angenehm zu lesen. Keine komplizierten Verschachtelungen oder ewig lange Absätze.

Da es sich um den Auftakt einer Serie handelt, freue ich mich schon auf weitere Bücher über August Emmerich und seinen Assistenten Ferdinand Winter.

Der zweite Reiter

Von: Erdhaftig schmökert Datum : 21.04.2017

www.erdhaftigschmoekert.wordpress.com

Wien kurz nach dem Ende des vorletzten Weltkriegs, ein versehrter Polizist, der als angeblich Gesunder wieder voll arbeiten möchte und dies auch tut. Zusammen mit seinem adligen Assistenten, der eigentlich so schnell als möglich den Polizeidienst verlassen möchte und nicht darf. Alex Beer recherchierte umfassend und flicht sowohl Milieusprache als auch historische Zusammenhänge in seinen Roman ein. Die Spannungsbögen sind gut gesetzt und die Geschichte trieb mich voran: ich konnte das Buch nicht zur Seite legen und habe es in einem Rutsch durchgelesen. Die Hauptperson hat eine Nase für Morde, vor allem, wenn sein Vorgesetzter davon nichts wissen will, und liegt - natürlich - in diesem Buch damit richtig. Man rätselt mit, automatisch. Der Schreibstil gefällt mir gut, flott und spannend

Historischer Wien-Krimi

Von: NiWa Datum : 13.04.2017

zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Die Donaumetropole Wien nach dem 1. Weltkrieg. Hunger, Elend und Kriegsveteranen prägen das Bild der Stadt und so mancher sieht im Freitod den einzigen Ausweg. Doch als Polizeiagent August Emmerich eine Leiche entdeckt, ist ihm der angebliche Selbstmord zu offensichtlich und er geht eigenständig Ermittlungen an. Denn ein Kriegszitterer kann unmöglich auf sich selbst schießen, meint Emmerich, und ist dabei einem großen Verbrechen auf der Spur.

„Der zweite Reiter“ ist ein historischer Krimi, der im Wien nach dem 1. Weltkrieg spielt. Allein dadurch hat die Autorin ein besonderes Setting erschaffen, weil man auf diesen Zeitraum nur selten in Büchern trifft.

So siedelt sie die Ermittlungen von August Emmerich und seinen Assistenten Ferdinand Winter mitten in bewegende Zeiten an, die vom Untergang der K.u.K.-Monarchie geprägt sind. Angefangen vom alten Adel, der den Abgang von Kaiser und Kaisertum nicht fassen kann, über die Kriegsinvaliden, die kaum eines Blickes gewürdigt werden, bis hin zu den historischen Rahmenbedingungen, die von Alex Beer geschickt zu einem Gesamtbild vereint werden.

Beispielsweise wundert sich Emmerich über diesen bekannten Psychologen Freud, auf dessen Couch so manches Leid von der Seele geredet wird, er freut sich über das Wundermittelchen Heroin, das einen körperlichen Höhenflug garantiert, oder liefert sich mit verarmten Adel ein Wortgefecht, indem die neuen Zeiten zur Geltung kommen, von denen aber keiner weiß, wie sie funktionieren werden.

Dieses historische Setting, durchzogen von einer Atmosphäre der verlorenen Würde und ungeahnter Hoffnung, hat mir besonders gut gefallen. Es wird ein Gefühl für diese Zeit vermittelt, die einerseits so lang her und andrerseits zwischen den Zeilen greifbar nah scheint. Alex Beer schickt den Leser durch Wien, quer durch bekannte Straßennamen und wer sich in dieser Stadt ein bisschen auskennt, merkt schnell, dass sich in den letzten 100 Jahren gar nicht so viel verändert hat.

Polizeiagent August Emmerich hat es nicht leicht. Er verschweigt seine Kriegsverletzung, weil er um seinen Einsatz im Außendienst fürchtet und unbedingt zur Abteilung „Leib und Leben“ versetzt werden will. So legt er sich schon einmal mit Vorgesetzten an, überschreitet manche Kompetenz oder erfindet ein Gesetz, wenn es sich seinen Ermittlungen als nützlich erweist. Privat wird ihm vom Leben übel mitgespielt und ich will gar nicht wissen, wie vielen Menschen es nach dem Krieg ähnlich ergangen ist. Ich habe August Emmerich als angenehmen, sympathischen Ermittler empfunden, der sich mit einer guten Portion Schmäh schon zu helfen weiß.

