Leserstimmen zu
Das Buch vom Meer oder Wie zwei Freunde im Schlauchboot ausziehen, um im Nordmeer einen Eishai zu fangen, und dafür ein ganzes Jahr brauchen

Morten A. Strøksnes

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Der Roman Das Buch vom Meer (oder wie zwei Freunde im Schlauchboot ausziehen, um im Nordmeer einen Eishai zu fangen, und dafür ein ganzes Jahr brauchen) von Morten A. Strøksnes ist in dieser Ausgabe 2018 im Penguin Verlag erschienen. Das 364 Seiten lange Buch stand schon lange auf meiner Liste und nachdem ich zuvor den Meeresroman von Petri Tamminen gelesen hatte, dachte ich mir mehr Meer passt doch gut dazu. Der ungewöhnlich lange Titel verrät die Story des Buches mehr als gut. Es ist ein Abenteuerroman. Das Abenteuer zweier Freunde paart sich mit dem großen unendlichen Abenteuer Meer. Das Meer in all seinen Facetten, Farben und Gemütslagen. Mit all seiner Romantik, seinen Gefahren und Geheimnissen. Doch Das Buch vom Meer ist mehr als ein Roman - es verbindet den romantypischen Erzählstrang mit wissenschaftlichen Hintergründen. Immer wieder verweist der Autor auf andere Werke und Schriftsteller, auch auf früheste Aufzeichnungen und Überlieferungen. Er beschreibt so bildlich und anschaulich, dass es mir nicht schwer fällt selbst die abenteuerlichsten Seemanslügen vor mir ausgemalt zu sehen. Ja es ist ein Buch voller Meerromantik, doch es geht vor allem um uns Menschen und unsere Beziehungen zum Meer. Wie viel dürfen wir uns aus dem Meer holen? Und wie behandeln wir dieses Element eigentlich? Auf Seite 303 heißt es „ Das Meer kommt prima ohne uns zurecht. Wir aber nicht ohne das Meer“ - für uns ist das Meer Lebenselixier: wir fischen es leer und bedanken uns mit Umweltverschmutzung. Das Meer wäre uns wahrscheinlich viel besser dran. Ein wichtiges Buch, das mit erhobenem Finger auf uns zeigt und sagt: so nicht!

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Zwei die loszogen um einen Eishai zu fangen. Ganz ehrlich? Ich hatte noch nie von einem Eishai gehört, bezweifelte zunächst dessen Existenz und fand dann heraus, dass er auch „Grönlandhai“ genannt wird. Erzähler ist der Autor selber, der sich mit seinem Freund und Künstler Hugo Aasjord auf den Weg macht, einen Eishai zu fangen. Ich musste ein wenig recherchieren, um herauszufinden, dass dies eine wahre Begebenheit und ein langwieriges Unterfangen war. Den Künstler Hugo Aasjord gibt es wirklich. Zu all dem hätte ich mir einfach ein Vorwort des Autors gewünscht. Über ein Jahr fahren die beiden bei jeder sich bietenden Gelegenheit und einigermaßen guten Wetterverhältnissen aufs Meer bei den Lofoten hinaus um zu „jagen“. Dieses Jagen mutet aber oft eher wie eine meditative maritime Spazierfahrt an. Man hat viel Zeit zum nachdenken in der gewaltigen Natur. Der Autor Morten A. Stroksnes kommt erzählend von einem ins andere, zum Beispiel was mit der Suche nach dem Kadaver eines Schottischen Hochlandrindes (zur Haifütterung) beginnt führt über Abhandlungen zu verschiedene Pflanzen, Singvögel, Landschaftsbeschreibungen, einen Opferaltar, Fäulnisgase der Wale und Fischereibetriebe bis zur Fundstelle um den Köder für den Eishai zu entnehmen. Diese „abschweifenden Gedanken“ und das Sachwissen zu allen möglichen Themen rund ums Meer, Ozean, Fischen, Tiefsee und Küsten lassen sich unterhaltsam lesen. Der Eishai ist praktisch Hauptdarsteller dieser Erzählung: Das Fleisch giftig, stinkt wie Urin und nach seinem Verzehr fällt man in einen alkoholähnlichen Rausch. In Island gilt es als „Hakarl“ als eine Delikatesse. Eishaie werden heute erforscht, sie werden mit Sendern ausgestattet, um ihre Bewegungen aufzuzeichnen. Sie sind blind durch eine bestimmte Art von Parasiten in den Augen. Es gibt schöne Beschreibungen über das Meer, wie es vom Autor und seinem Freund empfunden wurde. Das Rausfahren in den Vestfjord, das Meer, die Natur, die Gespräche, das Schweigen. Sie genießen die Augenblicke, ob stürmisch oder ruhig. Zitat S.107: „Das Meer ist kalt und aufgewühlt, der Regen peitscht die Wellen so stark, dass sie weiß werden und geräuschvoll an Land rollen. See und Himmel bilden einen gehetzten Kreislauf.