Leserstimmen zu
Die Goldene Legende

Nadeem Aslam

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fairytale-like

Von: Viola Häuser aus München

06.12.2018

Der Rosenregen, schön, romantisch, bizarr in all dem Elend hat mir sehr gut gefallen. Viele schöne, glitzernde, bizarre Beschreibungen im Lebensdunkel, märchenhaft. Die Insel hat was von Avalon. Lustig ist, das Fra Lippo Lippi gar kein Maler ist, sondern eine Band, im Gegensatz zu Giotto und Fra Angelico, dies laut Wikipedia wirklich gegeben hat. Heisst die Mutter von Imran nun auch Grace (Seite 266)? Auf Seite 150 fehlt Imran ein r, da heißt er Iman wie der muslimische Vorbeter...

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Meine Meinung Der Autor ist neu für mich und ebenso Lektüre aus seinem Geburtsland Pakistan. Das einzige Buch, das ich über Pakistan gelesen habe, ist die Autobiografie von Malala Yousafzai. Danach wollte ich mehr über Pakistan erfahren und landete deshalb bei “Die goldene Legende”. Sehr auffällig und für mich spannend ist, dass der Autor, der schon als Jugendlicher Pakistan verlassen musste und deshalb seit vielen Jahren in London lebt, einen europäischen Schreibstil (angenommen) hat. Erwartet hatte ich eine etwas blumigere Sprache, wie ich es von arabischen und orientalischen Autoren gewohnt bin. Nadeem Aslam hat ein sehr trauriges Buch geschrieben, in dem es kaum Hoffnung für eine bessere Zukunft gibt. Dies ist mein Gefühl, nachdem ich das Buch zugeklappt hatte. All seine unterschiedlichen Charaktere, seien sie Christen, Muslime, Akademiker, Rikschafahrer, Frauen, Männer, Geistliche oder normale Bürger, alle sie leben ein schweres Leben, oftmals in großer Angst und Unterdrückung. Somit stellte sich mir die Frage, ob es wirklich so ist, dass Pakistan auf eine Art und Weise ein verlorenes Land ist? Ein Schwerpunkt der Buches ist die Unterdrückung von Christen durch fanatische Muslime. Natürlich leiden nicht nur sie unter den Fanatikern. Auch normale muslimische Bürger, wie der Imam der Moschee in Nargis Nachbarschaft als auch seine Tochter haben es schwer. Die Fanakatiker haben sich bei ihnen eingenistet und bestimmen ihr Leben. Mir fehlte jedoch dabei insgesamt der etwas ausgleichende Pol des normalen Lebens. Gibt es denn keines? Haben die Fanatiker in Pakistan dermaßen die Oberhand? Falls es so ist, erschreckt es mich, so wenig über dieses Land zu wissen und zu hören. Ein weiterer Punkt ist die Korruption hochrangiger Offiziere und Geheimdienste, das der Autor in seiner Geschichte verarbeitet. Nargis hat das Pech durch den Unfall, der ihren Mann das Leben gekostet hat, mit so einem Offizier in Berührung zu kommen. Fortan muss sie auch Angst um ihr Leben haben, ist auf der Flucht vor ihm und es scheint keinen positiven Ausweg für sie zu geben. Als das Geheimnis der Protagonistin Nargis für mich als Leser gelüftet wurde, war ich überrascht. Damit hatte ich nicht gerechnet. Der Autor bindet dieses Geheimnis und die Auswirkungen dessen sehr gut in seine Geschichte über die Gesellschaft Pakistans ein. Neben Nargis gibt es noch weitere interessante Charaktere, die die Handlung vervollständigen. Einer davon ist Imran (Moskau genannt), ein junger Mann, der aus Kaschmir nach Pakistan geflohen ist und sich nun verstecken muss, da er aus der Organisation, die ihn paramilitärisch ausgebildet, unerlaubt verlassen hat. Sein Schicksal führt ihn zu Nargis und Helen, mit denen er fortan auf der Flucht ist. Leider blieben aber alle Charaktere etwas kalt. Ich interessierte mich für ihr Schicksal, ihr weiteres Leben, doch konnte ich ihnen nicht nah genug kommen. Ich fand keine richtige Sympathie ihnen gegenüber. Je mehr man im Buch vorankommt, umso größer werden die Punkte, die der Autor in seinem Buch anschneidet und verarbeitet. Neben dem schweren Leben der Christen, den fanatischen Muslimen, den Selbstmordattentaten kommen der Kaschmir-Konflikt hinzu, Drohnenkriege der USA, Korruption der Geheimdienste als auch die Anwendung der Scharia in Pakistan. Dadurch fühlte sich für mich die Geschichte etwas überladen an. Manchmal ist weniger mehr. Fazit Der Autor konnte durch sein Buch mein allgemeines Interesse für Pakistan, wie auch für Kaschmir, wecken. Ich habe es sehr gerne gelesen, hatte aber gem. dem Klappentext eine etwas andere Geschichte erwartet. Eine, die sich intensiver mit dem Geheimnis von Nargis befasst und auch den “Verkünder der Geheimnisse” entlarvt. Diese sind lediglich Mittel zum Zweck, nämlich, Pakistans Geschichte und Gesellschaft dem Leser näherzubringen. Nichtsdestotrotz werde mich nun intensiver mit der Geschichte Pakistans uns Kaschmirs befassen und nach weiterer Lektüre suchen. Ein gutes Buch, für das ich 3,5 Sterne vergebe, es mir aber etwas anders gewünscht hätte.