Die Krimihandlung selbst ist solide, durchdacht und authentisch geschildert. Emmerich ermittelt in diesem Selbstmordfall, von dem er nicht glaubt, dass es tatsächlich ein Freitod war. Dabei kommt er beängstigenden Machenschaften auf die Spur und deckt größere Zusammenhänge auf, mit denen ich so nicht gerechnet hatte.

Außerdem hat die Autorin eine gute Balance zwischen historischem Hintergrund, Ermittlungstätigkeit und ihrem Protagonisten geschaffen, die von ihrem angenehm flüssigen Schreibstil getragen wird. Erwähnenswert sind noch etliche Mundartphrasen, die auch heutzutage im Alltag verwendet werden und mir als Österreicherin natürlich sehr gut gefallen haben.

Insgesamt bietet Alex Beer mit „Der zweite Reiter“ einen historisch interessanten, gut durchdachten Reihenauftakt, der mit dem sympathischen Ermittler und ihrem Gefühl für die untergegangene Donaumonarchie Lust auf weitere Teile der Reihe macht.

Kriegsversehrter auf Mörderjagd

Von: YukBook Datum : 12.04.2017

www.yukbook.me

Es ist ein düsteres Bild von Wien, das die österreichische Schriftstellerin Alex Beer in ihrem Debütroman zeichnet. Wir befinden uns im Jahre 1919. In der ehemals prachtvollen Reichshauptstadt herrscht bitterste Armut. Es mangelt an Lebensmitteln, Medikamenten, Kohle und Kleidung. So ist es nicht verwunderlich, dass sich viele Kriminelle mit Tricks und Betrügereien an Leid und Elend bereichern.

Dem will Protagonist August Emmerich ein Ende setzen. Der Kriegsveteran und aufstrebende Polizeiagent ist kurz davor, dem Anführer eines Schleichhändlerrings endlich das Handwerk zu legen. Er wird jedoch durch eine Serie von mysteriösen Todesfällen abgelenkt. Die Überzeugung seines Vorgesetzten, dass es sich um Selbstmord handle, kann er nicht teilen und ermittelt mit seinem Assistenten Ferdinand Winter auf eigene Faust. Dass mit dem zynischen Emmerich und dem zartbesaiteten Winter zwei Welten aufeinander prallen, mag zunächst klischeehaft wirken, tut der Geschichte jedoch keinen Abbruch. Denn in diesem wendungsreichen Krimi erlebt man immer wieder eine Überraschung. Glaubt Emmerich, kurz vor der Auflösung des Falls zu stehen, rücken neue Details ins Blickfeld, die seinen Glauben immer mehr erschüttern.

Alex Beer versteht es, die morbid-melancholische Atmosphäre und das Elend der Stadt geschickt in die Handlung einzuweben. Ganz gleich, ob man mit dem Ermittlerduo in der Trambahn durch Wien fährt, in Obdachlosenheimen und Heurigen das Personal befragt oder in der Unterwelt landet, die Beschreibungen sind so authentisch, dass man die Schauplätze deutlich vor Augen sieht. Alex Beer ist ein sehr spannender und vielschichtiger Roman gelungen, der sich mit den Auswirkungen des Krieges beschäftigt und deutlich macht, dass es in Zeiten von tiefstem Elend und Abstumpfung nicht auf Rang und Ehre, sondern auf Menschlichkeit ankommt. Man darf gespannt sein auf den nächsten Fall des sympathischen Ermittlerduos.

ein Meiserwerk!

Von: Josef B. aus Wien Datum : 10.04.2017

Es gibt gute Bücher und es gibt sehr gute, hier aber handelt es sich um ein Meisterwerk!
Die Autorin dieses Krimis heißt mit richtigen Namen Daniela Larcher und legt unter dem Pseudonym Alex Beer einen wunderbaren historischen Kriminalroman vor: August Emmerich, seines Zeichens Rayonsinspektor hat den Ersten Weltkrieg als Soldat überlebt aber hat er ihn auch überwunden?
Mit Heroin, welches zu dieser Zeit als Husten -und Schmerzmittel bekannt war, versucht er den Schmerzen seiner Kriegsverletzung im Knie Herr zu werden. Was als Observierung von Schwarzhändlern beginnt führt den zielstrebigen Rayonsinspektor in eine Geschichte von Morden und Kriegsverbrechen.
Der zweite Reiter ist Emmerichs erster Fall und der fünfte Krimi der Auorin. Ihre gekonnte Erzählkunst entführt den Leser in das Wien der Zwischenkriegszeit und läßt ihn bis zum Ende nicht mehr los! (J.B.)

