Leserstimmen zu
Aus der Tastatur gefallen

Terry Pratchett

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Es gibt verschiedene Gründe, humorige Bücher zu schreiben. Ich sage extra humorig und nicht – lustig. Im Grunde genommen sind die Bücher von Terry Pratchett nicht lustig. Was ist nun der Unterschied? Für mich ist lustig – nun, so etwas worüber ich lache, aber im nächsten Moment vergessen habe warum. Humor ist, wie sagte jemand, Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Es besteht also in jeder Spielart von Humor ein Kern von Ernst. Und Humor erinnert die Menschen meist an ihren eigenen Ernst und deswegen bleibt der Humor (manchmal im Halsstecken) in der Erinnerung. Pratchett ist zornig, nicht lustig. Und das war seine Motivation, Bücher zu schreiben. Zornig auf die Dummheit, Ungerechtigkeit, menschliche Torheit, Kurzsichtigkeit, zornig auf seine Krankheit, zornig darauf, nicht selbstbestimmt in den Tod gehen zu dürfen. Für das letzte Recht hat er jahrelang gekämpft. Aber daneben hat Pratchett auch viel Liebe in sich, denn Zorn alleine lässt einen verbittern in dieser Welt. Terry Pratchett hat mich in meinem bisherigen Bücherleben treu begleitet, bis er plötzlich, ohne mich zu fragen, gestorben ist. Einer der Großen und humorigen Schriftsteller ist von uns gegangen, zum Glück hat er reichlich Material hinterlassen. Und seine Bücher sind auf jeden Fall einen zweiten Blick wert. Nun ich will jetzt nicht über seine Bücher reden, aber über das vorliegende Buch, welches Essays, Gedanken und Vorträge Pratchetts in meist chronologischer Form enthält und einen tiefen Einblick in seine Seele wirft. Zornig ist Pratchett auch bei einer falschen Wortwahl. Worte sind Werkzeuge bei seinem Handwerk. „Erwartet man denn von einem Musikliebhaber nicht, dass er bei einem falschen Ton zusammenzuckt? Denken Sie darüber nach. Worte verwandeln uns vom Affen zum Menschen. Wir bringen sie hervor, wir verändern sie, jagen sie, essen sie und leben von ihnen – sie sind wahre Arbeitspferde, die jede Last tragen. Sie möglichst gewandt zu gebrauchen, ist die Kunst des schriftstellerischen Gewerbes. Manchmal ist das falsche Wort das richtige Wort, und manchmal kann man Worte so drehen und wenden, dass die Stille schreit. Ihre Pflege, ihre Fütterung und, ja, ihre Aufzucht ist ein Teil der Handwerkskunst, deren Geselle ich bin.“ Pratchett hat viele Fantasy Bücher geschrieben. Beim Wort Fantasy zucken viele Leser erst einmal zurück, doch laut Pratchett ist sie die Urform aller Genres. Für ihn besteht die Rolle der Fantasy darin, sich das Normale, Alltägliche, Gewöhnliche und Unbeachtete vorzunehmen, es umzukrempeln und den Lesern aus einem anderen Blickwinkel zu zeigen, damit sie es mit anderen Augen betrachten können. Die Fantasy und Science-Fiction hat vieles voraus gesagt (und vieles nicht), was sie aber nicht bedachte war, dass wir das Internet benutzen um Social Media zu betreiben, Pornos zu schauen und zu chatten. Die Menschen vor dem Computer sind dieselben geblieben, auch wenn sich die Technik geändert hat. (Da ist er wieder der zornige Pratchett, der aber fasziniert die Menschheit betrachtet und diesen Zorn in lakonischen Witz verwandelt) Nebenbei erzählt uns Pratchett, wie er zu seinem Hut kam, wie er sein Handwerk als Pressesprecher eines Atomkraftwerkes erlernte, was Buchhändler bei Signierstunden besser machen können, wie ein Affe der Bibliothekar in der Scheibenwelt werden konnte und wie die Idee der Scheibenwelt überhaupt das Licht der Welt erblickte. In den späteren Essays wird es ihm immens wichtig, die Selbstbestimmung über seinen eigenen Tod zu bekommen (die er letztendlich erhalten hat) und das ungerechte britische Krankensystem anzuklagen. Die Essays sind sehr kurzweilig, witzig, gegen Ende fast schon tragisch, da (Sir) Pratchett seine Texte wegen seiner Krankheit nicht mehr selbst vortragen konnte. Ein wirklich großer Schriftsteller hat uns dann 2015 im Kreise seiner Familie mit nur 66 Jahren verlassen. Geblieben ist sein sehr umfangreiches Werk, die Zusammenarbeit mit namhaften Schriftstellern, die wunderschönen Comicadaptionen, Filme, Theaterstücke und und und … Und natürlich dieser wunderschöne Nachruf, der Pratchett als Mensch beleuchtet. Nicht lustig, aber zornig, doch immer mit einem liebevollen Blick.

