Leserstimmen zu
Fay

Larry Brown

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INHALT: In der Nähe von Oxford, Mississippi: Die 17-jährige Fay durfte nur bis zur 5. Klasse die Schule besuchen und musste danach arbeiten. Trotzdem hatte die Familie kaum etwas zu essen. Auch vom gewalttätigen Vater hat Fay genug und so verlässt sie ihr Zuhause im Wald. Sie möchte ihr altes Leben endlich hinter sich lassen! Lediglich mit Handtasche, zwei Dollar und Zigaretten im Gepäck, marschiert sie los in Richtung Süden. An der Küste soll es schön sein, Biloxi soll ihr Ziel werden. Doch “Das Problem am Trampen war, dass man nie wusste, zu wem man ins Auto stieg.“ Und so trifft Fay nicht immer auf Leute die es nur gut mit ihr meinen... MEINUNG: Dies war mein zweites Buch von Larry Brown. Während sich in dieser Geschichte alles um Fay dreht, erzählt der Autor in "Joe" die Geschichte von Fays Bruder Gary. Die Bücher können jedoch unabhängig voneinander gelesen werden. Vom Stil her sind sie sich sehr ähnlich und haben mir beide ähnlich gut gefallen. Als charakteristisch für beide Bücher, würde ich den rauen und zum Teil düsteren Klang der Geschichten bezeichnen. Viel Alkohol und (sexuelle & körperliche) Gewalt trugen hier thematisch ihren Teil dazu bei. An manchen Stellen war mir das inhaltlich etwas zu rau - etwas dezenter eingesetzt, wäre mir persönlich lieber gewesen. Auch die Sprache empfand ich erneut etwas "derb", wobei ich manchmal leicht an meine Grenzen stoße. Wenn zu viele vulgäre Ausdrücke in zu kurzer Zeit auftraten, habe ich mich bei "Fay" tatsächlich nicht immer vollkommen wohl gefühlt. Die ausführlichen (Natur-) Beschreibungen haben im Gegenzug wieder dazu geführt, dass ich mir die atmosphärische Umgebung wunderbar bildlich vor Augen führen konnte. Wieder ein tolles Setting! Fay gefiel mir als Protagonistin mit ihrem Facettenreichtum ziemlich gut. Sie lernt sehr schnell neue Menschen kennen und fasst schnell Vertrauen, was manche Leute jedoch ausnutzen. Ich war immer wieder äußerst verwundert über ihre Naivität sowie über ihr mangelndes Wissen vom Leben. Ihre Geschichte habe ich gerne verfolgt. Trotz der Länge von 656 Seiten, ergaben sich für mich erstaunlicherweise keinerlei Längen! Es geschieht relativ viel, wodurch manche Handlungen vielleicht auf den ein oder anderen Leser nicht ganz so realistisch wirken könnten. Doch mich hat das hier nicht wirklich gestört, ich konnte beim Lesen kaum pausieren, da ich immer wissen wollte, wie es mit Fay weiter geht! So flog ich regelrecht durch die Seiten. Das Ende dürfte wieder Geschmackssache sein, passt aber gut zum restlichen Inhalt. Mich hat die Geschichte bewegt und sie konnte bei mir zahlreiche Emotionen hervorrufen. Larry Brown schafft es erneut, dass das Buch noch sehr lange in mir nachklingt... FAZIT: Mir persönlich war das Buch zwar stellenweise thematisch etwas zu rau, und die Sprache manchmal zu vulgär, aber insgesamt ist "Fay" eine bewegende Geschichte, die noch lange nachklingt und die man nicht so schnell vergisst! 4/5 Sterne!

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I am a major fan of Cormac McCarthy, the master of Southern Gothic, and after discovering Kentucky's Chris Offutt, I decided that I finally needed to read Larry Brown, grit lit author extraordinaire from - wait for it! - Oxford, Mississippi, home of William Faulkner. In "Fay", a 17-year-old girl flees from her family, where she suffered neglect, abuse, and poverty, and decides to cross the state of Mississippi in order to get to the coastal town of Biloxi and make a new life for herself. At the start of her journey, Fay has two dollars and a pack of cigarettes to her name, so she has to rely on the kindness of strangers - and not all of them have pure intentions when they encounter a naive young girl who knows almost nothing about the world at the side of the road. But while Fay certainly lacks experience and an education, she is clever and resourceful, so there are quite some men who will soon find out that they are mistaken when they think they can take advantage of or dominate her. At the end, three men and one woman are dead. Brown shines when he describes the rough reality of those who are generally referred to as "white trash": Young, poor women who were exploited and then abandoned; alcoholic mothers trapped in abusive relationships; bouncers and barkeepers in sleazy stripclubs; and again and again alcoholics as well as men and women who have stopped expecting anything from their lives. Although this book clearly isn't a comment on current politics (it was first published in 2010), I couldn't help but wonder whether many of these characters - living by a dog-eat-dog mentality, with no social security, no health care, no child services in sight and no mandatory schooling - would be part of Trump's infamous "base". The fascinating center of the text is clearly Fay who tries to navigate a world that is unknown to her, and as the events that start to unfold during her journey slowly pick up speed, the text gets seriously addictive - this tome is a fast read. It also shows that Brown worked as a firefighter (one of the characters is a highway cop who is again and again called to gruesome accidents where people have died), and that he himself drank a lot and spent quite some time listening to guys hanging out in creepy bars - the characters in this novel feel unsettlingly real. Kudos to Heyne for being the first publisher to put out a German translation of the book 17 years after its initial publication - I'm looking forward to reading more Larry Brown.

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