Kleine Schwächen durch eine Vielzahl von Stärken getilgt

Von: Pealrcore Datum : 09.04.2017

pearlcore.deviantart.com/

Beachtet bitte Folgendes:

- falls ihr nicht wollt, dass ich euch etwas aus der Story vorwegnehme - obwohl ich natürlich Spoiler vermeiden möchte- könnt ihr gerne gleich zum Fazit scrollen, um ganz sicher zu gehen.
- Zum Einen versuche ich objektiv an die einzelnen Teilaskpekte heranzugehen, zum Anderen ist meine eigene Wertung (je nachdem manchmal in einem extra Absatz) natürlich auch miteingebaut
- über konstruktive Kritik aller Art freue ich mich natürlich immer - egal was es betrifft

***********************************************************

Autor: Alex Beer (Daniela Larcher)
Titel: Der Zweite Reiter
Genre: Historischer Kriminalroman (1919)
Verlag: Limes
Erscheinung: März 2017
Seitenanzahl: 382 Seiten
ISBN: 978-3-8090-2675-4

www.randomhouse.de/Buch/Der-zw…

***********************************************************
Inhaltsangabe

Nach dem Krieg steht Wien vielen Herausforderungen bevor: Hunger, Armut, Elend und Verbrechen. In diesem Mileu kommt es zu einem Tod, den Umständen nach kaum eine Besonderheit mehr, augenscheinlich sogar ein Selbstmord. Nur Rayonsinspektor August Emmerich hat seine Zweifel und ermittelt mit seinem neuen Assistenten, Ferdinand Winter auf eigene Faust an dem Fall- zum Teil auf seine ganz eigenen Arten und Weisen. Tatsächlich finden sie Anhaltspunkte, die auf einen Mord hindeuten könnten, doch überschlagen sich die Ereignisse, bis nicht nur die Leben weiterer potenziellen Opfer, sondern auch ihre eigenen auf dem Spiel stehen.
Zwischen eigenem weltlichem und persönlichen Elend, Konflikt mit seinen Vorgesetzten, sowie Laster aus seiner Vergangenheit muss Emmerich sich mehr oder weniger legalen Mitteln bedienen, um einen Fall aufzuklären, dessen Wurzeln weit bis in den vergangenen Krieg reichen.

Die Auflösung des Falls ist dabei sowohl in kleinen Personenkreisen gehalten, sodass man als Leser gut miträtseln kann, bietet aber, durch die Rückgriffe in Kriegszeiten eine ausgesprochene Komplexität- dadurch ist der Fall zwar in sich rund, bietet aber trotzdem einige Überraschungen. Diese Überraschungen sind abermehr als einmal purem Glück und Zufällen überlassen, welche Emmerich auf die richtige Fährte, oder unbeschadet aus einer schwierigen Situation bringen. Leider verliert die Geschichte dadurch an manchen Stellen an Realismus, was zum bis Ende hin deutlich verbessert- hier spielen mehr die Strategie der Agierenden als deren Glück eine wesentliche Rolle.
Trotz dem und obwohl der Plot - heruntergebrochen auf seinen Verlauf- zunächst äußerst klischeehaft klingt, sind es vor allem die Einzelheiten und Details, die motivieren, weiterzulesen; die Gestaltung von (Neben-)Charakteren, Dialoge (und deren Entwicklung) sowie verschiedenste Orte, auf welche ich im Näheren genauer eingehen werde.

***********************************************************
Charaktere

Der Protagonist August Emmerich, aufgewachsen im Waisenhaus, ehemaliger Soldat, Ziehvater einer verwitweten Familie und Rayonsinspektor der Polizeiagentur Wien hat einen eigenen Gerechtigkeitssinn und träumt davon, in die Abteilung 'Leib und Leben' versetzt zu werden, welche dem Aufklären von Morden nachgeht. Obwohl er eine ruppige Art an den Tag legt, und im Umgang mit Toten eher rational als emotional vorzugehen versucht, zeigen sich im Laufe der Handlung dennoch weiche, menschliche Seiten an Emmerich- insbesondere was seine Vergangenheit oder seine Familie angeht. Dennoch nimmt er trotz seinem Dasein als Polizist das Gesetz nicht immer allzu streng und wird häufig gewalttätig, was die meisten Situationen aber auch erfordern.
Sein junger Assistent Winter dagegen ist das Gegenteil von alledem. In gutem Haus aufgewachsen verlor Ferdinand seine Familie- bis auf seine konservative Großmutter- an die Spanische Grippe und möchte entgegen ihres Wunsches Polizist werden. Wegen seiner sensiblen, naiven Art wird er von Emmerich anfangs als Klotz am Bein betitelt, beweist sich aber durch andere Stärken, sowie durch seine unerschütterliche Loyalität zu seinem oftmals dreisten Vorgesetzten und erlebt in Laufe der Erzählung eine starke Entwicklung.