“ Zitat S.126: „Die Stunden vergehen. Wir sind mit uns und der Welt zufrieden, und ich habe nicht den Wunsch, irgendwo anders zu sein. Die Landschaft ist nichts, was vor mir liegt und was ich hinter mich bringen muss. Nein, sie ist um mich herum und unglaublich präsent – mitten in diesem physischen Strömungen vor dem Leuchtturm von Skrova und weit entfernt von den Informationsströmen, in denen wir uns normalerweise bewegen“. Zitat Seite 259: „Wir unterhalten uns gelegentlich, sitzen ansonsten aber schweigend da. Schweigen wird von uns fast nie als bedrückend erlebt, und das mag durchaus als Definition für Freundschaft taugen.“. Überhaupt bietet das Buch eine wahres Füllhorn an maritimen Wissen. Hier eine kleine Auswahl in loser Reihenfolge: Erwähnt wird der Maler Christian Krogh beim imposanten Anblick der Lofoten: Von dieser Großartigkeit überwältigt, weiß er fast nicht, wie er das malen soll, er hat keine adäquaten Farbtöne und weiß nicht, wo er ansetzen soll. Zitat Seite 46: „Die Erhabenheit und Größe wiederzugeben, ebenso wie die unerbittliche, unbarmherzige Ruhe und Gleichgültigkeit der Natur.“ Michael Sars und Sohn Georg Ossian waren Meeresforscher unter einfachsten Bedingungen, norwegische Forschungsschiffe wurden nach ihnen benannt. Vieles wird über die Tiefsee erzählt. Hier ein Zitat auf Seite 56: „In der Tiefe blinkt und glüht es allenthalben. Da dort unten mehr Arten leben als an Land, ist die Verständigung über Leuchtsignale die wohl verbreitetste Kommunikationsform auf der Erde.“ Auch über Märchen und Sagen wird sich dem Meer genähert. Christian Asbjornsen wurde durch seine entsprechenden Sammlungen an Volksmärchen berühmt. Oder die „Carta Marina“, in der damaligen Zeit durchaus real und bestimmt nicht als Märchen gedacht. Olaus Magnus schrieb die Geschichte der nordischen Völker und spann Seemannsgarn, und zeichnete 1555 in die Carta Marina die „Standtorte“ der Seeungeheuer ein, auch vor Deutschlands Küsten gab es eines. Dazu gab er praktische Ratschläge und Tipps, diese Ungeheuer, Meerjungfrauen und Meermänner zu besiegen. Ein weiteres Thema der Wind: man schrieb dem Wind bestimmte Eigenschaften zu und es früher gab es Windbeschwörer. Meteorologen kennen acht Windrichtungen, und auf der Insel Senja gibt es 30 lokale verwendete Begriffe für unterschiedliche Windarten Es gibt alle denkbaren Informationen über Wale z.B. Finnwale hören sich nur auf bestimmten Frequenzen. Leuchttürme: Für einsame Leuchtturmwärter gab es Wanderbibliotheken. Die norwegische Leuchtturm-Erbauer- Familie Mork wird vorgestellt und der Pendand dazu die schottischen Leuchtturmbauer-Familie Stevenson. Ja, die Familie des Robert Louis Stevenson der das Buch „die Schatzinsel geschrieben hat. Es gibt auch unerwartete Sätze und Beschreibungen mit subtilen Humor wie der „Besenstielmord“ oder ich sage nur die „NASA und der Walspeck“. Oder kurioses wie die „WM im Kabeljaufischen“. Es wird natürlich auch auf die Umweltverschmutzung der Meere eingegangen, auf die riesigen Plastik-Strudel die es in den Ozeanen gibt und wie der Schiffsverkehr die Navigation der Wale erschwert. Ich musste dabei an das Buch von Janice Jakeit „Row for Silence“ denken. Das passt auch gut zu dem Thema Unterwasserlärm. Sie berichtet von einer Nacht, in der sie Geräusche wie Schmirgelpapier unter ihrem Boot hörte: Haie. Die Verbindung dazu: Morten A. Stroksnes beschreibt wie Schmirgelpapier aus Eishaihaut nach Deutschland exportiert wurde. Zudem werden ganz viele Namen genannt: Kartographen, Forscher, Maler, historische Berühmtheiten, Sammler, Namen aus der Mythologie und und