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LEST.DIESES.BUCH. »So eine Stimme mag leise erscheinen neben dem Gebrüll der Fanatiker. ... Umso wichtiger, dass wir seiner Stimme zuhören und nicht dem Geschrei der Extremisten.« (FAZ Frankfurter Allgemeine, Cindy Riechau) Klappentext In dem Moment, als auf der Grand Trunk Road Schüsse zu hören sind, beginnt Nargis' Leben zu zerbrechen. Ihr Ehemann gelangt versehentlich ins Kreuzfeuer und stirbt, bevor sie ihm die Wahrheit über ihre Vergangenheit beichten kann. Schon seit Längerem fürchtet sie, dass diese bald ans Licht kommen wird: Ein Unbekannter verkündet regelmäßig Geheimnisse der Anwohner vom Minarett der örtlichen Moscheen und versetzt damit Muslime und Christen gleichermaßen in Angst. Als die Lautsprecher die verbotene Liaison ihres Nachbarn mit der Tochter des muslimischen Geistlichen aufdecken, sind die Einschläge so nah, dass Nargis handeln muss ... In der für ihn typischen leuchtenden Prosa erzählt Nadeem Aslam eine Geschichte über Fanatismus, Widerstandsvermögen und die Lügen, die manchmal nötig sind, um zu überleben. Ein mutiger, zeitgemäßer und schmerzlich schöner Roman, in dem sich Pakistans Vergangenheit und Gegenwart spiegeln. »Einer der ganz großen Romane der letzten Jahre, einfach weil er unbeschreiblich gut erzählt ist, weil er eine packende, emotionale, politisch wichtige, aufklärende, sinnvolle und wundervolle Geschichte erzählt, die unfassbar schön und extrem traurig zugleich ist, weil er zeigt, was literarisch möglich ist, wenn man aufs Ganze geht, ohne sich von der Mode leiten zu lassen.« (sandammeer.at, Roland Freisitzer) Die Figuren Zuallererst möchte ich auf Nargis eingehen. Diese bewundernswerte Frau wollte ich am liebsten ganz doll in den Arm nehmen. Den gesamten Roman über beweist Sie solch eine unglaubliche Stärke, obwohl Sie wohl mehrmals beinahe in die Knie gezwungen wurde. Sie genießt in Ihrer Stadt ein sehr hohes Ansehen - gemeinsam mit Ihrem Mann Masud besitzt Sie eine höhere Stellung und gehört zur gehobeneren Gesellschaft.Nach dem Tod Ihres Mannes lüftet sich nach und nach das Geheimnis, welches Sie jahrelang mit sich herumtrug. Helen ist die Tochter des Christen Lili, ein damaliger Angestellter von Nargis und Masud. Für sie ist Helen wie eine eigene Tochter und sie finanzierten Ihr eine Ausbildung.Sie verströmt in dem gesamten Buch eine unwahrscheinlich große Hoffnung, die ich beinahe greifen konnte. Sie war für mich die gesamte Zeit ein Mensch, dem ich gerne helfen würde. Imran wurde ebenfalls schon in frühster Kindheit von Ereignissen geprägt. Er wuchs in Kaschmir auf und erlebte mit, wie all seine Verwandten von indischen Soldaten verschleppt wurden. Er beschließt, sich in einem Lager ausbilden zu lassen. Als er aber bermerkt, was für einer Gruppierung er sich angeschlossen hat, flieht er und lebt seitdem in Zamana. Der Tod von Masud bringt Nargis und Helen mit Imran zusammen. Meine Meinung Das Buch ist aus der Perspektive der drei Protagonisten geschrieben. Der Wechsel ist sehr angenehm und wir erfahren auch in Rückblenden der Vergangenheit immer wieder einiges mehr über Nargis, Helen und Imran. Jedoch befinden wir uns in der Geschichte in der Gegenwart. Der Wechsel ist für mich keineswegs unklar oder schwierig gewesen - tat meinem Lesefluss überhaupt keinen Abbruch. Der Autor hat eine wundervolle Art Dinge, Personen und Orte zu beschreiben. Trotz der durchgehend emotional brutalen Handlung, hat er damit geschafft, mich komplett einzunehmen. Die erste Zeit habe fast jede Seite mit meinen bunten post-its verziert, um mir einige Abschnitte und besondere Sätze nochmals durchzulesen. Das Buch erläutert ganz klar, welche Konflikte zwischen den Christen und Muslimen in Pakistan herrschen - unter welchen Bedingungen Menschen unter fanatisch, religösen Gläubigen leben müssen. Es gab so viele Situationen in dieser Erzählung, in der es mir eiskalt den Rücken runterlief. Nadeem Aslam hat einen unglaublich nahen - packenden - Schreibstil. Das gesamte Buch ist unglaublich eindrucksvoll geschrieben. Es beschönigt nichts - denn leider ist das alles grausame Realität und für so viele Menschen Alltag. Somit ist das kein Buch, was man schnell mal liest und dann wieder vergisst. Alles daran ist so unglaublich präsent. Wir Menschen sind brutal - wir denken in Schubladen und verurteilen Menschen aufgrund Ihrer Religion und Herkunft. Wenn wir doch endlich unsere Fehden beseitigen könnten, würde das Leid dieser Welt verringert werden. Fazit LEST.DIESES.BUCH. Auch wenn es keine einfache Lektüre ist, ist die Geschichte stets präsent und wichtig. Für jeden von uns. Ich fand es sehr bereichernd, denn es hat mir etwas gegeben, was ich so noch nie gelesen habe. Nadeem Aslam ist ein Autor, den ich definitiv weiter verfolgen werde. Seine vorherigen Werke befinden sich nun auf meiner Wunschliste :) Ich danke dem Bloggerportal, randomhouse und dem Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares. Dieses Buch hat mich unglaublich berührt.

