Leserstimmen zu
Schweinebande!

Franz Josef Voll, Leo G. Linder

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Der Populismus des Herrn V.

Von: Thomas Janssen aus Ammerbuch

25.03.2019

Ich bin Metzgermeister und Dipl. Ing für Lebensmitteltechnologie. Als Metzgermeister habe ich im Metzgerhandwerk gelernt und gearbeitet und als Lebensmitteltechnologe arbeite ich seit mehr als 20 Jahren in der Fleischwarenindustrie. Ich esse Wurst und Fleischwaren ausschließlich von Industrieunternehmen und vom Supermarkt. Da weiß ich, dass ich Wurst kaufe, die unter hygienischen und standardisierten Prozessbedingungen produziert wird. Mein „Kollege“ Herr Voll hat sicherlich recht, wenn er auf schwarze Schafe und Missstände in unserer Branche hinweist. Diese gibt es im Handwerk nach meiner Einschätzung aber weitaus häufiger als in der Industrie, welche ja auch unter dem Kontrolldruck seiner Kunden (große Handelsunternehmen) steht. Kein Aldi, Lidl, REWE und Co. will gerne mit einem Produktskandal ins Fernsehen oder auf Facebook landen. Was die Behördenseite betrifft, so ist mein Eindruck, dass die Behörden die Industrieunternehmen weitaus strenger ins Visier nehmen als die netten Handwerksbetriebe. In dem Zusammenhang wird ja auch gerne das Thema Separatorenfleisch ins Spiel gebracht (Separatorenfleisch ist Fleisch, welches sich nach dem Herausschneider der Knochen noch am Knochen befindet und maschinell oder von Hand vom Knochen geschnitten wird). Angeblich kann Wurst im Supermarkt nur so billig sein, weil die böse Industrie Separatorenfleisch verarbeitet. Das ist Blödsinn! Separatorenfleisch lässt sich analytisch und histologisch sicher nachweisen. Wer täglich 50 t Wurst produziert, kann durch entsprechende maschinelle Ausrüstung und höhere Mengenrabatte beim Rohstoffeinkauf natürlich preiswerter Produzieren, als der Metzger mit 50 kg Wurst am Tag. Das ist simple Betriebswirtschaft. Höhere Produktionsmengen bedingen nicht schlechtere Qualitäten. Ich empfehle beim nächsten Besuch ihres „Metzgermeisters des Vertrauens“ diesen auch mal nach „Knochenputz“ zu fragen.

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Manchmal fragt man sich beim Lesen schon, ob man das, was man da gerade erfährt überhaupt so genau wissen will. Too much information – denke ich selbst dann. Aber als mündiger Erdbewohner sollte man halt nicht Augen und Ohren verschließen, sondern muss sich mit dem auseinandersetzen, was der Alltag einem bietet. Seien es Umweltkatastrophen, Terroranschläge – oder die zum Glück daneben doch fast harmlos wirkenden Lebensmittelskandale. Um so einen dreht es sich bei Franz Josef Voll und seiner „Schweinebande! Der Fleischreport. Ein Metzgermeister über die Praktiken seiner Zunft“ (Ludwig Verlag). Worum es genau geht, sagt einem ja bereits der Titel und dass es hier recht schmutzig zugeht, lässt sich leicht erahnen. Der Autor beschreibt die Inhalte und Erfahrungen seines Werdegangs vom Metzgerlehrling über den Meister und die Tätigkeit bei Konzernen und Schlachtereien bis zum Lebensmittelkontrolleur. Er weiß also sehr genau, wie das mit der Wurstproduktion zu laufen hätte und kennt andererseits auch allerlei Tricks der Industrie. Aber auch die Zunft selbst kommt nicht ungeschoren davon, denn, dass es immer weniger richtige Metzger und dafür immer mehr Massenproduktion gibt, haben sie mitverschuldet. In dem Bemühen, möglichst viele Kunden mit möglichst günstiger Ware zu versorgen, senkten etliche die Qualität der Ware und begannen zu tricksen. Minderwertiges Fleisch wurde mit Fett und Wasser gestreckt, Fertiggewürzmischungen sorgten für den runden Geschmack und die Salami reifte in Windeseile unter Vakuum. Während die Zaubermittelchen zunahmen, schrumpfte jedoch die Kenntnisse der Metzger, kritisiert Voll und berichtet von unwissenden Azubis und unfähigen Meistern. Das macht einem schon etwas Angst, aber es sind Dinge, die man mittlerweile (ich zumindest) schon einmal gehört oder gelesen hatte und, mit denen man sich irgendwie schon abgefunden hat. Möglich gemacht hat das alles die Industrie und wenn die dann auch noch direkt mitmischt, wird es grenzwertig. Metzgereien begannen plötzlich, industriell gefertigte Wurstkonserven anzubieten und sägten an ihrem eigenen Ast – schon pervers. Analogwurst, Toastie, Rügenwälder Mühle (ja, hier werden konkret Namen genannt, was ich sehr schätze!) und vieles mehr nimmt Voll unter die Lupe und informiert uns nicht nur, was da eigentlich drin steckt, sondern auch, was die damit verbundenen Risiken sind – für die Zunft, die Konsumenten und die Zukunft. Wir erhalten Einblicke in Massenschlachtungen, bei denen kranke Tiere unauffällig verarbeitet werden, weil es ja keiner mitbekommt, in denen das Blut mit Erbrochenem und Urin verunreinigt ist und trotzdem genutzt wird, weil man es am Ende nicht schmecken kann – bäh sag ich da nur. Das ist schon alles verdammt eklig. Dass das aber überhaupt so möglich ist, liegt auch an unmotivierten oder bestechlichen Kontrolleuren, die gar nicht sehen wollen, wenn etwas nicht stimmt. Wer also wirklich wissen will, wozu die Industrie fähig ist und, warum die Tage des Metzgerhandwerks womöglich gezählt sind, der findet hier etliche Antworten. Eine spannende, traurige, schockiernde und sehr offene Reportage, die uns nicht mit der Frage zurücklässt „will ich überhaupt noch Fleisch essen?“, sondern „will ich überhaupt noch etwas essen, das ich nicht selbst hergestellt habe?“

