Leserstimmen zu
Tunnelspiel

Carla Berling

Die Wittekind-Serie (3)

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Taschenbuch
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Bad Oeynhausen, Sommer 2014: Als Lokalreporterin Ira Wittekind (54) und ihr Lebensgefährte Andreas Weyer auf einer Radtour am alten Schlachthof vorbeikommen und dort Rettungswagen, Notarzt, ein halbes Dutzend Polizeiautos sowie jede Menge Neugieriger stehen sehen, ist der Ausflug vergessen. Man hat einen Toten gefunden den man „erst vom Gitter schneiden musste“. Mehr erfahren Ira und Andy nicht. Doch Ira ist schon lange im Geschäft und weiß, wie sie an Informationen kommt: Der Tote ist der Verleger Lorenz Brenner, 47, verheiratet, ein Kind. Seine Familie ist vermögend. Umso überraschender, dass sein Verlag so eine heruntergekommene Klitsche ist, in der nur noch eine unbezahlte Praktikantin herumwurstelt und alles abwickelt. Er war schon ein Herzchen, dieser Lorenz Brenner! Weder seine Familie noch seine Geschäftspartner lassen ein gutes Haar an ihm. Er hat alle hintergangen und übervorteilt. War es überhaupt Mord? Die Auffindesituation des Toten war, nun ja: pikant. Es könnte auch eine SM-Nummer gewesen sein, die schief gegangen ist. In dieser Szene kennt sich Iras Nachbarin in Bielefeld aus. Doch als Ira sie um ein paar Informationen bitten will, ist die Frau plötzlich unter mysteriösen Umständen verschwunden. Also sucht Ira nun ihre Nachbarin – und die Geschichte hinter dem Todesfall Brenner. Hier hat sie dasselbe Problem wie die Polizei: Verdächtige en masse! Das Tolle an Ira Wittekind ist, dass sie so unprätentiös und normal ist. Endlich mal keine gebrochene Heldin, die ständig um ihre eigenen Befindlichkeiten kreist, sondern eine Frau, die mit beiden Beinen im Leben steht. Und bei dieser (Schwieger-)Familie kann sie auch gar nicht die Bodenhaftung verlieren: Tante Sophie und Tante Friedchen sind schon hoch in den Achtzigern, aber noch fit und an Iras Arbeit, oder besser gesagt: an den skandalösen Details, überaus interessiert. Für lokale Ereignisse, die Jahrzehnte zurückliegen, sind die zwei eine hervorragende Informationsquelle. Und sie reden nicht lange um den heißen Brei herum, was Ira sehr zu schätzen weiß. Mit überkandidelten Personen wie den Autorinnen und Autoren aus dem Dunstkreis des mutmaßlich ermordeten Verlegers hat die Journalistin dagegen Probleme: Mit dem (Prahl-)Hannes Krawuttke, der sich als Autor Nandorf Kühn nennt, genauso wie mit der ebenso aggressiven wie intelligenten Monka Diesterweg, die alles im Lebenverloren hat. Ein besonderes Kaliber ist die pensionierte Lehrerin Nelly Mooskamp-Rübenberg, die entsetzlich von sich eingenommen ist. Über dieses Panoptikum kichert man als LeserIn trotz des gruseligen Mordfalls. Genau wie bei den Szenen mit den sich ewig kabbelnden alten Tanten. Wenn man nichts zu lachen hätte, wäre die Geschichte (und das Leben) schon sehr düster. Auch wenn man den Mord jedem zugetraut hätte, der jemals mit Lorenz Brenner in Kontakt gekommen ist: Wer es schließlich war, überrascht dann doch. Aber die Leser hätten wahrscheinlich auch jeden anderen gern als Täter akzeptiert, vor allem aus dem Kreis der aufgeblasenen Autoren. Der Tote war ein M*stkerl reinsten Wassers, aber am Schluss tut er einem fast schon ein bisschen leid. Er tritt ab, ohne dass ihm auch nur ein einziger Mensch eine Träne nachweint. Das ist schon traurig. Ich finde es immer noch ein wenig verwirrend, dass die Bände der Ira-Wittekind-Reihe bei Heyne nicht in der Reihenfolge veröffentlicht werden, in der Carla Berling sie geschrieben hat. Das hat gute Gründe, aber es ist trotzdem seltsam, wenn hier auf einmal Nebenfiguren eingeführt und vorgestellt werden, die man bereits kennt. Aber das sind Kleinigkeiten. Ira Wittekind ist eine sympathische Heldin in einem ebensolchen Umfeld. Man begleitet sie gerne bei ihren Recherchen, die hier wieder mal unversehens in kriminalistische Ermittlungen münden. Ach ja, und bitte nicht irritieren lassen: „Tante Erna“ ist keine weitere Verwandte, sondern Iras Hund. Ich falle bei jedem Band aufs Neue darauf rein. ;-)

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Der dritte Band der Ira Wittekind Reihe fängt schon sehr spannend und fesselnd an. Die Reporterin kommt per Zufall an einen bizarren Tatort. Ein bekannter Verleger wurde während eines Sadomaso-Spiels in einer ober peinlichen Situation getötet. Ira ist neugierig, was dahinter steckt, wittert eine Story und fängt an zu ermitteln, in dem sie im Umfeld des Verlegers Verwandte und Bekannte interviewt. Der Tote scheint nicht sehr beliebt gewesen zu sein ... Der Krimi ist voller Lokalkolorit und sehr humorvoll. Insbesondere die beiden alten Tanten sind sympathische Originale, die dem Krimi das gewisse etwas verleihen. Die beiden Alten unterhalten sich in ostwestfälischen Dialekt, das ist auch für Nicht-Ostwestfalen witzig zu lesen und man versteht alles. Die Reporterin Ira ist sehr sympathisch und es stört überhaupt nicht, dass wir sehr viel Privates von ihr erfahren. Carla Berling überrascht mit einem Ende, mit dem ich überhaupt nicht gerechnet habe. Man kann den Krimi auch ohne Vorkenntnisse dieser Reihe lesen, ich würde allerdings empfehlen, alle Teile dieser Reihe zu lesen, um die Entwicklung von Ira mitzubekommen. Es lohnt sich jeder Band!

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Meine Meinung: Nachdem ich Ira Wittekind bereits zweimal begleitet hatte, war mir klar, dass ich es auch ein drittes Mal machen wollte. Ich mag die Journalistin, die versucht, Klarheit in einen Todesfall zu bekommen und nicht auf reißerischen Journalismus aus ist. Diesmal wurde sie durch Zufall auf eine Sache aufmerksam gemacht. Es war klar, dass sie mehr wissen und darüber schreiben wollte. Ohne viel vom Inhalt zu erzählen, möchte ich erwähnen, dass sie einen regelrechten Sumpf von fiesen Begebenheiten aufgedeckt hat. Es war sehr spannend, sie zu beobachten und als ich endlich lesen konnte, wer denn der Täter war, war ich schon überrascht. Carla Berling hat es auch in diesem Buch verstanden, alles durch die Tanten von Andy aufzulockern. Ich mag die beiden alten Damen und amüsiere mich immer wieder. Was sie so im Platt von sich geben, lese ich mir immer laut vor, es macht wesentlich mehr Spaß. Fazit. Spannung, Lokalkolorit und Humor, das erwartet den Leser in diesem Buch, das ich gerne empfehle. Ich bin auf das nächste gespannt, denn am Ende gab es da so eine Äußerung, die mich auch zum Grinsen brachte.

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