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Man muss Terry Pratchett nicht kennen, um ihn zu mögen. Also seine Geschichten. Ihn persönlich zu mögen, ohne ihn persönlich gekannt zu haben, das wäre ja ebenso vermessen, wie ihn nicht zu mögen. Persönlich, meine ich. Zu kompliziert? Auch nicht komplizierter als manche seiner Geschichten. "Aus der Tastatur gefallen" fasst mehrere Dutzend - ja, wie soll man sagen - erzählerische Gedankensplitter zusammen. Seien es Vorworte, seien Kolumnen, seien es sowas wie Liebesbriefe. Nein! Nicht Liebesbriefe im herkömmlichen Verständnis und die kämen bei Pratchett auch nicht daher wie herkömmliche Liebesbriefe. Der Schöpfer der Scheibenwelten hat einen Stil, der … so anders ist. Ironisch mal, sarkastisch mal und auch mal einfach nur … ja … einfach mal humorvoll. Allein die Erzählung über seine Lesereise durch Australien. 14 Tage lang. Dabei beschreibt er 13 Tage recht genau, wo er war, wie er war, wieviel Leute sich die Bücher signieren ließen, wie lange es jeweils dauerte. Ja, aber wo bleibt der 2. Tag? Er springt von Tag eins, der Abreise, zu Tag drei nach der Landung. Tag zwei werde vom australischen Zoll konfisziert, erzählt er. Man erhalte ihn erst bei der Abreise zurück. Dann zeigt er dem Leser, dass wir doch eigentlich auch nur in einer Fantasywelt leben: "Nehmen wir eine Spezies, die ein paar Meilen über feuerflüssigem Gestein und ein paar Meilen unter einem alles erstickenden Vakuum lebt … In einem Universum, in dem ganze Galaxien explodieren können, glauben sie an Sachen wie "Naturrecht" und "Vorsehung" und sogar an Demokratie" (Terry Pratchett "Aus der Tastatur gefallen", Seite 117 "Wessen Fantasy sind Sie?") und wenig später macht uns der Fantasy-Autor klar, das ja … zum Beispiel seine Landsmännin Agatha Christie auch nur Fantasy geschrieben hat. Fantasy, die wir ebensowenig erkennen wie wir an seine Scheibenwelt glauben, die auf einer Schildkröte durchs All schwebt. Er hat schon etwas Augen öffnendes, wenn man es sich selbst erlaubt, einmal seine Position einzunehmen, mit der er oft auf Alltägliches blickt. Folgen wir ihm, erkennen wir aufgrund der neuen Perspektive auf einmal neue Bilder. So wie jene Bilder, die mal eine junge, schöne Frau zeigen oder das Gesicht einer Hexe. Je nachdem, wie wir unseren Blick einstellen und unser Gehirn polen. Und Pratchett macht das ohne erhobenen Zeigefinger. Schließlich ist er kein Oberlehrer, sondern war gelernter Redakteur. Okay. Kann man diskutieren, welcher Typ der nervigere ist. Wobei ich mich immer auf die Seite des Redakteurs schlüge. Und da ist noch ein Punkt, der ihn sympathisch macht. Wahrscheinlich ist es sogar der Punkt, weswegen er zu einem der bekanntesten SF-Autoren der Szene und von seiner Königin geadelt wurde: Er vergaß nicht, dass er auch einmal jung gewesen war. Erfahrung sammeln musste. Menschen brauchte, die Verständnis für ihn und seine vermeintlich verschrobenen, weil nicht ins Bild der angeblich normalen Welt passenden, Ideen. Für Pratchett Fans ein Muss. Für angehende Autoren und all diejenigen, die irgendwo behaupten: "Ich schreibe schon mein ganzes Leben lang …" eine Pflicht. Für die, die Pratchett nicht kennen - oder vielleicht auch nicht mögen - reines Vergnügen.