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Fleisch wird immer billiger und die Schweinebande in der Fleischbranche verdient sich trotzdem eine goldene Nase – wie ist das möglich? Franz Josef Voll beginnt 1969 mit 14 Jahren seine Ausbildung zum Metzger bei der Fleischerei Schmitz in Essen, die es schon lange nicht mehr gibt. Bereits dort lernt er: „Es gibt kein schlechtes Fleisch, es gibt nur Fleisch, das verarbeitet werden muss.“ Was nicht mehr mit Gewürzen versetzt oder in Knoblauch und Öl eingelegt werden kann, wird durch den Fleischwolf gedreht und landet in der Wurst. Irgendwann reicht es ihm und er wird Lebensmittelkontrolleur. Dort werden ihm ziemlich schnell die Gründe dafür klar, warum sich nichts ändert und die Schweinebande so wirtschaften kann wie sie will. Er wechselt nochmal die Seiten, berät Unternehmen und wird so in die geheimsten Betriebsinterna eingeweiht – nun stehen ihm erst recht die Haare zu Berge! Schließlich entschließt er sich, diese ganze Situation nicht mehr hinzunehmen. In seinem Insider-Bericht rechnet er mit einer Branche ab, deren Machenschaften auch dem letzten eingefleischten Verbraucher gehörig den Appetit verderben dürften. Im Interview erzählt er mir einiges aus seinem ehemaligen Alltag. Hallo Herr Voll, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für das Interview genommen haben. Meine Leser und ich freuen uns sehr darüber. In jeder Zeile des Buches spürt man, dass Sie wahrscheinlich irgendwann geplatzt wären, hätten Sie sich die Sauereien der Schweinebande nicht von der Seele geschrieben. Stimmt das? Im Laufe der Jahre hat sich ein solcher Druck aufgebaut, der musste raus. Für mich war es eine Befreiung, dieses Buch zu schreiben. Schon in ihrer Lehre in den 60ern lernen Sie, dass das was übrig bleibt in der Theke und „riecht“, dunkel geworden ist oder klebt, in die Wurst kommt. Was muss man sich unter dem Begriff „Schmackes“ vorstellen? Gibt es unter Metzgern eine Geheimsprache? Ja, es gibt eine Geheimsprache, die aus dem Hebräischen kommt, Begriffe wie Schmackes (weißer klebriger Belag durch Bakterien hervorgerufen), oder Zomes (Knochen) oder Meim (Wasser) dienten im Laden und bei Kontrollen der Verschleierung. Weiterlesen im Blog: https://istdasvegan.eu/2017/06/interview-und-rezension-schweinebande-von-franz-josef-voll/,Fleisch wird immer billiger und die Schweinebande in der Fleischbranche verdient sich trotzdem eine goldene Nase – wie ist das möglich? Franz Josef Voll beginnt 1969 mit 14 Jahren seine Ausbildung zum Metzger bei der Fleischerei Schmitz in Essen, die es schon lange nicht mehr gibt. Bereits dort lernt er: „Es gibt kein schlechtes Fleisch, es gibt nur Fleisch, das verarbeitet werden muss.