und. Es gibt gefühlte hunderte Literaturhinweise (ich liebe Literaturhinweise!) und diese sind auch am Schluss nochmal zusammengefasst. Ich habe mir überlegt, ob ich diese Stichwörter hier erwähnen soll oder nicht. Sie hören sich vielleicht langweilig an und manch einer denkt sich „das interessiert mich eigentlich nicht“. Der Clou an der Sache aber, dass dies im Buch während des Lesens gar nicht auffällt, weil es kurzweilig und erhellend geschrieben ist. Deswegen möchte ich die Liste nun doch hier anfügen: Hier nur kurze Stichwörter zu Themen, die angesprochen wurden: Seestern „Brisinga endecacnemos“ (S.51), benannt nach dem Halsschmuck der Brisingamen Ernst Haeckel (Zoologe, Philosoph und Freidenker) Mehr Menschen im All als in der Tiefsee Herman Melville - Moby Dick Ambra/Amber Anziehungskraft des Meeres Jagd nach Seewölfen Kabeljauzungen Espenholz fault nicht in Salzwasser Alte Fachbegriffe wie Skytinga und hogginga und seltene Wörter wie siybarturn (90) Thunfische im Vestfjord (S.88) Australische Surfer mögen kein orange und gelb wegen Haien (S.102) Nordnorweger essen keine Makrelen wegen dem Geschmack !? (S.105) Vergleich: Neue Raumsonden werden mit Sonnensegel zur Energiegewinnung gebaut, erinnern an Segelboote, Meeresgott Okeanus Raumsonde Rosetta sucht nach Wasser auf anderen Planetn (S.133) – Warum gibt es im Universum Wasser? Elefant Topsy wird hingerichtet, Thomas Edison (S.154) “Electrocuting an Elephant” Mythologie Meerdraug (?) Kaffeekabeljau, wenn Kabeljau über 30kg wiegt gibt die Zeitung Lofotenposten als Belohnung ein Päckchen Kaffee (S. 200) und vielleicht noch einen kleinen Bericht. Kabeljau- und Eishaileber eignen sich hervorragend zur Herstellung langlebiger Farbe für Holzhäuser (S.225) Lutefisk + Stockfisch (S. 226+227) Johan Hjort: norwegischer Zoologe Pytheas entdeckt eine neue Insel und nennt sie Thule Seelilienexepert Philip Herbert Carpenter Charles Wyville Thomson Herstellung verschiedener Transorten und Verwendung Originell fand ich auch die ironischen Bemerkungen und „das auf den Arm nehmen“ der beiden Freunde mit trockenstem Humor. So eine Art Freundschafts-Dialog entsteht nur, wenn man sich lange und tief genug kennt und nur so kann wahrscheinlich auch diese Idee geboren worden sein, einen Eishai zu jagen. Die Jagd nimmt mit den Köderresten aus der Kabeljau-Leber ein Ende. Diese Köderreste sind manche Erwähnung wert und tatsächlich interessant. Man kann es eigentlich nicht vergleichen, aber beim Lesen über den Fischfang und die Methoden musste ich an die Doku-Serie „Der gefährlichste Job Alaskas“ denken, hier gehen Königskrabbenfischer ihrer Arbeit in der Beringsee nach. Ich fragte mich während des Lesens, was ist das eigentlich für ein Buch? Eine Erzählung? Eine wahre Geschichte? Ein Abenteuer? Eine Erfahrung? Ein bisschen Autobiografisches? Ein Sammelsurium an maritimen Fakten und Hintergründen? Diese ganzen Informationen, Kleinigkeiten, Begebenheiten, alles aneinandergereiht wie „Wissens“-Perlen wie auf einer Schnur, ein ewiger Kreislauf? Morten A. Stroksnes berichtet von einem ins andere, schafft Verbindungen, erklärt Sachwissen auf verständliche Art und wie nebenbei. Überhaupt hat der Erzählton seinen ganz eigenen Reiz. Zum einen merkt man gar nicht, dass man sich so viel Sachwissen anliest, zum anderen wird die Küstenlandschaft vor den Lofoten und dem Vestfjord so beschrieben, dass man meint das Meer schon zu riechen. Allerdings sollte ein generelles Interesse an Sachwissen zu allerlei maritimen Themen da sein, ansonsten besteht die Gefahr, dass es zu viele Längen gibt und man einige Textpassagen „überfliegen“ will. Die Handlung selber, die Jagd nach dem Eishai wird nicht allzu oft erwähnt, ist aber im Hintergrund stets präsent. Der feine Spannungsbogen besteht aus der Frage, ob und wie es ihnen gelingt, den Eishai zu fangen. Es ist eher eine Art behäbige und ruhige