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Dass Religionen, besonders in ihrer Diversität und Vielzahl, schon immer zu grauenvollen Kriegen geführt haben, ist wahrscheinlich jedem bekannt. Doch wie fühlt es sich an, in einem Land zu leben, das gegen die eigene Religion vorgeht? Kann man sich je sicher fühlen? Die goldene Legende ist ein Buch, das sich genau mit dieser Frage auseinander setzt. Wie geht es Christen in Pakistan? Obwohl diese Frage recht abstrakt klingen mag, schafft es Nadeem Aslam dem Leser genau davon einen Eindruck zu verschaffen und das so authentisch, dass ich mehr als einmal schwer Luft holen musste. Was diesen Roman so kraftvoll macht, ist der persönliche Bezug, den der Autor zu dieser Problematik hat und ihn auch in jedem Satz mitschwingen lässt. Umso beeindruckender wirkt es auf den Leser, dass er keine Religion verurteilt, sondern besonders die Menschen herausfordert, die aus ihr eine Waffe kreieren. Der Grund, warum ich nicht völlig überzeugt von diesem Werk bin, ist Nadeem Aslams Schreibstil. Er versucht einigen Aspekten möglichst viel Überzeugungskraft einzuflößen und beschreibt diese zermarternd genau und exzessiv. Dies hat, mit persönlich, etwas den Lesefluss, wie auch die Emotionen, genommen. Dennoch ist es nicht zu leugnen, dass der Autor mit Die goldene Legende ein Werk schafft, das zum Denken anregt und uns so viele Fragen stellt: Ist es die Religion Wert, dass wir zu Unmenschen werden?