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Diese Anthologie versammelt die besten und unterhaltsamsten Essays, Artikel und Reden Terry Pratchetts. Hier findet man alles, was ihn im Lauf seines Lebens bewegt hat: Erinnerungen an seine Großmutter, Gedanken zu Gandalfs Liebesleben oder die Frage, welche Bücher, sein eigenes Werk inspiriert haben. Er spricht über seine Liebe zu Weihnachten, gibt Einblicke in seine Schulzeit oder verrät, zu welcher Tageszeit man am besten schreibt. Selbst die ernsten Themen, denen er sich widmet, sind stets durchdrungen vom Humor und der Lebensklugheit dieses wundervollen Autors. Ich musste diesen Monat mehrheitlich nicht so gute Bücher lesen, sodass ich vor ein paar Tagen sehr verzweifelt zu meinem Allheilmittel gegriffen habe. Dieses Buch war schon seit letztem Jahr auf meinem ereader und ich habe anscheinend auf den passenden Moment gewartet; dieses Buch hat mich in der Badewanne und danach auf der Couch einfach nur wunderbar entspannt. Im Gegensatz zu den schrägen und minütlich auftretenden Witzen in den Scheibenweltromanen, ist hier ein manchmal deutlich bissigerer Witz zu erkennen, vor allem, wenn es darum geht, seine Meinung zu aktiver Sterbehilfe zu vertreten. Aber auch in anderen Texten schlägt er nicht nur verrückt, sondern auch ernstere oder zumindest nachdenklichere Töne an, sodass ich einen ganz neuen Pratchett kennenlernen durfte. Was mir besonder gut gefallen hat, war dieses Miteinander mit den Fans. Es kommt vielleicht daher, dass Science-Fiction-Autoren, die ihn beeinflusst ahben, immer bereit waren, ihre Fans im eigenen Schreiben zu unterstützen, wodurch eine Gemeinschaft entstand, auf die Pratchett immer wieder Bezug nimmt. Wenn er dann zeigt, wie er Fanbriefe beantwortet und durchaus schätzt, auch wenn sie immer wieder genau dieselben Inhalte haben, rückt einem Sir Terry einfach noch näher auf der Couch im Herzen. Das Buch ist zum Schmunzeln, zum Teil zum Schreien komisch, und so voll mit warmherzigem Humor und gleichzeitig einer gewissen Bitterkeit in den letzten Seiten, dass ich es mir grade eben noch einmal als Buch bestellt habe, um es mit zur restlichen Sammlung ins Regal zu stellen.

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In dieser Anthologie findet man so viel Weisheit, dass es einen tief bewegt. Wer Pratchetts Bücher kennt, weiß schon längst, wie intelligent und weise dieser Mann war. Mag es sich auf den ersten Blick nicht sehr spannend anhören, ein Buch voller Reden und Texte, so kann ich Euch sagen: Doch, das ist es! Er erzählt von seiner Jugend, seinem ersten PC. Von seiner Überraschung, dass sich die Scheibenwelt überhaupt verkauft hat. Davon, wie man Schriftsteller wird und ein bessere Buchhändler. Er erzählt, was ihm selbst auf seinen Lesereisen passiert ist. Manches ist schreiend komisch, bei anderem kann man nur den Kopf schütteln. Da schob ihm jemand das Buch zum Signieren unter der Tür durch, während er auf der Toilette war. „Eine Frau versucht mich heimlich zu bestechen, damit ich ihren Sohn in einem meiner nächsten Bücher auftreten lasse. Blöderweise heißt er John (oder Sam oder Tony …. kann mich nicht genau erinnern). Erkläre ihr, dass seine Chancen mit einem Namen wie Donnerbö oder Chalzedon besser stünden.“ Bei manchen erfährt man, welche Inspiration ihm zu welchem Buch verholfen hat. Das fand ich sehr spannend. Wie schlecht sich seine Bücher in Amerika verkauft haben, weil die Verleger dort die Romane in der falschen Reihenfolge raus gaben, unkorrigierte Fassungen, seinen Namen falsch schrieben..... Und egal über was er schreibt, die Texte sind alle wunderbar persönlich. Er erzählt auch, wie wenig angesehen Fantasy im letzten Jahrhundert war. Das war mir gar nicht bewusst. Er schreibt über die Rolle der Frau in Fantasy-Romanen. „Zauberer gehören gerne einem Orden an oder sind zumindest in eine Hirachie eingebunden. […] Frauen gibt es in den dortigen Zauberschulen so gut wie keine, obwohl ja irgendwer die Klos putzen muss. […] Dass traditionell natürlich auch sämtliche Märchenhexen bösartige, hässliche alte Weiber sind, versteht sich schon fast von selbst. Wahrscheinlich sind die Lebkuchenhäuschen schuld – kein Wunder, dass die Hexen stets als zahnlos dargestellt werden, wenn sie in einem 90.000-Kalorien-Haus wohnen. […] Da haben wir sie wieder, die immer gleiche Botschaft: Weibliche Magie ist böse und niederträchtig.“ Er schreibt, warum das Happy End wichtig ist und wie dankbar er seinen Leser*innen ist. Natürlich schreibt er auch über seine Krankheit und über das Anliegen, dass ihm am Ende seines Lebens so wichtig war: Über Sterbehilfe. Die Texte reichen von 1963 bis 2011. Es ist sehr spannend – und traurig, wie Pratchett sich verändert hat. Man spürt, wie die Texte von seinen jungen Jahren, bis zu seinem Höhepunkt immer besser werden. Wie außerordentlich genial sie zu seinen besten Zeiten sind. Und man spürt, wie die Texte sich wieder verändern, als er erkrankt. Ich habe viel gelacht mit dem Buch und manchmal war ich auch traurig. Traurig, dass ich ihn nie kennen lernen durfte und dass er so früh verstorben ist. Es gibt so ein Spruch: Die besten Menschen müssen immer zu früh gehen, weil Gott sie selber bei sich haben will. Terry Pratchett war ganz sicher einer der besten in seinem Metier, aber auch persönlich war er herzlich und bescheiden. Das wird in diesem Buch deutlich. (Einzig das Cover hätte ein bisschen schöner sein können. So viel Weisheit, in so einem unscheinbarem Buch). Fazit: Das Buch ist nicht nur für Fans und Schriftsteller ein Muss! Von diesem Buch kann jeder lernen. Ich wünsche dem Buch von Herzen viele Leser*innen!