Dokumentation der Geschehnisse, auch wenn sie mal gerade nicht auf dem Meer sind. Ich würde empfehlen, dieses Buch bedächtig und genussvoll zu lesen, ja, man kann es sich sogar gut häppchenweise gönnen. Da all dieses Sachwissen unterhaltsam und gut verständlich ist, eignet es sich nicht nur für Interessierte rund ums Thema Meer, Fische, Norwegen, Boote, sondern auch für Laien, die etwas dazu lernen wollen. Tja, die Sterne. Wie viel kann ich geben? Schwierig. Wenn ich es als Roman sehe, kann ich wahrscheinlich nur 2-3 Sterne vergeben, weil die Spannung durch zu viele Unterbrechungen auf der Strecke bleibt, weil es zu viel Ablenkung gibt. Das Thema mit dem Fangen eines Eishais spielt sich dezent im Hintergrund ab, bildet praktisch nur den „Aufhänger“ für all das Sachwissen zu vermitteln. Wer einen Abenteuer- oder Erfahrugsroman erwartet, liegt komplett falsch. Dennoch sind die Themen kurzweilig und der Erzählton einnehmend. Wenn ich als Sachbuch sehe, würde ich es als erzählendes Sachbuch sehen und da kann ich gut und gerne 5 Sterne vergeben, weil es auf ruhige, aber unterhaltsame Art Wissen vermittelt. Bei amazon wird es unter der Kategorie Abenteuer und Reiseberichte geführt, dem kann ich aber gar nicht zustimmen. Ich würde es also in die Kategorie Sachbücher einordnen. Ich entscheide mich nun für einen Mittelweg und vergebe vier Sterne.

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Norwegen 2015 Das Buch vom Meer Alternativ: Das Buch vom Meer oder wie zwei Freunde in einem Schlauchboot ausziehen, um im Nordmeer einen Eishai zu fangen, und dafür ein ganzes Jahr brauchen Originaltitel: Havboka – eller Kunsten å fange en kjempehai fra en gummibåt på et stort hav gjennom fire årstider Autor: Morten A. Strøksnes Veröffentlichung: 29.08.2016 bei DVA Übersetzung: Ina Kronenberger, Sylvia Kall Genre: - "Seeleute an Land wirken häufig wie rastlose Gäste. Selbst wenn sie nie wieder zur See fahren werden, erwecken sie in Gesprächen und in ihrem Verhalten den Anschein, als wären sie nur kurz zu Besuch. Die Sehnsucht nach dem Meer werden sie nie ganz los. Das Meer, das nach ihnen ruft, muss sich jedoch mit ausweichenden Antworten begnügen. Einen solchen geheimnisvollen Drang muss auch mein Ururgroßvater verspürt haben, als er das schwedische Binnenland verließ und durch Täler und über Berge nach Westen wanderte. Wie ein Lachs folgte er den großen Flüssen, zuerst gegen den Strom, dann mit ihm, bis er das Meer erreichte. Als Grund für die Wanderung soll er angegeben haben, er müsse unbedingt das Meer mit eigenen Augen sehen. Er hatte aber ganz sicher nicht die Absicht, jemals wieder dorthin zurückzukehren, von wo er gekommen war. Vielleicht ertrug er den Gedanken nicht, für den Rest seines Lebens mit gebeugtem Haupt über die kargen Äcker einer schwedischen Berglandschaft zu laufen. Er muss ein Mensch gewesen sein, der sich von Stimmungen leiten ließ, ein Träumer mit kräftigen Beinen, denn er schaffte es bis zur norwegischen Küste. Hier gründete er eine Familie und heuerte später auf einem Frachtschiff an. Irgendwo im Pazifik ging sein Schiff dann unter, und alle an Bord ertranken, ganz so, als wäre der Mensch vom Meeresgrund gekommen und müsste auch wieder dahin zurück. Als gehörte er eigentlich dorthin und hätte es die ganze Zeit über gewusst. So stelle ich es mir jedenfalls vor." ("Das Buch vom Meer", Morten A. Strøksnes. Übersetzung Ina Kronenberger und Sylvia Kall für DVA) Der Blog vom Meer bekommt nun Unterstützung durch "Das Buch vom Meer". Morten A. Strøksnes Geschichte über 2 Freunde, die das Meer lieben und einen Eishai (besser bekannt als Grönlandhai) fangen wollen, hat sich zu einem kleinen Geheimtipp avanciert. Strøksnes ist in seiner Heimat natürlich kein unbekanntes Lichtchen. Als Journalist und Autor sind seine Aktivitäten relativ umfangreich. In Norwegen schätzt man Strøksnes Schreibkunst