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Ich wollte dieses Buch unbedingt lesen. Und das nicht, weil ich mich selber viel mit Religionen auseinandersetze. Eher im Gegenteil. Und doch finde ich es immer wieder höchst dramatisch, wie man sich über ein Thema bekämpfen kann, das uns doch eigentlich eher zusammenbringen sollte. Sollte der Glaube an Gott, Allah oder wie er auch genannt werden möchte uns nicht eher zusammenbringen als uns zu entzweien? In „Die goldene Legende“ erfahren wir schonungslos und brutal, wie Christen in Pakistan behandelt werden. Nadeem Aslan erzählt die Geschichte von Helen, Nargis und Imran. Dabei sind die Charaktere schon eher etwas distanziert gezeichnet und dennoch geht die Geschichte einem unter die Haut. Denn so geschieht es tagtäglich und ich selber bin schockiert über soviel Brutalität. Ich könnte mich hier jetzt breit und lang darüber auslassen, warum ich persönlich die Religionen als „Kriegsgrund“ schwachsinnig finde, aber ich denke, das ist ein anderes Thema. Es schmerzt einfach zu lesen, wie andere Menschen aufgrund ihres Glaubens verfolgt und gequält werden. Natürlich ist das Buch jetzt wahnsinnig spannend. An manchen Stellen ist es durchaus auch etwas langatmig. Nadeem Aslan erzählt an manchen Stellen sehr detailreich und dann wieder etwas schneller und nicht so tiefgründig. Der Schreibstil ist bildhaft und man ist mittendrin im Land. Er nimmt uns mit auf eine Reise und ich bin so froh dieses Buch gelesen zu haben. Brutal und schonungslos erzählt Nadeem Aslan über die Verfolgung der Christen in Pakistan. Es ist dramatisch, weil es real ist. Dennoch waren mir manche Stellen zu detailreich und dadurch etwas langatmig. 4 von 5 Punkten