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Da ich ein Scheibenwelt-Fan bin war für mich klar, dass ich dieses wundervolle Buch lesen würde, als ich es im Verlagsprogramm entdeckt habe. Terry Pratchett ist leider 2015 an den Folgen einer der Alzheimer-Demenz ähnlichen Krankheit gestorben. Er hat aus seiner Kranmkheit kein Geheimnis gemacht und bereits 2007 bekannt gegeben, dass er unheilbar erkrankt ist. Ich habe ihn sehr bewundert und war unendlich traurig, als er letztendlich gestorben ist. Seine Scheibenwelt-Romane waren dermaßen erfolgreich, dass sie in 37 Sprachen übersetzt wurden, Terry Pratchett hat insgesamt rund 85 Mio. Bücher verkauft. Er war der erfolgreichste Autor im englischsprachigen Raum nach J. K. Rowling. Ich habe lange überlegt, was ich zu diesem Buch schreiben soll, denn ich habe das Gefühl, dass man dieses Werk schlecht mit Worten beschreiben kann. Ich will es dennoch versuchen. Dieses Büchlein ist eine Sammlung vieler verschiedener Texte des Autors, darunter Essays, seine Gedanken und Erinnnerungen. Hauptsächlich bezieht er sich dabei auf seine Passion, dem Schreiben, aber auch seine Gedanken und Gefühle zum Zeitpunkt der Diagnose seiner Krankheit spielen eine große Rolle. Der Untertitel dieser Anthologie verdeutlicht dabei sehr gut den Inhalt des Buches, denn es geht tatsächlich um das Leben, den Tod und die schwarzen Hüte, die er Zeit seines Lebens gerne getragen hat. Seine Texte haben mich sehr berührt und auch jetzt, wo ich diese Rezension schreibe, bin ich davon sehr berührt. Doch der Inhalt des Buches geht dem Leser nicht nur an die Nieren, auch humorvolle Texte sind dabei, ebenso wie solche, die mich zum nachdenken angeregt haben, sind darunter. Für Pratchett-Fans ist dieses Buch ein ganz besonderes Geschenk, denn man entdeckt unglaublich viele Easter Eggs, also Anspielungen auf viele seiner Werke. Fazit: Für Pratchett-Fans ein absolutes Muss, aber auch für Leser, die gerne gesammelte Texte und Biografien lesen eine absolute Empfehlung.