Auch Nebencharaktere, wie z.B. die einzelnen Opfer bekommen genügend 'Screentime', um vertraut zu werden, um ihre Vergangenheit, ihre Träume und ihre einzelnen Persönlichkeiten zu erfahren. Alle sind individuell vom Krieg geprägt, ob Waise, ehemaliger Soldat oder (geistig) Kranke. Zudem sind die einzelnen Personen auch durch vielfältige Beziehungen verknüpft, welche sich nicht nur auf positiv oder negativ beschränken, sondern zu Teil sehr interessant dazwischen entwickeln.

***********************************************************
Stil

Zurückblickend war die Story nicht nur spannend zu lesen, sondern bot eine Vielzahl an Schauplätzen und Milieus, welchen es gelang, den Leser realitätsnah in das Wien der Nachkriegszeit zu versetzten- mit allen seinen Fassetten: Von Armenhäusern und Elendsviertel bis zu Edelcafés und prachtvollen Palästen ist alles dabei, und das ausführlich und treffend beschrieben.
Die Dialoge waren weitgehend realistisch und durch den eingebauten österreicher Dialekt sehr abwechslungsreich und zum Teil unterhaltsam zu lesen. Was dabei anzumerken ist, ist wie dabei nie die Verständlichkeit der Dialoge eingeschränkt wird.
Am Schreibstil generell habe ich also nichts auszusetzen- im Gegenteil : Er ist realitätsnah, findet für angemessene Stellen hingegen geschmackvolle Umschreibungen und zeigt alle Aspekte Wiens nach dem Krieg auf.

***********************************************************
Fazit

Wenn auch der Plot von 'Der Zweite Reiter' von vielen Zufällen geprägt ist, durch welche der Protagonist seine Indizien erlangt, sorgen die gut ausgearbeiteten Charaktere sowie deren Beziehungen im Roman für Abwechslung und Realismus, da jeder von ihnen eine eigene Geschichte mit sich trägt, die durch die Nachfolgen des Kriegs beeinflusst werden. Die Umschreibungen der Stadt Wien in der Nachkriegszeit sind subtil und passend eingebaut und ermöglichen es, die Stadt von damals in all ihren Fassetten zu erleben- auch mit einigen politischen Randinformationen.
Ich empfehle das Buch an all jene, die Krimis an sich mögen und mehr über das Wien nach dem ersten Weltkrieg erfahren wollen. Wer aber eher auf puren Realismus aus ist, kann denke ich über die wenigen auf purem Glück für den Protagonisten basierenden Stellen hinwegsehen.

***********************************************************

Alles richtig gemacht!

Von: Elke Heid-Paulus Datum : 05.04.2017

www.lovelybooks.de/mitglied/Havers/rezensionen/


(0)




„Der erste Reiter hat die Tyrannei gebracht, der zweite den Krieg…“, und mit den schrecklichen Nachwirkungen haben die Menschen in Wien auch 1919 noch immer zu kämpfen. Zum einen ist da der allgegenwärtige Mangel, bereits die einfachsten Dinge fehlen. Ob das nun Nahrungsmittel oder Medikamente sind, vieles ist, wenn überhaupt, nur noch auf dem Schwarzmarkt erhältlich und sichert den Schleichhändlern fette Profite. Zum anderen sind da die Überlebenden, von denen die meisten auf den Feldern Galiziens gekämpft haben. Sie konnten zwar ihr Leben retten, haben aber doch Verletzungen davongetragen, mit denen sie noch immer kämpfen – ganz gleich, ob diese physischer oder psychischer Natur sind.

So auch August Emmerich, Rayonsinspektor im 22. Bezirk, Kriegsversehrter mit einem Granatsplitter im Bein, der gemeinsam mit seinem Assistenten Winter hinter einem Schleichhändler her ist und im Laufe seiner Ermittlungen buchstäblich über die Leiche eines vermeintlichen Selbstmörders stolpert. Aber Emmerich ist misstrauisch, und die genauere Untersuchung des Toten bestätigt seine Vermutung. Obwohl nicht offiziell mit dem Fall betraut, stellt er Nachforschungen an, böte sich ihm doch im Erfolgsfall eventuell die Möglichkeit, in die Abteilung „Leib und Leben“ (= Mordkommission) zu wechseln.