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Nadeem Aslams neuester Roman „Die goldene Legende“ ist vor allem eins: ein trauriger Roman. Ich las vor einigen Jahren Aslams „Der Garten des Blinden“, ein Buch, dass in einer recht blumigen Sprache und sehr metaphernreich die Geschichte einiger Menschen in Pakistan und Afghanistan nach den Anschlägen vom 11. September beschreibt, Menschen zwischen Fanatismus und Aufgeklärtheit, in einer aufgeheizten Stimmung, in der zwangsläufig einige zwischen die Fronten geraten. Seinem Thema bleibt Aslam in seinem neuem Roman treu: Wieder stehen sich radikale und gemäßigte Religiöse gegenüber, wobei diesmal auch die christliche Minderheit eine große Rolle spielt. „Die goldene Legende“ ist nicht ganz so harte Kost wie der Vorgängerroman, dessen Lektüre ich als schmerzhaft in Erinnerung habe. Aber es ist eine traurige Geschichte, traurig und doch schön. Hauptfiguren sind Nargis, die ganz zu Beginn der Geschichte ihren geliebten Ehemann Massud verliert und ihre junge Nachbarin Helen, Tochter eines christlichen Ehepaars. Helen ist Halbwaise, ihre Mutter Grace starb durch die Hand eines Muslims, doch da Grace Christin war, zählt diese Tat weniger als wenn sie eine Muslima gewesen wäre – wenn auch nicht offiziell. Helens Vater Lily ist ein Rikschafahrer. Er, Helen und Grace wurden ihr Leben lang schlecht behandelt: Als Angehörige der christlichen Minderheit in Pakistan galten sie als unrein und sowieso als Ungläubige. Nargis und Massud aber waren ihnen stets freundschaftlich verbunden. Aslam erzählt in seinem Roman die ineinander verschlungenen Geschichten seiner Figuren: So trägt Nargis ein Geheimnis mit sich herum, das sie seit vielen Jahren mit Massud teilen wollte, bis es nun zu spät dafür ist. Seit einiger Zeit verrät ein Unbekannter vom Dach der nahe gelegenen Moschee aus Geheimnisse der Menschen aus dem Viertel, was oft weitreichende und gefährliche Konsequenzen für sie hat. Nargis befürchtet, dass auch ihr so gut gehütetes Geheimnis bald öffentlich verkündet werden könnte. Gleichzeitig sieht sie sich mit verschiedenen Interessen konfrontiert, nachdem Massud zu Beginn des Romans in einer Schießerei von einem amerikanischen Diplomat getötet wird: Sie soll ihm verzeihen, so versucht man sie zu zwingen, auf diese Weise könne er in die USA zurückgehen, im Gegenzug verspricht man sich gewisse Zugeständnisse von amerikanischer Seite. Auf höherer Ebene, versteht sich. Das Gesetz Allahs, die Scharia, stehe über dem Gesetz der Menschen: Wenn also Nargis und die Hinterbliebenen der anderen Opfer des Amerikaners ihm verzeihen, wird dieser sich keinem Prozess unterziehen müssen und sich auf andere Weise erkenntlich zeigen. Gleichzeitig spitzt sich die Situation zu, als der Unbekannte etwas über Helens Vater Lily preisgibt und beide nicht mehr sicher sind. Hier kommt dann der junge Imran ins Spiel, der einst in Kaschmir gekämpft hat, sich dann aber von seinen Mitstreitern losgesagt hat und nach Pakistan floh. Nadeem Aslam gelingt es ganz wunderbar, seine verschachtelte Geschichte behutsam vor dem Leser auszubreiten, er nimmt sich Zeit dafür, sie Gestalt werden zu lassen, so dass man als Leser langsam eintaucht in diese raue, gefährliche Welt, in der sich seine Figuren bewegen. Dabei sind diese Figuren eindeutig so angelegt, dass man sich als Leser mit ihnen identifizieren soll, sie verkörpern allesamt die Vernunft und ein bisschen auch eine Gelassenheit gegenüber all dem Schlimmen, dem sie ausgesetzt sind. Ein Glaube an das Gute? Fatalismus? Wer weiß. Vielleicht sind sie so teilweise ein wenig einseitig geraten, vielleicht kann man sie in ihrem Mut und ihrer Furchtlosigkeit aber auch als das Ideal verstehen, das gegenüber all dem Fanatismus und der Gewalt vonnöten wäre, wollte man versuchen, beidem die Stirn zu bieten. Nargis, Helen und Imran verkörpern ein Stück Hoffnung, ohne die „Die goldene Legende“ nicht nur traurig, sondern niederschmetternd wäre. Aslam zeigt ein differenziertes Bild des Islam. „Die goldene Legende“ ist zu keiner Zeit ein Buch, das sich gegen Religionen positioniert, es ist jedoch stets ein Roman, der sich gegen jede Form von Fanatismus, von Ausgrenzung und Intoleranz stellt. Dabei fehlt ihm jeder dozierende Anstrich, vielmehr zeigt Aslam schlicht und einfach, wie es ist oder sein könnte und was passieren könnte, wenn die Entwicklung auf diesem Weg weitergeht. Die Sprache des Autors ist weniger blumig, als es in „Der Garten des Blinden“ der Fall war, aber auch hier finden sich wohldosiert Metaphern und Bilder, die der Geschichte in all ihrer Trauer Schönheit verleihen, vielleicht sogar ein bisschen Hoffnung. So lässt sich „Die goldene Legende“ auch als Plädoyer für Toleranz und Offenheit lesen.