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Ich weiß gar nicht mehr, wann ich meinen „ersten Pratchett“ gelesen habe, auf jeden Fall sind seitdem noch viele weitere hinzugekommen und ich bin ein Fan vor allem von der Scheibenwelt und von Terry Pratchetts teils genialen Wortspielen geworden. Sein Ideenreichtum und Humor hat mich immer wieder begeistert, sei es in seinen eher phantastischeren ersten Büchern als auch in den zunehmend sozialkritischeren (und trotzdem noch fantasiereichen) späteren Werken. Daher habe ich mich sehr über die vorliegende Anthologie gefreut. „Aus der Tatstatur gefallen“ versammelt Essays, Gedanken, Erinnerungen und vieles mehr. Es geht um das Schreiben an sich („Weiter auf den Bildschirm starren. Immer noch auf den Bildschirm starren, dabei aber die Ohren spitzen, ob der Briefträger kommt.“ S.19), Lesereisen („13 Uhr: Kleiner Buchladen, Wooralorrasurfa. Genügend Fans für eine 75-Minuten-Schlange. […] Eine alte Dame hat mir eine ganze Schachtel voll Origamischildkröten gebastelt.“ S.58), Dankesreden oder seine Antrittsvorlesung am Trinity College („Zu meiner großen Verwunderung darf ich mich hier und heute als ihr neuester und höchst unordentlicher Professor an Sie wenden.“ S.269), aber auch um seine Gedanken, als er die Diagnose Alzheimer bekam („Siebenhunderttausend Menschen, die in diesem Land an Demenz erkrankt sind, finden kein Gehör. Ich bin vom Glück begünstigt; ich kann mir Gehör verschaffen.“ S.321) oder was er von Sterbehilfe hält. Bei einer so großen Vielfalt an Themen, waren meine Gefühle beim Lesen ebenfalls vielfältig. Manche Texte waren einfach zum Lachen und Amüsieren, andere haben mich bewegt oder nachdenklich gemacht. Vor allem aber haben sie mir einmal mehr gezeigt, was für ein interessanter und sicherlich auch außergewöhnlicher Mensch Terry Pratchett – seit dem 31.12.2008 offiziell auch Sir Terry Pratchett – war, denn diese Sammlung zeigt ihn von vielen Seiten. Auch wenn es in den Texten dieser Anthologie weniger um Fiktion als um Sachtexte geht, kann ich sie jedem Fan nur wärmstens empfehlen. Wer aufmerksam liest, wird sicher auch Dutzende von Anspielungen auf Pratchetts Bücher entdecken, was mir persönlich sehr gut gefallen hat. Insgesamt war das Buch für mich trotz aller ernsten Töne und Themen dennoch kurzweilig und ich werde es sicherlich noch öfter aufschlagen.

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Großartig!

Von: Soleil

13.10.2018

Terry Pratchett hat Zeit seines Lebens nicht nur sehr viele Romane geschrieben, sondern auch zahlreiche Zeitungsartikel, Reden oder Vorträge. In "Aus der Tastatur gefallen" sind die meisten davon in einer Anthologie zusammengetragen worden - und lesen sich vergnüglich, informativ und auch sehr emotional. Das Vorwort hat Neil Gaiman, ein enger Freund Pratchetts, mit dem er auch gemeinsame Werke verfasst hat, bestritten. Nein, Pratchett sei kein sehr humoriger Typ gewesen, sondern eher ein recht zorniger. Dabei hätte sich sein Zorn in erster Linie aus seinem tiefen Gerechtigkeitsinn gespeist und vor allem durch seine scharfzüngigen Texte ausgelebt. (...) Es ist seine Art zu denken, seine Art, über das Leben zu reflektieren, die Terry Pratchett auf seine ganz eigene Weise einzigartig machen. Dieses Buch ist großartig, nicht entgehen lassen!