Und es bleibt nicht bei diesem einen Mordfall, aber es stellt sich die Frage nach den Zusammenhängen. Wo ist die Verbindung zwischen den verschiedenen Opfern? Zufall, oder kannten sie sich? Bis diese Frage geklärt ist, soll es noch eine Weile dauern, aber schließlich führt ein zufälliger Fund die beiden Ermittler auf die richtige Spur.

„Der zweite Reiter“ ist der erste historische Kriminalroman der Österreicherin Daniela Larcher, die hier unter dem Pseudonym Alex Beer schreibt. Lesern von Regionalkrimis ist die Autorin wahrscheinlich durch ihre Reihe mit Inspektor Morell bekannt, ich hatte bisher noch nichts von ihr gelesen und bin nun doch angenehm überrascht. Offenbar hat sie im Vorfeld sehr gut recherchiert, gelingt es ihr doch, beeindruckende Bilder des Lebens in der österreichischen Metropole nach dem Ersten Weltkrieg stimmig in diesen Kriminalroman einzuarbeiten. Die Atmosphäre passt, die Ereignisse aus dem persönlichen Umfeld des Inspektors sind stimmig, und auch das Drumherum wirkt glaubhaft und nicht aufgesetzt.

August Emmerich ist kein Superman, der alle Probleme mit links löst. Und auch wenn er bei seiner Arbeit einige Rückschläge einstecken muss, ist es eine andere Baustelle, die ihm weitaus größere Kopfschmerzen bereitet, da sein Privatleben von heute auf morgen durch die unerwartete Rückkehr des totgeglaubten Mannes seiner Lebensgefährtin komplett auf den Kopf gestellt wird. Dieser Handlungsstrang ist eigentlich prädestiniert dazu, in Sentimentalitäten abzugleiten, aber selbst diese Klippe umschifft die Autorin gekonnt.

Von daher hat Alex Beer alles richtig gemacht. Und wir dürfen uns freuen: der zweite Band mit August Emmerich ist offenbar bereits fertiggestellt, Teil drei in Arbeit. Ich freue mich darauf!

Spannend und eindringlich

Von: Oma Inge Datum : 02.04.2017

iwoal.blogspot.de/

Wien kurz nach dem ersten Weltkrieg. Das Leben ist für die Bewohner nicht einfach und die Kluft zwischen arm und reich ist gewaltig. August Emmerich ist als Invalide aus dem Krieg zurückgekehrt. Er ist als Rayonsinspektor bei der Polizei angestellt und versucht seine Verwundung zu vertuschen damit er nicht in den Innendienst versetzt wird. Er ist mit Leib und Seele Ermittler und vermutet bei einem Leichenfund, dass es kein Selbstmord war. Außerdem plagt er sich mit seinem jungen Assistenten Ferdinand Winter herum der andere Ansichten von Polizeiarbeit hat.

Mein Leseeindruck:
Das Buch hat mich in seinen Bann gezogen obwohl für mich als Norddeutsche zu Anfang einige Hürden (Sprache/Ausdrücke) zu nehmen waren. Rayonsinspektor und Schleichhändler kannte ich nicht, aber jetzt.
Der Hauptprotagonist August Emmerich alleine war die Lektüre wert. Verletzt aus dem ersten Weltkrieg nach Hause gekommen, verschweigt das seinem Vorgesetzten damit er nicht in den Innendienst versetzt wird. Dann muss er sich mit einem Assistenten herum plagen der ihn eigentlich bei seiner Art zu arbeiten stört. Im Laufe der Handlung ändert sich der Verhältnis zwischen August Emmerich und Ferdinand Winter. Privat läuft es für August nicht gut. Er lebt mit einer Frau und deren Kinder zusammen und dann taucht der totgeglaubte Ehemann auf........
August vermutet bei einem Toten einen Mord nur kann er seinen Vorgesetzten nicht davon überzeugen. Trotzdem ermittelt er, auch weil er auf eine Beförderung in die Mordabteilung hofft.