besonders im Segment der Sachbücher. Bei seinem neunten Buch, nämlich dem hier besprochenem "Buch vom Meer", hat der Autor sich dazu entschieden, das Sachbuch mit der Belletristik zu verbinden. Auf dem Papier ist der Roman Fiktion, verziert ist dieser aber mit Passagen, die genau so gut in eines seiner Sachbücher passen könnte. Zwischen Fiktion, etwas Naturwissenschaften und Wortwitz ist dem Norweger ein interessanter wie kurzweiliger Genremix gelungen. Leser, die ein gewaltiges Abenteuer im Stile von Moby Dick erwarten, könnten jedoch enttäuscht werden. "Das Buch vom Meer" benötigt nicht lange, um direkt zum Punkt zu kommen. Strøksnes hält sich nicht lange mit Vorbereitungen auf und führt besonders die Charaktere zügig ein. Da hätten wir einmal den Ich-Erzähler, der den Leser durch die Geschichte geleitet (und ihm einen Platz auf dem Boot reserviert), gleichzeitig aber auch als Naturwissenschaftler agiert und die ganze Geschichte wie eine Dokumentation, aber auch einen Reisebericht beschreibt. Als zweiten Protagonist haben wir den langjährigen Kumpel des Erzählers, Hugo Aasjord. Der Erzähler nimmt sich keine Zeit uns Hugo bei der Begrüßung näher vorzustellen. Stattdessen webt er Hugos Hintergrundgeschichte (inklusive seiner Beschreibung) intelligent in separate Erzählungen beinahe beiläufig ein. Hugo ist ein etwas kauziger Zeitgenosse der am Meer aufgewachsen ist und regelrecht vernarrt und verliebt in seine Boote ist (und so ziemlich alles, was mit der See zu tun hat). Die Geschichte dieser beiden Herren beginnt an einem milden Sommertag. Die Vorbereitungen sind so gut wie getroffen, das teure Schlauchboot ist aufgepumpt und beide Männer wollen ihren Traum erfüllen, den sie lange im voraus geplant haben: Sie wollen einen Eishai fangen. Was beinahe schon simpel klingt, entpuppt sich für die beiden als eine langwierige Odyssee. Wie ich schon beschrieben habe ist "Das Buch vom Meer" kein furioser Abenteuerroman. Stattdessen fährt Morten A. Strøksnes hier etwas ruhigere Gewässer an. Was aber nicht heißt, der Roman ist langweilig oder schwer zu lesen. Man muss ein wenig eigenen Enthusiasmus mitbringen, wenn man das Buch liest, sich besonders für die vielen dokumentarischen Anmerkungen des Erzählers interessieren, sich darin hineinversetzen können. Im laufe der Geschichte gibt es sicherlich immer mal wieder weniger interessante oder gar langwierige Abschnitte, die werden aber häufig durch wunderbar eingesetzten trockenen Humor kompensiert. Eines der Grundthemen des Buches ist die Sehnsucht und die Faszination des Meeres. Genau diese Mischung macht "Das Buch vom Meer" zu einem würdigen Vertreter, auf meinem Blog präsentiert und besprochen zu werden. Denn genau das ist die außergewöhnliche, exotische Literatur, nach der ich suche. So gesehen teile ich hier eine Leidenschaft mit den Protagonisten, auch wenn es wohl nun leicht an der Absurdität grenzen würde, wenn ich ein Buch mit einem Eishai vergleichen würde..... oder etwa..... Resümee "Der Weg ist das Ziel". Ein moosbewachsener Spruch, der zu diesem Roman aber großartig passt. Bei all den wundervollen Beschreibungen rund um die Natur und der See, da gerät das eigentliche Ziel dieser zwei relativ ungleichen Freunde schon einmal aus den Augen. Und dies gilt nicht als Kritik gemeint, die Beschreibungen, ganz besonders die Erklärungen, machen den Reiz dieser Geschichte aus. Auf den letzten Seiten des Buches findet sich noch ein ausführliches Register, bei dem man Begriffe und Ereignisse nachschlagen kann. Auf dem Meer mag man sich als Laie verloren und hilflos vorkommen, in diesem ruhigen Abenteuer aus Norwegen haben wir mit Morten A. Strøksnes jedoch einen ausgezeichneten Reiseführer. "Das Buch vom Meer" ist Lesestoff für die kalte Jahreszeit. Und wenn einem das norwegische Klima doch einmal etwas zu nasskalt ist, hilft bestimmt ein warmer Glühwein aus.