“ Was nicht mehr mit Gewürzen versetzt oder in Knoblauch und Öl eingelegt werden kann, wird durch den Fleischwolf gedreht und landet in der Wurst. Irgendwann reicht es ihm und er wird Lebensmittelkontrolleur. Dort werden ihm ziemlich schnell die Gründe dafür klar, warum sich nichts ändert und die Schweinebande so wirtschaften kann wie sie will. Er wechselt nochmal die Seiten, berät Unternehmen und wird so in die geheimsten Betriebsinterna eingeweiht – nun stehen ihm erst recht die Haare zu Berge! Schließlich entschließt er sich, diese ganze Situation nicht mehr hinzunehmen. In seinem Insider-Bericht rechnet er mit einer Branche ab, deren Machenschaften auch dem letzten eingefleischten Verbraucher gehörig den Appetit verderben dürften. Hallo Herr Voll, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für das Interview genommen haben. Meine Leser und ich freuen uns sehr darüber. In jeder Zeile des Buches spürt man, dass Sie wahrscheinlich irgendwann geplatzt wären, hätten Sie sich die Sauereien der Schweinebande nicht von der Seele geschrieben. Stimmt das? Im Laufe der Jahre hat sich ein solcher Druck aufgebaut, der musste raus. Für mich war es eine Befreiung, dieses Buch zu schreiben. Schon in ihrer Lehre in den 60ern lernen Sie, dass das was übrig bleibt in der Theke und „riecht“, dunkel geworden ist oder klebt, in die Wurst kommt. Was muss man sich unter dem Begriff „Schmackes“ vorstellen? Gibt es unter Metzgern eine Geheimsprache? Ja, es gibt eine Geheimsprache die aus dem Hebräischen kommt, Begriffe wie Schmackes (weißer klebriger Belag durch Bakterien hervorgerufen), oder Zomes (Knochen) oder Meim (Wasser) dienten im Laden und bei Kontrollen der Verschleierung. Sie schreiben, dass ihr Chef damals noch die Tiere direkt beim Bauern gekauft und vorher in Augenschein genommen hat. Heute läuft das ja alles eher automatisiert und anonym ab. Können Sie bestätigen, dass die Tiere heute kränker sind als früher, bedingt durch die Massentierhaltung? Sieht das Fleisch anders aus? In meiner Zeit in der Fleischwarenfabrik habe ich viel Elend gesehen. Ich kann mich noch daran erinnern, dass ein Lastzug mit Kühen in der Fabrik ankam und als der Fahrer die Klappe öffnete, fielen zwei der Tiere tot aus dem Lkw. Die anderen waren in einem grauenvollem Zustand, abgemagert und krank. Bei den Schweinen war das noch schlimmer, 300-350 Tiere in drei Etagen auf einem Sattelschlepper mit verletzten Tieren. Das ist eine Quälerei für die Tiere. Dem Fleisch merkt man das in der Regel hinterher nicht an, Blutergüsse oder Eiterbeulen werden abgeschnitten, veränderte Organe weggeworfen. Für den Kunden am Tresen ist nicht zu erkennen, ob das Tier krank oder gesund war. Als Veganer hört man eigentlich fast immer von Fleischessern den Satz „ich esse ja nur noch ganz wenig Fleisch und wenn dann bio und vom Metzgermeister meines Vertrauens.“ In Wirklichkeit gibt es aber kaum noch Metzger, wie Sie schreiben, da die sich quasi selbst abgeschafft haben, indem sie nur zu gerne den Verführungen der Industrie erlegen sind und die neuen Gewürzmischungen und Zusatzstoffe verwendeten. Statt zu individueller Wurst griffen die Kunden lieber zu Supermarktwurst, da diese günstiger ist. Sind die Metzger selber schuld oder hätte man diese Entwicklung irgendwie verhindern können?