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Die Lektüre von Pratchetts Sammlung an Essays und Reden Aus der Tastatur gefallen – Gedanken über das Leben, den Tod und schwarze Hüte hat mich bestens unterhalten, Neues gelehrt und sie hat meinen Blickwinkel deutlich erweitert. Ich bin kein ausgesprochener Pratchett Fan, trotz meiner Liebe zu humoriger Fantasy und SciFi wurde ich – nach mehrmaligen Anläufen, ich habe es mir nicht leicht gemacht – nie zu einer Scheibenweltleserin. Es gefiel mir nicht, ich fand es zu albern. Eine Lesefreundin gab mir den Rat im Original zu lesen, aber dafür war ich zu bequem. So kannte und goutierte ich nur „Ein böses Omen“ und den „Lange Erde Zyklus„. Ersteres schrieb Pratchett gemeinsam mit seinem Freund und von mir sehr geschätzten Autor Neil Gaiman, zweiteres zusammen mit dem SciFi Fans sicher bekannten Schriftsteller Stephen Baxter. Erst sein Einsatz für das Recht, selbstbestimmt und würdig zu sterben brachte mir Sir Terry, wie er nach seinem Ritterschlag hieß, wieder auf den Schirm. Er starb ein Jahr, nachdem mein Großvater, mit dessen Gesundheit es zu diesem Zeitpunkt bergab ging, sich im Alter von 96 Jahren unangekündigt, wohl aus Angst vor den Reaktionen, in seinem Schlafzimmer erschoss. Er sah keine andere Möglichkeit, diese Welt anständig und in Würde zu verlassen. Ich wünsche mir heute noch, er hätte das auf eine bessere, menschlichere, weniger furchteinflössende, einsamere und brutalere Weise tun können. Terry Pratchett, der 1948 geboren wurde, starb mit nur 66 Jahren daheim im Kreise seiner Familie. Selbstbestimmt, wie er es sich gewünscht hat. Davor nutzte er sein schriftstellerisches Talent, seinen Esprit und seinen wunderbaren weisen Witz wie ich ihn hier in seinen Gedanken vorfand, um Millionen Menschen auf der ganzen Welt in andere Welten zu entführen und ihnen wunderbare Stunden zu schenken. In Aus der Tastatur gefallen erzählt er wie er zu seinem prägnanten Hut kam, wie man Schriftssteller wird, wie er als Atomkraftwerkspressesprecher dazu kam die Scheibenwelt zu erfinden. Man erfährt, weshalb er sich kaputtlacht bei der Erwähnung von „drei voneinander vollkommen unabhängigen Sicherheitssystemen“ und was es mit dem „Fred- Faktor“ in diesem Zusammenhang auf sich hat. Immer wieder reitet er als strahlend wortgewaltiger Ritter aus um die Fantasy und Science-Fiction Literatur gegen ihre Kritiker zu verteidigen. Magischen Realismus nennt er „Fantasy mit Schlips und Kragen“, also „… Fantasy aus der Feder von jemandem mit dem ich auf der Uni war.“ Fast auf jeder Seite in dieser literarischen Reise aus Pratchetts Biographie finden sich zitierenswürdige Gedanken. Manchmal haut er gleich mehrere auf einer Seite raus. Betrachtungen, die es wert sind verbreitet und weitergereicht zu werden. Besonders seine Ratschläge an Buchhändler*innen, die Autoren zur Lesung und Signierstunde laden sind so aberwitzig irre wie hilfreich. Ungläubiges Staunen und lautstarkes Lachen sind nicht zu vermeiden. Auf Bibliothekar*innen hat er eine sehr differenzierte Sichtweise. Einerseits überlegt er sie „Strahlende Jünger der heiligen Flamme der Belesenheit im finsteren Universum der Unterbelichtung“ zu titulieren, an anderer Stelle … ach lest doch selbst! Mir haben es seine Überlegungen zu Weihnachten angetan. Als Atheistin, und gezeichnet durch eine harte Kindheit mit frugalem traditionellem Kartoffelsalat und Saitenwürstchen bin ich diesem Fest von jeher abhold, jedes Jahr wurde es schlimmer. Es ist abergläubisch, vollkommen kommerzialisiert, findet in der dunkelsten fiesesten Jahreszeit statt und verursacht immer einen Haufen zusätzlichen Stress und Wohnungsbrände. Vom Glühwein kriegt man Kopfweh und dann gibt es noch WHAM. Sir Terry aber richtet seinen Blick auf die stillen freien Tage und genießt sie einfach. Pragmatisch und gut. Danke Sir Terry, ich werde das nun beherzigen. Wer wissen möchte was wir Affenmenschen nach Ansicht von Terry Pratchett noch alles auf dem Kasten haben sollten und die Welt gerne aus seiner Perspektive betrachten möchte, oder gerne wüsste, wie man erfolgreiche*r Schrifsteller*in wird, kommt um Aus der Tastatur gefallen nicht herum. In seinem Vorwort zu dieser Anthologie an geistreichen und amüsanten Texten schreibt Neil Gaiman, ein langjähriger Freund und Wegbegleiter Pratchetts, über seinen Freund und was diesem wichtig war. Die Rettung der Orang- Utans, die Liebe zu den Menschen, den Geschichten, Büchern und Wissen. Ein Buchschatz der seinen Ehrenplatz bei den Biographien von seinem Namensvetter Terry Gilliam und John Cleese finden wird und sicher nicht nur einmal gelesen bleibt.

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