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Der Inhalt: Die beiden Männer Morten und Hugo sind seit Lebzeiten Freunde, sie beschließen, im Nordmeer einen Eishai zu fangen und entführen den Leser dabei in eine außergewöhnlich interessante Meereswelt. Das Cover: Das Cover ist sehr hübsch, es sieht nicht nur aus wie Stoff, sondern hat eine stoffähnliche Struktur. Die schöne, blaue Farbe passt sehr gut zum Thema Meer. Der Inhalt: In diesem Roman gehen zwei Freunde ein Jahr lang auf Eishai- Jagd, an sich passiert folglich nicht gerade viel, was die Handlung angeht. Der Leser erhält jedoch auf einem anderen Level Inhalt, das Meer und seine Bewohner werden nämlich sehr detailliert beschrieben, sodass man alles Interessante rund ums Meer erfahren kann. Darunter sind auch sehr skurrile Informationen, was für mich ein Vergnügen war. Der Schreibstil: Das Buch ist aus der Sichtweise von Morten geschrieben, größtenteils ist der Schreibstil informativ - malerisch, was eine interessante Kombination ist. Ich konnte mich als Leser jedoch gut darin hineinfinden, es war einfach mal was ganz anderes. Das Lesefeeling hat mir sehr gut dabei gefallen, als würde ein alter, rauer Seebär mir aus vergangenen Zeiten und alles rund ums Meer erzählen, darunter zählten teilweise auch Informationen, die mich nicht so sehr interessiert haben. Alles in allem hat der Schreibstil jedoch ein authentisches Gefühl hergestellt, trotz dieser merkwürdigen Kombination. Das Buch ist auf jeden Fall ein Unikat. Mein Fazit: Ein stimmungsvolles, wissenswertes Buch, welches mich in die Meereswelt mitgenommen hat, mit einer sowohl rauen als auch malerischen Kulisse. Die Handlung war praktisch nicht vorhanden, sodass sich das Buch stellenweise gezogen hat. Ich hatte teilweise das Gefühl: was soll das eigentlich? Wodurch meine Begeisterung zu dem Buch etwas geschmälert hat. Ich war jedoch trotzdem sehr froh, dieses Buch lesen zu dürfen, Von mir gibt es daher 4 von 5 Punkten.