Das Leben in Wien kurz nach dem Krieg ist für den Großteil der Bevölkerung nicht einfach. Hunger und Perspektivlosigkeit lähmen die Menschen. Der Spagat zwischen den wenigen Reichen und dem Rest der Wiener ist gewaltig. Alex Beer versteht es die entbehrungsreiche Zeit zu schildern. Auch wenn August Emmerich nicht immer auf ehrliche Art an seine Informationen kommt ist er mir immer sympathischer geworden. Ich habe viel über die Zeit nach dem ersten Weltkrieg gelernt.

Ein spannender Krimi mit einer eindringlichen historischen Geschichte.
Ich hoffe auf weitere Fälle für August Emmerich.

Spannender Krimi mit super recherchiertem Hintergrund

Von: catching.wordsss Datum : 27.03.2017

catching-wordsss.blogspot.de/

Allgemeines

Titel: Der Zweite Reiter
Autorin: Alex Beer
Verlag: Limes
Genre: Kriminalroman
ISBN: 978-3-8090-2675-4
Seiten: 377
Preis: 19,99€

Buch kaufen

Klappentext

"Wien, kurz nach dem Ende des Ersten Weltkrieges: Der Glanz der ehemaligen Weltmetropole ist Vergangenheit, die Stadt versinkt in Hunger und Elend. Polizeiagent August Emmerich, den ein Granatsplitter zum Invaliden gemacht hat, entdeckt die Leiche eines angeblichen Selbstmörders. Als erfahrener Ermittler traut er der Sache jedoch nicht. Da er keine Beweise vorlegen kann, und sein Vorgesetzter nicht an einen Mord glaubt, stellen er und sein junger Assistent Ferdinant Winter selbst Nachforschungen an. Eine packende Jagd durch ein düsteres, von Nachkriegswehen geplagtes Wien beginnt, und bald schwebt Emmerich selbst in tödlicher Gefahr ... "

Cover

Das Cover ist relativ schlicht und nicht sehr aufdringlich. Es zeigt eine kleine Szene in schwarz-weiß auf den Straßen Wiens. Der Mann, der im Vordergrund mit dem Rücken zum Leser steht, stellt vermutlich den Kommissar dar.
Der Titel selber ist rot, während Autorin und Untertitel in schwarz gehalten sind.

Schreibstil

Den Schreibstil fand ich sehr angenehm. Es war sehr schnell und einfach zu lesen.
Die Erzählperspektive hat mir sehr gefallen, da ich in letzter Zeit den Er-Erzähler viel angenehmer zum Lesen finde, als einen Ich-Erzähler.

Charaktere

August Emmerich hat mir wirklich sehr gefallen. Es war kein überheblicher Kommissar, der keine Lust mehr auf seinen Job hatte. Er hat sich wirklich sehr in seinen Fall hinein gekniet und war mit Leidenschaft dabei. Auch seine Menschlichkeit kam sehr gut zum Vorschein - dass er auch Interesse am Wohl seiner Mitmenschen gezeigt hat. Es war auch gut zu erkennen, dass auch er nur ein Mensch ist, der an den Kriegsfolgen leidet, nicht nur körperlich, sondern auch finanziell.
Sein Assisstent Ferdinand Winter war auch ein sehr guter Protagonist. Sympathisch, jung, relativ neu in seinem Job, aber trotzdem immer darauf bedacht, für die Guten zu arbeiten.

Meinung

Dieser Kriminalroman hat mich wirklich überzeugt. Es bliebt die ganze Zeit spannend und es wurden viele Fäden gesponnen, die am Ende zur Lösung des Falles führten.

Die verschiedenen Schicksale die in dem Roman beleuchtet wurden, waren wirklich interessant, wie jeder selber mit den Folgen des Krieges zu kämpfen hat.

Besonders hat mir diese Liebe zum Detail gefallen, wenn es um die Schilderung Wiens nach dem ersten Weltkrieg ging.
Schockierend und faszinierend zugleich.
Es war wirklich gut zu erkennen, dass alle unter den Folgen litten, sogar ein Kriminalkommissar, der eigentlich einen geregelten Job hat.
Die Ausbeutung der Menschen durch diverse Auswandereragenturen hat mich wirklich geschockt, wie man einfach die Leichtgläubigkeit der Menschen damals ausgenutzt hat, die sich nur nach einem besseren Leben sehnten.

Ein wundervoll recherchierter Roman, mit vielen Schilderungen, die einen ins Wien von 1919 versetzt haben und einer spannenden Kriminalgeschichte, die kaum an Spannung verliert.


★ ★ ★ ★ ★ / ★ ★ ★ ★ ★


Vielen Dank an das Bloggerportal, für die Zusendung dieses Renzensionsexemplares.