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In den letzten Jahrzehnten wird Fleisch – im Gegensatz zu den meisten anderen Lebensmitteln – immer billiger und die Fleischindustrie verdient trotzdem Milliarden. Wie dies vonstatten geht, das stellt Franz Josef Voll in seinem Buch eindrucksvoll heraus. Er arbeitete in beinahe allen Bereichen der Fleischbranche, als Metzger, kurze Zeit im Schlachthaus, als Lebensmittelkontrolleur, schließlich im Team Wallraff, das die Machenschaften der Fleischindustrie aufdeckt. All seine Erfahrungen kumulieren in diesem schockierenden Insiderbericht, der jedem noch so vertrauensseligen Konsumenten den Appetit verderben dürfte… Direkt vorneweg: Ich ernähre mich seit vielen Jahren vegetarisch, wenn nicht, würde ich dies definitiv spätestens nach der Lektüre dieses Buches tun. Trotzdem enthält dieses Werk keinen Appell für kompletten Fleischverzicht, auch der Autor ernährt sich weiterhin nicht vegetarisch und möchte auch niemandem seine Ernährungsweise vorschreiben. Er zeigt uns nur, was wir mittlerweile meist zu uns nehmen, wenn wir Fleisch und Wurst konsumieren. Was wir aufgrund dieser Informationen machen oder ändern, dem steht er relativ neutral gegenüber, auch wenn er natürlich uns als Verbraucher aufwecken möchte. Dies geschieht, indem er uns chronologisch von seinen Erlebnissen in der Fleischbranche erzählt, beginnend mit seiner Metzgerlehre im Jahr 1969, wo bereits auch schon getrickst wurde, was die Zubereitung der Wurst anging, wenn auch wesentlich appetitlicher als heutzutage. Es folgt der Siegeszug der Fleischindustrie, der in den 1970er Jahren einsetzte und mit immer extremeren Kosteneinsparungen, Gewinnmaximierung auf Kosten der Qualität und ohne Rücksicht auf Tier und Mensch einhergeht, jeden verwertbaren Dreck noch in der Wurst verarbeitet, die Tiere in Massen leben und schlachten lässt, was Krankheiten entstehen lässt, und die kleinen Metzgereien sukzessive in den Ruin treibt. Voll wechselt kurz ins Schlachthaus, verlässt dieses jedoch aufgrund des hohen Alkoholkonsums schnell wieder, der einzig die Arbeiter ihre Tätigkeit aushalten lässt, um schließlich in der Hoffnung, die Machenschaften der Industrie bekämpfen zu können, Lebensmittelkontrolleur zu werden. Spätestens hier verzweifelt man als Leser vollends, wenn man erfährt, wie machtlos die Lebensmittelkontrolleure gegen die großen Konzerne, unterstützt durch die Politik, in Wirklichkeit sind. Sie scheinen einzig dafür da zu sein, uns Verbraucher in Sicherheit zu wiegen, was die Qualität der Produkte angeht. Schockierend waren vor allem die Kapitel über BSE. Zuletzt wird Volls Arbeit im Team Wallraff sehr ausführlich geschildert, wie er undercover zahlreiche Skandale aufdeckt und etwa auf Fleischmessen recherchiert. Nach der Lektüre blieb ich etwas hilflos und ratlos zurück. Für mich als Vegetarier stellt sich zwar die Frage nicht mehr, doch trotzdem überlegte ich, was kann ich denn als Verbraucher tun, wenn ich diesen Dreck, den die Fleischindustrie mir vorsetzt, nicht zu mir nehmen möchte? Es werden schließlich nicht alle Menschen plötzlich Vegetarier werden oder werden wollen. Deshalb hätte ich mir, etwa anstelle der langen Schilderungen der Recherchen des Team Wallraffs, mehr nützliche Tipps für Konsumenten im Buch gewünscht. Ich würde nicht mehr wissen, was ich noch essen soll. Die meisten Metzger verkaufen auch Industriewurst, immer mehr von ihnen müssen zudem ihr Geschäft aufgeben, Biofleisch sei laut des Autors auch nicht viel besser. Leider führt er dies nicht aus und stützt es auch nicht mit Zahlen und Belegen. Vegetarische Ersatzwurst ist natürlich auch keinen Deut besser und natürlich auch keine Alternative, wenn man weiterhin Fleisch essen möchte. Deshalb wären konkrete Angaben dazu, was ich als Konsument tun kann, sehr hilfreich gewesen. Fazit Voll ist ein enorm schockierendes und aufrüttelndes Buch gelungen, das die raffgierigen und appetitlosen Machenschaften einer Industrie aufzeigt, die bei ihrem ewigen Streben nach mehr Gewinn jede Form von Anstand und Verantwortung für das Produkt, das sie den Verbrauchern anbietet, verloren hat. In meinen Augen ist eine Unterstützung solcher Machenschaften durch den Kauf solcher Produkte nicht zu verantworten, doch da möge sich jeder selbst ein eigenes Bild machen. Wirklich jeder, der Fleisch und Wurst konsumiert, sollte dieses Buch unbedingt lesen!

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