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Eine Geschichte über das Meer, der Menschen, die dort wohnen, leben und sterben. Das Buch hat mich überrascht. Denn laut Klappentext hatte ich mystische Geschichten und eine ein Jahr dauernde Odyssee durchs Nordmeer erwertet. Lesen konnte ich dann eine Geschichte über die langandauernde und manchmal recht pragmatische Freundschaft zweier Männer, die von einer tiefsitzende Achtung und Respekt zeugt. Stroksnes erzählt viel wissenswertes aus Wissenschaft und Forschung, altes und neues über das Meer, seine Bewohner und Nutzer. Einen Eishai zu fischen auf die alte tradidionelle Weise bedarft Ausdauer, Mut und Erfahrung, genauso wie den Pragmatismus eine Niederlage als den Angfang eines neuen Versuches zu sehen. Die Geschichte Nordnorwegens und des Nordmeeres werden aus verschiedenen Seiten beleuchtet. Fast nebenbei plaudert er über familiäre Zusammenhänge und Erlebnisse seines Freundes Hugo, der als Künstler das alte Fabrikanwesen seiner Familie wieder restauriert und als Künstlerort aufbauen möchte. Wie pragmatisch Menschen, die am, mit und auf dem Meer leben, mit Leben und Tod umgehen und wie selbstverständlich die eigene Vergänglichkeit ist, wird in den einzelnen Episoden deutlich. Auch spricht Stroksnes ganz unspektakulär über das Überfischen der Weltmeere, wobei ganze Arten ausgerottet werden nur des Profits willen. Dabei setzt er das Leben der Fischer früher und heute gegenüber. In kleinen Geschichten erfahren wir, wie sie gelebt haben, wie sich die Zeiten änderten, vermeindlicher Wohlstand zu späterer Verarmung führte. Das Buch hat mich so gefesselt, dass ich es an einem Wochenende ausgelesen habe. Eine kleine, feine, stille und tief berührende Geschichte. Absolut Lesenswert.

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Mit dem Meer konnte man mich schon lange begeistern. Ich finde unglaublich spannend, was dort unten kräucht und fläucht und sauge jede Information, die heutzutage über die Tiefen unserer Ozeane vorhanden ist, auf wie ein Küchentuch. Dieser Wissendrang musste immer mehr dem weichen, was man allgemein als „abiturrelevant“ bezeichnet. Umso schöner ist es, sich bei Gelegenheit den einen oder anderen Fisch zu widmen, der irgendwo im Atlantik umher schwimmt und darauf wartet, gefangen zu werden. Inhalt „Das Buch vom Meer“ ist ein Ausflug in die Tiefen der atlantischen Meere, umrahmt von der Geschichte einer nordischen Männerfreundschaft. Dieser Begriff trifft es meiner Meinung nach recht präzise, da beide die meiste Zeit in einem Boot auf dem Nordatlantik, hauptsächlich mit den eigenen Gedanken beschäftigt, verbringen. Das Ziel des gesamten Unterfangens ist, einen nordischen Eishai an den Harken zu bekommen und ins Boot zu verfrachten. Der stinkende Rinderkadaver ist als Köder im Meer versenkt und die Jagd auf den Eishai beginnt… Aus meiner Sicht Zu aller erst muss ich loben, wie hochwertig das Buch gestaltet ist. Das Hardcover ist mit Stoff überzogen und die Buchseiten an sich sind mit Wellen und kleinen Eishaien gestaltet. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich ein Buch in der Hand habe, das aussieht, als hätte jemand mit Liebe daran herum getüftelt, dass sein Werk optisch aus der Masse heraus sticht. Das Äußere ist wie das innere: nicht auffällig, laut oder skurril sondern stilvoll und mit Hingabe an die kühle Atmosphäre des Atlantiks angepasst. Beim Lesen merkt man die Passion des Autoren Morten A. Strøksnes für sein Thema. Es wirkt authentisch, dass er hinter einer Geschichte über die Faszination des Meeres steht. Das Buch besteht eher aus den oft schwärmerischen Abschweifungen zwischen den zurückhaltend auftauchenden Anzeichen einer Handlung. Wer sich Aufregung, Spannung und Nervenkitzel wünscht, ist bei diesem Buch genauso falsch, wie bei einem Trip zu den norwegischen Fjorden. Das Buch hat mich in die stumme, kühle Welt der eisigen Fjorde entführt und mich einiges über Fischfang, das Wetter und Lebensweise einiger Meeresbewohner wissen lassen. Strøksnes hat hinter der Romanfassade ein wunderbar geschriebenes Sachbuch produziert, dass Freude am Lesen bereitet. Als Roman hat das Buch jedoch eindeutig versagt, da Leser, die eine Handlung erwarten eindeutig enttäuscht werden. Eine freudige Überraschung ist der gut aufbereitete Wissensschatz im Buch nur, wenn man ein gehöriges Interesse für das in Salzwasser getränkte Thema mitbringt. Fakten Originaltitel: Havboka eller Kunsten a fange en kjempehai fra en gummibat pa et stort hav gjennom fire arstider Verlag: DVA 1. Auflage 2016 Seiten: 349 ISBN 978-3-421-04739-7

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