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Klappentext Vor dem Hintergrund der religiösen Konflikte in Pakistan erzählt Nadeem Aslam die Geschichte der jungen Christin Helen und ihrer Ziehmutter Nargis, die gerade ihren geliebten Mann verloren hat. Als die Auseinandersetzungen bürgerkriegsähnliche Zustände annehmen, müssen sie ihr Leben Imran anvertrauen, einem Fremden, der selbst auf der Flucht ist. Meinung Nadeem Aslam entführt uns ins Pakistan der heutigen Zeit und zeigt uns ungeschont zu was Menschen in der Lage sind. „Die goldene Legende“ ist ein schockierendes Buch über religiöse Konflikte, denn Pakistan ist gespalten zwischen dem Islam und dem Christentum. Für mich war dieser Blick in eine mir unbekannte Welt sehr befremdlich, was aber nichts mit Religion oder Glauben zu tun hatte. Nein, es war die brutale Art und Weise, wie Menschen miteinander umgehen, weil sie andere Denkweisen haben. Das schockierendste daran war und ist noch immer, dass dies harte Realität ist. Daher habe ich mir für dieses Buch auch viel Zeit genommen. Die Brutalität und Grausamkeit der Geschichte war allgegenwärtig. Durch die fantastische Sprachgewalt und den wunderschönen Erzählstil von Nadeem Aslam wurden die grausamen Details ein wenig erträglicher. Der Autor beschreibt die Protagonisten aus der Ferne, aber mit so unglaublich viel Feingefühl, dass ich allen Personen sehr nahe kommen konnte. Mit jedem einzelnen habe ich mitgefühlt, geträumt, war mit ihnen auf der Flucht und habe mich gefürchtet und ja, ich habe mich auch mit ihnen gefreut. ⟫ Klagen waren so alt wie Liebesgedichte. Sie sind Liebesgedichte. Für die von uns Gegangenen, die wir nie wiedersehen, für die verbrannten Städte. ⟪ (Zitat S. 39) Ich finde, dass Religion und Glaube ein schwieriges Thema ist. Nadeem Aslam hat in „Die goldene Legende“ eine perfekte Gratwanderung zwischen den verschiedenen Themengebieten gefunden - Grausamkeit, Religion, Glauben, Zusammenhalt, Freundschaft, Tod. Fazit Ein brutaler Roman über religiöse Konflikte im heutigen Pakistan. Liebevoll gestaltete Figuren, die sich nicht unterkriegen lassen. Wunderschöne Sprachgewalt. „Die goldene Legende“ verdient volle fünf Sterne! Weitere Informationen Gebundene Ausgabe Originaltitel: The Golden Legend Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt Deutsche Erstausgabe: 04. September 2017 Preis: 25,00€ Seiten: 410 ISBN: 978-3-421-04755-7 Vielen herzlichen Dank an das Bloggerportal und dem DVA für das Rezensionsexemplar! :)

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Nargis und ihr Mann Massud sind in ihrer Stadt angesehene Architekten. Sie haben ein schönes Haus, viel Geld und beruflichen Erfolg. Doch ein mysteriöser Unbekannter aus ihrer Nachbarschaft verkündet die Geheimnisse der Bewohner und bald muss auch Nagris alles hinter sich lassen, um den Menschen, die ihrer Familie am nähsten sind, zu helfen und somit vielleicht auch selbst aus dem Visier des Unbekannten zu entkommen. Denn auch Nagris hat ein Geheimnis, das in Pakistan, ein Land, das vorwiegend von Moslems besiedelt wird, einem Menschen das Leben kosten kann. Wie bereits erwähnt spielt das Buch in Pakistan, so circa in der heutigen Zeit. Die Umstände, die in dem Buch beschrieben werde, haben beim Lesen sehr viel Eindruck hinterlassen und auch viel zum Nachdenken angeregt. Vor allem die Unterdrückung der christlichen Bevölkerung wird dabei betont und interessant ausgearbeitet. Doch so interessant das Buch in dieser Hinsicht war, umso langweiliger war es leider in der Umsetzung. Man kann sich nicht so einfach an den Schreibstil des Autors gewöhnen und teilweise beschreibt er die Dinge schonungslos detailreich, teilweise aber auch sehr kurz und knapp, was dann aber die Stellen sind, die spannend sein könnten. Ich hatte mir von dem Buch und auch von dem Titel „Die goldene Legende“ mehr erwartet, als ich dann im Endeffekt bekommen habe. Doch ich finde das Cover mit den Vögeln wirklich hübsch!

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